Vom Himmel herab flimmerten die Sterne und spiegelten sich in der

unbewegten Fläche des Meeres. Unser Boot flog, von zwei Rudern

getrieben, still dahin und die kleinen Wasserberge, die vor dem Bug

sich aufwarfen, schossen helle Silberstrahlen hinauf gegen den dunkeln

Himmel, so dass sich Sternengold und flüssiges Silber in schönen

Wellenlinien zu begegnen schienen. Auch von den Rudern herab floss

es in tausend Silberfäden und leuchtende Perlen schwammen in unserm

Kielwasser. Sonst war das Meer weithin schwarz und regungslos, denn

die Frühlingsnacht hatte sich warm und schwer darübergelegt und heute

leuchtete kein Mond. Bei Mondenschein gibt es keinen Sardellenfang,

und um den Sardellenfang zu sehen, schossen wir hinaus in die

sternenflimmernde Nacht und in die dunkle See.

Wir fuhren aus dem Hafen von Lesina. Blumenduft gab uns das Geleite

und zog hinter uns her über die See. Rosmarin, Orange, Lorbeer und

die dalmatinische Föhre dufteten von den Anhöhen, welche die Bucht

umsäumen und tausend aromatische Kräuter mischten ihren Blüthenhauch

drein. Bäume, Blüthen und Berge waren aber von Nacht bedeckt. Nur

selten zeigte sich an halber Himmelshöhe eine zackige, dunkle, von

einem feinen, hellern Streifen begleitete Linie -- es waren die Kuppeln

des Höhenzuges, der die Bucht von Lesina gegen Nord und Ost in weitem

Schwunge bekränzt. Wir glitten rasch weiter in die Nacht hinein mit dem

schwarzen Meeresspiegel vor uns und dem silbern dämmernden Kielwasser

unseres Bootes im Rücken.

Eine Stunde dauerte die Fahrt. Von Zeit zu Zeit tauchten zur Rechten

und Linken massive dunkle Flecke auf; es waren Kuppen oder grössere

Felsen-Inseln, zwischen welchen hindurch unser Weg uns führte.

Dann lag wieder die weite dunkle Fläche glatt vor uns mit dem

Sternengefunkel drinnen.

»Jetzt fahren wir um den Scoglio Trauna herum, zwischen Karbun und

Klebuk durch -- und dann sind wir auch bei den Fischern. Heute muss

es wieder einen guten Zug geben, denn die See hat sich gegen Abend

abgekühlt. Es gab eine ordentliche Landbrise.« So sprach nach einer

Stunde absoluter Schweigsamkeit der ältere unserer Ruderer. Der Mann

hatte zur See gedient und war bei Lissa gewesen, wie er uns später

erzählte.

Vor uns zeigte sich ein dunkelrother Schein, von dem sich eine Reihe

von Klippen scharf abhob. Das Boot machte eine Wendung, die Klippen zu

unserer Rechten verschwanden und ein breiter Lichtstrahl drang zu uns

her, der Alles rings herum in noch tiefere Nacht hüllte und nur die

Fischerbarke beleuchtete, von der er ausging und zwei andere, die in

ihrer Nähe lagen. Es waren die Fischer.

An Bord der Barken war Alles in lebhafter Bewegung. Die eine derselben

hatte an einer starken Eisenstange, die über den Rand des Fahrzeuges

hinausragte, ein halbrundes Eisengitter als Rost befestigt, auf

welchem grosse Stücke Föhrenholz brannten. Die Flamme war blutroth

und der Rauch strich, von der schweren Luft niedergedrückt, über

das Wasser hin. Als unsere Augen sich an den blendenden Schein der

Flamme und die grelle Beleuchtung etwas gewöhnt hatten, konnten wir,

näher kommend, allgemach die einzelnen Personen unterscheiden, die

in den Barken sich befanden. Ein alter Mann mit von tausend Runzeln

durchzogenem wettergebräuntem Gesichte und schneeweissen Haaren stand

am Bug neben dem Feuer und blickte angelegentlich in das Wasser. Zwei

Andere stützten sich auf die langen Ruder, die sie in gleichmässigem

Tacte, aber langsam bewegten. Niemand von ihnen sprach ein Wort.

Eine zweite Barke bewegte sich, gleichen Schritt haltend, in einiger

Entfernung neben der ersten hin und im Hintergrunde schaukelte sich

ruhig eine dritte, auf welcher zwei Männer, scheinbar unthätig, aber

mit gespannter Aufmerksamkeit dem Fischzuge folgend, sassen.

Plötzlich erschollen aus der Richtung her, gegen welche die Barken sich

bewegten, einzelne Rufe in slavischer Sprache, kurz und abgemessen

wie ein Commando. Sie kamen vom Lande her, von dem Ufer einer kleinen

Felsen-Insel, die vor uns lag und eine Bucht bildete, in welche wir,

ohne es zu bemerken, eingefahren waren. Auf jeden Commandoruf hob sich

etwas Langes von der Wasserfläche, um gleich darauf wieder plätschernd

zurückzufallen. Es waren, wie unser Führer uns belehrte, die Seile, an

welchen das Netz an's Land gezogen wurde.

»Sind denn wohl Sardellen im Netz?« fragte ich verwundert, denn ich

dachte, dass das eigentliche Fischen noch nicht begonnen hätte.

»Sardellen? natürlich! -- Sehen Sie nicht, wie sie davonspringen?

Das sind jene, die aus dem Netz entkommen, bevor es noch vollkommen

geschlossen ist -- jetzt aber ist es bald beisammen und dann entkommt

auch nicht eine mehr.«

Wirklich sahen wir nun einzelne helle Streifen, die silbernen Pfeilen

gleich, sich aus dem Wasser hoben, um, einen Augenblick an der

Oberfläche dahinschiessend, gleich wieder in demselben zu verschwinden.

Es waren Sardellen, die sich flüchteten; immer aber schossen sie gerade

auf das Leuchtfeuer der Barke zu. Wäre dort ein zweites Netz gewesen,

so würden sie in dasselbe gerathen sein, nachdem sie der ersten Gefahr

glücklich entronnen.

Jetzt zeigten sich an der Einfahrt der Bucht zwei andere Barken, die

langsam auf uns zukamen. Die Fischer in den drei Barken blickten

besorgt auf die neuen Ankömmlinge. Wir erfuhren, dass es sich da um

etwas handle, was man im gewöhnlichen Leben eine Gewerbsstörung nennt.

Nicht jeder Platz ist zum Sardellenfang geeignet. Der Schwarm der im

offenen Meere ziehenden Sardellen wird durch das weithin sichtbare

Leuchtfeuer der Barke zuerst nur angelockt. Sobald die Fischer bemerkt

haben, dass die Fische dem Feuer folgen, bewegen sie sich langsam der

Küste zu, wo in irgend einer Bucht der sandige, allmälig verlaufende

Grund gestattet, das feine Netz darüber hinzuziehen. Denn auf felsigem

Boden würde das Netz hängen bleiben und zerreissen. Damit aber die

Sardellen das Feuer bemerken, muss die Nacht möglichst finster sein,

daher der Fang nur bei Neumond vor sich gehen kann. Ferner dürfen die

Fische nicht beunruhigt werden, weil sonst der Schwarm nach allen

Richtungen zerstöbe. Da man nun jeden Fleck der Küste genau kennt, an

welchem ein Auswerfen der Sacknetze möglich ist, so versammeln sich, um

Streitigkeiten zu verhüten, vor jedem Neumonde vom Mai bis September

die aus je zwölf bis fünfzehn Mann bestehenden Partien der Fischer bei

der politischen Behörde und losen um den Fischplatz für die nächsten

mondlosen Nächte.

Das gilt für das Fischen mit Leuchtfeuer und Sacknetz. Andere Fischer

aber, die ohne Feuer und nur mit einem senkrecht herabhängenden

Streifnetze fischen, pflegen dann dem Leuchtfeuer nachzufahren, wodurch

der Zug der Sardellen gehemmt, auch theilweise abgehalten wird, dem

leuchtenden Magnet zu folgen. Da gibt es oft böse Worte und nicht

selten auch Aergeres als Worte. Denn ein guter Zug mit dem Sacknetze

kann genug Sardellen einbringen um tausend Fässchen damit zu füllen und

tausend Fässchen entsprechen einem Werthe von mehr als zwölftausend

Gulden, so dass der Gewinn eines einzelnen Fischers in einer einzigen

Nacht fünfhundert bis tausend Gulden betragen kann. Aber Glück müssen

die nächtlichen Meeresarbeiter haben und dürfen durch Streifnetze nicht

gestört werden.

Alle Fischer sind fromm, während sie das Handwerk üben. Vom Strande her

ertönt das Commando: »In Gottes Namen zieht die erste Leine!« oder: »In

Gottes Namens zieht die zweite Leine!« Dann wieder: »Gott geb' es, --

sie sind drinnen -- zieht beide Leinen!«

Und dabei näherten sich die Barken immer mehr dem Ufer und immer näher

kamen die unbeleuchteten Barken mit den räuberischen Streifnetzen.

Plötzlich unterbrach ein kleines Intermezzo die Reihen der frommen

Commandos. Die Barken mit den Streifnetzen waren in dem Dunkel auf

etwa fünfzig Schritte herangekommen, als von den anderen Barken ein

wahrer Hagel von Flüchen und Verwünschungen losbrach. Und um die Flüche

noch kräftiger zu machen, flogen dicke Prügel von Brennholz, wohl

gezielt, hinüber, so dass man sie heftig an den Bord der Fahrzeuge

anschlagen hörte. Flüche und hölzerne Wurfgeschosse wurden auch drüben

nicht gespart und schon wollten wir uns zurückziehen, um nicht in ein

unangenehmes Kreuzfeuer von fliegenden Holzstücken zu kommen, als mit

einemmale Alles still wurde. Der kritische Moment war vorüber -- das

Sacknetz streift den Grund -- die Leinen waren völlig angezogen und die

drei Barken fuhren völlig zusammen um die Beute aus der Tiefe zu heben.

Die Barken mit dem Streifnetze suchten das Weite und wir legten uns

mit unserem Boote hart an die Fischerbarken, die mit ihren Längsseiten

ein Dreieck bildeten, an dessen einem Winkel das Leuchtfeuer hellauf

flammte, die Barken und deren Bemannung mit einem Gluthscheine

übergiessend.

Die Seitenwände des Netzes waren über den Bord der drei Barken

heraufgezogen und auf der Fläche, die ringsum von den feinen Maschen

begrenzt war, war Alles Leben und Bewegung. Es sprudelte und kochte und

plätscherte mit einem betäubenden Geräusche, gerade als ob ein heftiger

Platzregen auf Steinplatten fiele. Es waren die Sardellen, die endlich

-- aber zu spät -- sich ihrer Verblendung bewusst wurden und nun in

wahnsinnigen Sprüngen sich über das Wasser zu heben und zu entkommen

suchten.

Die Männer tauchten Handnetze in das Gewühle der zappelnden

silberglänzenden Fische und leerten eines nach dem andern in den Boden

der Barken. Zwei Barken füllten sich bis hoch hinauf mit den kleinen

zarten Geschöpfen, die, schon im Trockenen, noch immer zappelten und

sprangen und sich gegen das ungewohnte Element wehrten. Es waren ihrer,

wie die Leute mit kundigem Auge schätzten, genug, um gegen zweihundert

Fässer damit zu füllen -- also ein guter und schöner Zug, der Alle

zufriedenstellte. Als der alte Fischer uns einen Korb frischer, noch

lebender Sardellen in das Boot hinüberreichte, that er es auch mit

einem »Gott sei die Ehre für den heutigen Fang!« aber unterliess es

doch nicht, gleich darauf den davonfahrenden Barken mit dem Streifnetze

einen kräftigen Fluch nachzusenden über das dunkle, leise athmende

Meer.

[Illustration: Morlake aus Nord-Dalmatien.]

Das Gigg des Kaisers.

Römische Machtausdehnung, italienischer Kunstsinn, venezianische

Tyrannei, Türkenkriege, kühne Fahrten über das ungemessene Meer,

Seeräuber, Erdbeben, Hungersnoth, orientalische Pest und die treibende,

ewig drängende und schaffende Kraft des wunderbaren südlichen Klimas,

das sind die Elemente, aus denen sich die Chronik dalmatinischen

Landes und dalmatinischer Städte zusammensetzt, das die Factoren, die

Dalmatien bald aufblühen machten mitten in dem wirren Chaos römischer

Kriegszüge und mittelalterlicher Fehden, bald zurückbleiben in dem

Wettkampfe der Völker auf der Bahn des Fortschrittes. Gegenwärtig

ist Dalmatien weit, sehr weit zurückgeblieben in seiner physischen

und moralischen Entwicklung -- die Ruinen seiner Städte und die

prachtvollen, aber halbzerfallenen Ueberreste seiner römischen und

venezianischen Baudenkmale bieten einen beinahe ebenso traurigen

Anblick wie die hellen Spitzen seiner entwaldeten Berge.

Was hier von Dalmatien im Allgemeinen gesagt ist, das findet im

Besonderen seine Anwendung auf die Stadt und Insel Curzola. Corcyra

Nigra hiess die Insel bei den Römern von der dunkeln Farbe, welche die

auf den Bergen prangenden Nadelwälder der Insel gaben; -- heute könnte

man sie beinahe mit demselben Recht »die weisse« nennen, mit welchem

sie einst »die schwarze« hiess, denn ihre Wälder sind bis auf wenige

kleine Bruchtheile verschwunden, ihre Quellen sind versiegt und mit

ihnen der Reichthum, der von Oben kommt. Heute sind die Curzolaner nur

mehr auf das Meer angewiesen, das eben das alte geblieben, und man kann

ihnen nicht nachsagen, dass sie diese letzte ihrer Hilfsquellen nicht

emsig genug benützen.

Am Nordende der Insel erstreckt sich eine winzig kleine Halbinsel

beinahe kreisrund in das Meer, nur mittels einer dünnen Landenge

mit dem Eiland in Verbindung. Diese Halbinsel bildet einen

vollkommen abgerundeten regelmässigen Kegel, der mit alten, bereits

halbzerfallenen Palästen bedeckt ist. Eine noch ganz erhaltene, mit

Thürmen versehene Mauer umgibt die Stadt -- Curzola -- und auf dem

Gipfel des Hügels steht die alterthümliche, im gothisch-byzantinischen

Style erbaute Domkirche, die das Gewirre der engen, den Berg

anstrebenden Gässchen krönt. Vom Meere aus gesehen, bietet die Stadt

den schönen Anblick, der allen Bauwerken der Venezianer eigen, --

von Innen mahnt sie nur gar zu deutlich an die Vergänglichkeit alles

Irdischen. Die Häuser mit den prächtigen, altvenezianischen Portalen

und Gesimsen stehen leer -- die Stockwerke sind einfach durchgefallen

und wenn man durch eines der Fenster in das Innere blickt, so sieht

man die hohen, mächtigen Mauern über und über mit wucherndem Epheu

bewachsen. Um den Eindruck noch öder zu machen, sind selbst die Thore

mit Bruchstücken von Säulen und alten Ziegeln vermauert, so dass man

eher einen Friedhof als die Wohnstätte lebender Menschen zu sehen

glaubt.

Uebrigens ist die Stadt reinlich und ebenso auch ihre Bewohner.

Es steckt noch etwas altrepublikanische Zucht in den Leuten, die

seinerzeit gelernt hatten, die Strassen rein zu halten, weil einer

der hochgebornen Herren Patrizier durch dieselbe seines Weges kommen

konnte, und nett gekleidet zu sein, wenn sie vor dem hohen Rathe zu

erscheinen hatten.

Die alten Curzolaner verstanden keinen Spass und hielten etwas darauf,

dass ordentliche Gesetze gegeben und auch gehalten wurden. In der

Bibliothek des kaiserlichen Real-Gymnasiums wird heute noch das einzig

übrige, auf Pergament geschriebene und aus dem Jahre 1214 stammende

Exemplar des Statutes aufbewahrt, welches der Freistaat Curzola sich

selbst gegeben. Die gesetzlichen Bestimmungen dieses Statuts sind von

einem humanen Geiste durchweht, den man im Anfange des dreizehnten

Jahrhunderts wohl vergeblich in irgend einem der heute so hoch

civilisirten Länder des übrigen Europas gesucht hätte. Es ist dies ein

merkwürdiger Beweis für die Richtigkeit des bekannten Ausspruches,

dass Bildung und gute Sitte sich in Spirallinien fortbewegen, des

öftern scheinbar zurückschreitend und doch im Ganzen vorwärtsstrebend.

Dass heute Dalmatien sich in der Epoche des scheinbaren Rückschrittes

befinde, wird kaum Jemand leugnen, der die jetzige Bildungsstufe

der Landbevölkerung mit den Bestimmungen vergleicht, die vor bald

sechshundert Jahren in dem Statute des Freistaates Curzola enthalten

waren. Da heisst es:

»Capitel 11. Von den Richtern, welche schlagen.«

»Und so befehlen und verordnen wir. Wenn einer von den höheren Richtern

irgend eine Person auf irgend eine Weise mit der Hand, mit dem Beil,

mit einem Eisen, mit dem Schwerte oder mit dem Messer schlägt oder

derselben die Kopfhaare ausreisst oder sie irgendwie in beleidigender

Weise geschlagen hat, so soll er (der Richter) mit dem Doppelten der

Strafe belegt werden, welcher nach den obigen Statuten jede andere

Person verfallen wäre. Und von der Strafe soll der Ankläger den vierten

Theil haben und drei Viertheile sollen der Gemeinde anheimfallen;

dabei soll immer noch dem Geschlagenen sein Recht gewahrt bleiben auf

die Entschädigung, die ihm nach den Bestimmungen dieses Statutes für

den erlittenen Schaden, die angewendeten Arzneien und den Zeitverlust

gebührt.«

»Capitel 18. Von den Schlägen unter Weibern.«

»Und so befehlen und verordnen wir. Wenn die Weiber untereinander sich

mit Steinen oder dem Beile schlagen oder Eine die Andere schlagen

liesse, so soll Jene, die schuldig befunden wird, sechs Perpera[46]

verlieren. Und wenn sie nicht zahlen kann, so soll sie im Kerker

bleiben, bis sie bezahlt hat. Und wenn die Geschlagene stirbt, so soll

Jene, welche geschlagen hat, als Todtschlägerin verurtheilt werden.

Und wenn Eine die Andere beschimpft, so sei sie, wenn es durch einen

geeigneten Zeugen bewiesen werden kann, um einen Perperum gestraft und

die Beschimpfte möge die Hälfte des Strafgeldes erhalten. Und wenn die

Geschlagene irgend ein Glied verliert, so möge sie verhört werden und

die Thäterin sei nach den Bestimmungen zu strafen, welche in diesem

Statute bezüglich des Verlustes von Gliedern festgesetzt wurden.«

[46] Eine alte Münze.

Der Handel mit Menschenfleisch, der in dem freien Amerika erst vor

wenigen Jahren durch einen blutigen und langwierigen Krieg unterdrückt

werden konnte, wurde bereits im Jahre 1418 für Curzola durch den

regierenden Rath aufgehoben. Denn am 9. März des genannten Jahres

erliess der Rath ein Gesetz, in welchem es heisst: »In demselben

Jahrtausend und Jahrhundert (1418) und zwar am 9. des Monats März,

wurde vorgeschlagen, beschlossen und verordnet: Wenn von jetzt an

irgend Jemand, welchen Standes, Ranges oder Geschlechts immer, sei

er ein Curzolaner oder ein in Curzola wohnender Fremder, auf irgend

eine Weise Sclavenhandel treibt, oder Briefe verfasst, schreibt,

übersetzt oder veranlasst, welche sich auf zu kaufende Sclaven

oder Sclavinnen beziehen, oder wenn Jemand zu diesem Zwecke das

Gemeindesiegel von Curzola missbraucht -- und wenn Einer, der diesem

Verbote zuwiderhandelt, dabei betroffen oder dessen angeklagt und

durch wenigstens zwei Zeugen überwiesen oder durch das Gerücht dessen

beinzichtigt wird, so soll er ohne Nachsicht gehalten sein, hundert

Ducaten in Gold zu erlegen, von welchen zwei Theile der Gemeinde von

Curzola gehören und gebühren, während einer, nämlich der dritte Theil

dem Ankläger gehört und gebührt, der diese Sünde angezeigt hat. Und

diese Verordnung und Vorschrift wollen wir, dass sie von heute an für

immer gehalten werde, und wenn Einer nicht so viel hätte, um die Strafe

zu bezahlen, +so geht es um seine Hand+ ...! Und diese Verordnung wurde

durch Stimmkugeln angenommen und beschlossen mit 58 gegen genau 3.«

Gesetze gegen den Sclavenhandel werden heute in Curzola nicht mehr

häufig übertreten. Die Bevölkerung hat, seitdem die Landwirthschaft

so arg daniederliegt, sich auf einen andern nicht minder nützlichen

Erwerbszweig geworfen, auf den Schiffsbau. Und da sind es besonders

kleine Boote, welche von den Handwerkern Curzolas so elegant und schön,

wie kaum irgendwo, gebaut werden. Eines dieser Fahrzeuge, ein Gigg von

geradezu feenhaft schönen Dimensionen, das die Schiffsbauer von Curzola

im Jahre 1863 dem Kaiser verehrten, gab den Anlass zur Einführung einer

der nützlichsten und in Dalmatien doch so seltenen Institutionen.

Der Kaiser, der das Geschenk gnädigst angenommen hatte, liess den

Erbauern des Giggs ein Geschenk von 100 Ducaten zukommen. Dieselben

fassten aber den practischen Entschluss, das Geld nicht unter sich

zu vertheilen, sondern es als Stammcapital eines zu errichtenden

Spar- und Vorschussvereins für Schiffbauer zu verwenden. Gedacht,

gethan! Die hundert kaiserlichen Ducaten hatten dem Unternehmen Glück

gebracht. Die Leute fingen an zu sparen und ihr erspartes Geld in die

Gesellschaftscasse zu legen, und heute verfügt der Verein über ein

eigenes schönes Capital. Heute findet ein armer Schiffszimmermann, der

alt oder bei der Arbeit zum Krüppel geworden, des Lebens dringendsten

Unterhalt bei dem Vereine, und Bettler gehören in Curzola zu den

seltensten Erscheinungen.

Das haben des Kaisers hundert Ducaten gethan.

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* * * * * *

Weitere Anmerkungen zur Transkription

Ein Inhaltsverzeichnis wurde zur besseren Orientierung ergänzt.

Offensichtlich fehlerhafte Zeichensetzung wurde stillschweigend

korrigiert.

Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.

Die inkonsistente Schreibweise wurde beibehalten, sofern nicht bei

den Korrekturen aufgeführt.

Korrekturen (das korrigierte Wort ist in {} eingeschlossen):

S. 16: überkommen → übernommen

den modernen Italienern die Unkenntniss der Geografie {übernommen}

S. 30: Damatiens → Dalmatiens

das langgestreckte Küstenland {Dalmatiens}

S. 31: Peppo → Beppo

Da stand das Haus des Herrn {Beppo}

S. 52: starkt → stark

die Umrisse eines {stark} verwischten Todtenkopfes zeigt

S. 53: donnne → donne

»il carnevaletto delle {donne}«

S. 54: musss → muss

an welchem die Procession vorüber ziehen {muss}

S. 54: nnd → und

{und} hinter allen dämmerigen Oellämpchen

S. 55: ausgestrekten → ausgestreckten

mit wagrecht {ausgestreckten} Armen gehen muss

S. 56: Aufmerksam → Aufmerksamkeit

sehen mit peinlicher {Aufmerksamkeit} darauf

S. 58: Damatien → Dalmatien

Erzählt man doch in {Dalmatien} hierüber

S. 59: Merre → Meere

eiskalten Fluthen in ungestümer Eile dem {Meere} zujagt

S. 60: seinen → seinem

um {seinem} Oelbaume nicht zu schaden

S. 65: welchem → welchen

Das sind die Momente, in {welchen} sie

S. 65: graviätischer → gravitätischer

und notirt mit {gravitätischer} Miene jedes Fass

S. 65: und und → und

im Hofraume {und} verzehren ihr Frühstück

S. 74: Tabakliferanten → Tabaklieferanten

Querzüge meines {Tabaklieferanten} Duje Braidovich

S. 76: österreichichen → österreichischen

auf der {österreichischen} Seite desselben

S. 77: Grundsäszen → Grundsätzen

von welchen {Grundsätzen} die Herren Bischöfe Dalmatiens

S. 81: mus → muss

Das Glas Wein {muss} übrigens ziemlich tief gewesen sein

S. 93: gewähnt → gewöhnt

und wer an derlei Scenen nicht {gewöhnt} wäre

S. 109: Aehnlishes → Aehnliches

dass {Aehnliches}, wie ich es jetzt erzählte

S. 110: lagen → langen

der fünf Fuss {langen} Flinte seines Vaters

S. 112: dieser → diesen

Bei {diesen} Worten hatte sein Weib

S. 113: zerklüfteteten → zerklüfteten

Vieh auf die {zerklüfteten} Bergabhänge treiben

S. 114: Glieden → Glieder

und die erstarrten {Glieder} zu wärmen

S. 114: Harnmbascha → Harambascha

ehe der {Harambascha} es ihm erzählte

S. 120: die → di

in der Bocca {di} Cattaro der Fall

S. 126: nnd → und

die Wogen hoben {und} senkten unsere kleine Barke

S. 132: oh → ob

hat die Luce gefragt, {ob} der Andre da gewesen

S. 147: erwiederte → erwiderte

der mir aber salbungsvoll {erwiederte}

S. 152: aher → aber

Andere Fischer {aber}, die ohne Feuer

Aus halbvergessenem Lande. Culturbilder aus Dalmatien · 第 12 / 12 段