1880 1910
$Anhalt$ 1752 1382
in % 0,93 0,42
$Sachsen-
Meiningen$ 1627 1137
in % 0,86 0,41
$Oldenburg$ 1654 1525
in % 0,47 0,32
$Lippe$ 1030 780
in % 0,93 0,45
$Braunschweig$ 1824 1757
in % 0,39 0,36
$Lübeck$ 670 626
in % 0,69 0.54
$Bayern$ hatte 1840 bereits 59168 Juden, von denen viele durch die
bedrückenden Ausnahmegesetze zur Auswanderung verurteilt waren. Bis Anno
1870 hatte sich ihre Zahl auf 50000 gemindert. Bis in die 90er Jahre
steigt ihre Ziffer. In der neuesten Zeit (etwa seit dem Jahre 1900) geht
die Bevölkerung wie ehedem in der Zeit der großen Auswanderung wieder
zurück.
Ihre Ziffer betrug:
1840 1852 1871 1880 1900 1905 1910
59168 56168 50162 53526 54928 55341 55065
Ich habe überall Erkundigung über die Wanderung der bayrischen Juden
angestellt. Insbesondere die Münchener, Nürnberger, Fürther, Würzburger
Juden, die knapp die Hälfte der bayrischen ausmachen, sind recht
seßhaft. Allerdings besteht unter den Landjuden eine beträchtliche
Abwanderung, die aber hauptsächlich in nahe liegende Städte führt. Die
Zahl der Amerikafahrer ist jetzt im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten
zusammengeschrumpft. Dagegen ist das emporblühende Bayern eine
Wanderetappe der Ostjuden geworden. Frau Dr. $Weiner-Odenheimer$ gibt in
ihrem Buch „Die Berufe der Juden in Bayern” eine Auszählung der
erwerbstätigen Juden in München, von denen unter 100 geboren waren
(1907)
in Bayern 44
b) im übrigen Deutschland 26,5
c) im Ausland 29,5
Von der erwerbstätigen Bevölkerung im ganzen sind nur 5% im Ausland
geboren gegenüber 29,5% bei den Juden! Die Tatsache der überragenden
Einwanderung geht aus der Weinerschen Arbeit klar hervor. Sie gibt sich
dann auch aus der eingehenden Statistik Bayerns zu erkennen. Es hatten
Juden
1895 1910
Oberbayern 7411 11625 + 4214
Niederbayern 240 339 + 139
Mittelfranken 12291 14219 + 1928
Unterfranken 14157 11925 - 2232
Rheinpfalz 10423 8998 - 1425
Schwaben 4286 3462 - 826
Oberfranken 3516 2946 - 560
Oberpfalz 1451 1395 - 86
Die Zunahme betrifft also nur München, da es außerhalb dieser Stadt
keine oberbayrischen Juden gibt und für Mittelfranken: Nürnberg. --
Während in Bayern das flache Land die umliegenden Städte mit reichlichem
Nachwuchs versorgt und kleine Orte wiederum an die größeren Städte ihre
Juden abgeben, ist $Hamburg$ ohne bedeutendes jüdisches Hinterland.
Schleswig-Holstein ist selbst judenarm, ebenso wie das Elbgebiet. Wir
treffen Juden in Hamburg:
1871 1880 1890 1900 1905 1910
13796 16024 17877 17945 19602 19472
4,1% 3,5% 2,9% 2,3% 2,2% 1,9%
Die Ziffern für 1905 und 1910 schließen 804 resp. 540 jüdische
Auswanderer, die auf der „Veddel” (Hafen) lagen, ein. Diese müssen
abgerechnet werden, so daß wir es mit 19000 Juden zu tun haben, von
denen (1910) (siehe die Zusammenstellung von $Dora Weigert$ in der
Zeitschr. f. St. u. D. 15. Jahrg.) 21,6% aus nichtdeutschen Ländern
stammten (gegenüber 4,8% bei der übrigen Bevölkerung). Dora Weigert
schreibt: „Es war selbst in den 80er Jahren zur Zeit der grauenhaften
Judenbedrückungen von einer verstärkten russischen Einwanderung in
Hamburg nichts zu merken. Der Staat hatte Maßnahmen getroffen, um die
eintreffenden Flüchtlinge nach England und Amerika weiter zu befördern”.
Trotz der neuesten starken ostjüdischen Einwanderung, trotz eines nicht
unbeträchtlichen Zuzuges aus dem übrigen Deutschland erhält sich die
jüdische Bevölkerung Hamburgs auf ihrer absoluten Höhe; im Verhältnis
zum Wachstum der übrigen Bewohnerschaft ist sie aber um 100%
zurückgegangen.
Aber ein Staat in Deutschland hat eine Entwicklung seines jüdischen
Bevölkerungsmassivs erfahren: In Sachsen fand man Juden[10]
1871 1880 1890 1900 1910
3357 6518 9368 12416 17587
0,1% 0,2% 0,3% 0,3% 0,4%
Im Jahre 1900 wurden 5637 ausländische Juden und 1910: 10378 ermittelt.
Ohne diesen Zuzug der Ostjuden gäbe es also auch keine eigene Zunahme.
Wie die sächsischen jüdischen Gemeinden aussehen, erkennen wir aus
Leipzig, das 1871: 731 Ostjuden und 1905: 4843 hatte, ferner Dresden
(anno 1905) 1715 Ostjuden neben 1799 in Deutschland geborenen, von denen
viele nur die Kinder der ersteren waren. Jetzt soll mehr als die Hälfte
der sächsischen Juden auf die Einwanderung aus dem Osten zurückzuführen
sein.
Die übrigen $Kleinstaaten$ haben eine nur unbeträchtliche jüdische
Bevölkerung (z. B. Reuß ä. L. mit 54 Juden (1900) und 44 (1910)). Nur
Bremen, das um 1900 in seiner jüdischen Bevölkerung stagnierte, bekam
neuerdings (1910) einen Zuwachs von 400 Köpfen, wohl ein
Wanderungsgewinn, der sich ähnlich wie in anderen Städten hauptsächlich
auf ausländische Einwanderung resp. sogar Durchwanderung zurückführen
lassen dürfte.
Trotz der Zuwanderung von Ostjuden, die für die süddeutschen Staaten auf
10-20% der einheimischen Bevölkerung und mehr betragen, entstand eine
deutliche Stagnation resp. ein auffallender Rückgang des jüdischen
Anteils.
Die süddeutschen Staaten, die zusammen 1880: 160159 zählten, wiesen 1910
nur noch 147489 auf.
In den mitteldeutschen Kleinstaaten sind analoge Verhältnisse.
Die Juden der Hansastädte, deren allgemeine Bevölkerung sich seit 1880
durchschnittlich verdoppelte, konnten sich nur durch den
Einwanderungsgewinn der Ostjuden minimal entwickeln.
Die Zunahme der Juden in Sachsen ist durch die russische und
österreichische Immigration erfolgt.
Somit ist abgesehen von Preußen ein Rückgang der jüdischen Bevölkerung
eingetreten resp. der Zuwachs durch die ausländische Wanderungsbewegung
bedingt.
$DIE JUDEN IN PREUSSEN.$
Vor hundert Jahren (1816) hatte Preussen 123938 = 11,9 0/00 Juden, die
sich trotz des starken Abströmens und keiner nennenswerten Einwanderung
bis 1861 verdoppelt hatten und 251145 = 13,6 0/00 ausmachten. Nach der
Einverleibung von Schleswig und der 1866 annektierten Gebiete treffen
wir 1867: 313156 Juden, die in 45 Jahren um ein schwaches Drittel
zunahmen, d. h. um 100000 Seelen, von denen 50000 in 13 Jahren bis 1880
gewonnen wurden und in den darauffolgenden 30 Jahren wiederum 50000. Es
gab ihrer
1871: 325426 = 13,2 0/00
1880: 363790 = 13,3 0/00
1890: 372059 = 12,4 0/00
1900: 392372 = 11,4 0/00
1910: 415867 = 10,7 0/00
In dem Jahrzehnt 1871/80 betrug die Zunahme 38400
„ „ „ 1881/90 „ „ „ 8300
„ „ „ 1891/1900 „ „ „ 20300
„ „ „ 1901/10 „ „ „ 23500
Nach einem Rückgang in den 80er Jahren erfolgt wieder eine stärkere
Bevölkerungszunahme in den nächsten Jahrzehnten. Leider besitzen wir nur
eine unvollkommene Erfassung der Einwanderung. 1880 ermittelte die
amtliche Untersuchung 11390 und 1905 38844 nichtdeutsche Israeliten.
Berlin hat folgende drei Auszählungen veranstaltet: