Nein, ich bin schon lieber da bei dir. (Streichelt sie.)

Das süße Mädel.

Geh', willst nicht lieber Licht machen?

Der Dichter.

Oh nein .... Diese Dämmerung tut ja so wohl. Wir waren heute den ganzen

Tag wie in Sonnenstrahlen gebadet. Jetzt sind wir sozusagen aus dem Bad

gestiegen und schlagen .... die Dämmerung wie einen Badmantel (lacht) ah

nein -- das muß anders gesagt werden .... Findest du nicht?

Das süße Mädel.

Weiß nicht.

Der Dichter (sich leicht von ihr entfernend).

Göttlich, diese Dummheit! (Nimmt ein Notizbuch und schreibt ein paar

Worte hinein.)

Das süße Mädel.

Was machst denn? (Sich nach ihm umwendend.) Was schreibst dir denn auf?

Der Dichter (leise).

Sonne, Bad, Dämmerung, Mantel .... so .... (steckt das Notizbuch ein.

Laut). Nichts .... Jetzt sag' einmal, mein Schatz, möchtest du nicht

etwas essen oder trinken?

Das süße Mädel.

Durst hab' ich eigentlich keinen. Aber Appetit.

Der Dichter.

Hm .... mir wär' lieber, du hättest Durst. Cognac hab' ich nämlich zu

Haus, aber Essen müßte ich erst holen.

Das süße Mädel.

Kannst nichts holen lassen?

Der Dichter.

Das ist schwer, meine Bedienerin ist jetzt nicht mehr da -- na wart' --

ich geh' schon selber .... was magst du denn?

Das süße Mädel.

Aber es zahlt sich ja wirklich nimmer aus, ich muß ja so wie so zu Haus.

Der Dichter.

Kind, _da_von ist keine Rede. Aber ich werd' dir 'was sagen: wenn wir

weggeh'n, geh'n wir zusammen wohin nachtmahlen.

Das süße Mädel.

Oh nein. Dazu hab' ich keine Zeit. Und dann, wohin sollen wir denn? Es

könnt' uns ja 'wer Bekannter seh'n.

Der Dichter.

Hast du denn gar so viel Bekannte?

Das süße Mädel.

Es braucht uns ja nur Einer zu seh'n, ist's Malheur schon fertig.

Der Dichter.

Was ist denn das für ein Malheur?

Das süße Mädel.

Na, was glaubst, wenn die Mutter 'was hört ....

Der Dichter.

Wir können ja doch irgend wohin gehen, wo uns niemand sieht, es gibt ja

Gasthäuser mit einzelnen Zimmern.

Das süße Mädel (singend).

Ja, beim Souper im chambre separée!

Der Dichter.

Warst du schon einmal in einem chambre separée?

Das süße Mädel.

Wenn ich die Wahrheit sagen soll -- ja.

Der Dichter.

Wer war der Glückliche?

Das süße Mädel.

Oh das ist nicht, wie du meinst .... ich war mit meiner Freundin und

ihrem Bräutigam. Die haben mich mitgenommen.

Der Dichter.

So. Und das soll ich dir am End' glauben?

Das süße Mädel.

Brauchst mir ja nicht zu glauben!

Der Dichter (nah bei ihr).

Bist du jetzt rot geworden? Man sieht nichts mehr! Ich kann deine Züge

nicht mehr ausnehmen. (Mit seiner Hand berührt er ihre Wangen.) Aber

auch so erkenn' ich dich.

Das süße Mädel.

Na, pass' nur auf, daß du mich mit keiner andern verwechselst.

Der Dichter.

Es ist seltsam, ich kann mich nicht mehr erinnern, wie du aussiehst.

Das süße Mädel.

Dank' schön!

Der Dichter (ernst).

Du, das ist beinah' unheimlich, ich kann mir dich nicht vorstellen -- In

einem gewissen Sinne hab' ich dich schon vergessen -- Wenn ich mich auch

nicht mehr an den Klang deiner Stimme erinnern könnte .... was wärst du

da eigentlich? -- Nah und fern zugleich .... unheimlich.

Das süße Mädel.

Geh', was redst denn --?

Der Dichter.

Reigen: Zehn Dialoge · 第 68 / 87 题