Der alte Wöllem kroch früh morgens um drei aus dem Strohhaufen, den er
sich in einer Ecke des Pferdestalls zum Nachtlager ausersehen hatte. Er
tastete sich bis an die Stelle, wo an der Mauer die viereckige Laterne
hing, klaubte aus der Westentasche ein Schwefelholz und zündete die
Ölfunsel an. Dann dehnte und reckte er sich in seiner ganzen Länge,
streckte den rechten Arm nach oben und den linken Arm nach unten aus,
kratzte sich gähnend mit beiden Händen den struppigen Kopf und stopfte
sich unter allerhand Morgengeräuschen eine Pfeife. Ein paarmal noch
mußte er beim Gähnen den Stummel aus dem Munde nehmen, dann war die
Maschine in Schwung, Wöllem ging an seine Arbeit. Er war ein
knochengewaltiger, schiefbeiniger Hüne, mit den dummen, treuen Augen
eines satten Stiers. Haare und Bart waren kurz und dicht, zottig und
mißfarben wie das Winterfell eines Tieres im Wald.
„Hü! Charlotte!“
Wöllem ließ klatschend seine Riesenhand auf die breite Kruppe eines
Apfelschimmels fallen, der mit eingeknicktem Hinterfuß in Morgenträumen
versunken stand. Dumpfes Rasseln einer Kette am Holztrog gab Antwort.
Wöllem hängte die Laterne an einen Pfosten und begann mit der
Morgentoilette des Schimmels. Ab und zu gab er ihm einen wohlwollenden
Klaps, oder sagte, mild verweisend: „Steh, Luder! – Hömm, Tockkapp!“
Wöllem war nicht der Mann der extremen Gemütsbewegungen. Der Strom aus
seiner Gehirnzentrale brachte auf dem Weg durch die Nervenstränge nie
die Sicherungen zum Schmelzen, und nie züngelte bei ihm die Flamme des
Affektes auf.
Einmal nur war Wöllem furchtbar geworden. In seiner Jugend war er, wie
so viele seiner Landsleute, in Paris Kutscher gewesen und hatte sich ein
Weib genommen, eine Pariser Kammerjungfer, ein leckeres kleines Ding mit
warmen Sammetaugen. Eines Tages wurde er krank und lag sechs Wochen lang
im Spital. Als er herauskam, war ihm das leckere kleine Ding mit einem
Holzbildhauer aus dem Quartier St. Antoine und mit seinen ganzen
Ersparnissen durchgegangen. Wöllem saß einen Tag und eine Nacht in der
leeren Wohnung und wartete, daß sein Weib heimkäme. Bis ihm die Frau des
Concierge die Wahrheit sagte. Da hatte er alle Möbel in der Wohnung kurz
und klein geschlagen, war zum Mastroquet an der nächsten Straßenecke
gegangen, hatte sich unmenschlich besoffen und spät abends alle Gäste
einen nach dem andern durchs Fenster auf die Straße geworfen, den Wirt
zuletzt. Dann hatte er sich, weinend wie ein Kind, von der Polizei
abführen lassen. Seither war Wöllem ein ruhiger Sonderling und
Weiberhasser. Und das einzige, was ihm an seinem Liebling, der
Schimmelstute, nicht imponierte, war der dumme Weibername.
Jetzt zog Wöllem den Leiterwagen, der für die Fahrt auf der Tenne bereit
stand, auf den Hof hinaus. „Mhm!“ machte er verwundert, als er wahrnahm,
daß der Bauer im ersten Stock auch schon Licht hatte.
Er schöpfte aus dem steinernen Viehtrog neben dem Ziehbrunnen beide
Hände voll Wasser, fuhr sich damit prustend ein paarmal übers Gesicht,
prustete wieder, schneuzte sich in die Finger und überließ es der
Morgenluft, sein nasses Gesicht zu trocknen.
Während er die Charlotte in die Deichsel schirrte, kamen von fern
hallende Schritte durch die Morgenstille. Das Schneiderhinchen war’s mit
Putty, beide fröstelnd, die Kragen hoch, die Hände bis an die Ellenbogen
in den Taschen vergraben.
Der Schneider machte sich herablassend an Wöllem heran. Dabei suchte er
durch heftiges Räuspern seiner Stimme einen tiefen Klang zu verleihen,
um gegen den Brummbaß des Alten nicht gar zu sehr abzustechen. „Ein
schönes Tier,“ sagte er und ging sachverständig um die Charlotte herum.
„Ein prächtiges Tier.“
Die Charlotte widmete dem Schneider einen teilnahmlosen Blick. Er war
aber auch ein zu unansehnliches Männlein, mit seinem speckweißen
Nußknackergesicht. Die spärlichen gelben Schnurrbarthärchen schienen
eins nach dem andern in die Haut gesteckt. Wöllem brummte etwas in den
Bart und humpelte an die andere Seite des Wagens. Der Schneider ihm
nach: „Ja, ja, Lampesch Fiß muß immer die schönsten und mutwilligsten
Pferde im Dorf haben!“
Wöllem knurrte etwas lauter und stieß der Charlotte die Kandare ins
Maul. Dann kleidete er seine Verachtung in Worte: „Wat verstäht e
Schneider vun de Pärd?“ Und was ihm wohl das Hinchen herausgibt für
jedes Jahr, das die Charlotte mehr als 25 ist? Und ob er meint, die
wackelt auch nur mit den Ohren, wenn man ihr einen Topf voll Mostrich
mit Pfeffer unter den Schwanz schmiert?
Eine so lange Rede hatte Wöllem seit Jahr und Tag nicht mehr gehalten.
Sein Redebedarf war damit für die nächsten Stunden gedeckt. Jetzt kam
auch Fenn mit seiner Mutter. Schneiderhinchen sagte ihnen guten Morgen
und fand es rücksichtslos, daß der Lampert immer noch nicht
heruntergekommen war. Es dauerte übrigens nicht lange, da ging die
Haustür auf, und Lampesch Fiß rief über den Hof, noch heiserer, als
gewöhnlich: „Wöllem, sin se do?“
„Jo, hei si’ mer!“ antwortete eilfertig der Schneider. Und zu Frau Kaß
und Fenn gewandt, halblaut: „Kommt, e’ muß eng Dröppchen zum beschte
gin.“
„Nä, bleiw eweg, Fenn,“ wehrte die Frau. Sie wollte sich wohl von dem
Bauer fahren lassen, weil es nicht anders ging, aber Speise und Trank
von ihm annehmen oder gar aufdringlich scheinen, das widerstrebte ihrem
Stolz und Feingefühl. Sie wollte ihm nicht mehr zu danken haben, als
unbedingt nötig war.
Der Schneider mußte mit dem Bauer tatsächlich einen furchtbar starken
Schnaps und noch einen trinken, und als man schließlich aufbrach, bekam
er eine halbe Stunde den Mund nicht mehr zu.
Vorn, hinterm Pferd, saß Wöllem auf der Deichsel, ließ die Beine mit
übereinandergelegten Füßen seitwärts herunterbaumeln und hielt die Enden
der Zügelleine im Schoß. Zwischen den Wagenleitern standen die drei
Koffer, die die Habseligkeiten der angehenden Pennäler bargen: vorn der
des jungen Lampert, ein altes Familienstück mit Fellstreifen benagelt,
hinten der Koffer Fenns, vom Schreiner neu gefertigt und schwarz
lackiert, in der Mitte Puttys Bundeslade, in strahlendem Himmelblau. Auf
jedem Koffer saßen die zugehörigen Passagiere.
So polterte der Wagen durch die dämmerstillen Straßen, an der Auberge
vorbei, wo im Dunkel die beiden weißen Porzellantöpfe vom Fenster her
schimmerten und die Silberpappeln um das Altarkreuz eine gespensterhafte
Schattenmasse bildeten. Alles schlief noch, nur da und dort hinter einem
Fenster oder einer Stalluke bewegte sich der träge Flügelschlag eines
schwachen Lichtscheins. Aus den Misthaufen dampfte es weißgrau. Und vorn
rechts im Osten kündete ein bleifarbener Horizont den kommenden Tag.
Schläfrig zog die Charlotte den schweren Wagen über die Straße. Wo es
bergauf ging, ließ sich Wöllem von seinem Sitz heruntergleiten und
trabte schwerfällig neben dem Schimmel her. Großer Ahnungen voll saßen
oben die drei Knaben. Das war nun die Straße, über die sie so oft ihre
Gedanken nach der Stadt geschickt hatten. Für ihre Dorfbubenphantasie
war „die Stadt“ der Brennpunkt alles gesteigerten Lebens: Straßen, in
denen immerfort Menschen gingen, Kutschen, Schaufenster mit tausend
Dingen, deren Bestimmung sie nicht kannten. Und das „Athenäum“ mit dem
großen braunen Tor und der kleinen Nebentür, der einzigen in der ganzen
Stadt, an der keine Klingel, sondern noch der uralte Türklopfer hing.
Als sie das letzte Mal mit der Muttergottesprozession in der Stadt waren
und schon wußten, daß sie nächsten Herbst selber „Student“ werden
sollten, da hatten sie mit großen Augen und offenem Mund vor dem Hoftor
gestanden, bei dem das Pennälervolk lärmend hinein- und herausgeströmt
war. Fenn erinnerte sich genau eines hochgeschossenen, fahlen Buben, der
einen Kneifer trug mit einer dicken, schwarzen Schnur, die übers rechte
Ohr gehängt war. Der war vor den drei Gaffern stehen geblieben und hatte
eine fürchterliche Grimasse geschnitten. Es war zu einem Auflauf mit
Indianergeheul gekommen, und Fenn biß noch jetzt, bei der Erinnerung
daran, die Zähne zusammen und ballte die Fäuste.
„Hüh! Charlotte!“ – sagte Wöllem manchmal aus seinem Morgenhalbschlaf
heraus. Der Schneider erzählte merkwürdige Ereignisse aus dem Leben
seines Sohnes, Ereignisse, die Puttys Intelligenz in das hellste Licht
rückten. Auch manche spaßhaften Anekdoten. Der Bub schämte sich. Nicht
so sehr, weil mit seinen Gaben geprotzt wurde, wie deshalb, weil er von
seiner Mutter wußte, daß das meiste erfunden war, und er auch schon ein
paarmal im Dorf Erwachsene unter sich wie etwas Selbstverständliches
hatte erwähnen hören, der Schneider lüge das Blaue vom Himmel herunter.
Aber er wagte kein Dreinreden und war froh, als sein Vater schließlich
vom ungewohnten Birnenschnaps übermannt in sich zusammensank und mit dem
Kinn auf der Brust im Sitzen einschlummerte. Der alte Lampert stierte,
die krumme Pfeife in den Mundwinkel gehängt, stumpfsinnig vor sich hin.
Fritz unterhielt sich mit Putty über die Zukunft. Beide hatten vom Leben
im bischöflichen Konvikt, in dem sie unterkommen sollten, mancherlei
gehört, sie erwogen allerhand Möglichkeiten, z. B. wenn so’n Stadtfrack
sie über die Achsel ansähe oder ihnen gar frech käme. Fritz sagte, er
werde ihn in die Fresse hauen, Putty wußte vernichtende Antworten, mit
denen er die Frechlinge zu Boden schmettern würde.
Frau Kaß saß in sich geduckt mit ihrem Einzigen zu hinterst im Wagen und
erwog im Morgendämmer mit ihm flüsternd, was nun in naher und ferner
Zukunft werden sollte. „Laß die beiden andern ihre Wege gehen, halt dich
abseits,“ sagte sie leise und stieß ihn mit schlau warnendem
Augenzwinkern an. „Was hast du mit dem Bauer und mit dem Schneider zu
schaffen?“
„Ich weiß was ich tue,“ sagte er zweideutig, und dachte bei sich, die
Mutter kennt sich in Männerangelegenheiten nicht aus.
Und dann sprachen sie über den Vater, daß seine Gesundheit nicht die
beste sei, daß die Mutter zum Frühjahr jemand auf eine Zeitlang in
Tagelohn würde nehmen müssen, um die paar Äcker zu bestellen, die ihnen
gehörten. Und Fenn sprach von der Zeit, wo er Kaplan wäre und die
Mutter, wenn sie allein geblieben wäre, zu sich nehmen würde. Dann wurde
es auch zwischen ihnen eine Zeitlang still. Bis sie ihm auf den Höhen
bei Alzingen die Geschichte erzählte von dem letzten Mann, der droben
auf dem Galgenberg gehängt worden sein sollte.
* * * * *
Es ging auf halb sieben, als sie hinter Hesperingen vom Hochwald aus die
Stadt erblickten. „Da seht, Jungens,“ sagte der Bauer lässig und deutete
mit der Pfeife hinaus, „da liegt euer Käfig.“
Drei Bubenhälse reckten sich. Man sah die breite, fensterreiche Front
und das spitze Türmchen des Konvikts weit drüben, hinter dem Qualm des
Bahnhofs, aus dem Morgennebel ragen.
Die Charlotte setzte sich bergab in einen schläfrigen Trab. Das
Achtergeschirr hopste auf ihrem breiten Hinterteil hin und her. Wöllem
hopste auf seinem unbequemen Sitz im Takte mit, und wer oben auf dem
Wagen zu sprechen versuchte, dem sprangen von dem heftigen Schütteln des
Wagens die Worte wie Scherben über die Lippen.
In der Stadt war noch alles still, am Bahnhof, auf der schmalen, hohen
Brücke, in der Maria-Theresienstraße, durch die sie fuhren, an der alten
Kaserne und dem Spritzenhaus vorbei, nur ein fröstelndes Milchweib lief
mit zwei Blechkrügen von Tür zu Tür, und ein Hund durchschnupperte
geschäftig die Müllkasten. Der Bauer schickte Wöllem zum Konvikt voraus
und lud die Gesellschaft auf eine Tasse Kaffee in den Goldenen Anker.
Frau Kaß fand eine Ausrede und ging derweil nebenan in die
Liebfrauenkirche, wo sie für ihren Einzigen einen Rosenkranz betete. Der
Ankerwirt interessierte sich für die jungen Studiosen, da er es selber
seinerzeit bis Prima gebracht hatte. Er fragte, wo sie denn wohnen
sollten. Ja, ins Konvikt gingen jetzt viele. „Das bringt der Stadt noch
lange keinen Vorteil, daß ihr’s wißt!“
Und er schimpfte in volkswirtschaftlichen Vokabeln über die Konkurrenz,
die keine Steuern bezahle. Die drei Knaben waren durch seine Rede sehr
niedergeschlagen; es fiel daraus der erste Schatten auf ihre blanke
Freude an der Zukunft. Da war also schon einer, der erste, der ihnen
nicht lauter Glück auf den Lebensweg wünschte, wie sie es bis jetzt
gewohnt waren.
Frau Kaß kam aus der Kirche, und man ging zusammen hinaus vor die Stadt,
wo die letzten Häuser stehen und als allerletztes das große Haus, über
dessen Toreinfahrt man einen Schutzengel aus Zementguß sieht, wie er
einem Knaben mit dem Finger den Weg nach oben weist. Darunter der
lateinische Spruch: _angeLVs CVstoDiat ConViCtVM_[1] als Chronogramm,
eine Kunstform, die gern von der feierlichen Borniertheit gepflegt wird.
Buben, die der kleinen Karawane über den Weg liefen, streckten die Zunge
heraus und schrien: „Äh, äh! Bouletten! Bouletten!“ Den Spitznamen
Bouletten hatten die Konviktsschüler bekommen, weil die Sage ging, daß
sie öfter als ihnen lieb war, mit Fleischklößen gefüttert würden, die
auf Französisch und somit auch auf Luxemburgisch Bouletten hießen. Der
Schutzengel aus Zementguß über dem Tor und sein kleiner Schützling waren
mit einem mächtigen violetten Tintenspritzer über und über bekleckst.
Ein unentdeckt gebliebener Attentäter hatte ein Fläschchen „Tinte für
die elegante Welt“ in einem unbewachten Augenblick dem Engel vor den
Leib geworfen, um dem Konvikt einen Schabernack zu spielen.
Vor der Einfahrt und bis weit in den Hof der Anstalt hinein hielt
allerhand Fuhrwerk, fein und grob. Neben gewöhnlichen Leiterwagen stand
der _char à bancs_, über dessen Holzsitz als Pfühl ein Kopfkissen mit
weiß und rot kariertem Überzug gebreitet war, und dessen Deichsel ein
schweres Ackerpferd mit unförmlich dickem Rumpfe ausfüllte; und der
feinere Phaëton des Herrenbauern, der schon dafür sorgt, daß unter
seinen Gäulen einer ist, der sich als Kutschpferd sehen lassen kann.
Wöllem trottete, die Pfeife im Mundwinkel, den Kittel vorn in einen
Wulst gedreht, den er durch den Brustschlitz durchgesteckt hatte,
zwischen den Wagen hindurch, besah sich jedes Rad, jeden Huf und jedes
Stück Geschirr mit ruhiger Genauigkeit, spuckte aus und ging weiter. Die
drei Knaben sogen aus seinem Anblick unbewußte Aufmunterung. Die
unwirsche Rede des Ankerwirts, das Schimpfwort der Buben vorhin und das
besudelte Schutzengelbild hatten ihrer Überzeugung, daß dies eine
allgemein verehrte Stätte der Jugenderziehung sei, einen argen Stoß
versetzt, sie spürten etwas wie ein feindliches Regen um die Welt herum,
zu der sie nun gehören sollten, und der Anblick eines stillen
Kraftmenschen aus dem Kreise, in dem sie bodenständig waren, stellte ihr
erschüttertes Selbstvertrauen wieder her. Nur Putty empfand beschämt den
Gegensatz zwischen dem derben erdfarbenen Fuhrknecht und einem geputzten
jungen Mädchen, das sich eben in der Tür an der Pförtnerloge von ihrem
Bruder mit einem schallenden Kuß verabschiedete. Er hörte auch, wie der
Bruder mitten in den Schmerz des Abschieds hinein flüsterte: Vergiß
nicht meine Schokolade!
* * * * *
Durch einen langen, hallenden Korridor, an dessen fernem Ende Nonnen und
Dienstmägde mit gesenkten Häuptern vorbeihuschten, gingen die sechs
Wiesinger, voran das Schneiderhinchen, zum Herrn Direktor, um sich
anzumelden. Sie gingen langsam und bedächtig, wie durch eine Kirche. An
den Wänden hingen deckenhohe, stark nachgedunkelte Ölbilder in
schwarzbraunen Eichenholzrahmen. Nur da und dort ein Fleckchen Himmel,
ein verzücktes Gesicht, ein paar hellere Gewandfalten konnte man darauf
unterscheiden.
„Alles von Raffael!“ sagte das Schneiderhinchen obenhin mit einer
allumfassenden Gebärde.
„Was stellt es vor?“ fragte Lampesch Fiß.
„Es ist eine Himmelfahrt,“ meinte Frau Kaß schüchtern und unsicher, mit
den Fingerspitzen der Linken am Mund.
Über die Galatreppe in der Mitte des Korridors stiegen sie in den ersten
Stock und kamen, immer langsamer und behutsamer auftretend, über einen
Teppichläufer in das Vorzimmer des „Alten“.
Man kann nicht gerade sagen, „der Alte“ sei im Munde der Konviktoren ein
Spitz- oder Spottname für den Direktor gewesen. Die Bezeichnung hatte
für sie einen starken Beigeschmack von Angst und Ehrfurcht. Abbé Kleyer
war eine kindliche Fanatikerseele in einem langen, sehnigen
Athletenkörper. Er besaß gerade jene geistige Überlegenheit, die er
brauchte, um kindliche Gemüter zu beherrschen. Auf sie wirkten seine
Worte wie Flammen und Dolche. Die Achtung der übrigen Menschen sicherten
ihm seine schrankenlose Ehrlichkeit und die aufrichtige Inbrunst, mit
der er das kleinste zu adeln trachtete. Es war, als hätte er auf der
Straße das Pathos gefunden, alt, abgenutzt und verachtet, und hätte sich
mit solch starkem Glauben an dessen Schönheit und Göttlichkeit
hineindrapiert, daß die einen ihm direkt die Schönheit glaubten und die
andern seinem Wort die fadenscheinige Pracht nicht übelnehmen konnten,
da er sie so ganz aufrichtig für königlichen Purpur hielt.
In dem kleinen Vorzimmer mußten sie warten. Der Fußboden war sauber
gebohnt, vor jedem der sechs Rohrstühle lag eine runde, farbige
Strohmatte. Durch die weißen Tüllvorhänge am Fenster sah man die Rücken
der steinernen Heiligenbilder, die draußen auf dem Balkongeländer
standen. Fenn stieß die Kameraden an und zeigte ihnen auf dem Glacis
jenseits des Tales, über dem sich die Anstalt erhebt, eine Abteilung
Soldaten, die dort ihren Exerzierplatz hatten. Ab und zu klang gedämpft
ein Hörnersignal herein. Nebenan hörte man Stimmen. Eine Frau redete
ohne abzusetzen, ein Mann warf ab und zu in den Redefluß den Brocken
eines brummenden Wortes, der gleich überschwemmt und ersäuft wurde – bis
die Dolch- und Flammenstimme des Direktors einsetzte.
Frau Kaß erschrak, Lampert machte voll Anerkennung: „Huitt!“ und das
Schneiderhinchen sagte: „Den müßtet ihr mal predigen hören!“
„So, hast du ihn schon gehört?“ fragte der Bauer ungläubig.
Das Schneiderhinchen, wegwerfend: „Ei natürlich, wie oft schon!“ Und
dann winkte es ab mit einer Gebärde der Spannung: „Horcht!“
Von drinnen kam es deutlich durch die Tür: „Madame, das ist alles dummes
Zeug! Glauben Sie mir, das ist Affenliebe. Es wird Ihrem Jungen hier
schon nichts passieren. Lassen Sie ihn ruhig da, wir machen aus ihm
einen tüchtigen frommen Menschen, alles andere ist Nebensache. Was,
kleiner Mann!“
Frau Kaß nickte ihrem Fenn zu: „Siehst du, was habe ich immer gesagt!“
Der Bauer gähnte schläfrig, der Schneider rief Putty mit einem strengen
Pst! vom Fenster zurück, wo der Junge den Soldaten zusah. Drinnen wurden
Stühle gerückt, die Stimmen näherten sich der Tür. Frau Kaß strich ihr
Kleid glatt, der Schneider zupfte an seiner Krawatte, und nur der Bauer
bewahrte seine Ruhe und sah mit teilnahmlosen, übernächtigen Quellaugen
nach der Tür. Die drei Knaben reihten sich hinter den Erwachsenen auf,
von denen jedes instinktiv die Hand nach dem Seinigen ausstreckte, damit
nicht etwa eine Verwechslung vorkäme. Wie hypnotisiert starrten alle auf
die Türklinke, die sich nervös, quietschend und knarrend hin- und
herdrehte, ohne daß vorläufig die Tür sich auftat. Und drinnen redete
die durchdringende Stimme des Herrn Direktors immer weiter, die
Türklinke quietschte und knarrte dazu im Takt die Begleitung. Fenn fiel
es ein, wie manchmal beim Fischen der Schwimmkork seiner Angel wie
verrückt zu zucken und zu zappeln angefangen hatte und er in unbändige
Aufregung darüber geraten war, was wohl für ein ungeheuerliches
Unsichtbares diese komischen Bewegungen hervorriefe. Wie damals auf den
Schwimmkork, sah er jetzt auf die knarrende Klinke, und wie damals auf
seine Beute, so war er jetzt auf den Mann gespannt, der von nun auf sein
Leben entscheidenden Einfluß gewinnen sollte. Dennoch konnte er sich
eines Gefühls der Überlegenheit nicht erwehren, des Bewußtseins, daß in
dem, womit man ihm würde zu imponieren suchen, auch der Keim einer
feierlichen Komik lag. Und plötzlich schien ihm das Spiel der Klinke so
närrisch, daß ihm das Lachen herausplatzte, ehe er Zeit hatte, es zu
verbeißen. Mutter Kaß erschrak und gab ihm einen Klaps auf den Rücken.
Dazu machte sie einen Mund wie die Öffnung eines alten Lederbörschens,
durch dessen Saum eine fest zugezogene Schnur geht. Putty und Fritz
lachten prustend mit.
Und dann ging die Tür auf, und in ihren Rahmen trat eine kleine
rundliche Dame, elegant gekleidet, die ihr ebenso rundliches Söhnchen an
den Schultern sacht vor sich herschob. Hinter ihr der Herr Gemahl, ein
sichtlich wohlhabender Mann mit einer dicken goldenen Uhrkette, den das
Ganze erheblich zu langweilen schien. Hinter diesen der Herr Direktor,
die vier orgelpfeifenartig aufgebaut.
Frau Kaß hätte in den Boden sinken mögen. Sie fühlte zwei stechende
graue Augen von ganz oben herunter auf sich gerichtet und neigte das
Haupt, als müsse gleich etwas Heftiges, Furchtbares über sie
niedergehen. Sie hörte kaum, wie der Herr Direktor die andere
Gesellschaft verabschiedete. Die kleine, runde, elegante Dame mußte die
Bäuerin antippen, damit sie ihr den Weg zur Türe freigab. Und dann hörte
man das verzogene Söhnchen des vornehmen Ehepaares aufschluchzen und sah
es im Hinausgehen sich an seine Mutter festklammern. Frau Kaß dachte: Er
ist ihr wie aus dem Gesicht geschnitten, er ist ein Muttersöhnchen. Wie
doch die Reichen ihre Kinder verziehen. Und wie affig er angezogen ist!
Da puffte Schneiderhinchen sie in die Seite, und sie sah die hohe,
hagere Gestalt des Herrn Direktors dicht vor sich, sah die kleinen,
seidenübersponnenen Knöpfe seiner Soutane blinken, sah wie eine von den
beiden großen, bei der Schlankheit der Figur merkwürdig feisten, weißen
Hände, die eben noch in einer stereotypen Bewegung den seidenen Gürtel
hochgezogen hatten, sich ihr zum Willkommgruß hinstreckte. Und als sie
aufzublicken wagte, sah sie die stechenden grauen Augen mit freundlichem
Blick in die ihren gerichtet und hörte sich liebenswürdig von dem
Gefürchteten angeredet. „Madame Kaß, Ihren Mann kenne ich. Kommen Sie
herein – bitte, Sie können Ihre Sachen behalten. Herr Lampert, Herr ...
wie ist schon der werte Name?“
„Heinen,“ flüsterte beschämt der Schneider.
„Ja so, Herr Heinen, bitte. Ei, ei, das ist ja eine ganze Stube voll
Wiesinger. Nehmen Sie Platz. Der Fauteuil ist für Sie, Frau Kaß.
_Honneur aux dames!_ Die kleinen Männer müssen stehen, das schadet ihnen
nichts.“
„Sie stehen gern,“ beeilte sich Herr Heinen entschuldigend einzuwerfen.
Herr Direktor Kleyer ließ die Augen prüfend über die neuen Zöglinge
gleiten. Mit krausgezogener Stirn, die Lippen zusammengepreßt, daß alles
Blut daraus zurückwich, den Unterkiefer krampfhaft vorgeschoben, ein
Falzbein aus gelbem Buchsbaum an einen Stirnhöcker gedrückt, betrachtete
er sie, als wollte er ihnen seine Blicke wie Pfropfenzieher ins Herz
bohren. Putty und Fritz hielten es ein paar Sekunden lang aus und
senkten dann errötend die Augen. Auf Fenn schien die Inquisition keinen
Eindruck zu machen. Seine Augen begegneten ruhig den andern, die auf ihn
zielten, und als ihm der Gedanke kam: Wenn du jetzt weiter so hinsiehst,
denkt er, du bist frech – schlug er den Blick nicht nieder, sondern sah
höher hinauf, an der schwarzen Gestalt vorbei, an die Wand, wo eine
Kohlenzeichnung, das Porträt eines alten Mannes mit knochigem
Charakterkopf seine Aufmerksamkeit fesselte. Dann betrachtete er den
schönen Gummibaum, der die Fensternische ausfüllte und seine großen,
glänzenden Blätter bis unter die Decke hinauf breitete.
„Nun lassen Sie mich einmal raten,“ unterbrach der Herr Direktor das
Schweigen, als alle Platz genommen hatten.
„Also das wäre der junge Lampert. Das sieht man auf den ersten Blick.
Seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten.“
„Meinen Sie?“ sagte der alte Lampert entgegenkommend. „Ich finde nicht.
Er hat von mir keinen Zug, er ist ein Majerus. Sie hätten seine Mutter
kennen müssen. Sehen Sie sich nur die Hände an!“ Und erlegte eine der
milchweißen, sommersprossigen Hände seines Einzigen neben seine blaurote
Alkoholikerfaust auf den Tisch des Hauses.
„Die Ähnlichkeit kommt erst später heraus,“ sagte Herr Kleyer milde und
sachverständig.
„Und dies blasse Männchen ist Ihr Studiosus, Herr – Herr Heinen, nicht
wahr?“
„Ja,“ bestätigte Schneiderhinchen kleinlaut. „Er ist ein bißchen blaß.
Das kommt von der Reise. Aber sonst ist er kerngesund. Wir sind alle so.
Schmächtig, aber stark. Ich habe schon mit 16 Jahren ...“
Der Schneider unterbrach seine Rede, als er sah, wie der Lampert
verächtlich die Achsel zuckte.
„Und wer ist nun der Dritte? Hahaha! Wer mir das rät, kriegt ein
Bildchen mit Spitzen!“ lachte der Direktor. Sein Lachen sollte
ansteckend wirken. Dabei zückte er sein Falzbein auf Fenn Kaß. Der Junge
spürte, wie ihn die Mutter mit der Spitze des Regenschirms ermunternd
anstieß und unterdrückte eine unwillige Gegenbewegung.
„Du bist wohl mit dem linken Fuß zuerst aufgestanden?“ meinte Herr
Kleyer noch immer wohlwollend, trotzdem Fenn unter seinen Blicken
durchaus nicht schmelzen wollte. „Ein kleiner Querkopf, Frau Kaß, wie?“
Frau Kaß sah den Buben an. Sein Ausdruck war lauter Offenheit und
Gleichmut, kein Zug in seinem braunen, magern Gesicht, der nicht das
schönste innere Gleichgewicht verriet. Höchstens, daß sie in seinen
lieben braunen Augen hätte lesen können: Mutter, hier ist es langweilig;
mach, daß wir hinauskommen. – Da war ihre Schüchternheit verflogen.
„Ach nein, Herr Direktor,“ sagte sie ruhig lächelnd, bestimmt. „Ach
nein, er ist nur still. Er ist immer so. Er ist nicht fürs viele Reden.“
„Hm hm“ – meinte Herr Kleyer und machte wieder seine prüfenden Augen und
seine gekniffene Grimasse von vorhin. „Stille Wasser, Frau Kaß, das
kennen wir. Aber hier laufen sie sich die Hörner ab, hier lernen sie
sich in alles fügen. Jawohl, mein Junge –“, als ihm Fenn offen ins
Gesicht blickte – „setz du nur deine trotzigste Miene auf, hier muß der
Bruder Esel Order parieren. Gelt, Madame, da machen Sie Augen. Der
Bruder Esel, sehen Sie, das ist der Leib, der infamigte Leib, der aus
Kot geknetet ist, der immer danach trachtet, die Seele in den Kot zu
ziehen, aus dem er hervorgegangen ist. Den nenn ich den Bruder Esel, und
wenn der nicht pariert, muß er Prügel haben. Bildlich meine ich
natürlich, bildlich.“
Frau Kaß sagte darauf nichts. Sie verstand zwar den Zusammenhang nicht,
aber da Fenn zu den Trompetentönen der Kleyerschen Rede zufrieden
lächelte, machte sie sich auch weiter keine Sorgen und sagte nichts.
Sie ließ auch ruhig, die Hände im Schoß gefaltet, die Rede an sich
niederrauschen, die der Herr Direktor weiter über seine Zuhörer ausgoß.
Er sprach darin schwungvoll von dem begüterten Bauernstand, dessen Söhne
Advokaten, Ärzte, Ingenieure werden und im Leben als furchtlose Bekenner
die Fahne ihres Glaubens hochhalten sollen, von den bescheidenen
Landfamilien, die ihre Söhne dem Herrn als Diener am Altare widmen, von
der besondern Gnade, die der Herr an diese Familien verschwendet, die
sozusagen der Wurzelstock des Priestertums seien.
Hier hielt es Schneiderhinchen für angebracht, seine Ansicht über den
„Beruf“ kundzugeben. Sie deckte sich einigermaßen mit der des Küsters
Kaß. „Der Beruf,“ sagte er, „ist Schwindel! Da steht unser Bub. Er soll
Geistlicher werden, oder ich schlage ihm alle Knochen kaputt! Er braucht
bloß an Vater und Mutter zu denken, dann kriegt er den Beruf!“
„Aber Heinen,“ sagte Frau Kaß, „laßt doch den Herrn Direktor reden!“
„Und ich sage, wenn der Bub nicht Geistlicher wird, soll er meinetwegen
Strohdecker werden!“ Strohdecker war das brotloseste Handwerk, das sich
das Schneiderhinchen vorstellen konnte.
„Der liebe Gott wird alles schon zum Besten fügen,“ beschwichtigte Herr
Kleyer den aufgeregten Schneider. Und dann fuhr er in seiner Rede fort.
Er sprach von der moralischen Verderbnis, die draußen in der Stadt auf
die Jugend lauere, und von dem sichern Hort der Unschuld, der hier, in
diesem frommen, stillen Hause ihr bereitet sei, unter der Hut des
Schutzengels, dessen Bild sie ja über der Toreinfahrt als Symbol gesehen
hätten.
„Der mit dem blauen Tintenfleck?“ fragte Lampert arglos.
Hei, da brach es aber los. Ein heiliges Donnerwetter gegen diese
Lausbuben, diese Höllenhunde von draußen, die ihm seine Zöglinge
verhetzten, sein Haus verleumdeten, die Früchtchen, die Unzüchtigen, die
in Leib und Seele hinein Verfaulten, die Freimaurerbrut, die der Satan
gegen die heilige Stätte der Tugend losgelassen hatte.
Dem armen Lampert war zumut, wie einem, der aus Versehen eine kalte
Dusche über sich aufgedreht hat. Er stammelte mit braunrotem Gesicht
heisere Entschuldigungen, aber der andere wetterte weiter, bis er sich
seinen frommen Zorn vom Leibe geredet hatte.
„So,“ schloß er, „nun wissen Sie, woher der blaue Fleck an unserm
heiligen Schutzengel rührt. Der Fleck wird vergehen“ – und seine Worte
züngelten wieder flammengleich – „den wird der Himmel fortwaschen,
jaaah! der Himmel, aber den Fleck in der Seele jenes Schandbuben, den
wird in alle Ewigkeit das höllische Feuer nicht wegbrennen!“
Fenn dachte: Warum er nur auf uns so einschreit! Wir können nichts
dafür! Und übrigens, wegen so ’nem dummen Fleck!
Putty stand mit schlotternden Knien, der alte Lampert erhob sich
schwerfällig und sagte: „Komm, Fritz.“
Aber schon glänzte wieder auf dem Antlitz des Herrn Direktors der
Sonnenschein der ausgesuchtesten Liebenswürdigkeit. „Nichts für ungut,
Herr Lampert. Sie haben es hoffentlich nicht für Sich genommen. Und
gelt, kleiner Mann, solche schlechten Kerle werden wir nicht, nein, wir
werden brave, tüchtige Konviktoren! Jawohl!“ Und dabei drückte er
Fritzens Kopf zärtlich gegen seinen Magen und faßte Putty liebkosend
unters Kinn. Als er aber mit derselben väterlich zutraulichen Gebärde
nach Fenn Kaß griff, bog dieser den Kopf zur Seite.
* * * * *
Die Audienz war zu Ende. Im Vorzimmer war es schon wieder voll von neuen
Ankömmlingen, die die Zornausbrüche Kleyers mit angehört hatten und nun
mit neugierigen und erschrockenen Augen die Entlassenen musterten.
Eine Nonne mit einem Gesichtchen wie Milch und Blut zeigte den
Wiesingern ihre Plätze in den langen Reihen der Schränke und dem
zugehörigen Schlafsaal. Frau Kaß half ihrem Fenn, seine Sachen in den
Schrank räumen. Und dann stand sie mit ungeduldigen Händen dabei, wie
eine derbe Dienstmagd das Bettzeug auf die kleine, eiserne Bettstelle
auflegte. Sie, die an ihren schweren alten Hausrat, an die massiven
Monumentalbetten aus Eichen und Nußbaum gewöhnt war, stand dem leichten,
wackeligen Eisenstangengerüst einigermaßen mißtrauisch gegenüber. Ob man
denn auch in dem Dings da richtig warm würde, fragte sie die Magd. Und
dann strich sie zärtlich mit den von schwerer Arbeit verhutzelten Händen
über die Steppdecke und das Federbett, das Hauptstück der Ausstattung.
Sie hatte beim Einkauf lang überlegt, ob sie den weißen Stoff mit den
blauen oder den gelben mit den braunen Blumen wählen sollte. Sie hatte
sich für gelb mit braun entschieden, weil es weniger schmutzte und
vornehmer aussah. Das Blumenmuster war ihr nachgerade so vertraut, daß
es ihr schon im Traum erschien. Und sie fand, daß es das schönste war in
dem ganzen großen Schlafsaal, wo fortan ihr Fenn seine Nächte zubringen
sollte.
Andächtig und langsam wandelte sie mit Fenn und dem Nönnchen durch die
langen Korridore, die zu den Schlafsälen führten, wo an der Fensterseite
in unabsehbarer Zeile die weißen Kippschalen der Waschbecken blinkten
und ihnen gegenüber die lange Reihe der Schränke sich hinzog. Frau Kaß
hatte ihr weißes Taschentuch in der Hand und unterhielt sich in ihren
vornehmsten Ausdrücken mit dem hübschen Nönnchen, das ihr über alle
möglichen Punkte der Hausordnung Bescheid sagen mußte. „Hörst du,
Ferdinand?“ wandte sie sich von Zeit zu Zeit an ihren Sohn. Und
zwischendurch entsetzte sie sich über die Ausgelassenheit einiger Buben,
die in toller Jagd sich um die Schrankreihe herumhetzten. „Es sind auch
nicht lauter Engel,“ meinte sie zu ihrer Begleiterin.
„Ach,“ lächelte die nachsichtig, „die Jungens sind halt so wild, das
wächst ihnen später aus.“
Sie kamen auch am Schneiderhinchen vorbei, der mit einer Hausmagd
vergebens ein vertraut herablassendes Gespräch anzuknüpfen suchte: Von
wo sie denn sei, und ob sie schon lange hier sei und ob es ihr gut
gefalle usw. Er sei aus Wiesing, und sie solle auf den Putty ein wenig
aufpassen, er sei ein Windhund, und sie solle doch einmal nach Wiesing
zur Kirmes kommen. Das Mädchen, das den Mannsleuten, ihrer Pracht und
ihren Werken abgeschworen hatte und sich unter der Obhut der Nonnen, die
im Konvikt den Haushalt führten, auf das Kloster vorbereitete, witterte
allerhand Anzüglichkeiten und antwortete kaum mit ja oder nein.
Schneiderhinchen wurde an sich selber irre. So schmählich hatte seine
Überredungskunst noch nie versagt.
Frau Kaß kam ihm gerade recht. Nun könnten sie ja wieder zusammen gehen,
der Lampert sei gewiß auch schon fertig.
Die Buben brauchten erst nachmittags anzutreten. Bis dahin gab es in der
Stadt Bücher zu kaufen und was an der Ausstattung sonst noch fehlte.
Aber Frau Kaß richtete es so ein, daß sie die andern so bald wie möglich
zufällig verlor. Auf einer Bank im Park verzehrte sie mit Fenn die
Waffeln, das Stück Kalbsbraten und die hartgesottenen Eier, die sie
tagsvorher als Wegzehrung in ihr Körbchen gepackt hatte.
„So, das ist besser als im Wirtshaus ein teures Kotelett. Und man
braucht nichts zu trinken.“ Als Dessert hatte sie ein paar der schönsten
Apfel eingepackt. „Iß sie jetzt, ins Konvikt darfst du keine mitnehmen.“
„Ich weiß,“ sagte Fenn. „Aber was meinst du! Der Fritz hat in jedem Paar
Strümpfe einen Apfel stecken, und zwischen seinen Hemden alles dick voll
Schokolade.“
„Wenn es der Herr Direktor erfährt, ist er imstande und jagt ihn fort.“
„Denkt ja nicht dran,“ sagte Fenn achselzuckend.
„Ich kann dir aber keine Schokolade kaufen, wir haben’s nicht dazu!“
„Mutter sei nicht dumm! Was glaubst du, daß ich mir aus Schokolade
mache!“
Mutter Kaß stierte eine Weile sorgenvoll vor sich auf die Erde. Dann zog
sie ein abgegriffenes Börschen aus der Tasche, öffnete es behutsam, nahm
ein Fünfzigpfennigstück heraus und wollte es verstohlen ihrem Fenn in
die Hand drücken. Es ging ihrem Mutterherzen nahe, daß sie ihn nun
verlassen sollte, ohne ihn auch nur ein ganz klein bißchen verhätschelt
zu haben. „Da, du kaufst dir, was du willst.“
Fenn steckte abweisend die Hände in die Taschen und wiederholte:
„Mutter, sei nicht dumm. Ich hab, was ich brauche.“
„Gut,“ sagte sie und tat das Geldstück wieder ins Portemonnaie. Dann
gingen sie schlendernd miteinander durch den Park und sprachen wieder
von zu Haus und von der Zukunft.
Aber es wurmte sie doch, daß sie ohne besondern Beweis ihrer
Zärtlichkeit von ihm gehen sollte. Sie hatte heute die vielen vornehmen
Mütter gesehen, die mit ihren Söhnchen richtig verliebt getan hatten.
Gewiß, die hatten ihnen die Taschen mit Süßigkeiten vollgepfropft und
würden sie beim Abschied weinend umarmen. Ihr Fenn würde sie wohl für
verrückt halten, wenn sie ihm so käme. Und nun erst recht! Nun wollte
sie ihm gerade zeigen, daß sie keine Rabenmutter war. In der Großstraße
kamen sie an einen Laden, wo allerhand Zuckerzeug im Schaufenster stand.
Da zog sie den Widerstrebenden hinein, kaufte eine Tüte voll
farbenprächtiger Zuckerplätzchen und stopfte sie ihm in die Tasche.
„Doch, ich will. Es ist gegen den Husten.“
„Na, meinetwegen!“ willigte der Bub endlich ein. Er schämte sich vor der
Ladenfrau und wollte dem Auftritt ein Ende machen.
Sie trafen auch Putty und seinen Vater, und bald darauf die beiden
Lamperts. Lampert Vater blickte schon aus weinseligen Augen und wollte
den drei Buben ein Glas zum Besten geben, aber Frau Kaß widersetzte
sich, wurde am Ende grob und schimpfte die Männer Lumpen. Schließlich
einigte man sich dahin, daß Lampert mit dem Schneiderhinchen zusammen
einen genehmigen sollte, während Frau Kaß die Knaben ins Konvikt
brächte. Am Tor nahm sie von ihnen Abschied. Sie wunderte sich und es
durchrann sie mit seltsamer Freude, daß ihr Fenn, der rauhe,
unumgängliche barsche Bub, so zärtlich und heiß den Druck ihres Mundes
erwidert hatte, als sie ihn, wie er ganz allein noch ein paar Schritte
weit mit ihr zurückgegangen war, heimlich an sich gezogen und auf den
Mund geküßt hatte.
* * * * *
Ein älteres Semester aus der Philosophieklasse hatte sich gleich der
drei kleinen Wiesinger angenommen und sie hinunter auf die Kegelbahn und
an den Rundlauf geleitet. Es war ein gutmütiges Bauernblut, mit roten
Wangen, einem kräftigen Gebiß hinter wulstigen Lippen und kurzsichtigen
kindlichen Augen. Putty fielen die Worte Kleyers von der rotwangigen,
klaräugigen Unschuld ein, die unter diesem Dache wohnen sollte. Und der
improvisierte Fuchsmajor, der sie unter seinen Schutz und Schirm
genommen hatte, erschien ihm mit seinen Pausbacken und seinen
Kinderaugen sofort als eine lebendige Erläuterung zu jenen Worten. Seine
lebhafte Phantasie malte sich auch gleich den Gegensatz dazu aus: Das
blasse hohläugige Laster, das draußen in Freiheit, in den Straßen der
Stadt umging. Der lange Laban, der sie damals vor dem Athenäum so
angegrinst hatte, das war gewiß einer von jenen Verdorbenen, der hatte
danach ausgesehen: Schlotterig, blaß, geschniegelt und pomadisiert.
Durch eine Art Hohlweg, unter einer kleinen Brücke durch, gelangten sie
an die Spielplätze. Die Anstalt stand auf früherm Festungsgelände, und
von den alten Wällen und Gräben des geschleiften Forts, an dessen Stelle
sich der langgestreckte Bau erhob, waren einzelne Überreste noch
vorhanden. So lag der Kegelbahn gegenüber ein massiver, bombenfester
Block, in dem von den Nonnen und ihren weiblichen Dienstboten eine
kleine Stallwirtschaft betrieben wurde. Die ältern Zöglinge stießen sich
an und blinzelten einander zu, wenn eine dralle Magd mit hochgeschürztem
Rock dort einen Eimer vorbeitrug, und der erste dieser Blicke, den Putty
auffing, gab seinem Kinderglauben, daß alle Fleischeslust von dieser
Stätte hermetisch abgeschlossen sei, den ersten Stoß.
Auf der Kegelbahn war ein lebhafter Betrieb, und die drei Wiesinger
waren bald mitten drin. Man konnte merken, wie die soziale Chemie schon
gleich hier, am ersten Tag, wo dieses junge Menschenmaterial in
derselben Retorte zusammengeschüttet wurde, Gleiches zu Gleichem
sonderte. Das bäuerliche Element umstand in dichtem Klumpen die Spieler
und jeder wartete ungeduldig seine Reihe ab. Das feinere Porzellan fand
an der gewalttätigen Leibesübung nicht mehr Spaß, als gerade nötig war.
Einige der Größern hielten heimlich Wetten um ansehnliche – für ihre
Verhältnisse ansehnliche – Geldbeträge und gebärdeten sich wie
Verschworene; andere standen zusammen und führten Gespräche über
Gegenstände, die ihrer gesellschaftlichen Stellung entsprachen. Das
Muttersöhnchen von vormittags war auch dabei. Es hatte offenbar seinen
Schmerz vergessen. Es entwickelte eben seine Theorien über die
menschliche Gesellschaft. „Die Menschheit besteht,“ so sagte es, „aus
Leuten, die sich die Zähne und die Nägel putzen, und solchen, die sich
die Zähne und die Nägel nicht putzen. Man erkennt jeden Menschen an
seiner Zahnbürste.“
Fenn hatte es gehört und lachte. „Was hat er gesagt?“ fragten die
andern.
„Die Menschheit besteht aus Leuten, die sich die Nase selber putzen, und
solchen, denen andere die Nasen putzen müssen,“ wiederholte Fenn
ernsthaft. Es gab ein lautes Hallo um den kleinen Philosophen,
besonders, da er in seiner Verlegenheit das Taschentuch zog und sich
geräuschvoll schneuzte.
„Geschenkt, geschenkt!“ tönte es im Kreis.
Der kleine Zahnbürstentheoriker fand, daß Fenn ein dummer, grober Kerl
sei. Fenn aber warf eben, ohne mit der Wimper zu zucken, alle Neune, und
einen Augenblick lang bestand das ganze verworrene Gemurmel unter den
Spielern nur aus der neugierigen Frage: „Wer ist das? Wie heißt er?“
Putty und Fritz erzählten stolz, daß er ein Junge aus ihrem Dorf sei.
Und es solle sich nur keiner an ihm vergreifen, er sei stark „wie ein
Pferd“.
Fenn sah sich inzwischen, ein Liedchen pfeifend, in der Umgebung der
Kegelbahn um. Der Rundlauf interessierte ihn. Eben war einer der an
langen Tauen schlenkernden Griffe frei geworden. Er sprang hinzu und
hatte ihn gerade fest, als über seine Schulter weg eine Hand danach
griff. Als er sich umdrehte, sah er in ein Gesicht, bei dessen Anblick
Scham und Zorn zugleich in ihm aufstiegen. Es war das weiße, spöttische
Gesicht des Grimassenschneiders von damals.
Mit einem heftigen Ruck reißt er das Tauende an sich.
„Mach keine Geschichten,“ sagt der andere kaltblütig und greift wieder
zu, als sei es ganz selbstverständlich, daß ihm der Vorrang gebührt.
„Laß los!“ sagt Fenn in sicherm Trotz.
„Das glaubst du ja selber nicht“ – gibt der andere höhnisch zurück. Über
das braune Gesicht Fenns geht ein Zucken, wie über geschmolzenes Erz in
dem Augenblick, wo es zu einer festen Masse erstarrt. So starr ist jetzt
dies Knabengesicht. Nur in den Augen brennt jach eine trotzige
Stichflamme.
„Komm, gib das Seil her, halt das Spiel nicht auf“ – sagt spöttisch
wieder der Blasse.
Ein paar seiner Kameraden haben sich um die beiden gesammelt.
„Das kann gut werden – Oi jeh, der arme Kerl – Theo, tu ihm nichts!“
hört Fenn spöttische Zurufe durcheinander.
„Nun zähl’ ich bis drei – wenn du dann nicht losläßt, kannst du was
erleben!“
„Das kannst du schon früher“ – gibt Fenn verbissen zurück.
„Na, wenn du es so meinst, meinetwegen!“
Der Blasse tritt einen Schritt zurück und stemmt beide Arme hoch, wie um
erst noch ihre Kraft zu erproben. Aber Fenn wartet das weitere nicht ab.
Er packt ihn in den Achselhöhlen und hebt ihn vom Boden – im nächsten
Augenblick sind die beiden Bubenkörper ein Knäuel ineinander
geschlungener, gestraffter Gliedmaßen, an dem zwei rote Köpfe mit
glühenden Augen abwechselnd sichtbar werden. Theos Kameraden sorgen
dafür, daß niemand eingreift: „Laßt nur, er wird schon mit ihm fertig!“
Jetzt wälzt sich der Knäuel am Boden. Fenn ist der Stärkere, der andere
ist geschmeidiger. Man hört sie keuchen, man sieht ihnen den Speichel
aus dem offenen Mund rinnen. Fenns Beinkleider haben sich
hinaufgeschoben, die Zuschauer machen sich über seine grasgrünen
Wollstrümpfe lustig. Einer sagt: „Lacht nicht. Seht, was der Kerl für
Muskeln hat!“
Die Aufregung wächst. Mit unbändigem Herzklopfen, leichenblaß, stehen
die Buben im Kreis um die Kämpfenden – „Theo! Theo!“ springt bald dem
einen bald dem andern ein keuchender Zuruf über die Lippen. Und dann
rafft Fenn in einem gewaltigen Ruck seine ganze Kraft zusammen, rollt
den andern wie ein Paket, wie der Holzhacker eine Faschine, unter sich
und kniet ihm keuchend auf die Brust: „Hast du genug?“
„Schlag mich tot, ich ergeb mich nicht!“
Drei oder vier der umstehenden Buben überkommt ein wildes, heulendes
Schluchzen. Ihre Glieder zappeln, gehorchen ihnen nicht, es wirft sie
mit hysterischem Drang gegen den Feind, der auf einem der ihrigen kniet.
Sie fallen über ihn her, eine blindwütige Meute, und er steht voll
prächtigen Zornes plötzlich aufrecht da und versucht sie abzuschütteln.
Sie fahren ihm nach der Kehle, hängen sich an ihn, ein Faustschlag
trifft ihn aufs Auge, einer ins Genick, er haut um sich, schimpfend, mit
geiferndem Mund, – sie reißen ihn zu Boden, – heftig ausschlagende Füße,
hämmernde Fäuste, geduckte Köpfe, alles ist ein hin- und hergezerrter,
zappelnder Haufe.
Da geschieht etwas Unerwartetes. Theo ist aufgesprungen und brüllt auf
den Haufen ein: „Feiglinge! Feige Hunde!“ und zerrt sie an Armen und
Beinen zurück. Sie wissen nicht, wie ihnen geschieht, glotzen ihn
verblüfft an, den sie vor Schimpf und Schande retten wollten und der sie
dafür feige Hunde schilt.
„Seid ihr denn verrückt?“ schreit er sie an. „Das sind doch meine
Sachen! Was fällt euch denn ein! Sechs gegen einen!“
Fenn stand abseits und zupfte seine Kleider zurecht.
„Du,“ sagte Theo, indem er auf ihn zuging, „du hast mich diesmal
untergekriegt, aber es bleibt nicht dabei, glaubst du mir das?“
„Ich glaube dir, daß du ein andermal wieder anfängst. Es ist mir egal.
Ich fürchte dich nicht. Du bist stärker, als ich gemeint hatte, aber es
ist mir egal, ich fürchte dich nicht. Wenn ich gewollt hätte, ich hätte
dir einen Arm oder ein Bein brechen können.“
„Das ist nicht wahr!“
„Doch. Ich hatte dich so daliegen. Wenn ich dich so herumgeworfen hätte,
hätte es geknackt, und dein Arm wär kaputt.“
„Wie?“ – Theo überließ sich ihm, halb trotzig noch, halb neugierig, mit
schlaffen Gliedern.
Fenn machte mit ihm behutsam die Stellung, die er angedeutet hatte.
Dann standen sie mitten im Kreis der übrigen Streiter. Theo betupfte mit
dem Taschentuch seine blutende Lippe, Fenn zog sich den Hosenbund wieder
unter die Weste hinauf und stopfte die breit herausgequollenen
Hemdfalten wieder zurecht. Auch die andern besahen sich die Schäden, die
sie im Handgemenge erlitten hatten und paßten unbeholfen die Lappen der
Rißwunden an Röcken und Hosen zusammen.
Da sagte Theo: „Es tut mir leid, daß ich mit dir Händel angefangen habe.
Wie heißt du?“
„Fenn Kaß. Und du?“
„Theo Schütz.“
Sie lachten beide plötzlich auf und reichten sich die Hände. So wurden
zwei junge Menschen durch grimmige Fehde zu Freunden fürs Leben.
* * * * *
Dies war nicht das letzte Abenteuer, das Fenn Kaß am ersten Tag eines
neuen Lebensabschnittes zu bestehen hatte. Um vier Uhr wurde das
Vesperbrot verteilt. Die Zöglinge standen im Refektorium um die langen,
schmalen Tische, auf jedem Tisch zwei Henkelkörbe mit dicken
Brotschnitten. Nach einem kurzen lateinischen Gebet durfte jeder
zulangen. Dann quoll die Schar, jeder mit seinem Stück Brot in der Hand
– wenn er nicht vorzog, es in der Tasche zu versorgen und es mit dem
Daumen und Zeigefinger herauszubrökeln – lärmend durch die Türen –
hinaus auf den großen, luftigen Vorplatz.
Theo suchte Fenn auf und fragte, ob sie zusammen spazieren gehen
wollten. Ja, nickte Fenn.
Allmählich kam ein Gespräch in Fluß. Fenn erzählte Theo, warum er ihn
vorhin gleich so energisch angefallen hatte.
Theo erinnerte sich der drei verlegenen Buben und lachte: „Also du bist
das gewesen! Es darf dich nicht verdrießen, aber ihr habt wirklich zu
dumme Gesichter gemacht! Übrigens, damals war ich noch gar nicht im
Konvikt. Ich wohnte in der Stadt in einem Hotel; einmal Donnerstags
wurden wir unser sechs in einem Wirtshaus in Hesperingen abgefaßt;
darauf steckte mich mein Alter hier herein.“
„Bist du nicht gern hier?“
„Eigentlich nein. Aufgehoben ist man ja hier so gut wie draußen,
manchmal besser. Aber daß alles über einen Kamm geschoren wird, das ist
das Verrückte, siehst du. Wenn dem Direktor einmal einer unter die
Finger gerät, der sich nicht ins Dutzend fügt, dann grantet und nörgelt
er an ihm herum, bis es einen Krach gibt.“
„Warum haben alle nur so unbändig Angst vor ihm?“
„Ich nicht. Ich habe keine Angst vor ihm. Aber er soll mich in Frieden
lassen. Ich bin nicht schlecht.“ Sie gingen oben am Rand, wo der
Spielplatz nach dem Tal zu in einem Rain abfiel, an dessen Fuß eine
Einfriedigungsmauer über die schroff abschüssigen Felsen hinlief und den
ganzen Platz nach dem Tal zu abschloß. Die beiden Knaben standen oben
über der Mauerkrone und hatten den Blick frei über das ganze
gegenüberliegende Plateau bis an die sacht ansteigenden Hügel, die den
südlichen Horizont begrenzen.
„Sieh, das hier ist das beste am ganzen Haus, dieser Platz mit der
freien Aussicht,“ sagte Theo. „Zwischen Hofmauern hätte ich es keine
acht Tage ausgehalten. So denke ich immer: da liegt die Welt, noch ein
halb Dutzend Jährchen, und sie gehört dir. Was willst du werden?“
„Pfarrer.“
„Ist das sicher?“
„Ganz sicher.“
„Wirst du Pfarrer aus dir heraus, ganz aus eigenem Willen?“
„Ja, warum nicht? Es gefällt mir. Wir sind nicht reich, aber ich glaube,
ich würde Pfarrer werden, auch wenn ich Geld hätte. Wie ich es meine,
ist es sehr schön.“
„Ich werde Ingenieur. Das heißt, sicher weiß ich es noch nicht. Mein
Vater hat in Esch ein Geschäft oder allerhand Geschäfte, ich werde nicht
klug daraus. Manchmal hat er Geld, manchmal hat er keins. Als er mich
ins Konvikt steckte, hatte er keins. Und er behauptete, es sei hier
billiger zu leben. Ich laß es mir schon deshalb gefallen. Sonst wäre ich
allerdings lieber draußen.“
„Warum ist denn nur der Direktor so sonderbar, gleich so rotglühend?“
Theo suchte seinem neuen Freund die Eigenart des „Alten“ zu erklären, so
gut er konnte, so gut ihm seine Knabenpsychologie das Wesen dieses
Mannes erschloß. Direktor Kleyer war freilich eine unkomplizierte Natur.
Er hatte bis jetzt als Jugendbildner an einer Stelle gewirkt, wo ihm
schwerere seelische Rätsel kaum aufgegeben waren. Einfaches,
grobschichtiges, homogenes Menschenmaterial war ihm durch die Finger
gegangen. Jetzt war das anders geworden. Die Erziehungsanstalt, zu deren
Leitung er berufen war, und die als Internat zu dem staatlichen
Gymnasium mit Industrieschule ein Privatunternehmen des Bistums bildete,
hatte gleich aus dem Lande selbst und aus der Nachbarschaft sich großen
Zulaufs zu erfreuen gehabt. Bildeten auch die unverdorbenen, biedern
Bauernsöhne des Landes den Stamm der Kundschaft, so beherbergte das Haus
besonders damals, in den ersten Jahren seines Bestehens, doch auch ein
Sammelsurium von Früchtchen, die nirgends gut getan hatten, und deren
Eltern es nun auch einmal mit der neuen Anstalt versuchen wollten. Junge
Belgier und Franzosen, zum Teil Söhne von Leuten, die in der
aufstrebenden Metallindustrie des Landes vorteilhafte Stellungen
innehatten, zum Teil durch die Umwälzung nach dem Krieg aus Frankreich,
und besonders Elsaß-Lothringen in die neutralen, zweisprachigen
Luxemburger Unterrichtsanstalten verschlagen, brachten aus ihrer Heimat,
aus der Sumpfluft der Internate Gepflogenheiten und Laster mit, vor
deren bloßem Namen dem guten Kleyer die Haare zu Berg standen. Sein
klares Bild von der Knaben- und Jünglingspsyche verwirrte sich. Bald sah
er Gespenster, bald witterte er hinter jeder Eigenart, deren Wesen ihm
psychologisch unklar blieb, Verstocktheit, raffiniertes Laster,
moralische Fäulnis. Der Kampf dagegen nahm in seinem Erziehungssystem
bald eine so breite Stelle ein, daß Naturen, die ihre Unbefangenheit
gewahrt hatten, durch die Hartnäckigkeit einer falsch adressierten
Seelenretterei entweder abgestoßen oder schließlich aus dem moralischen
Gleichgewicht gedrängt wurden. Empfindungen und Gedankenreihen, die bei
ihnen ruhig schliefen, bis die Natur sie wecken würde, wurden unter dem
Vorwand des Lüftens fortwährend aufgescheucht.
„Er meint, jeder ist ein Schwein, der nicht den ganzen Tag in der
Kapelle hockt und die Augen verdreht“ – schloß Theo seine orientierende
Auskunft.
Fenn dachte bei sich: „Ich kriege mit ihm keinen Streit. Ich laß ihn
reden und tu was ich muß. Im übrigen kann er mir den Buckel
hinaufsteigen.“
* * * * *
Die Glocke gellte und rief zum Silentium in den gemeinsamen Studiensaal,
der im rechten Flügel für die obern, im linken für die untern Klassen
eingerichtet war. Fenn bekam einen Platz an der Südwestseite, dicht
neben einem Fenster, durch das sein Blick über welliges Gelände bis an
die rauchenden Höhenzüge der Erzgegend reichte. Gleich, in der ersten
Minute schon, wurde ihm der Platz lieb. Er hörte durch das Fenster das
Rollen und Pfeifen der Eisenbahnzüge auf der belgischen und
französischen Linie, er sah den weißgrauen Qualm der Lokomotiven über
den Wagenreihen wie eine große Raupe hastig durch die Landschaft
kriechen, mit spitzem Kopf und zerflatterndem Schwanz, sah abends den
Himmel glühen vom Widerschein der Hochöfen, die hinter dem Horizont ihr
dröhnendes Dasein führten.
Sein Pultnachbar war ein schmächtiger, hoch aufgeschossener blaßbrauner
Knabe mit den Augen eines gekochten Fisches, die in frommem Aufblick
himmelwärts gerichtet waren. Der Knabe hieß Louis Binz und trug schwarze
Pulswärmer. Nachdem Louis Binz seine sieben Sachen ins Pult geräumt
hatte, klebte er an die Innenseite seines Pultdeckels ein Bild des hl.
Herzens Jesu, ein Bild des hl. Herzens Mariä, ein Bild der Muttergottes
von Lourdes und ein Bild seines Schutzpatrons, des hl. Aloysius von
Gonzaga. So oft er den Deckel aufhob, sah er eines der Bilder mit
verzücktem Augenaufschlag an und lächelte ihm schüchtern zu, wie einem
hochgestellten Bekannten. Als Fenn ihn fragte, wie lange das Silentium
dauern würde, fuhr Louis Binz zusammen, legte den Finger an die Lippen
und in seine Augen trat starres Entsetzen und dann ein milder Vorwurf
wegen dieser brutalen Versuchung, die Regel des Hauses zu übertreten.
Da kam zum ersten Male über Fenn Kaß das Empfinden, daß er aus goldener
Freiheit und schöner, großer, gesunder Natur in blödsinnigen Zwang und
verkrüppelnde Unnatur gestoßen war.
Er wurde nicht gerührt, es stieg ihm nicht würgend in die Kehle von
Heimweh und dergleichen – er biß nur die Zähne zusammen und dachte:
„Wenn es sein muß, in Gottes Namen. Es dauert ja nicht ewig.“ Und dann
lächelte er schon wieder, denn es fiel ihm ein, daß er ja noch die
Zuckerplätzchen seiner Mutter in der Tasche hatte. Das war ja eine noch
viel entsetzlichere Sünde wider den Geist des Hauses! Wenn er seinem
Nachbar davon anböte! Das Gesicht! Wahrhaftig, er wollte ... In diesem
Augenblick flog die Tür auf und in steifleinene Majestät drapiert trat
der Herr Direktor in den Saal.
Seine Brillengläser funkelten, er hatte die Lippen zusammengekniffen und
ließ seine Augen über die Köpfe der mäuschenstillen Zöglinge blitzen.
Fast unheilverkündend stand er da. Aber nur auf das Überwältigende des
ersten Eindruckes kam es ihm an. Nachdem er die Überzeugung gewonnen
hatte, daß alles überwältigt war, wechselte er leise ein paar Worte mit
dem die Aufsicht führenden Philosophieschüler, dem sogenannten
Präfekten, und stieg in das hohe Katheder von Pitchpine hinauf.
Vom Katheder herunter schlug Kleyer seinen geliebten Zöglingen eine
eindringliche Rede über das Jämmerliche und Verderbliche der
Menschenfurcht mit großer Heftigkeit um die Ohren. Seines
Christenglaubens und seiner Eigenschaft als Zögling des Konvikts schäme
sich nur eine Memme! Wie das klang! Eine Memme! Hundert Knabenherzen
zitterten bei dem Gedanken, daß man sie für eine solche Memme halten
könnte. Dann folgte eine vogelperspektivische Erklärung dessen, was man
unter dem Geist des Hauses zu verstehen hatte. Wer den Geist des Hauses
hatte, der konnte nicht verloren gehen in Zeit und Ewigkeit. Wer aber
den Geist des Hauses nicht hatte, der, ja, der, geliebte Zöglinge, der
war dem Dämon der sittlichen Verderbtheit verfallen! Überall die
gleißende Vision dieses Dämons, auf die sich die Phantasie dieses
asketischen Priesters mit geifernder Wut stürzte, auf die er mit
geballten Fäusten losschlug, auf der er schäumenden Mundes
herumtrampelte. Verderbt, wer sich gegen die Hausregel verging,
verderbt, wer redete, wo das Reden verboten war, verderbt, wer die Hände
in die Taschen steckte, verderbt, wer naschte, verderbt, wer über das
Essen die Nase rümpfte, – sittliche Verderbtheit war der innerste Kern
aller Auflehnung gegen den Geist des Hauses.
„Und nun, geliebte Zöglinge, will ich euch zum Schluß eine Geschichte
erzählen. Daraus sollt ihr lernen, wie ein echter Konviktorist der
Versuchung widersteht. Einer von euch hat in herrlicher Weise heute das
Böse in sich überwunden. Seine Mutter, eine schlichte Frau, die es
leider nicht besser wußte, ließ sich vom Dämon der Sinnlichkeit locken,
ihr eigen Kind in Versuchung zu führen!“
Fenn bemerkte, wie Louis Binz auf seinem Sitz unruhig hin- und
herrutschte, um so unruhiger, je weiter die Geschichte gedieh.
„Der Dämon der Sinnlichkeit, geliebte Zöglinge, hatte dieser durch eine
falsche Liebe und Zärtlichkeit verblendeten Mutter eingegeben, ihrem
Sohne zum Abschied eine Tüte Schokoladenplätzchen zu schenken. Eine Tüte
mit Schokoladenplätzchen!“
Herr Kleyer rief es mit komischer Feierlichkeit, als hätte er mit
spitzen Fingern die Tüte gefaßt und hielte sie seinen geliebten
Zöglingen als einen Gegenstand des Abscheus vor die Augen, ehe er sie
mit einer Gebärde unsäglichen Ekels in die Gosse schleuderte.
„Eine Tüte Schokoladenplätzchen! Was tat der Sohn? Als ihm die Mutter
heimlich die Tüte zuzustecken versuchte, wallte heilige Entrüstung in
ihm auf und er sagte blitzenden Auges zu seiner Mutter: Mutter, schämt
Ihr Euch nicht, Euer eigenes Kind in Versuchung zu führen! Da gingen der
guten Frau die Augen furchtbar auf, sie sah das Verwerfliche ihres
Beginnens ein, sie drehte sich weinend um und schlich hinaus, mit ihrer
Tüte Schokoladenplätzchen im Korb!“
An der Stelle, wo Louis Binz mit Fenn Kaß an einem Pult zusammen saß,
war gegen den Schluß dieser erbaulichen Geschichte Unruhe entstanden.
Der Herr Direktor wurde aufmerksam, und als die Unruhe zunahm und immer
mehr Köpfe sich den beiden Pultnachbarn zuwandten, fuhr er mit einer
gellenden Frage drein:
„Was gibt’s dahinten? Wer treibt da Unfug?“
Louis Binz war aufgestanden.
„Binz! Was ist los?“
Der blaßbraune Knabe mit den schwarzen Pulswärmern wagte weder die Augen
zu erheben noch den Mund aufzutun. Er zeigte immer nur mit entsetzten
Mienen auf Fenn Kaß.
„Also du, der andere, wie heißt du?“
„Kaß.“
„Nun, heraus damit! Was ist los?“
Fenn Kaß räusperte sich und erklärte in die lautlose Stille hinein: „Der
Binz hat gesagt, er ist es gewesen, der zu seiner Mutter gesagt hat, sie
solle sich schämen!“
„Weiter?“
„Und da habe ich zu ihm gesagt ...“
„Nun?“
„Er ist ein gemeiner Kerl!“
Ein erlösendes Gelächter brach von allen Pulten los, sofort übertönt von
der Stimme des Alten. „Kaß! Heraus! In die Ecke! Schandbube!“
Fenn Kaß zuckte die Achseln. Er sah, mehr verwundert, als erschrocken,
wie die hagere Gestalt des Direktors in dem Pitchpine-Katheder
emporschnellte, mit Riesenschritten auf ihn zustapfte – wie hundert
blasse Gesichter mit entsetzten Mienen auf ihn gerichtet waren – seine
Gedanken überschlugen sich, in drei Sekunden hatte er überlegt: „Wenn er
dich haut, fängst du den Schlag mit dem rechten Ellenbogen auf – bis
Wiesing gehst du drei Stunden, es ist eben sechs, um neun bist du da, du
schläfst beim Pichert und gehst morgen nach Haus – Brauns Marjänni wird
die Hände überm Kopf zusammenschlagen – der Vater wird schimpfen, aber
die Mutter ...“
Da stand der Direktor vor ihm. Er spürte seine Hand schwer auf seiner
Schulter und litt sie, ohne mit der Wimper zu zucken, ohne sich zu
beugen, trotzig gegen den Druck gestemmt, stolz, daß er ihn ohne
nachzugeben trug. Als sich aber dieselbe Hand um seinen Oberarm krallte,
machte er sich los durch einen heftigen Ruck.
„Du gottverlassenes Subjekt! Hinaus!“ Die gellende Stimme kippte auf der
höchsten Stufe um. „Hinaus!“ Fenn dachte, wie seine Mutter mit ihm im
Park auf der Bank gesessen, wie sie ihm den Fünfziger zustecken wollte,
wie er sich gegen ihre Zuckerplätzchen gesträubt hatte. Es schien ihm
ungeheuerlich, daß er sie mit tugendstolzem Verweis hätte anfahren, daß
sie sich weinend mit ihrem Körbchen zum Gehen hätte wenden sollen – so
unausdenkbar schien ihm das, so wider die Natur, daß er nur den einen
Drang verspürte: Fort! Heim! Fort von den Menschen, die so
Ungeheuerliches als Tugend von dir fordern!
Und im krampfhaften Selbsterhaltungstrieb seiner Seele packte er aus dem
Pult seine kaum verstauten Siebensachen zusammen und ging hinaus. Der
Direktor keuchte hinter ihm drein. Und schwer atmend saßen die Schüler,
wie im Theater die Zuschauer, wenn nach einem guten Aktschluß der
Vorhang gefallen ist.
Fritz Lampert sagte zu seinem Pultnachbar, dem kleinen Zahnbürstenmann:
„Der ist keine Bangbüx, was?“
„Der Alte haut ihn eklig durch, paß auf!“ sagte der Kleine, halb
schaudernd, halb schadenfroh.
„Wetten, daß nicht?“ erwiderte Fritz. Und im weitern Verlauf des leise
geflüsterten Gesprächs vertraute der Kleine Fritz an, daß er Unmengen
von Schokoladenpralinés und kandierten Nüssen und sonstigen teuren
Bonbons in seiner Wäsche verborgen habe, wogegen Fritz mit seinen Äpfeln
und seiner Schokolade nicht aufkam. Auf Heine Putty hatte der Vorgang
gewirkt, als wäre ein Blitzschlag vor seinen Füßen in den Boden
gefahren. Soviel Mut, um einem Allgewaltigen, wie dem Direktor die Zähne
zu zeigen, gab es ja gar nicht! Er malte sich gräßliche Dinge aus, die
nun mit Fenn Kaß geschehen würden. Er sah ihn auf den Knien,
händeringend, auf dem Boden sich wälzend vor dem Donnergott Kleyer, sah
ihn mit Schimpf und Schande aus dem Haus gejagt, sah ganz Wiesing wegen
solchen Abenteuers in Aufruhr.
Von alledem ereignete sich gar nichts. Abends erschien Fenn Kaß, als ob
nichts geschehen wäre, beim gemeinschaftlichen Abendessen und wandelte
nach Tisch, während die andern im Korridor sich jagten, mit Theo Schütz
den langen Gang auf und ab.
„Er hat gemeint, ich merke nicht, wie ihm nur daran gelegen war, daß er
vor den Jungens mich unterkriegt. Nachher war er gut zu mir. Ich habe
ihm gesagt, wenn ich meiner Mutter so gekommen wäre, wie der Louis Binz,
dann hätte sie mir eine kräftige heruntergehauen. Er sagte: Ja, unser
Herrgott hat allerlei Kostgänger. Ich müßte mich abschleifen, ich sei
ein trotziger Mensch ...“
„Du mußt den Bruder Esel bändigen!“
„Natürlich. Mein Bruder Esel ist ganz besonders starrnackig, hat er
gesagt, aber er will mir dabei helfen; ich habe wohl gemerkt, er hatte
es drauf angelegt, daß ich gerührt würde. Aber ich habe mir das Lachen
verbeißen müssen.“
„Ja, wenn er so auf einen losredet, dann wird er wirklich selber warm.
Weißt du, er ist im Grunde ein guter Kerl, nur daß er manchmal zu arg
daneben haut.“
Die Glocke gellte. Es war Schlafenszeit.
Fenn Kaß ging an diesem Abend zu Bett mit einem großen, sichern Gefühl
der Beruhigung. Er war sich in seinem Knabeninstinkt bewußt: Du bist in
der richtigen Bahn, du hast zu Menschen und Dingen das Verhältnis
gewonnen, das dir Lebensbedingung ist, du hast dich durchgesetzt.