Die räumlichen Erscheinungsformen der Dinge können nur durch das Mittel

des Vergleichens verbunden werden. Die zeitlichen Entwicklungsformen

der Dinge können nur durch das Mittel der Schlußfolgerung verbunden

werden. Überlieferung von Wissenschaft hat nur so weit Sinn, wie die

Dinge entweder in vergleichendem oder folgerndem Sinn untereinander

verbunden werden. Alles andere bleibt kindische Stoffhäufung,

Vorbereitung auf Wissenschaft, nicht aber Wissenschaft selbst.

Aber beide Möglichkeiten, Verbindungen zu schaffen in die Weite

des Raumes und in die Tiefe der Zeit, werden lebendig nur bei der

vollkommenen Hingabe und Ehrfurcht des Wissenden. Denn die bloße

Fähigkeit, jene Verbindungen zu schaffen, genügt an sich noch nicht.

Inbrünstige Hingabe muß die Spannkraft von dem Wissenden selbst zu den

Dingen erst gewaltig anwachsen lassen.

Wenn aber ein junger Mensch zur Zeit seiner Reife diese Spannkraft der

Hingabe, die er ja dann im höchsten Maße besitzt, ganz und gar in eine

Wissenschaft einströmen läßt, sich selbst zum ersten Mal abbaut, sich

auflöst, sich ganz und gar vergißt und vergießt in das Schauen jener

großen zeitlichen oder räumlichen Zusammenhänge, so hat dies erste

wissende Schauen hohen +Erlösungswert+. Es ist das Eingehen in die

schöpferische Ruhelage des klaren Bewußtseins.

An dieser Stelle ist wie stets der Herd der Gefahr.

* * * * *

»Tödlich kann lehre sein dem der nicht fasset«. So steht es in einer

Tafel vom »Stern des Bundes« geschrieben. Und nicht nur da. Von überall

her bricht es in breitem Strom in das eng gewordene Bett europäischer

Wissensbehandlung. Nicht mehr darf jeder in dem seicht und träge

fließenden Fluß ungestraft und eigenmächtig seinen Vorteil fischen.

Schon schwillt der Strom, wird wieder tief und reißend und grundlos.

Wissen wird gefahrvoll, ja todbringend für jeden, der zu früh oder aus

irgendwelchen eigensüchtigen Gründen sich hineinwagt.

Und wie es wieder Hüter vor dem Liebesgarten gibt, wird es auch

Hüter an diesem Strom geben. Ritter in blanker Rüstung, einsame,

unbestechliche, riesenhafte Gestalten, Männer, die schweigend alles tun

und alles lassen können, die mit der wissenden Gewalt ihres Wesens ihre

Lehrlinge nach langem eigenen Suchen das Wissen in sich selbst finden

lassen, die gütig einen jeden nach seiner Stärke und seinem Bemühen,

aber immer nur soweit sein Umkreis reicht, ins Wissen steigen lassen,

die herb und streng jeden Unbereiten fortschicken.

Männer, die niemals greisenhaft und grämlich werden, die nach ihrem

erfüllten Leben, wie hier und da die alten Überlieferungen berichten,

den Blicken der Mitlebenden entrückt werden, indem sie wissend und ganz

leuchtend geworden ihr eigenes Leben restlos verzehrt haben.

Diese sind die wahrhaft Wissenden, die Hüter des tiefen Stromes, die

nicht mehr absichtlich und für alle sichtbar in Erscheinung treten und

sich nicht mehr in Werken und Taten bis ans Ende ausdrücken. Es sind

die Entschwindenden, die wissend sich auflösen und mitten im Leben

schon mit dem Tode beginnen.

Schon sind sie vielleicht in ihren Gebärden wieder den gänzlich

Unwissenden ähnlich geworden, einfach und unauffällig, aber doch von

einem inneren Licht strahlend.

Es sind Menschen, an die man glaubt, glauben muß, weil sie in ihrem

ganzen Wesen die schöpferische Ruhe begehrenswert schön verkörpern,

ohne daß etwas Außerordentliches an ihnen und durch sie zu geschehen

brauchte. Nur daß man weiß: sie +sind+, läßt still werden und ganz

stark zu eigenem Leben und Leiden, zu eigenem Können und Wissen.

Nicht daß das Leben beschwerlich sei und verdienstlich, sondern

vielmehr leicht und schön, voller Leid und Freude, aber immer von einer

gleitenden Einfachheit, geht wie ein Duft von ihnen aus.

So daß alle, die in Berührung damit kommen, aufatmen und plötzlich in

sich spüren: es ist ja nicht schlimm. Wir schwimmen ja ganz von selbst

im Meer des Lebens. Überall ist alles. Nirgendwo ist nichts. Lassen wir

uns fallen, lassen wir uns gleiten in dies Überall und Nirgend. Von

+außen+ so schwer es schien, ist ja gar kein Widerstand da. +Innen+

war es, da hat es sich gestaut. Und nun? Eine einzige lösende Gebärde,

vielleicht nur ein mit leichtem Nachdruck hochgehobener Arm genügt

schon, wieder hineinzugleiten in die allgemeine Bewegung.

In ihnen wird offenbar, was jeder in jedem Augenblick dunkel in

sich ahnt: die unaufhörliche Wiedergeburt mit jedem tiefen Atemzug,

mit jedem neuen Morgen, mit jeder erwachenden Jahreszeit, mit jedem

neuen Lebensalter, mit jedem reifenden Werk, mit jeder inbrünstigen

Liebesregung, mit jeder schöpferischen Gewißheit.

Fußnoten

[1] In den Upanishads des Veda werden die Zusammenhänge von

Ritus und Atemlehre besonders deutlich (Übersetzung von

Deussen: 60 Upanishads des Veda, Leipzig, Brockhaus). In der

Mazdaznan-Atemlehre von Hanisch ist der allerdings leicht zu

willensüberspannter Einseitigkeit verführende Versuch eines

Systems der Atemlehre gemacht worden.

[2] Der Verfasser leitet in Prerow an der Ostsee ein Ferienschul- und

Jugendheim und gibt auf Wunsch darüber nähere Auskunft.

[3] Die monatliche Periodik im Leben des Menschen untersucht Wilhelm

Fließ in seinen Büchern (Verlag Diederichs) auf Grund einer

gewaltigen Beobachtungsfülle.

[4] Untersuchungen über innere Sekretion sind gerade jetzt in den

medizinischen Zeitschriften vielfach zu finden.

Inhalt

Seite

Rhythmische Schwingungen 1

Blutschwingungen 2

Atemschwingungen 3

Tagesschwingungen 5

Das Bild eines Tages 9

Monats- und Jahresschwingungen 15

Lebensalter 19

Rhythmischer Wechsel von Schwäche und Kraft 32

Rhythmische Leistung 41

Die allgemeine Bildung 43

Die Berufsbildung 46

Ausbildung in den Ausdrucksmitteln der Künste 49

Der Tanz 51

Die Sprachbildung 51

Der Ausdruck mit den Mitteln der bildenden Künste 57

Über den Tod 61

Liebe als Macht 66

Ehrfurcht als Liebeshemmung 68

Leidenschaft und Inbrunst 71

Der Rhythmus der Liebe innerhalb der Lebensalter 73

Rhythmus der Liebe im Jahr 79

Der sexuelle Rhythmus der Liebe 79

Die tägliche Erneuerung der Liebe 90

Erziehung zum wissenden Leben 93

Gedruckt bei Radelli & Hille in Leipzig.

Eugen Diederichs Verlag in Jena

Zeitwende

Schriften zum Aufbau neuer Erziehung

Heft 1. Wilhelm Flitner, Laienbildung br. M 10.--

Mit dieser Schrift des Leiters der Jenaer Volkshochschule ist das

Bildungsideal der Zukunft so formuliert, daß es neben dem bisherigen

Ideal Humboldts der sich selbst lebenden Persönlichkeit fest dasteht

und an Stelle von dessen Scheintotalität die wirkliche menschliche

Totalität erobert. Das Humboldtsche Bildungsideal bevorzugte die

kontemplative Menschenart vor der tätig praktischen und bewirkte eine

einseitige Vorherrschaft des wissenschaftlichen Tuns im geistigen

Leben. Der im Leben praktisch tätige Mensch, der +Laie+, verknüpft

dagegen stets Erkenntnis mit Handeln. Wir müssen darum dahin kommen,

gegenüber dem Aufbau der Schulbildung von Volksschule bis zur

Universität eine Spannung des Bildungsbegriffes durch +pädagogische

Laiengemeinschaften+ zu erzeugen. Diese neuartige Gemeinschaftsbildung,

die bereits in den Keimen existiert, verdeutlicht der Verfasser auf den

Gebieten der Musik, Sprache, Dichtung und bildenden Kunst. Es geht ein

stark kultisch-religiöser Zug durch seine Darlegungen.

Rudolf Bode, Der Rhythmus und seine Bedeutung für die körperliche

Erziehung. Mit fünf Zeichnungen von Ludwig Eberle. br. M 8.--

+Dresdner Anzeiger+: Bode geht an den Grundbegriff der Sache heran und

regt vor allem an, über den großen Fehler nachzudenken, der allgemein

mit dem Begriff Rhythmus verbunden ist, und der sowohl Büchers viel

zitiertes Buch »Arbeit und Rhythmus« als auch Dalcrozes Anschauungen

beherrscht, die Verwechslung von Rhythmus und Takt (Regel). Man kann

Bodes Ausführungen auf die kurze Formel bringen, Rhythmus ist das

Unbegrenzte, das ewig Schwingende, Takt das Begrenzte, das sich in der

Wiederholung regeln läßt. So spitzt sich die Forderung der rhythmischen

Erziehung darauf zu: den Körper fähig zu machen, Ausdrucksorgan der

ganz persönlichen inneren Beschwingtheit, des wahren Rhythmus zu

werden. Fünf von Ludwig Eberle beigesteuerte Zeichnungen rhythmischer

Bewegungstypen ergänzen die Bodeschen Ausführungen wertvoll.

Ottmar Rutz, Menschheitstypen und Kunst. br. M 30.--, geb. M 45.--

+München-Augsburger Abendzeitung+: Über allen Rassen und Völkern

im landläufigen Sinn stehen die »Typen« oder »Urgeschlechter« der

Menschheit. Das oberste und letzte gestaltende Prinzip ist der

seelische Menschheitstypus: er gestaltet -- neben und in Änderung

der Gesetze der Materie -- den menschlichen Körper, den Typus

seiner Nerven- und Bluterregung, seiner Muskeltätigkeit, seiner

Atmung, Stimmtätigkeit, Rede und Gesang. Er gibt der gesamten Kultur

die typische Richtung, Gestalt und Form. Drei letzte seelische

Menschheitstypen sind festgestellt worden. Um Typus und Spielart für

den einzelnen Menschen als Persönlichkeit und als Vertreter eines

Volkes festzustellen, hat sich eine besondere Untersuchungsmethode

entwickelt: sie setzt praktisch in den Stand jene seelischen

Eigenschaften zu entwickeln, die den einzelnen Menschen und durch

die Masse von Einzelmenschen gleicher Gattung ein Volk beherrschen.

Diese »Typenprobe« gibt den Schlüssel zur typischen Persönlichkeit,

ohne Voraussetzungen, ohne vorgefaßte Meinung, unbestechlich, an Hand

der praktischen Erfahrung, die jeder nachprüfen kann. Das von der

Rassenforschung so lange gesuchte Unterscheidungsmaterial für die

seelischen Verschiedenheiten oder Ähnlichkeiten der Völker ist damit

gegeben.

Wilhelm Fließ, Vom Leben und vom Tod. Biologische Vorträge. 8. Tausend.

br. M 20.--, geb. M 35.--

+Deutsche Tageszeitung+: Alles Leben, sagt Fließ, läuft nach einem

inneren, in der lebendigen Substanz selbst gegebenen Mechanismus

ab, und dieser Mechanismus ist für Menschen, Tiere und Pflanzen der

gleiche. Leibliches und geistiges Wachstum, Geburt und Tod, der

Zusammenhang der Generationen erweisen das Vorhandensein zweier alles

Leben durchwaltender Perioden von 28 und von 23 Tagen. Die Statistik

wird durch diese merkwürdigen Zahlen auf einmal hell und durchsichtig;

Geburts- und Sterbestatistik gewisser Krankheiten, wie Tuberkulose,

Diabetes, Schlaganfall, Gallensteine, erweist das geheime Walten dieser

Zahlen. Das Buch ist nicht nur ein Genuß wegen des wissenschaftlichen

Neuen, das es enthält, sondern diese neue Fließsche Arbeit ist auch

jedermann verständlich geschrieben, der lernen will.

+Pester Lloyd+: Was Fließ verkündet, ist kein Geringes; denn er hat

nichts weniger entdeckt als ein Naturgesetz, auf Grund dessen sich

das ganze Dasein nach einer inneren Ordnung abrollt und die Zeiten

des Geborenwerdens und Sterbens, des Wachstums und des Vergehens

ihren festen und vorbestimmten Platz in der uns genau zugemessenen

Lebensdauer haben. Das statistische Material, an dem Fließ sein Gesetz

demonstriert, ist sicher über allen Zweifel erhaben, und unzweifelhaft

scheint es auch, daß die neue Lehre befruchtend und aufklärend auf alle

naturwissenschaftliche Sonderzweige wirken wird, ja vielleicht wirklich

das ewige Mysterium vom Ablauf des Lebens im Hauptprinzip löst. Die

Mathematiker haben längst erkannt, daß sich der Forscher, angesichts

der Tatsache, wie sich jahrzehntelange Epochen in der Entwicklung

ganzer Geschlechter dem Fließschen Zahlengesetz fügen, auf richtiger

Spur befinden muß.

Wilhelm Fließ, Das Jahr im Lebendigen. br. M 30.--, geb. M 45.--

In diesem Buch führt Fließ seine Lehre weiter und zeigt, daß beide

Perioden der männlichen und weiblichen Substanzeinheiten im Jahr ihre

höhere Einheit finden. Es leben in unserem Körper also sozusagen

Erinnerungsbilder an kosmische Einflüsse, an die Geschwindigkeiten

des Sonnenlaufes und der Achsendrehung unseres Planeten. Durch diese

Weiterführung der Fließschen Lehre eröffnet sich die Aussicht,

daß eines Tages eine astronomische Kenntnis für die zeitliche

Gesetzmäßigkeit des Lebens ermöglicht wird.

+Natur und Gesellschaft+: Das vorliegende Werk bildet eine wesentliche

Ergänzung der früheren Veröffentlichungen des Forschers. Es räumt auf

mit der klimatischen Erklärung von Blüte und Brunst und zeigt den

Ablauf des Jahres in der lebendigen Substanz. Diese Jahresimmanenz wird

an einem umfassenden genealogischen Material bewiesen. Fließ ist in die

Forschergruppe von allergrößtem Geistkaliber einzuordnen. Er vereinigt

Scharfsinn mit Intuition.

Hans Schlieper, Der Rhythmus des Lebendigen. br. M 15.--, Pappband

M 25.--

+Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für psychische Forschung+:

Schliepers Buch schließt sich zwar an Fließ an, aber als Ganzes

stellt es eine durchaus selbständige Arbeit dar. Schlieper hat selbst

eine Reihe gründlicher Untersuchungen angestellt und damit die

Forschungsergebnisse von Fließ bestätigt gefunden und im einzelnen

erweitert. Vor allem aber ist sein Buch darin von außerordentlichem

Wert, daß es für alle Weiterstrebenden eine solide Grundlage für eigene

Forschungen ist, denn es enthält einen Überblick über die Resultate der

bisherigen Forschungen, zugleich bietet es eine lichtvolle Darlegung

der Technik, die zu solchen Arbeiten erforderlich ist. Nicht nur die

Biologie, auch die Psychologie und schließlich die Philosophie werden

aus diesem Forschungsgebiete bedeutende Anregungen erhalten.

Hans Hackmann, Die Wiedergeburt der Tanz- und Gesangskunst aus dem

Geiste der Natur. br. M 10.--

+Sozialistische Monatshefte+: Hackmann erblickt im reinen Rhythmus den

unmittelbaren Ausdruck des Körperwillens und damit des ursprünglichen

unbewußten Gefühlslebens. Deshalb strebt er eine Reform des Tanzes wie

des Gesanges an, im Sinne einer wahrhaft aus dem Rhythmus geborenen

Kunst, während er z. B. unserer modernen Tanzkunst den Vorwurf des

Intellektualismus macht, weil sie, ähnlich wie die Programmusik auf

bewußte Darstellung eines geistigen Gehaltes abziele. Es ist gerade

das Verdienst der Hackmannschen Schrift, daß sie die Notwendigkeit

der Technik als der bewußten Formung des unbewußten rhythmischen

Ausdruckes betont und den zu Unrecht als intuitiven Schwung gepriesenen

dilettantischen Mangel an Technik und künstlerischer Durcharbeitung

beim Tanz wie beim Gesang scharf zurückweist.

+Alfred Kurella+: Es ist die erste Arbeit, die sich systematisch

mit einem Thema beschäftigt, welches schon lange in den engeren

jugendlichen Gemeinschaften eine große Rolle spielt: +mit dem

Körpergefühl und seiner Erziehung+. (Freideutsche Jugend)

Hans Hackmann, Die Entwicklung der Seelenkräfte als Grundlage der

Körperkultur. br. M 20.--, geb. M 35.--

+Der Bund+: Der Abendländer krankt am Zu-vielen-Wollen und -Wissen.

Das erzeugte den Krampf und den Hochmut unserer Kultur. Es gilt, ihn

zu lösen von der lebendigen Seele, vom Lebensgefühl her. Es gilt vor

allem, den Körper wieder als Organ und Träger des Seelischen neu

zu entdecken und fähig zu machen. Praktisch sind die Bestrebungen

vor allem im neuen Tanz und einer neuen Rhythmik versucht worden.

Dies Buch gibt die psychologische Grundlage für diese praktischen

Versuche und versucht auch eine Theorie der Methode zu geben, die vom

Körper her Seelisches entwickeln will. Unsere Zeit entdeckt neu den

Zusammenhang von Seele und Leib. Auch die Medizin hat auf dem Gebiete

dieser Zusammenhänge noch Größtes zu erwarten. Der Verfasser gräbt

überzeugend zu jenen bildenden Kräften hinab, die die treibenden

Faktoren aller Entwicklung, Heilung und Erziehung sind, und befreit in

diesem Bestreben zusehends den Körper von der Mißachtung, in der ihn

Intellektualismus unserer abgelaufenen Kultur gehalten hat. Das Ganze

aber ist in den Rahmen einer geistigen Weltanschauung gestellt, die

eine neue Synthese zwischen Orient und Okzident sucht.

Ferdinand Lagrange, Physiologie der Leibesübungen. A. d. Französischen

von Ludwig Kuhlenbeck. br. M 35.--, geb. M 50.--

+Akademische Sportblätter+: Der Hauptwert des Buches liegt in seiner

Methode, in der praktischen Anordnung des Inhalts, der geschickten

Verarbeitung eines reichen Beobachtungsmaterials und der klaren,

induktiven Logik, mit der Lagrange verfährt; dann aber auch in seinen

Ergebnissen, die dem physiologisch Ungeschulten teils neu, teils zum

ersten Male verständlich erscheinen werden. Seine Ausführungen werden

in ihrer Einprägsamkeit noch gehoben durch einen überaus flüssigen und

bewegten, an treffenden Vergleichen und prägnanten Bildern reichen

Stil, dessen Frische die Übersetzung gar nicht zu beeinträchtigen

scheint. Möge es auch bei uns allenthalben die Beachtung finden, die

ihm als einer klassischen Leistung auf dem Gebiete der Physiologie der

Leibesübungen gebührt!

+Deutsche Tageszeitung+: Wer das Buch mit Verständnis liest, erhebt

sich mit einem aus der fast noch allgemein herrschenden Empirie; seine

ruhige, klare Wissenschaftlichkeit wird Offizieren und Leitern von

Sportsvereinen nicht minder großen Segen bringen, wie den zur Erziehung

der deutschen Jugend Berufenen.

Lenore Kühn, Das Buch Eros. Studium zur Liebesgeschichte von Seele,

Welt, Gott. br. M 15.--, geb. M 25.--

+Leipziger Tageblatt+: Dieses kleine Werk steht auf jener Grenze

zwischen Wissenschaft und Kunst, wo das Reich Nietzsches liegt.

Das Buch ist erlebt. Seine Leistung besteht darin, daß es eine

Grundanschauung an die Reiche der Welt und ihre Herrlichkeiten

heranbringt und die verschiedenen Gebiete in ihren Beziehungen

aufdeckt. Diese Frau würdigt Eros in Plato, Jesus, Spinoza, Fichte,

Schleiermacher, Goethe, Nietzsche, findet ihn im Erleben der Natur

und in der Dichtung, namentlich bei Peter Altenberg und Rilke und

in der Lyrik überhaupt, in der Musik, und zwar auch bei Bach und in

Brahms' Deutschem Requiem, dann in dem Trieb zum Vaterland, in der

Freundschaft, und nicht zum wenigsten natürlich in der Liebe zwischen

Mann und Weib, in der vornehmlich tiefe Blicke getan werden.

+Der Tag+: Ein Hymnus an das Leben. Ein Dithyrambus der reichen Seele,

die die Kraft ihres Gefühls an die ganze Welt verschwendet. Ein hohes

Lied der Freundschaft und Liebe, wie es noch selten so innig und

rein erklang. Mit zarten ehrfurchtsvollen Händen deutet L. Kühn die

Mysterien des Lebens. Ihre Besonderheit liegt in der Verschmelzung

kristallklarer psychologischer Analyse mit echt weiblicher Wärme

und Innigkeit. Es ist ein Buch von großem Schwung. Jede Seite ist

durchströmt von innerem Erleben von der Fülle des Herzens.

Gertrud Prellwitz, Vom Wunder des Lebens. 107. Tausend. kart. M 8.--

+Münchener Neueste Nachrichten+: Gertrud Prellwitz gibt in großen Zügen

im Rahmen einer Erzählung den Weg an, wie man fragenden Kindern, wie

man nachdenklichen Mädchen und Jünglingen allmählich die Wahrheit über

das sexuelle Leben sagen soll, daß sie sich die Keuschheit des Herzens,

die Vollkraft ihrer Gefühle, die Freude am Dasein, die Sicherheit und

Gradheit im Verkehr mit der Welt, die Ehrfurcht vor dem Wunder des

Lebens bewahren.

Karl Zimmermann, Himmelfahrt der Venus. Gedichte. br. M 15.--, geb.

M 25.--

+Frankfurter Zeitung+: Das Lied von der Zerspaltenheit in Ich und

Du, in Mann und Weib. Das Lied von der ewigunstillbaren Sehnsucht,

von dem Ineinander, dem Zueinander, von dem Dreiwerden im Kind, von

dem Über-einander-hinaus. Aber sie singt es neu, dies uralte Lied.

Denn ihre Worte kommen aus dem bebenden Herzen eines schöpferischen

Menschen. In Erdennähe beginnt das Buch. Zwei Menschen, wie tausend

andere auch, wollen zu einander. Finden sich. Scheiden sich. Der

Kreis wird geweitet. Natur und Menschentum, die gleichgestimmt sind,

singen sich in den Versen. Und dann geht es himmelwärts. Ewige

Formen der Liebe, stets wechselnd, stets gleich, werden im Wort

wiedergeboren. Ewigliebende, Göttergleiche stehen auf und kämpfen den

Kampf der Kämpfe, bis das wundersame Wort fällt: »Wir sind unlöslich

geschieden!« Das ist in Versen eingefangen, die ein williges Instrument

geistsehnsüchtigen Gefühls sind, die zu einer Kongruenz zwischen Stoff

und Form gelangen, wie man sie heute selten antrifft.

+Kölner Tageblatt+: Diese Gedichte sind Bekenntnisse einer Frauenseele

zum Eros, die sich mehr zufällig hinter einem männlichen Pseudonym

bergen. Die Venus, die den Himmelswagen fährt, ist vom Stamme

Botticellischer Frauengestalten: unendliche Zartheit und Süße, die das

beste Wissen dem enthüllt, der das geistige in ihr erlebt. Es sind

hier tiefe Dinge aus dem Erosleben einer Frau gesagt, und wenn sie

die letzten Hüllen fallen läßt, immer noch bleibt die zu einer Knospe

gefaltete Seele.

Alle hier angegebenen Preise sind unverbindlich

Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die

Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.

Korrekturen:

S. 32: liebensbewußt → liebesbewußt

Werktätige nicht so {liebesbewußt} auf die

Die schöpferische Pause · 第 11 / 11 段