$DIE MORTALITÄT$.
„_Die Lebensfähigkeit im Leben des
Volkes fand ihren entsprechenden
Ausdruck in der Lebenszähigkeit der
Individuen, aus denen sich dasselbe
zusammensetzte._”
_Hoppe._
Die Mortalitätsstatistik der Juden ist eigentlich nicht ganz zureichend,
weil Personen, die als Juden geboren und als Freireligiöse, bezw.
Christen sterben, nicht in ihr gezählt werden. Diese Ungenauigkeit wird
gleichwohl von gewissen Statistikern geflissentlich bei
Geburtenüberschußberechnung nicht berücksichtigt. Wir werden bei der
Bilanz (Beim Kapitel Bevölkerungsüberschuß) darauf zurückkommen. -- Es
starben
=======================================================
in Preußen durchschnittlich | in Bayern
in den Jahren |
----------------------------+--------------------------
Juden in 0/00 | Juden in 0/00
|
1821/30 3318 21,6 | 1876 939 18,6
1841/50 4332 20,7 | 1880 992 18,0
1861/65 4337 16,0 | 1890 875 16,3
1885/90 5935 16,5 | 1900 740 13,5
1890/95 5779 15,3 | 1901/10 711 13,0
1895/1900 5499 14,9 |
1901/05 5663 14,4 |
1906/10 5725 13,8 |
1911 5877 14,3 |
1912 5733 14,0 |
1913 5741 14,0 |
1914 6535 |
Die Sterblichkeit der Juden ist -- für den Fachmann sofort erkennbar --
bereits zu Beginn des vorigen Jahrhunderts eine überraschend günstige.
Von Jahr zu Jahr werden die Zahlen geringer, sie erreichten den
niedersten Stand im Jahre 1906-10 mit 13,8 Todesfällen auf 1000 Lebende.
(Mathematisch gesprochen entspricht diese Zahl einem Durchschnittsalter
von über 70 Jahren. Sie ist aber nur erklärlich entweder bei momentanen
Einsparungen oder bei mangelhafter Erfassung wie z. B. beim Fortfall der
sterbenden Juden, die infolge ihres Austritts nicht gezählt werden
u. s. w. Fragen, die ich u. a. in der 1. Auflage berührte.)
Die letzten 10 Jahre vor dem Krieg zeigten im allgemeinen eine
auffallend gleiche absolute und fast auch relative Sterblichkeitsziffer.
Sie betrug praeter propter 5700-5800 Seelen. Da die Säuglinge von Jahr
zu Jahr abnehmen, sinkt der Anteil der sterbenden Säuglinge. Bei der von
dem früheren Geburtenreichtum herrührenden zunehmenden Stärke der
erwachsenen Bevölkerung (auch durch die Einwanderung), nimmt dafür die
Zahl der gestorbenen Erwachsenen zu. Der Bevölkerungsaufbau der Berliner
und der hessischen Juden, der nach weiteren Teilstatistiken wirklich
typisch für die Verteilung der Juden auf Altersklassen ist, zeigt eine
immer stärker werdende Besetzung der Altersklassen über 40 Jahre. Da die
Sterblichkeit der alten Leute immer größer ist als z. B. der jüngeren
(mit Ausnahme der Säuglinge), so ist für die Zukunft mit einer Zunahme
der Sterblichkeit mit mathematischer Sicherheit zu rechnen. Es verteilte
sich die Berliner jüdische Bevölkerung unter 100 Personen
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auf die Jahrgänge | 1871 | 1905 | 1910
------------------+------+------+------
0-20 | 40,9 | 30,5 | 29,3
20-40 | 37,3 | 38,6 | 37,7
40 und älter | 21,8 | 30,9 | 33,0
Dieser Bevölkerungsaufbau ist auch in ihren Tendenzen in allen anderen
Auszählungen beobachtet worden, so daß man überhaupt von einer
Umgruppierung der Juden auch in der Altersbesetzung ihrer Bevölkerung
sprechen kann. Segall irrt sich auch in der Behandlung dieser Frage,
insofern er aus einer Einsparung der Sterbenden einem Geburtenüberschuß
das Wort redet.
Artur Kahn hat darauf hingewiesen, daß die Verschärfung des
Erwerbslebens in der Großstadt dazu beiträgt, die Menschen frühzeitig
aufzureiben. Wir können diese Schäden vor allem auf folgende
Einwirkungen zurückführen:
1. Die Minderung der jüdischen Mäßigkeit, besonders hinsichtlich
des Alkoholkonsums und die zunehmende sexuelle Verseuchung.
2. Die Beschäftigung in Berufen, welche keine körperliche
Anstrengung erfordern und auf Kosten der gesunden Bewegung die
Disposition für Herz-, Nieren-, Gefäß- und Nervenkrankheiten
schaffen. Die Verschärfung des Erwerbslebens steigert die soziale
Krankheitsindikation.
3. Der starke Arbeitseifer der Juden. Die Minderung der ländlichen
Urwüchsigkeit in der zweiten Generation.
4. Die Aufzucht Lebensschwacher, welche früher als kleine Kinder
eingingen, jetzt aber aufgepäppelt werden und als Erwachsene
vorzeitig sterben und so das Durchschnittsalter herabsetzen.
Die Zunahme rasseschlechter Elemente überhaupt infolge der
Spätehen, der Geschlechtskrankheiten usw.
Die Kindersterblichkeit der deutschen Juden ist heute ungefähr 12%; von
100 Kindern erreichen 88 das 16. Lebensjahr. Selbst wenn sich diese Zahl
noch um ein bis zwei Punkte günstiger stellen wird, so handelt es sich
um eine jährliche Ersparung von höchstens 50-100 Seelen; auf der anderen
Seite ist die Sterblichkeit der älteren Jahrgänge noch verhältnismäßig
niedrig. Es ist ein Irrtum und verrät eine direkte Denkarmut, wenn
Statistiker glauben, die Mortalität könnte ad infinitum verbessert
werden. Auf 1000 Einwohner kamen Todesfälle bei den Juden
===============================================================
unter | über | 0-15jähr. waren unter 100 Gest.
15 Jahren | 15 Jahren | bei den Juden | Christen
-----------------+-----------+-----------------+---------------
1877 2850 | 3473 | 45 | 54
80 2696 | 3599 | 43 | 54
85 2341 | 3822 | 38 | 54
90 1955 | 4038 | 32 | 53
95 1497 | 4086 | 27 | 53
1900 1365 | 4563 | 23 | 51
05 1089 | 4735 | 19 | 49
10 743 | 4966 | 13 | 44
11 823 | 5054 | 14 | 45
12 634 | 5119 | 11 | 40
13 678 | 5063 | 12 | 41
14 648 | 5887 | |
Die stärkere Besetzung der älteren Jahresklassen bedingte eine
erheblichere Sterblichkeit der Erwachsenen. Der Rückgang der Mortalität
der Kinder von 2850 auf 648 schuf einen Ausgleich. Damit ist aber die
Kindersterblichkeit am Ende ihrer Verbesserungsmöglichkeit. Auch ohne
den Krieg und seine Folgen wäre bei der Verschiebung der Verteilung der
jüdischen Bevölkerung auf die älteren Altersklassen eine Zunahme der
Sterblichkeit erfolgt.
$Vor einiger Zeit noch ist ein Geburtenüberschuß durch das Absinken
der Sterblichkeit erfolgt. Wir stehen aber jetzt am Ende dieser
Entwicklung. Von hier wird dem sterbenden Simson keine Hilfe mehr
zuteil. Seien wir froh, wenn die Schäden des Krieges, die ungesunde
Bevölkerungsschichtung, die Aufzucht der lebensschwachen nicht zu einer
qualitativen und quantitativen Schädigung der Rasse von stärkstem
Ausmaß führt.$