Da lächelte sie, faßte seine Hand noch fester und sagte schlicht:
»Wovor? _Wir sind ja beisammen_!« --
O, in diesem Augenblick hätte der Graf von Hohen-Esp sein schwankes
Schifflein mit keinem Kaiserthron vertauscht!
Als Frau von Sprendlingen aus der Residenz die Nachricht mitbrachte, daß
Herr von Heidler schon seit Jahr und Tag den Abschied genommen und in
süßem Nichtstun von den Renten seiner Gattin lebe, -- dies sei
behaglicher wie das ewige Hetzen, Drillen und Streben im bunten Rock --
da starrte Gabriele die Sprecherin mit weitoffenen Augen schweigend an,
Guntram Krafft aber fragte überrascht: »Er war doch passionierter
Sportsman, und so eine Leidenschaft liegt im Blut! Reitet er nicht mehr
privatim die Rennen mit?« Da lächelte die Generalin: »O, nein!
Anfänglich hatte er wohl den Wunsch, es zu tun, aber seine sehr
verwöhnte, kindische und eigenwillige Frau hat es ihm streng verboten,
da es zu gefährlich sei; und da Herr von Heidler sehr unter dem
Pantoffel steht, fügt er sich willenlos den Wünschen seiner reichen
Gattin.« --
Gabriele machte eine jähe, brüske Bewegung, mit beinahe verächtlichem
Lächeln wandte sie sich ab.
»Und Gräfin Thea?« --
»Sie tanzte Winter für Winter vergeblich. Jetzt hat sie sich der
Frauenbewegung angeschlossen und schreibt sehr zornmutige
>grünspanische< Artikel gegen die Männer. Wenn es ihr glückt, ist das
starke Geschlecht binnen Jahresfrist vernichtet!« --
»Gottlob, daß Hohen-Esp so weit aus der Welt liegt,« lachte Guntram
Krafft, »hier erreicht mich ihre Feder hoffentlich nicht im Todesstoß!«
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* * * * *
Die Rettungsstation des Bären von Hohen-Esp hat viel bewundernde
Anerkennung gefunden, und sein edles Beispiel gab oft Veranlassung, auf
diesem Gebiete nachzueifern und das Rettungswesen zur See zu fördern.
Durch ihn ward in der Residenz die Aufmerksamkeit des großen Publikums
auf die bittere Not gelenkt, mit welcher der Seemann an unserer
heimatlichen Küste zu kämpfen hat, und manch hilfsbereite Hand tat sich
auf, die Sammlungen der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger durch
ein Scherflein zu unterstützen.
Da hatte der Bär von Hohen-Esp auch in weiterem Sinn für das Vaterland
gewirkt und zu sein und seines Kaisers Ruhm und Ehren zwar nicht das
Schwert, wohl aber das Ruder mit kühner, tatenfroher Hand geführt.
Neben der Rettungsmedaille schmückt ein hoher Verdienstorden seine
Brust, und es war einer der schönsten Tage in Gabrieles Leben, als sie
denselben dem geliebten Mann voll stolzer Anerkennung auf sein
schlichtes Fischerkleid heften konnte.
Von dem Rettungsschuppen flattert die Fahne der Hohen-Esp, weithin
sichtbar nach dem blauen Meer, und um die Mauern und Zinnen des alten
Bärenschlosses weht und rauscht es auf geheimnisvollen Schwingen, --
ranken die roten Rosen und duften heimlich von dem unvergänglich großen
Liebesglück, welches darinnen wohnt.
* * * * *
Unverändert, Jahr um Jahr, wogt die See gegen den gelben Dünensand,
wirft Muscheln und Bernsteinbrocken aus und überschüttet die Kinder,
welche jubelnd von der Burg zum Strand stürmen, mit blinkenden Tropfen,
-- ihre weißen Wellenarme breitet sie nach dem neu heranwachsenden
Heldengeschlecht aus, und der junge Bär von Hohen-Esp setzt vorsichtig
sein erstes, selbstgeschnitztes Schifflein auf das Salzwasser, schlingt
den Arm um den Nacken von »Jöschen dem Jüngern« und sagt: »Auch ich
werde ein Schirmvogt von Hohen-Esp sein, und wenn du und ich so groß
sind wie der Vater, fahren wir beide als Matrosen zur See!«
Guntram Krafft hat's gehört, er zieht sein holdes Weib an die Brust, und
sein glückstrahlender Blick schweift hinaus über die schimmernde Flut;
wie ein Psalter heißen Dankes jauchzt es in seinem Herzen, und tausend
blaue Wogen rauschen: »Halleluja! Amen!«
* * * * *