Später! (Er kommt mit dem Licht zu ihr, betrachtet sie lang.)

Das süße Mädel (bedeckt ihr Gesicht mit den Händen).

Geh', Robert!

Der Dichter.

Du bist schön, du bist die Schönheit, du bist vielleicht sogar die

Natur, du bist die heilige Einfalt.

Das süße Mädel.

Oh weh, du tropfst mich ja an! Schau, was gibst denn nicht acht!

Der Dichter (stellt die Kerze weg).

Du bist das, was ich seit lange gesucht habe. Du liebst nur _mich_, du

würdest mich auch lieben, wenn ich Schnittwarencommis wäre. Das tut

wohl. Ich will dir gestehen, daß ich einen gewissen Verdacht bis zu

diesem Moment nicht losgeworden bin. Sag' ehrlich, hast du nicht geahnt,

daß ich Biebitz bin?

Das süße Mädel.

Aber geh', ich weiß gar nicht, was du von mir willst. Ich kenn' ja gar

kein' Biebitz.

Der Dichter.

Was ist der Ruhm! Nein, vergiß, was ich gesagt habe, vergiß sogar den

Namen, den ich dir gesagt hab'. Robert bin ich und will ich für dich

bleiben. Ich hab' auch nur gescherzt. (Leicht.) Ich bin ja nicht

Schriftsteller, ich bin Commis und am Abend spiel' ich bei Volkssängern

Klavier.

Das süße Mädel.

Ja, jetzt kenn' ich mich aber nicht mehr aus ...... nein, und wie du

einen nur anschaust. Ja, was ist denn, ja was hast denn?

Der Dichter.

Es ist sehr sonderbar -- was mir beinah' noch nie passiert ist, mein

Schatz, mir sind die Tränen nah. Du ergreifst mich tief. Wir wollen

zusammen bleiben, ja? Wir werden einander sehr lieb haben.

Das süße Mädel.

Du, ist das wahr mit den Volkssängern?

Der Dichter.

Ja, aber frag' nicht weiter. Wenn du mich lieb hast, frag' überhaupt

nichts. Sag', kannst du dich auf ein paar Wochen ganz frei machen?

Das süße Mädel.

Wieso ganz frei?

Der Dichter.

Nun, vom Hause weg?

Das süße Mädel.

Aber!! Wie kann ich das! Was möcht' die Mutter sagen? Und dann, ohne

mich ging' ja alles schief zu Haus.

Der Dichter.

Ich hatte es mir schön vorgestellt, mit dir zusammen, allein mit dir,

irgendwo in der Einsamkeit draußen, im Wald, in der Natur ein paar

Wochen zu leben. Natur .... in der Natur. Und dann, eines Tages Adieu --

von einander gehen, ohne zu wissen, wohin.

Das süße Mädel.

Jetzt redst schon vom Adieusagen! Und ich hab' gemeint, daß du mich so

gern hast.

Der Dichter.

Gerade darum -- (Beugt sich zu ihr und küßt sie auf die Stirn.) Du süßes

Geschöpf!

Das süße Mädel.

Geh', halt mich fest, mir ist so kalt.

Der Dichter.

Es wird Zeit sein, daß du dich ankleidest. Warte, ich zünde dir noch ein

paar Kerzen an.

Das süße Mädel (erhebt sich).

Nicht herschauen.

Der Dichter.

Nein. (Am Fenster.) Sag' mir, mein Kind, bist du glücklich?

Das süße Mädel.

Wie meinst das?

Der Dichter.

Ich mein' im allgemeinen, ob du glücklich bist?

Das süße Mädel.

Es könnt' schon besser gehen.

Der Dichter.

Du mißverstehst mich. Von deinen häuslichen Verhältnissen hast du mir ja

schon genug erzählt. Ich weiß, daß du keine Prinzessin bist. Ich mein',

wenn du von alledem absiehst, wenn du dich einfach leben spürst. Spürst

du dich überhaupt leben?

Das süße Mädel.

Geh', hast kein' Kamm?

Der Dichter (geht zum Toilettetisch, gibt ihr den Kamm, betrachtet das

süße Mädel).

Herrgott, siehst du so entzückend aus!

Das süße Mädel.

Na .... nicht!

Der Dichter.

Geh', bleib' noch da, bleib' da, ich hol' 'was zum Nachtmahl und ....

Das süße Mädel.

Aber es ist ja schon viel zu spät.

Der Dichter.

Es ist noch nicht neun.

Das süße Mädel.

Na, sei so gut, da muß ich mich aber tummeln.

Der Dichter.

Wann werden wir uns denn wiedersehen?

Das süße Mädel.

Na, wann willst mich denn wiedersehen?

Der Dichter.

Morgen.

Das süße Mädel.

Was ist denn morgen für ein Tag?

Der Dichter.

Samstag.

Das süße Mädel.

Oh da kann ich nicht, da muß ich mit meiner kleinen Schwester zum

Vormund.

Der Dichter.

Also Sonntag .... hm .... Sonntag .... am Sonntag .... jetzt werd' ich

dir 'was erklären. -- Ich bin nicht Biebitz, aber Biebitz ist mein

Freund. Ich werd' dir ihn einmal vorstellen. Aber Sonntag ist das Stück

von Biebitz; ich werd' dir eine Karte schicken und werde dich dann vom

Theater abholen. Du wirst mir sagen, wie dir das Stück gefallen hat; ja?

Das süße Mädel.

Jetzt, die G'schicht' mit dem Biebitz -- da bin ich schon ganz blöd.

Der Dichter.

Völlig werd' ich dich erst kennen, wenn ich weiß, was du bei diesem

Stück empfunden hast.

Das süße Mädel.

So ..., ich bin fertig.

Der Dichter.

Komm', mein Schatz!

(Sie gehen.)

Reigen: Zehn Dialoge · 第 70 / 87 题