Ja, es ist so warm und licht in ihrem Herzen geworden, als ob nach
langer, dunkler Winternacht der goldene Lenz erwachen solle!
Und als er ihr soeben in die Augen schaute, der kühne, sieghafte Held,
als er sich stolz von ihr losriß und nichts Höheres und Heiligeres
kannte, als seine Pflicht, -- da fluteten die ersten, heißen
Sonnenstrahlen durch ihr Herz, -- da jauchzte es nicht mehr -- »fahr'
hinaus, und sei ein Held, auf daß ich dich bewundern kann!« -- nein, da
schrie es auf in zitternder Angst --: »bleibe hier, damit ich dich
_liebe_!« --
Verweht und vergangen ist all die stolze Begeisterung, mit welcher sie
ihn das erstemal das Wagnis vollbringen sah, -- da konnte sie nicht
beten für ihn, sondern nur schauen, schauen wie eine Berauschte, mit
blitzenden Augen und wogender Brust!
Jetzt plötzlich rieselt es eiskalt durch ihre Adern, zitternde
Todesangst kriecht ihr an das Herz, und die bleichen Lippen möchten
aufschreien in bitterer Not um den Geliebten.
Wie ein Gespenst taucht plötzlich das Bildnis Wulffhardts vor ihr auf
... das entsetzliche Wort »ertrunken!« starrt sie mit grellen Buchstaben
aus der schwarzwogenden See an -- »ertrunken! -- ertrunken ...!« --
Sie hebt in qualvollem Entsetzen die Hände, sie bricht nieder auf die
Knie ... der Sturm weht über sie dahin und reißt das Spitzentuch von
ihrem lockigen Haar.
Scharf und schneidend peitscht er den feinen Sand gegen ihr Antlitz und
trinkt gierig die Tränen, welche haltlos über ihre Wangen tauen.
Wie aus dem geöffneten Rachen eines Ungeheuers brüllte die See, -- die
ehemals bespöttelte, so verächtlich belächelte See, und Gabriele fühlt,
wie das Grauen sie schüttelt angesichts dieser zürnenden, furchtbar
Gewaltigen! --