Eine flammende Röte schießt in ihre Wangen. Hochmütig und verächtlich
schürzen sich ihre Lippen. Sie hätte ihn würgen mögen. So also dachte
man über sie. Daß man sie für Winkelmanns Geliebte hielt, wußte sie,
und es war ihr im Grunde gleichgültig gewesen. Daß man aber glauben
würde, sie nehme Geld von ihm -- --
Die Röte wich aus ihren Wangen und machte einer tödlichen Blässe
Platz. Und -- war es denn nicht so? War es nicht sein Geld, von dem sie
lebte, ihre Stunden bezahlte? Nein -- nein, schrie die Stimme in ihr,
so ist es nicht! Sie hatte es geliehen -- wie ein Freund dem andern
borgen würde!
Aber -- sie waren nicht zwei Freunde -- Mann gegen Mann -- zwischen
ihnen stand das Geschlecht -- und er liebte sie!
Der Kommerzienrat hatte sich neben sie auf das Sofa gesetzt.
»Haben Sie sich entzweit?« flüstert er mit erregter Stimme. »Kind, so
sprechen Sie doch!«
»Ich habe mir von Winkelmann zehntausend Mark geborgt, um mein Studium
beenden zu können. Ich bin niemals seine Geliebte gewesen; weil er mich
gestern dazu machen wollte, sind wir in Zorn auseinandergegangen -- Sie
verstehen, daß ich ihm das Geld zurückgeben muß.«
Der Kommerzienrat, dessen kleine Augen immer größer geworden, fragt
erstaunt: »Nicht seine Geliebte, ist das wahr?«