Die junge Frau.
Alfred, sagen Sie mir einmal ganz genau, wie spät es ist.
Der junge Herr.
Es ist punkt viertel sieben.
Die junge Frau.
Jetzt sollte ich längst bei meiner Schwester sein.
Der junge Herr.
Ihre Schwester können Sie oft sehen ....
Die junge Frau.
Oh Gott, Alfred, warum haben Sie mich _dazu_ verleitet.
Der junge Herr.
Weil ich Sie .... anbete, Emma.
Die junge Frau.
Wie vielen haben Sie das schon gesagt?
Der junge Herr.
Seit ich Sie gesehen, niemandem.
Die junge Frau.
Was bin ich für eine leichtsinnige Person! Wer mir das vorausgesagt
hätte ... noch vor acht Tagen ... noch gestern ...
Der junge Herr.
Und vorgestern haben Sie mir ja schon versprochen ...
Die junge Frau.
Sie haben mich so gequält. Aber ich habe es nicht tun wollen. Gott ist
mein Zeuge -- ich habe es nicht tun wollen ... Gestern war ich fest
entschlossen ... Wissen Sie, daß ich Ihnen gestern Abends sogar einen
langen Brief geschrieben habe?
Der junge Herr.
Ich habe keinen bekommen.
Die junge Frau.
Ich habe ihn wieder zerrissen. Oh, ich hätte Ihnen lieber diesen Brief
schicken sollen.
Der junge Herr.
Es ist doch besser so.
Die junge Frau.
Oh nein, es ist schändlich ... von mir. Ich begreife mich selber nicht.
Adieu, Alfred, lassen Sie mich.
Der junge Herr (umfaßt sie und bedeckt ihr Gesicht mit heißen Küssen).
Die junge Frau.
So ... halten Sie Ihr Wort ...
Der junge Herr.
Noch einen Kuß -- noch einen.
Die junge Frau.
Den letzten. (Er küßt sie; sie erwidert den Kuß; ihre Lippen bleiben
lange aneinandergeschlossen.)
Der junge Herr.
Soll ich Ihnen etwas sagen, Emma? Ich weiß jetzt erst, was Glück ist.
Die junge Frau (sinkt in ein Fauteuil zurück).
Der junge Herr (setzt sich auf die Lehne, schlingt einen Arm leicht um
ihren Nacken).
.... oder vielmehr ich weiß jetzt erst, was Glück sein könnte.
Die junge Frau (seufzt tief auf).
Der junge Herr (küßt sie wieder).
Die junge Frau.
Alfred, Alfred, was machen Sie aus mir!
Der junge Herr.
Nicht wahr -- es ist hier gar nicht so ungemütlich ... Und wir sind ja
hier so sicher! Es ist doch tausendmal schöner als diese Rendezvous im
Freien ...
Die junge Frau.
Oh, erinnern Sie mich nur nicht daran.
Der junge Herr.
Ich werde auch daran immer mit tausend Freuden denken. Für mich ist jede
Minute, die ich an Ihrer Seite verbringen durfte, eine süße Erinnerung.
Die junge Frau.
Erinnern Sie sich noch an den Industriellenball?
Der junge Herr.
Ob ich mich daran erinnere ...? Da bin ich ja während des Soupers neben
Ihnen gesessen, ganz nahe neben Ihnen. Ihr Mann hat Champagner ...
Die junge Frau (sieht ihn klagend an).
Der junge Herr.
Ich wollte nur vom Champagner reden. Sagen Sie, Emma, wollen Sie nicht
ein Glas Cognac trinken?
Die junge Frau.
Einen Tropfen, aber geben Sie mir vorher ein Glas Wasser.
Der junge Herr.
Ja ... Wo ist denn nur -- ach ja ... (Er schlägt die Portière zurück und
geht ins Schlafzimmer).
Die junge Frau (sieht ihm nach).
Der junge Herr (kommt zurück mit einer Karaffe Wasser und zwei
Trinkgläsern).
Die junge Frau.
Wo waren Sie denn?
Der junge Herr.
Im ... Nebenzimmer. (Schenkt ein Glas Wasser ein).
Die junge Frau.
Jetzt werde ich Sie etwas fragen, Alfred -- und schwören Sie mir, daß
Sie mir die Wahrheit sagen werden.
Der junge Herr.