$WIRTSCHAFTSPROBLEME$.
_Heute gibt es keinen ernsten
Beobachter des jüdischen Lebens, der
nicht die Abnormität einsähe, die
den ökonomischen Grundlagen der
jüdischen Existenz anhaftet. Dies
ist die historische Krankheit des
jüdischen Wirtschaftslebens. Und
alle die, die das jüdische Volk an
die verdünnte Golusluft ketten
wollen, es mit Golusgesängen und
Golushoffnungen einlullen -- wollen
diese Krankheitsverewiger._
_Ber Borochow._
In der ersten Auflage dieses Buches habe ich die bekannte
Berufsstatistik der deutschen Juden ausführlich wiedergegeben, wovon ich
nur das Wichtigste wiederhole. Von der gesamten preußischen Bevölkerung
waren 1907 29% in der Landwirtschaft tätig, gegenüber 1% bei den Juden.
Im Handel und Gewerbe waren es 55% aller Juden und 13% der Christen. Im
öffentlichen Dienst, in den freien Berufen und als Selbständige ohne
Beruf finden wir Juden in steigender Zahl (20,8% gegenüber 13,8%).
Zwischen den Jahren 1895 und 1907 waren folgende Veränderungen der
berufstätigen Juden: In den freien Berufen plus 15000, Industrie plus
13000, Handel 6000, Landwirtschaft plus 700, Dienende minus 1000. Mit
anderen Worten: $Der Jude drängt vor allem zu den freien Berufen, d. h.
zur Kopfarbeit.$
Die geringe Zunahme der preußischen Juden in der Landwirtschaft ist cum
grano salis zu verstehen. Von 2355 hier tätigen Juden waren 1406 Frauen,
zwischen den letzten zwei Zählungen wurden 162 jüdische Männer weniger
und 867 Jüdinnen mehr vorgefunden. Anscheinend wurde früher die Arbeit
der Jüdin in der Landwirtschaft statistisch schlecht erfaßt, während
heute die Frauen der Juden auf dem Lande, soweit sie im Stall und auf
dem Feld helfen, als landwirtschaftlich erwerbstätig gezählt werden. Die
Zahl von 949 Männern gegenüber 1406 Frauen gibt zu denken. In der
Hauptsache interessiert uns die Zahl der erwerbstätigen männlichen
Landwirte, von denen die selbständigen in der Zeit zwischen den letzten
Berufszählungen um 30% abgenommen hatten.
Die Landwirtschaft hat bei den deutschen Juden keinen goldenen Boden.
Der 12. Jahresbericht des Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter
den Juden verkündet resigniert: „Die meisten der landwirtschaftlich
ausgebildeten Eleven haben den Wanderstab ergriffen und sind
größtenteils nach Amerika ausgewandert, während einige in Ungarn und
neuerdings auch in Palästina Beschäftigung gefunden haben”. Nach diesem
Jahresbericht verteilen sich die in der Landwirtschaft hauptsächlich
beschäftigten 3727 Juden (wohl in ganz Deutschland gezählt) in