nördlichen Theils von Südamerika ist und nur San Jago in Chile, was seine
Schulen und Universitäten betrifft, mit ihm wetteifern kann. Außerdem leben
in Quito eine wahre Unzahl von Malern und Bildhauern, die aber ihre
Kunst zu viel gewerbsmäßig treiben. Die zahllosen Kirchen sind mit
Holzschnitzereien, Verzierungen und Bildern überladen und müssen dadurch
die Andacht des Betenden vollkommen ablenken, denn dessen Auge findet
nirgends einen Ruhepunkt. Besonders ist die Malerei zu einer Art von
Handwerk herabgewürdigt, und es giebt eine Menge von Malern, die lange
Streifen von Leinwand in ihrem Atelier aufspannen, dieselbe in Gefache
abtheilen und nun z. B. einen heiligen Antonius (der besonders dort verehrt
wird) oder einen Anderen, genau in der nämlichen Stellung, so viele Male
darauf malen, als er eben Raum findet. Solche Streifen werden dann auch
nicht etwa zerschnitten und in Rahmen gefaßt, sondern aufgerollt und die
Bilder beim Dutzend und nach der Elle verkauft. Herumziehende Händler
kaufen die Bilder auf, und man kann mit gutem Gewissen behaupten, daß diese
kleine Gebirgsstadt -- mit Ausnahme einzelner, von Europa eingeführter
Gemälde -- die Kirchen von ganz Mittel- und Südamerika mit Heiligenbilder
versorgt, die auch nicht nach dem Kunstwerth derselben, sondern nach dem
Quadratfuß ihren Preis bestimmt bekommen. Uebrigens ist derselbe so billig,
daß ich wirklich nicht begreife, wie nur Oelfarbe und Leinwand damit
bezahlt werden.
Das muß man überhaupt den Quitenern lassen, es liegt ein Drang in ihnen,
etwas zu thun und zu leisten, den man im niedern heißen Lande nirgends
findet, und trotzdem thut die Lage ihrer eigenen, weit in die Berge
hineingebauten Stadt dabei Alles, um sie daran zu verhindern oder es ihnen
zu erschweren. Der einzige Hafen, durch welchen Quito bis jetzt mit
der übrigen Welt in Verbindung stand, war Guajaquil (berühmt seiner
Cacao-Ausfuhr und seiner Panamahüte wegen). Um Quito aber von dieser Seite
her zu Maulthier zu erreichen, denn ein Maulthierpfad ist der einzige
Verbindungsweg, braucht man gut fünf Tage, und Lastthiere gehen gewöhnlich
fünfzehn bis siebzehn -- ja in der Regenzeit ist der Weg gar nicht zu
passiren und die Verbindung mit der See vollständig abgeschnitten.
Welchen Nachtheil das für eine betriebsame Stadt und die dichtgedrängte
Bevölkerung des inneren Landes haben muß, läßt sich denken, und ganz wird
diese Schwierigkeit nie zu heben sein. Dagegen läßt sich ein großer Theil
derselben beseitigen, indem man eine andere und nähere Richtung zur Küste
einschlägt und einen Weg dahin baut. Einen ziemlich guten Hafen besitzt
Ecuador zu diesem Zweck noch im Pailon.
Der Ort liegt unmittelbar an der neugranadiensischen Grenze, und eine
englische Compagnie, »die =Ecuador land company=,« hat dort bedeutende
Landstrecken erworben und beabsichtigt einen Weg dorthin zu bauen. Gelingt
das, und es liegt kein Grund vor weßhalb nicht, so wird sich nicht allein
der quitenische Handel bedeutend heben, sondern Alles, was jene reichen, im
Innern gelegenen Distrikte produciren, kann auch auf den Markt gebracht und
verwerthet werden, und Pailon muß dann ein viel bedeutenderer Handelsplatz
werden, als es jetzt Guajaquil ist.
Furchtbaren Schaden hat freilich der werthvollste und fruchtbarste Distrikt
des ganzen Staates: die Provinz Imbaburru mit der Hauptstadt Ibarra durch
das letzte Erdbeben erlitten. Ibarra selbst ist vollständig zerstört.
40,000 Menschen kamen dabei um und große Strecken cultivirten Landes wurden
von heißem Wasser und Schlamm sowie Steingeröll überdeckt. Das Land wird
Jahre gebrauchen um sich von diesem Unglück zu erholen.
Quito selber wurde nicht so schwer davon betroffen. An den neuesten Kirchen
stürzten allerdings die Thürme ein und zahllose Häuser wurden beschädigt,
aber trotzdem hat die große Stadt nur den Verlust von 15 Menschenleben
dabei zu beklagen und ist reich genug um den Schaden bald wieder vergessen
zu machen.
Leipzig, Druck von Giesecke & Devrient.
[ Hinweise zur Transkription
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Fehlende und falsch gesetzte Anführungszeichen wurden korrigiert, sowie
gegebenenfalls "«," geändert in ",«".
Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, einschließlich
uneinheitlicher Schreibweisen wie beispielsweise "Bursche" -- "Burschen"
(beides als Plural), "Capitain" -- "Kapitain -- Kapitän", "deshalb" --
"deßhalb", "dies" -- "dieß", "erwiderte" -- "erwiederte", "fünfzig" --
"funfzig", "Halbindianer" -- "Halb-Indianer", "Halbwilde" -- "Halb-Wilde",
"Paar" -- "paar", "Kapitel" -- "Capitel", "Poney" -- "Ponney",
mit folgenden Ausnahmen,
Seite 1:
"tüchtig" geändert in "tüchtige"
(tüchtige Leute dafür zu gewinnen)
Seite 2:
"anf" geändert in "auf"
(draußen auf offener See herumkreuzen)
Seite 21:
";" eingefügt
(was sie auf ihrer langen Fahrt verdient hatten;)
Seite 21:
"brummt" geändert in "brummte"
(»Es ist eine ganz verfluchte Geschichte,« brummte Bob)
Seite 21:
"sagt" geändert in "sagte"
(»Eben hab' ich es da drüben noch gesehen,« sagte Dick)
Seite 23:
"Bootssteurer" geändert in "Bootssteuerer"
(der Bootssteuerer kaum noch Zeit)
Seite 35:
"mürrische" geändert in "mürrischen"
(die vier mürrischen Burschen mit seinem Blick überfliegend)
Seite 46:
"," eingefügt
(er fühlte jetzt auch, daß sich der Wind erhoben hatte)
Seite 65:
"«" hinter "fellow," entfernt
(»=Avast Bill, old fellow=, glücklicher Familienvater)
Seite 87:
"," eingefügt
(unterbrach ihn aber die Frau, »ob Sie)
Seite 96:
"»" eingefügt
(»Mein Gatte hatte lange mit einer englischen Familie)
Seite 104:
"des" geändert in "den"
(er fiel Bill um den Hals)
Seite 108:
"uud" geändert in "und"
(den oberen Theil des Hauses erreichte und die junge Frau)
Seite 111:
"Minnten" geändert in "Minuten"
(war in wenigen Minuten sanft und fest eingeschlafen)
Seite 122:
"." eingefügt
(arg verwüstet. Der Amerikaner, wie Beaugead berichtet)
Seite 132:
"aufpaßen" geändert in "aufpassen"
(denn man mußte aufpassen, wenn man Alles verstehen wollte)
Seite 140:
"tailors ops" geändert in "tailorshops"
(=There were so many tailorshops=)
Seite 140:
"Unterhalung" geändert in "Unterhaltung"
(mit dem strengen Befehl, keine Unterhaltung der Gefangenen)
Seite 144:
"er" geändert in "der"
(wie ihnen der Kleine zurückübersetzen mußte)
Seite 144:
"keine" geändert in "kein"
(daß das kein Amerikaner, sondern ein Engländer)
Seite 147:
"ni" geändert in "in"
(»=Ship in sight=«)
Seite 150:
"seinen" geändert in "seien"
(Schießlucken an Bord seien nur gemalt)
Seite 161:
"ein" geändert in "eine"
(faßten hier eine Muskete, da ein Seitengewehr)
Seite 179:
"sie" geändert in "Sie"
(Verlangen Sie mehr?)
Seite 180:
"?" geändert in ","
(bis jetzt am Leben erhalten habe,« seufzte der Kranke)
Seite 182:
"hehauptete" geändert in "behauptete"
(aber er behauptete immer)
Seite 189:
"baarfnß" geändert in "baarfuß"
(jetzt sollte er eine ganze Stunde baarfuß im Wald)
Seite 193:
"ein" geändert in "eine"
(ihm gegenüber saß ebenfalls eine Geheime Commerzienräthin)
Seite 203:
"ein" geändert in "eine"
(Besonders zog ihn dabei eine Stelle an)
Seite 205:
"wnrde" geändert in "wurde"
(Trotzdem wurde es Zeit, daß er sich)
Seite 217/218:
"," hinter "oben" entfernt und hinter "aber" eingefügt
(Der Geheime Regierungsrath aber, hier oben seit dem letzten Monat)
Seite 233:
"Wozu" geändert in "wozu"
(Ihr verdient es nicht besser; wozu habt Ihr aber)
Seite 251:
"ein" geändert in "eine"
(ist stets der eine Boden zinnoberroth angestrichen)
Seite 253:
"herleiden" geändert in "herleiten"
(er wollte auch seine Abstammung von jenen herleiten)
Seite 258:
"ubel" geändert in "übel"
(schien nicht übel Lust zu haben)
Seite 259:
"Vater s Whkie-- y ist" geändert in "Vater -- Whiskey ist"
(seinen Bruder und seinen Vater -- Whiskey ist nicht gut)
Seite 260:
"den" geändert in "dem"
(um sie dem dort ruhig bei seinem Karren haltenden)
Seite 262:
"Tcho-to-ga" geändert in "Tcha-to-ga"
(fast in demselben Augenblick schwärmte von Tcha-to-ga)
Seite 263:
"zn" geändert in "zu"
(blos auf wenige Secunden zu bewahren)
Seite 269:
"erklärt" geändert in "erklärst"
(in der Du erklärst, jedes Stück Gut)
Seite 270:
"kaltem" geändert in "kalten"
(auf dem boshaft kalten Auge des Wilden)
Seite 281:
"." eingefügt
(anlegen lassen. Er selbst aber arbeitete)
Seite 286:
"!" eingefügt
(wie der Alte sprudeln wird! -- Sonst seh ich weiter)
Seite 292:
"weißem" geändert in "weißen"
(tief unter dem weißen mit Scalpen geschmückten)
Seite 300:
"?" eingefügt
(»Was giebt's?« frug der Mate zurück.)
Seite 308:
"auszupülen" geändert in "auszuspülen"
(um sie darin auszuspülen)]