So, fünf Uhr. -- Ist gut. --

Das Stubenmädchen (geht; bei der Tür wendet sie sich um; der junge Herr

hat ihr nachgeschaut; sie merkt es und lächelt).

Der junge Herr (bleibt eine Weile liegen, dann steht er plötzlich auf.

Er geht bis zur Tür, wieder zurück, legt sich auf den Divan. Er versucht

wieder zu lesen. Nach ein paar Minuten klingelt er wieder).

Das Stubenmädchen (erscheint mit einem Lächeln, das sie nicht zu

verbergen sucht).

Der junge Herr.

Sie, Marie, was ich Sie hab' fragen wollen. War heut' Vormittag nicht

der Doktor Schüller da?

Das Stubenmädchen.

Nein, heut Vormittag war niemand da.

Der junge Herr.

So, das ist merkwürdig. Also der Doktor Schüller war nicht da? Kennen

Sie überhaupt den Doktor Schüller?

Das Stubenmädchen.

Freilich. Das ist der große Herr mit dem schwarzen Vollbart.

Der junge Herr.

Ja. War er vielleicht doch da?

Das Stubenmädchen.

Nein, es war niemand da, junger Herr.

Der junge Herr (entschlossen).

Kommen Sie her, Marie.

Das Stubenmädchen (tritt etwas näher).

Bitt' schön.

Der junge Herr.

Näher .... so .... ah .... ich hab' nur geglaubt .....

Das Stubenmädchen.

Was haben der junge Herr?

Der junge Herr.

Geglaubt .... geglaubt hab' ich -- Nur wegen Ihrer Blusen .... Was ist

das für eine .... Na, kommen S' nur näher. Ich beiß Sie ja nicht.

Das Stubenmädchen (kommt zu ihm).

Was ist mit meiner Blusen? G'fallt sie dem jungen Herrn nicht?

Der junge Herr (faßt die Bluse an, wobei er das Stubenmädchen zu sich

herabzieht).

Blau? Das ist ganz ein schönes Blau. (Einfach.) Sie sind sehr nett

angezogen, Marie.

Das Stubenmädchen.

Aber junger Herr ....

Der junge Herr.

Na, was ist denn?.... (er hat ihre Bluse geöffnet. Sachlich): Sie haben

eine schöne weiße Haut, Marie.

Das Stubenmädchen.

Der junge Herr tut mir schmeicheln.

Der junge Herr (küßt sie auf die Brust).

Das kann doch nicht weh' tun.

Das Stubenmädchen.

O nein.

Der junge Herr.

Weil Sie so seufzen! Warum seufzen Sie denn?

Das Stubenmädchen.

Oh, Herr Alfred ....

Der junge Herr.

Und was Sie für nette Pantoffeln haben ....

Das Stubenmädchen.

.... Aber .... junger Herr .... wenn's draußen läut' --

Der junge Herr.

Wer wird denn jetzt läuten?

Das Stubenmädchen.

Aber junger Herr .... schaun S' .... es ist so licht ....

Der junge Herr.

Vor mir brauchen Sie sich nicht zu genieren. Sie brauchen sich überhaupt

vor niemandem .... wenn man so hübsch ist. Ja, meiner Seel'; Marie, Sie

sind .... Wissen Sie, Ihre Haare riechen sogar angenehm.

Das Stubenmädchen.

Herr Alfred ....

Der junge Herr.

Machen Sie keine solchen Geschichten, Marie .... ich hab' Sie schon

anders auch geseh'n. Wie ich neulich in der Nacht nach Haus gekommen

bin, und mir Wasser geholt hab'; da ist die Tür zu Ihrem Zimmer offen

gewesen .... na ....

Das Stubenmädchen (verbirgt ihr Gesicht).

Oh Gott, aber das hab ich gar nicht gewußt, daß der Herr Alfred so

schlimm sein kann.

Der junge Herr.

Da hab' ich sehr viel gesehen .... das ... und das .... und das ....

und --

Das Stubenmädchen.

Aber, Herr Alfred!

Der junge Herr.

Komm, komm .... daher .... so, ja so ...

Das Stubenmädchen.

Reigen: Zehn Dialoge · 第 25 / 87 题