1875/76 222
1877/82 170
1883/80 122
1891/99 112
1900/05 107,5
Glaubt Segall wirklich, daß dieser rapide Geburtensturz der Münchener
Jüdinnen eine in Deutschland singuläre Erscheinung darstellt? Da er mir
vorwarf, daß ich die Fruchtbarkeitsberechnung nicht für andere Gegenden
aufstellte, kam ich seinen Vorhaltungen nach und habe eine einwandfreie
in der citierten Preisarbeit über die Berliner Juden niedergelegt.
Meine Berechnungen wenden sich nicht nur an die gebärfähigen Ehefrauen,
sondern berücksichtigen, wo es logisch ist, alle fruchtbarkeitsfähige
weibliche Wesen. Es wäre ein leichtes, auch wenn die offizielle
Statistik diesbezüglich versagt, diese Ziffern für andere jüdische
Gemeinden nachzuprüfen.
Es trafen auf 1000 verheiratete und ledige weibliche Personen im
Fruchtbarkeitsalter Geburten bei der
preuß. Bev. Berliner Bev. bei d. Jüd. Berlins
1880 105 100,8
1895 96 67,5
1900 84 60,8
1905 ca. 150-160 76 56,8
1910 48,6
1911/14 40-45
Eingehendere Ziffern sind a. O. gegeben. Im Jahre 1910 fanden sich in
Berlin 25742 Jüdinnen im Alter von 15-50 Jahren. Ihre Geburtenziffer in
1100 ehelichen jüdischen und 100 unehelichen und ca. 50 jüdischen
Kindern aus Mischehen (die biologische Fruchtbarkeitsziffer der Jüdinnen
ohne Rücksicht auf die Kindererziehung war dementsprechend 50,5).
Die allgemeine Fruchtbarkeitsziffer für die gesamte Bevölkerung war
z. B. in Bayern
1908-12 1913
in den Großstädten 87,1 74,9
in den Bezirksämtern 145,5 124,0
Jeder Mathematiker kann nachrechnen, daß eine Bevölkerung ohne
jede Kindersterblichkeit 57,2 Geburten pro Jahr auf 1000 Frauen
(15-50 Jahren) gebraucht. Bei einer $idealen$ Säuglings- und
Kindersterblichkeit und Mortalität der Erwachsenen bis zum
50. Jahre aber 65 Geburten. In praxi dürften bei den heutigen
Mortalitätsverhältnissen 70 Geburten auf 1000 gebärfähigen Frauen
gerade die Bevölkerung erhalten. Darnach war die $Berliner jüdische
Fruchtbarkeit um über 40% zu gering$.
Segall verlangte nach einer Fruchtbarkeitsstatistik eines Landes. Die
großstädtische Ziffer genügte ihm mit Recht nicht. Er hätte sie sich
selbst bequem aus der Ruppinschen Arbeit (III. Jahrgang der Zeitschr. f.
Statistik) ausziehen können. Sie ergibt für das Jahr 1905 und für
$Hessen$ mit reichlich ländlichen Gemeinden einen Fruchtbarkeitswert von
65. Damit hinkt die jüdische Fruchtbarkeit Hessens der Berlins nicht
sehr nach. Auch Hessen teilte das Schicksal der deutschen Juden bereits
1905.
Genug der Methodik, der Tabellen, der Polemik.
Eine folgende schlichte Zusammenstellung ergibt dem, dem das Gewirr der
Tabellen nicht Klarheit bietet, den erwünschten Ueberblick.
Von 100 Mädchen, die vor 45 Jahren von jüdischen Eltern geboren wurden
(im Durchschnitt berechnet)
=======================================================================
sind getauft | | | | |
als Kind | ledig u. | ledige | heir. | heir. Juden | Insgesamt
und später | kinderlos | Mütter | Nichtjud. | |
-------------+-----------+--------+-----------+-------------+----------
2 | 22 | 3 | 18 | 55 | 100
-------------+-----------+--------+-----------+-------------+----------
davon | | | | |
jüdisch. 0 | 0 | 3 | 4 | 118 | 125
Nachwuchs | | | | |
-----------------------------------------------------------------------
Auf jede dieser Frauen kommen momentan durchschnittlich 1,25 Kinder,
während zur Erhaltung der Art 2,4 Kinder auf den Schoß jedes Weibes
entfallen sollten. (Man verwechsle hiermit nicht unsere Berechnung,
wonach auf jede jüdische Ehe je 2,15 kommen. Hier handelt es sich nicht
nur um die Ehestatistik, die übrigens in Rubrik 5 enthalten ist, sondern
um die Fruchtbarkeit im allgemeinen). Selbst wer nachsichtig, noch so
liebevoll wissenschaftlich die Statistik des jüdischen Sexuallebens
bearbeitet, kann nie und nimmer zu anderen Resultaten gelangen.
(Dr. $Herlitz$ fand an einzelnen Familien ähnliche Resultate, die er in
dem Wiener Archiv für jüdische Genealogie publizierte). $Die den Juden
zufließende Fruchtbarkeit war nach dem statistischen Stand im Jahre 1913
um die Hälfte zu gering.$