Abend. -- Ein mit banaler Eleganz möblierter Salon in einem Hause der
Schwindgasse.
_Der junge Herr_ ist eben eingetreten, zündet, während er noch den Hut
auf dem Kopf und den Überzieher an hat, die Kerzen an. Dann öffnet er
die Tür zum Nebenzimmer und wirft einen Blick hinein. Von den Kerzen des
Salons geht der Lichtschein über das Parkett bis zu einem Himmelbett,
das an der abschließenden Wand steht. Von dem Kamin in einer Ecke des
Schlafzimmers verbreitet sich ein rötlicher Lichtschein auf die Vorhänge
des Bettes. -- Der junge Herr besichtigt auch das Schlafzimmer. Von dem
Trumeau nimmt er einen Sprayapparat und bespritzt die Bettpolster mit
feinen Strahlen von Veilchenparfüm. Dann geht er mit dem Sprayapparat
durch beide Zimmer und drückt unaufhörlich auf den kleinen Ballon, so
daß es bald überall nach Veilchen riecht. Dann legt er Überzieher und
Hut ab. Er setzt sich auf das blausammtene Fauteuil, zündet sich eine
Zigarette an und raucht. Nach einer kleinen Weile erhebt er sich wieder
und vergewissert sich, daß die grünen Jalousien geschlossen sind.
Plötzlich geht er wieder ins Schlafzimmer, öffnet die Lade des
Nachtkästchens. Er fühlt hinein und findet eine Schildkrothaarnadel. Er
sucht nach einem Ort, sie zu verstecken, gibt sie endlich in die Tasche
seines Überziehers. Dann öffnet er einen Schrank, der im Salon steht,
nimmt eine silberne Tasse mit einer Flasche Cognac und zwei
Likörgläschen heraus, stellt alles auf den Tisch. Er geht wieder zu
seinem Überzieher, aus dem er jetzt ein kleines weißes Päckchen nimmt.
Er öffnet es und legt es zum Cognac; geht wieder zum Schrank, nimmt zwei
kleine Teller und Eßbestecke heraus. Er entnimmt dem kleinen Paket eine
glasierte Kastanie und ißt sie. Dann schenkt er sich ein Glas Cognac ein
und trinkt es rasch aus. Dann sieht er auf seine Uhr. Er geht im Zimmer
auf und ab. -- Vor dem großen Wandspiegel bleibt er eine Weile stehen,
richtet mit seinem Taschenkamm das Haar und den kleinen Schnurrbart. --
Er geht nun zur Vorzimmertür und horcht. Nichts regt sich. Dann zieht er
die blauen Portieren, die vor der Schlafzimmertür angebracht sind,
zusammen. Es klingelt. Der junge Herr fährt leicht zusammen. Dann setzt
er sich auf den Fauteuil und erhebt sich erst, als die Tür geöffnet wird
und die junge Frau eintritt. --
Die junge Frau (dicht verschleiert, schließt die Thür hinter sich,
bleibt einen Augenblick stehen, indem sie die linke Hand aufs Herz legt,
als müsse sie eine gewaltige Erregung bemeistern).
Der junge Herr (tritt auf sie zu, nimmt ihre linke Hand und drückt auf
den weißen, schwarz tamburierten Handschuh einen Kuß. Er sagt leise:)
Ich danke Ihnen.
Die junge Frau.
Alfred -- Alfred!
Der junge Herr.
Kommen Sie, gnädige Frau .... Kommen Sie, Frau Emma ....
Die junge Frau.
Lassen Sie mich noch eine Weile -- bitte .... oh bitte sehr, Alfred!
(Sie steht noch immer an der Tür).
Der junge Herr (steht vor ihr, hält ihre Hand).
Die junge Frau.
Wo bin ich denn eigentlich?
Der junge Herr.
Bei mir.
Die junge Frau.
Dieses Haus ist schrecklich, Alfred.
Der junge Herr.
Warum denn? Es ist ein sehr vornehmes Haus.
Die junge Frau.
Ich bin zwei Herren auf der Stiege begegnet.
Der junge Herr.
Bekannte?
Die junge Frau.
Ich weiß nicht. Es ist möglich.
Der junge Herr.
Pardon, gnädige Frau -- aber Sie kennen doch Ihre Bekannten.
Die junge Frau.
Ich habe ja gar nichts gesehen.
Der junge Herr.
Aber wenn es selbst Ihre besten Freunde waren, -- sie können ja _Sie_
nicht erkannt haben. Ich selbst ... wenn ich nicht wüßte, daß Sie es
sind .... dieser Schleier --.
Die junge Frau.
Es sind zwei.
Der junge Herr.
Wollen Sie nicht ein bischen näher?.... Und Ihren Hut legen Sie doch
wenigstens ab!
Die junge Frau.
Was fällt Ihnen ein, Alfred? Ich habe Ihnen gesagt: Fünf Minuten ....
Nein, länger nicht .... ich schwöre Ihnen --
Der junge Herr.