Rommelfangen, Chefredakteur der Abendglocke.“

Als hätte der Wisch, den er in Händen hielt, die Luft um Fenn verpestet,

riß dieser alle Fenster auf und ließ die abendliche Kühle hereinströmen.

Indes, er kam nicht zur Ruhe, er mußte ausschreiten. Er ging zum Dorf

hinaus, jener Höhe am Waldessaum zu, wo er schon einmal in schwerem Harm

gestanden hatte. Aus einem Wirtshaus, wo man ihn hatte vorbeigehen

sehen, brüllten sie ihm ein Hoch auf Peppinger nach. Er glaubte, die

heisere Stimme des Ruß und die krähende des kleinen Fritt herauszuhören.

Lautes Gelächter und Gläserklirren folgte dem Geschrei.

Fenn lehnte wieder an dem hohen Kirschbaum und sah wieder das Tal in

weichen Umrissen hinausdämmern. Er stand, die Lippen fest

zusammengepreßt, die Brauen in tiefen Falten, die Arme verschränkt. Und

er prüfte sich auf Herz und Nieren, ob er in all der schweren Zeit, die

er hinter sich hatte, sich einmal untreu geworden sei, ob er das Recht

verwirkt habe, selbstherrlich über sich zu entscheiden. Nein, sein Weg

war gerade gewesen und lag im hellen Tag. Er war keiner Mühsal

ausgewichen. Aber jetzt war er am Ende seiner Kraft. Wie damals der arme

Putty Heinen, so schlang er jetzt die Arme um den rauhen Baumstamm und

begann zu weinen. Er weinte wirklich, der starke Fenn Kaß. Er versuchte

zu beten. Er stellte sich den Gott vor, zu dem er beten wollte, und je

länger er an ihn dachte, desto klarer wurde ihm, daß dieser Gott nicht

das von ihm wollen konnte, was die Menschen von ihm verlangten. Dann

zweifelte er wieder an sich: „Ich mache mir den Gott zurecht, den ich

brauche, um mich zu rechtfertigen.“ Und er grübelte weiter auf dieser

Spur: „Haben denn das nicht alle Gottsucher getan? Den Gott in ihrer

Seele werden lassen, dessen ihre Seele bedurfte?“

So kam er nicht zur Ruhe. Er dachte an seine Mutter und ging nach Haus.

„Mutter, ich habe dir etwas zu sagen.“

Die alte Frau erschrak bis in den Hals. Sie dachte an die häßliche

Verleumdung, die ihr Marjänni hinterbracht hatte. Mit schlotternden

Knien ging sie zu ihm in sein Zimmer.

„Mutter, glaubst du, daß ich dir alles zulieb tue, dessen ich fähig

bin?“

„Ja Fenn, warum fragst du?“

„Damit du nicht denken sollst, wenn ich dir jetzt einen Schmerz bereite,

daß es mir möglich gewesen wäre, anders zu handeln.“

„Du mußt alles frei heraussagen, Fenn. Wir zwei haben uns ja doch immer

gleich verstanden.“

„Erinnerst du dich, Mutter, wie ich dir damals sagte, warum ich

Geistlicher werden wollte?“

„Ja, du sagtest, glaube ich, du müßtest viele haben, denen du Gutes tun

kannst, und die dich lieb haben.“

„Glaubst du, Mutter, daß es so geworden ist, wie ich es mir damals

dachte?“

Sie sah lange schweigend unter sich und sagte dann hart: „Nein, Fenn, es

ist nicht so geworden.“

„Und glaubst du, ich habe lange und ehrlich genug versucht, ob es doch

noch so werden könnte?“

Jetzt wußte sie, wo die Schatten in seinen Augenhöhlen herkamen. Und sie

wußte auch, besser als er selber, daß sein Mühen vergebens war und

vergebens bleiben würde. Sie wußte, wie die kleine bucklige Gehässigkeit

ihn seit damals weiter und boshafter umrankte, wie jeder seiner Schritte

mißdeutet wurde, und daß er nicht die Hornhaut ums Herz hatte, die ihn

gegen solche Verletzungen unempfindlich gemacht hätte. Ja, wenn er sich

nicht aus freien Stücken zum Diener derer gemacht hätte, die jetzt nach

seinem Herzen zielten! Aber jetzt! Jetzt wollte er sich frei machen.

Jetzt kam er und fragte sie, seine Mutter, ob er ihr ihren alten,

heitern, klaräugigen Fenn wiederschenken dürfte!

Es stieg ihr beklemmend in die Kehle und heiß in die Augen, und sie

sagte: „Du dummer Bub! Meinst du denn, ich habe nicht schon lange

gemerkt, daß du in die Irre gehst!“

Fenn Kaß · 第 19 / 23 题