Vater Mutter Zahl der Ehen Kinder davon jüdische

ev. jüd. 641 763 164

kath. jüd. 81 88 30

sonst. jüd. 105 154 56

Jude ev. 1124 1199 340

Jude kath. 117 119 37

Jude sonst. 79 95 64

---- ---- ----

2147 2418 691

Von 1875-1914 wurden in Preußen 18000 Mischehen geschlossen, wobei die

Mischehen nicht ermittelt sind, die zwischen getauften Juden und

Nichtjuden eingegangen wurden. Insgesamt müssen es mehr denn 20000

gewesen sein. Gegenüber den jährlichen rein jüdischen Ehen in Preußen

von durchschnittlich 2500 bis 2700 handelt es sich um recht respektable

Ziffern. Die Großstadt liefert ein besonders reichliches Kontingent.

Hamburg, Berlin, Frankfurt und München bezeugen es. Einen Ueberblick

über die Mischehen im Reich ergibt die Tabelle, nach der auf 100

jüdische Ehen (1901) 17 Mischehen trafen, die sich bis (1909) auf 25,4

vermehrten. In letzter Zeit scheint die Mischehe 1/8 bis 1/7 der

Heiratenden ergriffen zu haben. Die Vermischung kann aber noch zunehmen.

Die Verhältnisse in Dänemark ergaben in den ersten Jahren unseres

Jahrhunderts auf 100 jüdische Ehen 96 Mischehen und für Schweden

(1901-1908) 135 gemischte auf 154 reine Ehen, so daß selbst in Ländern,

in denen eine russische Einwanderung vorherrschte, bei der starken

Assimilierungstendenz der Einheimischen eine rasche Vermischung eintrat.

Erhebungen aus Italien, Frankreich, Ungarn, Holland, der Schweiz und

Australien unterrichten uns über den internationalen Charakter dieser

Erscheinung.

Ich habe mich in der ersten Auflage des „Untergangs” mit den

Verhältnissen in anderen Ländern eingehend befaßt. $Wilhelm Müller$

spricht vom amerikanischen Judentum im 19. Jahrhundert (Nr. 34 der

Zukunft):

„Von den Reformierten sagt der französische Schriftsteller Henry

Barky, dass es die wahren Vertreter des Judentums in Amerika seien.

Ihre Religion ist Deismus und ihr Ritus ein Ausdruck des

Gefühlslebens, der die Gegenwart mit der Vergangenheit verbindet.

Diese Hauptaufgabe erblickt er jedoch in tatkräftiger Verwirklichung

sittlicher Ideen. Mit dieser Auffassung nähern sich die Juden den

liberalen christlichen Kirchen. Mr. Copp meinte, die religiöse

Entwicklung der Juden habe sie dem liberalen Christentum zugeführt.

Damit geht Hand in Hand die Abschaffung des Sabbaths, den Rabbiner

Dr. Isidor Singer einen alt semitischen Aberglauben nennt.”

Wie das Deutschtum im Amerikanertum aufgegangen ist, so sieht schon

jetzt eine Anzahl bekannter Juden die jüdische Zukunft in demselben

Licht. Zangwill bezeichnet in seinem Drama: „Der Schmelztiegel”:

..... ein Aufgehen der Juden im Amerikanertum durch Zwischenheirat

als das voraussichtliche Los seines Stammes.

Damit fände wie so mancher wegmüde Wanderer auch Israel im großen

gastlichen Land der Freiheit Ruhe und Frieden.

In Sombarts „Judentaufen” verbreitet sich $Zangwill$ über die Bedeutung

der Zwischenheiraten.

„Hätte uns der Christ stets christlich angefasst, kein einziger Jude

lebte heute in Europa. Ganz abgesehen von den Ereignissen im

Ausland, ist in Deutschland die Mischehe kein Produkt des Zufalls,

sie ist eine heute weitverbreitete Erscheinung, die bei einigen

Wechselverbindungen zwischen Volksteilen, die sich immer mehr

ausgleichen, auftreten muss. Die jüdische Gesamtheit bietet wohl

noch Differenziertheiten. Diese Eigenart kann von einzelnen

Individuen übersehen oder mit in den Kauf genommen werden. Der Jude

ist an und für sich keine besondere Erscheinung mehr. Sein Geld,

seinen Beruf, seine Anschauungen besitzen auch Christen.”

$Zollschan$ hat in einigen markanten Sätzen zusammengefasst, was zu

sagen ist: „Völkerstämme, die untereinander wohnen, vermischen sich

stets, wenn die Ehe nicht durch das Gesetz oder die Religion

verboten ist. Die Juden wohnen vermischt mit den anderen Völkern.

Das Zivilgesetz gestattet heute die Mischehe. Die sexuellen und

materiellen Interessen sind mächtiger als jede konfessionelle

Schranke, namentlich wenn an diese selbst nur mehr eine blosse

Erinnerung besteht. Die statistisch konstatierten Erfahrungen

stimmen mit diesem Syllogismus überein.”

Professor $Dr. Eduard Steiner$, der Kenner des amerikanischen

Judentums, befand: „Es ist zweifellos, dass das jüdische Volk in

Amerika ernsterer Krisis entgegengeht als einst im babylonischen

Exil. Das amerikanische Judentum geht einer Katastrophe entgegen.

Der Auflösungsprozess wird nur durch den Zuzug von Juden aus

Russland und Polen verzögert. Der Durchschnittsjude hat sich so

weit amerikanisiert, dass er bereits vollständig seine Herkunft und

Abstammung vergessen hat. Amerikanisierung und Assimilation sind nur

zwei Seiten derselben Medaille, sind ein einheitlicher Prozess.”

$Ruppin$ hat in klassischer Prägnanz die Inzucht der Juden gedeutet:

„Ob die Juden von ihrem Eintritt in die Geschichte an eine

einheitliche Rasse gebildet und diesen einheitlichen Charakter stets

bewahrt haben, steht völlig dahin. Als sicher aber kann gelten, dass

die Bekenner der mosaischen Religion gegen Ende des XVIII.

Jahrhunderts nach vielen Jahrhunderten strengster Inzucht innerhalb

eines relativ kleinen und räumlich beschränkten Kreises eine durch

anthropologische Merkmale von ihrer christlichen Umgebung scharf

unterschiedene Gemeinschaft bilden. Im XIX. Jahrhundert sind manche

Angehörige dieser Rasse von der jüdischen Religion zur christlichen

übergetreten, andere haben einen christlichen Ehegatten geheiratet

und ihre Kinder dem Christentum zugewendet, sodass sich jetzt

Angehörige der jüdischen Rasse auch unter den Anhängern der

christlichen Religion befinden. Dem gegenüber sind die Fälle, in

denen Christen (d. h. anthropologisch gesprochen Germanen, Slaven

u. a.) durch Uebertritt zum Judentum oder auf dem Wege der

geschlechtlichen Vermischung mit Juden zu Bekennern der mosaischen

Religion geworden sind, so selten, dass man sie ohne erheblichen

Fehler ganz vernachlässigen und auch heute noch $alle Anhänger der

mosaischen$ Religion als Anhänger der jüdischen Rasse bezeichnen

kann.”

$Die Inzucht gewährleistet das einzige objektiv jüdische Kennzeichen,

erhält die körperliche Eigenart des Juden, während das Bekenntnis der

jüdischen Religion oder zur Nationalität nur ein subjectives Merkmal,

die momentane geistige Willensrichtung, die Empfindung der Zugehörigkeit

darstellt.$

Die jüdische Inzucht ist die letzte Komponente, die die Eigenart erhält.

Daher sehen die Vorkämpfer der rein religiösen Gemeinschaft die

Mischehe, selbst wenn der Partner die jüdische Religion annimmt,

durchaus nicht gern. Die Aufhebung der Inzucht bedingt einen Verlust der

Eigenart und heißt sich selbst aufgeben.

Für die Umwelt hat die Mischehe keine große Bedeutung. Es hat sich

herausgestellt, das die Kinderzahl in jüdisch-christlichen Ehen das

Zweikindersystem schon längst verlassen hat und zum Einkind übergegangen

ist. (Ueber die Statistik u. dgl. siehe die verschiedenen Arbeiten

M. Marcuses u. a. in den Sexualproblemen, 1911, und die 1. Auflage

dieses Buches).

Die Entwicklung der Fruchtbarkeit in der Mischehe deutet darauf hin, daß

auch hier rationalistische Einflüsse die Geburtenzahlen herabdrücken und

wir es mit den allgemeinen Erscheinungen zu tun haben, denen wir

allgemein bei der Erörterung des Geburtenproblems näher kamen. Die

Anschauungen der Anthropologen, welche diese geringe Fruchtbarkeit auf

die Rassenverschiedenheiten zurückführen, wie Lapouge, erscheint mir

nicht mehr stichhaltig. Wohl aber mag ein seelischer Reiz oder vielmehr

eine psychische Hemmung vorliegen, welche die Ehegatten den Nachwuchs

noch weniger erwünscht sein läßt als bei rein jüdischen Ehen. Wegen der

Verschiedenheit der Religion bringt die Geburt eines Kindes die

unangenehme Frage und die Entscheidung mit sich, in welchem Glauben man

es aufziehen soll. Die beste Lösung aller bevorstehenden Differenzen ist

und bleibt die Geburtenverhinderung. Umsomehr, als insbesonders beim

jüdischen Partner der Wille, den Namen und die Familie zu erhalten, von

geringer Bedeutung ist. Vor allem aber sind die Ehegatten überaus

moderne Menschen, die in ihrem Liebesleben der Allgemeinheit und der

Umwelt keine Konzessionen zu machen wünschen und ihren Bund als die

einfache Beziehung zwischen zwei Menschen ohne Berücksichtigung der

Interessen der Verwandtschaft, der Rassen oder des Volkes, aufgefaßt

wissen wollen. Da die Mischehe gerade in den assimiliertesten Kreisen

stattfindet, ist die Unterfrüchtigkeit der Ausdruck der

Gebär-un-Freudigkeit (sit venia verbo!) dieser Schichten.

Ich habe in meiner Untersuchung der Entwicklung der Berliner Juden den

geringeren Anteil der ausländischen Juden an den Mischehen nachgewiesen.

Während im Jahre 1909 der Anteil der Ausländer an jüdischen

Eheschließungen 16,4% betrug, waren sie unter den Mischehen mit 10,8

vertreten. Ohne diese Einwanderung wäre der Mischehekoëffizient noch

größer.

Bei der Mischehe wird ein hoher Prozent (12 vom 100 nach Dr. A. $Kahn$)

wieder aufgelöst. Die Individualitäten, die in diesen Ehen praevalieren

-- im Gegensatz zu den Partnern der Konvenienzehe -- scheinen rascher

davon zurückzutreten, wenn sie ihren Zweck der Ehe d. i. ihr

persönliches Glück nicht finden.

$Sombart$ schrieb in der „Zukunft der Juden”: „Die Kinder, die den

Mischehen entspringen, so wunderbar schön und so hochbegabt sie oft

genug sind, scheinen doch des seelischen Gleichgewichts zu

entbehren, das rassenreine Blutmischung gewährleistet. Wir finden

unter ihnen gar zu häufig intellektuelle oder moralisch

disäquilibrierte Menschen, die entweder sittlich verkommen oder mit

Selbstmord oder in geistiger Umnachtung endigen. (Obwohl sich

darüber zuverlässige Aussagen, die auf mehr als der persönlichen

Erfahrung beruhen, beim heutigen Stand unseres Wissens Schlüsse

nicht machen lassen).”

Derartige Werturteile entbehren vorerst der eingehenden Beweisführung.

Einige bekannte Größen, wie $Ludwig Gurlitt$, $Heyse$, $v.

Hofmannsthal$, v. Bayer$, $Nobel$, $Dernburg$ entstammen jüdischen

Mischehen. Da die Zahl der in Mischehen Geborenen bis zum Jahre 1890

insgesamt nur 12-15000 betrug, so kann man auch nicht verlangen, daß bis

jetzt unheimlich viele Genies aus der Mischehe hervorkamen. $Kohler$

meinte zwar in dem Sammelheft über die Judentaufe:

„Nicht reine, sondern Mischrassen haben von jeher die Welt

beherrscht und eine der Hauptmischrassen, die Engländer, wären

niemals das geworden, was sie sind, wenn nicht das keltische,

sächsische und normannische Element in ihnen in so glücklicher Weise

vereinigt worden wäre. Eines möchte ich noch bemerken.

Eigenschaften, die den Juden zukommen, finden sich auch in der

deutschen Nation und zwar in sehr bedeutender Weise vertreten. Auch

hier gibt es abstraktdenkende Kinder, auch gibt es Finanzgenies und

Menschen von gewaltiger Kombinationsgabe und Suggestivkraft, Allein

wir Deutschen sind nun durch den dreissigjährigen Krieg so verödet

worden, dass wir im praktischen Leben mit unseren eigenen Talenten

allein nicht vollständig das leisten würden, was notwendig ist,

damit wir anderen Völkern den Widerpart halten. Das ist der

Hauptgrund, der uns die Assimilierung des Judentums wünschenswert

macht.”

Der anonyme Verfasser der Broschüre „Der Untergang Israels” wendet

sich sehr energisch gegen die Mischehe. „Individuelle Heiraten

zwischen Juden und Christen haben physiologisch genommen wenig

Zweck. In moralisch, ethisch, historischer Hinsicht halte ich solche

Heiraten für direkt verderblich. Verderblich für die Reinheit des

Stammes, verderblich für die weitere Durchführung der jüdischen

Gesetzgebung, verderblich mit einem Wort für den Geist des

Judentums, der aller Stagnation abhold als Fortschrittsfaktor der

Weltgeschichte.”

Die Mischehe führt aus dem Judentum heraus. Alle Ziffern ergeben, daß

20% bis höchstens 25% der Kinder im jüdischen Glauben erzogen werden.

Bei der an und für sich geringen Fruchtbarkeit der Mischehen bedeutet

diese Zahl fast nichts mehr. Beobachtet wird, daß getaufte Juden gern

ebensolche heiraten. Diese Erscheinung weist darauf hin, wie unbewusstes

Rassegefühl und historische Nachwirkung noch stark im Spiel sind und

sich wieder geltend machen (also eine Parallel resp. Contreaktion). Das

alles nimmt nicht der Mischehe ihre Aussicht, ihre eigentliche Bedeutung

und die Wirkung, die mit Nietzsche in sich sterben läßt und zur

Vernichtung auffordert, was reif zum Sterben ist: Geburten zu verhüten,

um künftigen Generationen das niederdrückende Gefühl des Elends zu

ersparen und somit noch schneller fallen zu lassen, was reif zum Sterben

ist; und das, was fällt, nicht zu halten, sondern sogar noch zu stoßen,

damit es noch schneller falle ...

Der Untergang der Deutschen Juden: Eine Volkswirtschaftliche Studie · 第 57 / 71 题