Da bin ich. (Zu ihr.)

Schauspielerin.

So, jetzt bleib' schön ruhig liegen ..... Pst ..... nicht rühren.

Dichter.

Ja, was fällt dir denn ein?

Schauspielerin.

Du möchtest wohl gerne ein Verhältnis mit mir haben?

Dichter.

Das dürfte dir doch bereits klar sein.

Schauspielerin.

Nun, das möchte wohl mancher ....

Dichter.

Es ist aber doch nicht zu bezweifeln, daß in diesem Moment ich die

meisten Chancen habe.

Schauspielerin.

So komm', meine Grille! Ich werde dich von nun an Grille nennen.

Dichter.

Schön ....

Schauspielerin.

Nun, wen betrüg' ich?

Dichter.

Wen?.... Vielleicht mich ....

Schauspielerin.

Mein Kind, du bist schwer gehirnleidend.

Dichter.

Oder einen ..... den du selbst nie gesehen ..... einen, den du nicht

kennst, einen -- der für dich bestimmt ist und den du nie finden

kannst ....

Schauspielerin.

Ich bitte dich, rede nicht so märchenhaft blöd.

Dichter.

.... Ist es nicht sonderbar, .... auch du -- und man sollte doch

glauben. -- Aber nein, es hieße dir dein bestes rauben, wollte man dir

.... komm', komm' -- -- komm' --

* * * * *

Schauspielerin.

Das ist doch schöner, als in blödsinnigen Stücken spielen .... was

meinst du?

Dichter.

Nun, ich mein', es ist gut, daß du doch zuweilen in vernünftigen zu

spielen hast.

Schauspielerin.

Du arroganter Hund meinst gewiß wieder das deine?

Dichter.

Jawohl!

Schauspielerin (ernst).

Das ist wohl ein herrliches Stück!

Dichter.

Nun also!

Schauspielerin.

Ja, du bist ein großes Genie, Robert!

Dichter.

Bei dieser Gelegenheit könntest du mir übrigens sagen, warum du

vorgestern abgesagt hast. Es hat dir doch absolut gar nichts gefehlt.

Schauspielerin.

Nun, ich wollte dich ärgern.

Dichter.

Ja warum denn? Was hab' ich dir denn getan?

Schauspielerin.

Arrogant bist du gewesen.

Dichter.

Wieso?

Schauspielerin.

Alle im Theater finden es.

Dichter.

So.

Schauspielerin.

Aber ich hab' ihnen gesagt: Der Mann hat wohl ein Recht, arrogant zu

sein.

Dichter.

Und was haben die anderen geantwortet?

Schauspielerin.

Was sollen mir denn die Leute antworten? Ich rede ja mit keinem.

Dichter.

Ach so.

Schauspielerin.

Sie möchten mich am liebsten alle vergiften. Aber das wird ihnen nicht

gelingen.

Dichter.

Denke jetzt nicht an die anderen Menschen. Freue dich lieber, daß wir

hier sind und sage mir, daß du mich lieb hast.

Schauspielerin.

Verlangst du noch weitere Beweise?

Dichter.

Bewiesen kann das überhaupt nicht werden.

Schauspielerin.

Das ist aber großartig! Was willst du denn noch?

Dichter.

Wie vielen hast du es schon auf diese Art beweisen wollen ..... hast du

alle geliebt?

Schauspielerin.

Oh nein. Geliebt hab' ich nur einen.

Dichter (umarmt sie).

Mein ....

Schauspielerin.

Fritz.

Dichter.

Ich heiße Robert. Was bin denn ich für dich, wenn du jetzt an Fritz

denkst?

Schauspielerin.

Du bist eine Laune.

Dichter.

Gut, daß ich es weiß.

Schauspielerin.

Nun sag', bist du nicht stolz?

Dichter.

Ja, weshalb soll ich denn stolz sein?

Schauspielerin.

Ich denke, daß du wohl einen Grund dazu hast.

Dichter.

Ach deswegen.

Schauspielerin.

Jawohl, deswegen, meine blasse Grille! -- Nun, wie ist das mit dem

Zirpen? Zirpen sie noch?

Dichter.

Ununterbrochen. Hörst du's denn nicht?

Schauspielerin.

Freilich hör' ich. Aber das sind Frösche, mein Kind.

Dichter.

Du irrst Dich; die quaken.

Schauspielerin.

Gewiß quaken sie.

Dichter.

Aber nicht hier, mein Kind, hier wird gezirpt.

Schauspielerin.

Du bist wohl das eigensinnigste, was mir je untergekommen ist. Gib mir

einen Kuß, mein Frosch!

Dichter.

Bitte sehr, nenn' mich nicht so. Das macht mich direkt nervös.

Schauspielerin.

Nun, wie soll ich dich nennen.

Dichter.

Ich hab' doch einen Namen: Robert.

Schauspielerin.

Ach, das ist zu dumm.

Dichter.

Ich bitte dich aber, mich einfach so zu nennen, wie ich heiße.

Schauspielerin.

Also Robert, gib mir einen Kuß ... Ah! (Sie küßt ihn.) Bist du jetzt

zufrieden, Frosch? Hahahaha.

Dichter.

Würdest du mir erlauben, mir eine Zigarette anzuzünden?

Schauspielerin.

Gib mir auch eine.

Er nimmt die Zigarettentasche vom Nachtkästchen, entnimmt ihr zwei

Zigaretten, zündet beide an, gibt ihr eine.

Schauspielerin.

Du hast mir übrigens noch kein Wort über meine gestrige Leistung gesagt.

Dichter.

Über welche Leistung?

Schauspielerin.

Nun.

Dichter.

Ach so. Ich war nicht im Theater.

Schauspielerin.

Du beliebst wohl zu scherzen.

Dichter.

Durchaus nicht. Nachdem du vorgestern abgesagt hast, habe ich

angenommen, daß du auch gestern noch nicht im Vollbesitze deiner Kräfte

sein würdest und da hab' ich lieber verzichtet.

Schauspielerin.

Du hast wohl viel versäumt.

Dichter.

So.

Schauspielerin.

Es war sensationell. Die Menschen sind blaß geworden.

Dichter.

Hast du das deutlich bemerkt?

Schauspielerin.

Benno sagte: Kind, du hast gespielt wie eine Göttin.

Dichter.

Hm!..... Und vorgestern noch so krank.

Schauspielerin.

Jawohl; ich war es auch. Und weißt du warum? Vor Sehnsucht nach dir.

Dichter.

Früher hast du mir erzählt, du wolltest mich ärgern und hast darum

abgesagt.

Schauspielerin.

Aber was weißt du von meiner Liebe zu dir. Dich läßt das ja alles kalt.

Und ich bin schon Nächtelang im Fieber gelegen, vierzig Grad!

Dichter.

Für eine Laune ist das ziemlich hoch.

Schauspielerin.

Laune nennst du das? Ich sterbe vor Liebe zu dir und du nennst es

Laune --?!

Dichter.

Und Fritz ....?

Schauspielerin.

Reigen: Zehn Dialoge · 第 78 / 87 题