Gefragt, was er wünschte, brachte der Mann unter wilden Grim

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[Anmerkung:

Im Originaltext vorkommende unterschiedliche Schreibweisen wie

»zum erstenmal« : »zum ersten Mal« oder »stehen« : »stehn« wurden

beibehalten.]

DER KETZER VON SOANA

von

Gerhart Hauptmann

1922

S. Fischer, Verlag

Berlin

114. bis 124. Auflage

Copyright 1918 by S. Fischer, Verlag Berlin

Reisende können den Weg zum Gipfel des Monte Generoso in Mendrisio

antreten oder in Capolago mit der Zahnradbahn, oder von Melide aus

über Soana, wo er am beschwerlichsten ist. Das ganze Gebiet gehört zum

Tessin, einem Kanton der Schweiz, dessen Bevölkerung italienisch ist.

In großer Höhe trafen Bergsteiger nicht selten auf die Gestalt eines

brilletragenden Ziegenhirten, dessen Äußeres auch sonst auffällig war.

Das Gesicht ließ den Mann von Bildung erkennen, trotz seiner

gebräunten Haut. Er sah dem Bronzebildnis Johannes des Täufers, dem

Werke Donatellos im Dome zu Siena, nicht unähnlich. Sein Haar war

dunkel und ringelte über die braunen Schultern. Sein Kleid bestand aus

Ziegenfell.

Wenn ein Trupp Fremder diesem Menschen nahe kam, so lachten bereits

die Bergführer. Oft wenn dann die Touristen ihn sahen, brachen sie in

ein ungezogenes Gebrüll oder in laute Herausforderungen aus: Sie

glaubten sich durch die Seltsamkeit des Anblicks berechtigt. Der Hirte

achtete ihrer nicht. Er pflegte nicht einmal den Kopf zu wenden.

Alle Bergführer schienen im Grunde mit ihm auf gutem Fuße zu stehn.

Oft kletterten sie zu ihm hinüber und ließen sich in vertrauliche

Unterredungen ein. Wenn sie zurückkamen und von den Fremden gefragt

wurden, was da für ein seltsamer Heiliger sei, taten sie meist so

lange heimlich, bis er aus Gesichtsweite war. Diejenigen Reisenden

aber, deren Neugier dann noch rege war, erfuhren nun, daß dieser

Mensch eine dunkle Geschichte habe und, als »der Ketzer von Soana« vom

Volksmund bezeichnet, einer mit abergläubischer Furcht gemischten

zweifelhaften Achtung genieße.

* * * * *

Als der Herausgeber dieser Blätter noch jung an Jahren war und das

Glück hatte, öfters herrliche Wochen in dem schönen Soana zuzubringen,

konnte es nicht ausbleiben, daß er hin und wieder den Generoso bestieg

und auch eines Tages den sogenannten »Ketzer von Soana« zu sehen

bekam. Den Anblick des Mannes aber vergaß er nicht. Und nachdem er

allerlei Widersprechendes über ihn erkundet hatte, reifte in ihm der

Entschluß, ihn wiederzusehen, ja, ihn einfach zu besuchen.

Der Herausgeber wurde in seiner Absicht durch einen deutschen

Schweizer, den Arzt von Soana, bestärkt, der ihm versicherte, wie der

Sonderling Besuche gebildeter Leute nicht ungern sehe. Er selber hatte

ihn einmal besucht. »Eigentlich sollte ich ihm zürnen,« sagte er,

»weil mir der Bursche ins Handwerk pfuscht. Aber er wohnt so hoch in

der Höhe, so weit entfernt, und wird Gott sei Dank nur von den wenigen

heimlich um Rat gefragt, denen es nicht darauf ankäme, sich vom Teufel

kurieren zu lassen.« Der Arzt fuhr fort: »Sie müssen wissen, man

glaubt im Volk, er habe sich dem Teufel verschrieben. Eine Ansicht,

die von der Geistlichkeit darum nicht bestritten wird, weil sie von

ihr ausgegangen ist. Ursprünglich, sagt man, sei der Mann einem bösen

Zauber unterlegen, bis er dann selbst ein verstockter Bösewicht und

höllischer Zauberer geworden sei. Was mich betrifft, ich habe weder

Klauen, noch Hörner an ihm bemerken können.«

* * * * *

An die Besuche bei dem wunderlichen Menschen erinnert sich der

Herausgeber noch genau. Die Art der ersten Begegnung war merkwürdig.

Ein besonderer Umstand gab ihr den Charakter einer Zufälligkeit. An

einer steilen Wegstelle fand sich nämlich der Besucher einer hilflos

dastehenden Ziegenmutter gegenüber, die eben ein Lamm geworfen hatte,

und dabei war, ein zweites zu gebären. Das vereinsamte Muttertier in

seiner Not, das ihn furchtlos anblickte, als ob es seine Hilfe

erwartet habe, das tiefe Mysterium der Geburt überhaupt inmitten der

übergewaltigen Felsenwildnis, machten auf ihn den tiefsten Eindruck.

Er beschleunigte aber seinen Lauf, denn er schloß, daß dieses Tier zur

Herde des Sonderlings gehören müsse, und wollte diesen zu Hilfe rufen.

Er traf ihn unter seinen Ziegen und Rindern an, erzählte ihm, was er

beobachtet hatte, und führte ihn zu der Gebärenden, hinter der bereits

das zweite Ziegenlämmchen, feucht und blutig, im Grase lag.

Mit der Sicherheit eines Arztes, mit der schonenden Liebe des

barmherzigen Samariters, ward nun das Tier von seinem Besitzer

behandelt. Nachdem er eine gewisse Zeit abgewartet hatte, nahm er

jedes der Neugeborenen unter einen Arm und trat langsam, von der ihr

schweres Euter fast schleifenden Mutter gefolgt, den Weg zu seiner

Behausung an. Der Besucher wurde nicht nur mit dem freundlichsten Dank

bedacht, sondern auf eine unwiderstehliche Art zum Mitgehen

eingeladen.

Der Sonderling hatte mehrere Baulichkeiten auf der Alpe, die ihm

gehörte, errichtet. Eine davon glich äußerlich einem rohen

Steinhaufen. Innen enthielt sie trockne und warme Stallungen. Dort

wurden Ziege und Zicklein untergebracht, während der Besucher zu einem

weiter oben gelegenen, weiß getünchten Würfel geleitet wurde, der, an

die Wand des Generoso gelehnt, auf einer mit Wein überzogenen Terrasse

lag. Unweit des Pförtchens schoß aus dem Berge ein armdicker

Wasserstrahl, der eine gewaltige Steinwanne füllte, die man aus dem

Felsen gemeißelt hatte. Neben dieser Wanne wurde durch eine

eisenbeschlagene Tür eine Berghöhle, wie sich bald erwies, ein

Kellergewölbe, abgeschlossen.

* * * * *

Man hatte von diesem Platz, der, vom Tale aus gesehen, in scheinbar

unzugänglicher Höhe hing, einen herrlichen Blick, von dem der

Verfasser indes nicht reden will. Damals freilich, als er ihn zuerst

genoß, fiel er von einem sprachlosen Staunen in laute Ausrufe des

Entzückens und wieder in sprachloses Staunen zurück. Sein Wirt aber,

der eben in diesem Augenblick aus der Behausung, wo er etwas gesucht

hatte, wieder ins Freie trat, schien nun auf einmal mit leiseren

Sohlen zu gehen. Solches Verhalten, sowie überhaupt das ganze stille,

gelassene Betragen seines Gastfreundes ließ der Besucher sich nicht

entgehen. Es ward ihm zur Mahnung, mit Worten karg, mit Fragen geizig

zu sein. Er liebte den wunderlichen Sennen bereits zu sehr, um Gefahr

zu laufen, sich ihn durch einen bloßen Schein von Neugier oder

Zudringlichkeit zu entfremden.

Noch sieht der Besucher von damals den runden Steintisch, der, von

Bänken umgeben, auf der Terrasse stand. Er sieht ihn mit allen guten

Dingen, die der »Ketzer von Soana« darauf ausbreitete: dem

herrlichsten Stracchino di Lecco, köstlichem italienischen Weizenbrot,

Salami, Oliven, Feigen und Mispeln, dazu einem Krug voll roten Weins,

den er frisch aus der Grotte geholt hatte. Als man sich setzte, sah

der ziegenfellbekleidete, langgelockte, bärtige Wirt dem Besucher

herzlich in die Augen, dabei hatte er seine Rechte gefaßt, als wollte

er ihm eine Zuneigung andeuten.

Wer weiss, was alles bei dieser ersten Bewirtung gesprochen wurde.

Nur einiges blieb erinnerlich. Der Berghirt wünschte Ludovico genannt

zu sein. Er erzählte manches von Argentinien. Einmal, als das Gebimmel

der Angelusglocken aus den Tiefen drang, machte er eine Bemerkung über

dieses »allfällig aufreizende Getön«. Einmal fiel der Name Seneca. Es

wurde auch etwas obenhin von Schweizer Politik gesprochen. Endlich

wünschte der Sonderling manches von Deutschland zu wissen, weil es des

Besuchenden Heimat war. Er sagte, als für diesen, nach vorgefaßtem

Beschluß, die Zeit des Abschieds kam: »Sie werden mir immer willkommen

sein.«

* * * * *

Obgleich, wie er nicht verbergen will, der Herausgeber dieser Blätter

nach der Geschichte dieses Menschen lüstern war, vermied er es auch

bei neuen Besuchen, irgendein Interesse dafür zu verraten. Man hatte

ihm einige äußere Tatsachen mitgeteilt, bei gelegentlichen Gesprächen,

die er in Soana geführt hatte, Tatsachen, die daran schuld sein

sollten, daß Ludovico zum »Ketzer von Soana« ernannt wurde: ihm

dagegen lag weit mehr daran, herauszubringen, in welchem Sinne man mit

dieser Bezeichnung recht hatte und in welchen eigentümlichen inneren

Schicksalen, welcher besonderen Philosophie die Lebensform Ludovicos

wurzele. Er hielt jedoch mit Fragen zurück und ist dafür auch

reichlich belohnt worden.

Er traf Ludovico meistens allein, entweder unter den Tieren der Herde

oder in seiner Klause. Einige Male fand er ihn, als er, wie Robinson,

eigenhändig die Ziegen molk. Oder er legte einer widerspenstigen

Mutter die Zicklein an. Dann schien er ganz im Berufe eines Sennhirten

aufzugehen: er freute sich der Ziege, die das strotzende Euter am

Boden schleppte, des Bockes, wenn er hitzig und fleißig war. Von einem

sagte er: »Sieht er nicht wie der Böse selber aus? Sehen Sie doch

seine Augen. Welche Kraft, welches Funkeln in Zorn, Wut,

Boshaftigkeit. Und dabei welches heilige Feuer.« Dem Autor aber kam es

vor, als ob in den Augen des Sprechers dieselbe Höllenflamme vorhanden

wäre, die er ein »heiliges Feuer« genannt hatte. Sein Lächeln bekam

einen starren und grimmigen Zug, er zeigte die weißen, prächtigen

Zähne und geriet dabei in einen Zustand von Versonnenheit, wenn er

einen seiner dämonischen Matadore mit dem Blicke des Fachmanns bei

seiner nützlichen Arbeit beobachtete.

Manchmal spielte der »Ketzer« die Panflöte, und der Besucher vernahm

ihre einfachen Tonreihen schon bei der Annäherung. Bei einer solchen

Gelegenheit kam natürlich das Gespräch auf Musik, und der Hirt

entwickelte seltsame Ansichten. Niemals, wenn er inmitten der Herde

war, sprach Ludovico von etwas anderem, als von den Tieren und ihren

Gewohnheiten, vom Hirtenberuf und seinen Gepflogenheiten. Nicht selten

ging er der Psychologie der Tiere, der Lebensweise der Hirten nach bis

in tiefste Vergangenheit, so ein gelehrtes Wissen von nicht

gewöhnlichem Umfang verratend. Er sprach von Apoll, wie dieser bei

Laomedon und Admetos die Herden besorgte, ein Knecht und ein Hirte

war. »Ich möchte wohl wissen, mit welchem Instrument er damals seinen

Herden Musik machte.« Und als wenn er von etwas Wirklichem spräche,

schloß er: »Bei Gott, ich hätte ihm gerne zugehört.« Das waren die

Augenblicke, in denen der zottige Anachoret vielleicht den Eindruck

erwecken konnte, als wären seine Verstandeskräfte nicht eben ganz

lückenlos. Andrerseits erfuhr der Gedanke eine gewisse Rechtfertigung,

als er bewies, wie vielfältig eine Herde durch Musik zu beeinflussen

und zu leiten sei. Mit einem Ton jagte er sie empor, mit anderen

brachte er sie zur Ruhe. Mit Tönen holte er sie aus der Ferne, mit

Tönen bewog er die Tiere, sich zu zerstreuen oder, an seine Fersen

geheftet, hinter ihm drein zu ziehen.

Es kamen auch Besuche vor, bei denen fast nichts geredet wurde. Einst,

als die drückende Hitze eines Juninachmittags bis auf die Almen des

Generoso gestiegen war, befand sich Ludovico, von seinen lagernden,

wiederkauenden Herden umgeben, ebenfalls liegend, in einem Zustand

seliger Dämmerung. Er blinzelte nur den Besucher an und veranlaßte ihn

durch einen Wink, sich ebenfalls ins Gras zu strecken. Er sagte dann

unvermittelt, nachdem dies geschehen war und beide eine Weile

schweigend gelagert hatten, in schleppendem Tone etwa dies:

»Sie wissen, daß Eros älter als Kronos und auch mächtiger ist. -- Fühlen

Sie diese schweigende Glut um uns? Eros! -- Hören Sie, wie die

Grille feilt? Eros!« -- In diesem Augenblick jagten einander zwei

Eidechsen und huschten blitzschnell über den Liegenden weg. Er

wiederholte: »Eros! Eros!« -- Und als ob er das Kommando dazu gegeben

hätte, erhoben sich jetzt zwei starke Böcke und griffen einander mit

den gewundenen Hörnern an. Er ließ sie gewähren, obgleich der Kampf

immer hitziger wurde. Das Klappern der Stöße erklang immer lauter und

ihre Zahl nahm immer zu. Und wieder sagte er: »Eros! Eros!«

Und nun drangen an das Ohr des Besuchers zum erstenmal Worte, die ihn

ganz besonders aufhorchen ließen, weil sie einigermaßen über die Frage

Licht verbreiteten oder wenigstens zu verbreiten schienen, warum

Ludovico im Volksmund »der Ketzer« hieß. »Lieber,« sagte er, »will ich

einen lebendigen Bock oder einen lebendigen Stier, als einen Gehängten

am Galgen anbeten. Ich lebe nicht in der Zeit, die das tut. Ich hasse,

ich verachte sie. Jupiter Ammon wurde mit Widderhörnern dargestellt.

Pan hat Bocksbeine, Bacchus hat Stierhörner. Ich meine den Bacchus

Tauriformis oder Tauricornis der Römer. Mithra, der Sonnengott, wird

als Stier dargestellt. Alle Völker verehrten den Stier, den Bock, den

Widder und vergossen im Opfer sein heiliges Blut. Dazu sage ich:

ja! -- denn die zeugende Macht ist die höchste Macht, die zeugende Macht

ist die schaffende Macht, Zeugen und Schaffen ist das gleiche.

Freilich, der Kultus dieser Macht ist kein kühles Geplärr von Mönchen

und Nonnen. Ich habe einmal von Sita, dem Weibe Vichnus, geträumt, die

unter dem Namen Rama ein Mensch wurde. Die Priester starben in ihren

Umarmungen. Ich habe da vorübergehend etwas von allerlei Mysterien

gewußt: dem Mysterium der schwarzen Zeugung im grünen Gras, von dem

der perlmuttfarbenen Wollust, der Entzückungen und Betäubungen, vom

Geheimnis der gelben Maiskörner, aller Früchte, aller Schwellungen,

aller Farben überhaupt. Ich hätte brüllen können im Wahnsinn des

Schmerzes, als ich der unbarmherzigen, allmächtigen Sita ansichtig

wurde. Ich glaubte zu sterben vor Begier.«

Während dieser Eröffnung kam sich der Schreiber dieser Zeilen wie ein

unfreiwilliger Horcher vor. Er stand auf, mit einigen Worten, die

glauben machen sollten, daß er das Selbstgespräch nicht gehört habe,

sondern mit seinen Gedanken bei anderen Dingen gewesen sei. Danach

wollte er sich verabschieden. Ludovico ließ es nicht zu. Und so begann

denn auf der Bergterrasse abermals eine Gasterei, deren Verlauf aber

diesmal bedeutsam und unvergeßlich war.

Der Besucher wurde gleich bei der Ankunft in die Wohnung, den

Innenraum des schon geschilderten Würfels, eingeführt. Er war

quadratisch, sauber, hatte einen Kamin und glich dem schlichten

Arbeitszimmer eines Gelehrten. Vorhanden war Tinte, Feder, Papier und

eine kleine Bücherei, hauptsächlich griechischer und lateinischer

Schriftsteller. »Warum soll ich es Ihnen verhehlen,« sagte der Hirt,

»daß ich aus guter Familie bin, eine mißleitete Jugend und gelehrte

Bildung genossen habe. Sie werden natürlich wissen wollen, wie ich

aus einem unnatürlichen Menschen ein natürlicher, aus einem gefangenen

ein freier, aus einem zerstörten und verdrossenen ein glücklicher und

zufriedener geworden bin? Oder wie ich mich selbst aus der

bürgerlichen Gesellschaft und der Christenheit ausgeschlossen habe?«

Er lachte laut. »Vielleicht schreibe ich einmal die Geschichte meiner

Umwandlung«. Der Besucher, dessen Spannung aufs höchste gestiegen war,

fand sich plötzlich wiederum weit vom Ziele verschlagen. Es konnte ihm

dabei wenig helfen, daß der Gastfreund zum Schluß erklärte, die

Ursache seiner Erneuerung sei: er bete natürliche Symbole an. Im

Schatten des Felsens, auf der Terrasse, am Rande der überfließenden

Wanne war, in köstlicher Kühle, reichlicher als das erstemal getafelt

worden: Räucherschinken, Käse und Weizenbrot, Feigen, frische Mispeln

und Wein. Vielerlei war, nicht übermütig, aber mit stiller Heiterkeit

geplaudert worden. Endlich wurde der Steintisch abgeräumt. Nun aber

kam ein Augenblick, der dem Herausgeber wie etwas eben Geschehenes

gegenwärtig ist.

Der bronzefarbene Hirt machte, wie man weiß, mit seinem ungepflegten,

langen Gelock des Haupt- und Barthaares, sowie durch seine Kleidung

aus Fell den Eindruck der Verwilderung. Er ist mit einem Johannes des

Donatello verglichen worden. In der Tat hatten auch sein Gesicht und

das Antlitz jenes Johannes in der Feinheit der Linien viel

Ähnlichkeit. Ludovico war eigentlich, näher betrachtet, schön, sofern

man von dem Entstellenden der Brille absehen konnte. Freilich erhielt

die ganze Gestalt durch sie wiederum, neben dem leise komischen Zug,

das rätselhaft Sonderbare und Fesselnde. In dem Augenblick, von dem

die Rede ist, unterlag der ganze Mensch einer Veränderung. Hatte das

Bronzeartige seines Körpers sich auch durch eine gewisse

Unbeweglichkeit seiner Züge ausgedrückt, so wich es insofern, als sie

beweglich wurden und sich verjüngten. Er lächelte, man könnte sagen,

in einem Anflug knabenhafter Schamhaftigkeit. »Was ich Ihnen jetzt

zumute,« sagte er, »habe ich noch keinem anderen Menschen

vorgeschlagen. Woher ich den Mut plötzlich nehme, weiß ich eigentlich

selber nicht. Aus alter Gewohnheit vergangener Zeiten lese ich

gelegentlich noch und hantiere auch wohl noch mit Tinte und Feder. So

habe ich in müßigen Winterstunden eine simple Geschichte

niedergeschrieben, die lange vor meiner Zeit, hier in und um Soana,

sich ereignet haben soll. Sie werden sie äußerst einfach finden, mich

aber zog sie aus allerlei Gründen an, die ich jetzt nicht erörtern

will. Sagen Sie kurz und offen: wollen Sie mit mir nochmals ins Haus

gehen und fühlen Sie sich aufgelegt, etwas von Ihrer Zeit an diese

Geschichte zu verlieren, die auch mich schon ohne Nutzen manche Stunde

gekostet hat? Ich möchte nicht zu-, ich möchte abraten. Übrigens, wenn

Sie befehlen, nehme ich jetzt schon die Blätter des Manuskripts und

werfe sie in den Abgrund hinunter«.

Selbstverständlich geschah dies nicht. Er nahm den Weinkrug, ging mit

dem Besucher ins Haus, und beide saßen einander gegenüber. Der

Berghirt hatte ein in Mönchsschrift und auf starke Blätter

geschriebenes Manuskript aus feinstem Ziegenleder gewickelt. Wie um

sich Mut zu machen, trank er dem Besucher, eh er gleichsam vom Ufer

abstieß, um sich in den Fluß der Erzählung zu stürzen, noch einmal zu

und begann dann mit weicher Stimme.

Die Erzählung des Berghirten

An einem Bergabhang oberhalb des Luganer Sees ist unter vielen anderen

auch ein kleines Bergnest zu finden, das man auf einer steilen, in

Serpentinen verlaufenden Bergstraße in etwa einer Stunde, vom Seeufer

aus gerechnet, erreichen kann. Die Häuser des Ortes, die, wie an den

meisten italienischen Plätzen der Umgegend, eine einzige,

ineinandergeschachtelte, graue Ruine aus Stein und Mörtel sind, kehren

ihre Fronten einem schluchtähnlichen Tale zu, das von den Auen und

Terrassen des Fleckens und gegenüber von einem mächtigen Abhang des

überragenden Bergriesen Monte Generoso gebildet wird.

In dieses Tal, und zwar dort, wo es wirklich als enge Schlucht seinen

Abschluß nimmt, ergießt sich von einer wohl hundert Meter höher

gelegenen Talsohle ein Wasserfall, der je nach Tages- und Jahreszeit

und der gerade herrschenden Strömung der Luft, mehr oder weniger

stark, mit seinem Rauschen eine immerwährende Musik des Fleckens ist.

In diese Gemeinde war vor langer Zeit ein etwa fünfundzwanzigjähriger

Priester versetzt worden, der Raffaele Francesco hieß. Er war in

Ligornetto geboren, also im Tessin, und konnte sich rühmen, ein

Mitglied desselben, dort ansässigen Geschlechtes zu sein, das den

bedeutendsten Bildhauer des geeinten Italiens, hervorgebracht hatte,

der ebenfalls in Ligornetto geboren wurde und endlich auch dort

gestorben ist.

Der junge Priester hatte seine Jugend bei Verwandten in Mailand und

seine Studienzeit in verschiedenen Priester-Seminaren der Schweiz und

Italiens zugebracht. Von seiner Mutter, die aus einem edlen

Geschlechte war, stammte die ernste Richtung seines Charakters, die

ihn ohne jedes Schwanken schon zeitig dem religiösen Beruf in die Arme

trieb.

Francesco, der eine Brille trug, zeichnete sich vor der Menge seiner

Mitschüler aus durch exemplarischen Fleiß, Strenge der Lebensführung

und Frömmigkeit. Selbst seine Mutter mußte ihm schonend nahelegen, daß

er als künftiger Weltgeistlicher sich ein wenig Lebensfreude wohl

gönnen möge und nicht eigentlich auf die strengsten Klosterregeln

verpflichtet sei. Sobald er die Weihen empfangen hatte, war es

indessen sein einziger Wunsch, eine möglichst entlegene Pfarre zu

finden, um sich dort als eine Art Eremit, nach Herzenslust, noch mehr,

als bisher, dem Dienste Gottes, seines Sohnes und dessen geheiligter

Mutter zu weihen.

Als er nun nach dem kleinen Soana gekommen war und das mit der Kirche

verbundene Pfarrhaus bezogen hatte, merkten die Bergbewohner bald, daß

er von einer ganz anderen Art als sein Vorgänger war. Schon äußerlich,

denn jener war ein massiver, stierhafter Bauer gewesen, der die

hübschen Weiber und Mädchen des Orts mit Hilfe ganz anderer Mittel in

seinem Gehorsam hielt, als Kirchenbußen und Kirchenstrafen. Francesco

dagegen war bleich und zart. Sein Auge lag tief. Hektische Tupfen

glühten auf der unreinen Haut über seinen Backenknochen. Hierzu kam

die Brille, in den Augen einfacher Leute noch immer Symbol

präzeptoraler Strenge und Gelehrsamkeit. Er hatte nach Verlauf von

vier bis sechs Wochen, auf seine Art, die erst ein wenig

widerspenstigen Weiber und Töchter des Orts ebenfalls, und zwar noch

mehr als der andere, in seine Gewalt gebracht.

Sobald Francesco durch die kleine Pforte des an die Kirche

geschmiegten Pfarrhöfchens auf die Straße trat, ward er auch meist

schon von Kindern und Weibern umdrängt, die ihm mit wahrer Ehrfurcht

die Hand küßten. Und wie viele Male des Tags er durch die kleine

Kirchenschelle in den Beichtstuhl gerufen wurde, das machte am Abend

eine Zahl, die seiner neuangenommenen, beinahe siebzigjährigen

Haushälterin den Ruf entlockte: sie habe nie gewußt, wieviele Engel in

dem sonst ziemlich verderbten Soana verborgen gewesen wären. Kurz, der

Ruf des jungen Pfarrers Francesco erscholl auch in der Umgegend weit

und breit, und er kam sehr bald in den Ruf eines Heiligen.

Von alledem ließ sich Francesco nicht anfechten und war weit davon

entfernt, irgendein anderes Bewußtsein in sich zu pflegen, als daß er

seinen Pflichten leidlich gerecht wurde. Er las seine Messen, vollzog

mit nie vermindertem Eifer alle kirchlichen Funktionen des

Gottesdiensts und -- das kleine Schulzimmer befand sich im

Pfarrhause -- versah auch überdies die Obliegenheiten des weltlichen

Schulunterrichts.

* * * * *

Eines Abends, zu Anfang des Monats März, wurde sehr heftig an der

Klingel des Pfarrhöfchens gerissen, und als die Schaffnerin öffnen kam

und mit dem Licht der Laterne in das schlechte Wetter hinausleuchtete,

stand vor der Tür ein etwas verwilderter Kerl, der den Pfarrer zu

sprechen wünschte. Nachdem die Schaffnerin erst die Pforte wieder

geschlossen hatte, begab sich die alte Person zu ihrem jungen Gebieter

hinein, um, nicht ohne merkbare Ängstlichkeit, den späten Besucher

anzumelden. Allein Francesco, der es sich unter anderem zur Pflicht

gemacht hatte, niemand, wer es auch sei, der seiner bedürfe,

abzuweisen, sagte nur kurz, von der Lektüre irgendeines Kirchenvaters

aufblickend: »Geh', Petronilla, führ ihn herein.«

Bald darauf stand vor dem Tische des Pfarrers ein etwa vierzigjähriger

Mann, dessen Äußeres das der Landleute jener Gegend war, nur weit

vernachlässigter, ja, verwahrloster. Der Mann ging barfuß. Eine

zerlumpte, regendurchnäßte Hose war über den Hüften von einem Riemen

festgehalten. Das Hemd stand offen. Die braune, behaarte Brust setzte

sich in eine buschige Kehle und in ein von Bart- und Haupthaar schwarz

und dicht umwuchertes Antlitz fort, aus dem zwei dunkel glühende Augen

hervorbrannten.

Eine aus Flicken bestehende, vom Regen durchnäßte Jacke hatte der Mensch

nach Hirtenart über die linke Schulter gehängt, während er einen von

Wind und Wetter vieler Jahre entfärbten und zusammengeschrumpften,

kleinen Filz, aufgeregt, mit den braunen und harten Fäusten herumdrehte.

Einen langen Knüttel hatte er vor dem Eingang abgestellt.

Gefragt, was er wünschte, brachte der Mann unter wilden Grimassen

einen unverständlichen Schwall rauher Laute und Worte hervor, die zwar

der Mundart jener Gegend angehörten, aber wiederum einer Abart davon,

die selbst der in Soana geborenen Schaffnerin wie eine fremde Sprache

erschien.

Der junge Priester, der seinen Besuch neben der kleinen, brennenden

Lampe hin mit Aufmerksamkeit betrachtet hatte, bemühte sich

vergeblich, den Sinn seines Anliegens zu ergründen. Mit viel Geduld,

mittels zahlreicher Fragen, konnte er endlich soviel aus ihm

herausbringen, daß er Vater von sieben Kindern war, von denen er

einige gern in der Schule des jungen Priesters angebracht hätte.

Francesco fragte: »Wo seid Ihr her?« Und als die Antwort,

hervorgesprudelt: »Ich bin aus Soana« lautete, erstaunte der Priester

und sagte zugleich: »Das ist nicht möglich! ich kenne jedermann hier

am Ort! aber Euch und Eure Familie kenne ich nicht.«

Der Hirte, Bauer oder was er nun sein mochte, gab nun von der Lage

seines Wohnhauses eine von vielen Gesten begleitete, leidenschaftliche

Schilderung, aus der jedoch Francesco nicht klug wurde. Er meinte nur:

»Wenn Ihr Einwohner von Soana seid, und Eure Kinder das gesetzliche

Alter erreicht haben, so müßten sie doch ohnedies schon längst in

meiner Schule gewesen sein. Und ich müßte doch Euch oder Eure Frau

oder Eure Kinder beim Gottesdienst in der Kirche, bei Messe oder

Beichte, gesehen haben.«

Hier riß der Mann seine Augen auf und preßte die Lippen aufeinander.

Statt jeder Antwort stieß er, wie aus empörter und gepreßter Brust,

den Atem aus.

»Nun so werde ich mir Euren Namen aufschreiben. Ich finde es brav

von Euch, daß Ihr selber kommt und Schritte tut, damit Eure

Kinder nicht unwissend und womöglich gottlos bleiben.« Bei

diesen Worten des jungen Klerikers fing der zerlumpte Mensch, so

daß sein brauner, sehniger und beinahe athletischer Körper davon

geschüttelt wurde, auf eine sonderbare, beinahe tierische Art und

Weise zu röcheln an. -- »Jawohl,« wiederholte betreten Francesco,

»ich zeichne mir Euren Namen auf und werde der Sache wegen

nachforschen.« Man konnte sehen, wie Träne um Träne von den

geröteten Augenrändern des Unbekannten über das struppige Antlitz

herniederrann.

»Gut, gut,« sagte Francesco, der sich das aufgeregte Wesen seines

Besuchers nicht erklären konnte und übrigens davon nochmehr

beunruhigt, als ergriffen war -- »gut, gut, Eure Sache wird untersucht

werden. Nennt mir nur Euren Namen, guter Mann, und schickt mir morgen

früh Eure Kinder!« Der Angeredete schwieg hierauf und sah Francesco

mit einem ratlosen und gequälten Ausdruck lange an. Dieser fragte

nochmals: »Wie heißt Ihr? sagt Euren Namen.«

Dem Geistlichen war, von Anfang an, in den Bewegungen seines Gastes

etwas Furchtsames, gleichsam etwas Gehetztes aufgefallen. Jetzt, wo er

seinen Namen angeben sollte und draußen auf dem steinernen Estrich

gleichzeitig der Schritt Petronillas hörbar ward, duckte er sich und

zeigte überhaupt eine Schreckhaftigkeit, wie sie meist nur

Irrsinnigen oder Verbrechern eignet. Er schien verfolgt. Er schien auf

der Flucht vor Häschern zu sein.

Dennoch ergriff er ein Stück Papier und die Feder des Geistlichen,

trat seltsamerweise ins Dunkel, vom Lichte abgewandt, ans

Fensterbrett, wo unten ein naher Bach und, mehr von ferne, der

Wasserfall von Soana hereinrauschte, und malte, mit einiger Mühe, aber

doch leserlich, etwas auf, was er mit Entschluß dem Geistlichen

zureichte. Dieser sagte: »Gut!« und, mit dem Zeichen des Kreuzes:

»geht mit Frieden!« Der Wilde ging und ließ eine Wolke von Dünsten

zurück, die nach Salami, Zwiebel, Holzkohlenrauch, nach Ziegenbock und

nach Kuhstall dufteten. Sobald er hinaus war, riß Francesco das

Fenster auf.

* * * * *

Den nächsten Morgen hatte Francesco, wie immer, seine Messe gelesen,

danach ein wenig geruht, danach sein frugales Frühstück zu sich

genommen und befand sich bald danach auf dem Wege zum Sindaco, den man

zeitig besuchen mußte, um ihn anzutreffen. Er fuhr nämlich täglich von

einer Bahnstation, tief unten am Seeufer, nach Lugano hinein, wo er in

einer der belebtesten Gassen einen Groß- und Kleinhandel mit

tessinischem Käse betrieb.

Die Sonne schien auf den kleinen, mit alten Kastanienbäumen, die

einstweilen noch kahl waren, bestandenen Platz, der dicht bei der

Kirche gelegen war und gleichsam die Agora der Ortschaft bildete. Auf

einigen Steinbänken saßen und spielten Kinder herum, während die

Mütter und älteren Töchter an einem von kaltem Bergwasser, womit er

reichlich gespeist wurde, überfließenden, antiken Marmor-Sarkophag

Wäsche wuschen und in Körben zum Trocknen davontrugen. Der Boden war

naß, weil am Tage vorher Regen, mit Schneeflocken untermischt,

gefallen war, wie denn der machtvolle Felsenabhang des Monte Generoso

unter Neuschnee, jenseits der Talschlucht, in seinem eigenen Schatten

mit unzugänglichen Schroffen aufragte und frische Schneeluft

herüberhauchte.

Der junge Priester ging mit niedergeschlagenen Augen an den

Wäscherinnen vorbei, deren lauten Gruß er durch Nicken erwiderte. Den

ihn umdrängenden Kindern ließ er, sie ältlich über die Brille

betrachtend, die Hand einen Augenblick, wo sie denn alle mit Eifer und

Hast ihre Lippen abwischten. Die Ortschaft, wie sie hinter dem Platz

begann, ward durch wenige enge Gassen gangbar gemacht. Aber selbst die

Hauptstraße konnte nur von kleinen Fuhrwerken und auch nur in ihrem

vorderen Teile benutzt werden. Nach dem Ausgang des Ortes zu verengte

sie sich und wurde noch überdies so steil, daß man höchstens noch mit

einem beladenen Maultier hindurch und hinan kommen konnte. An diesem

Sträßchen befand sich ein kleiner Kramladen und die schweizerische

Postagentur.

Der Postagent, der mit Francescos Vorgänger auf kameradschaftlichstem

Verkehrsfuß gestanden hatte, grüßte und ward von Francesco wieder

gegrüßt, aber doch nur so, daß zwischen dem Ernst des Geweihten und

der platten Freundlichkeit des Profanen der volle Abstand gewahrt

wurde. Nicht weit von der Post bog der Priester in ein erbärmliches

Seitengäßchen ein, das mit Treppen und Treppchen auf eine

halsbrecherische Weise, an geöffneten Ziegenställen und allen Arten

schmutziger, fensterloser, kellerartiger Höhlen vorüber, abwärts

stieg. Hühner gackerten, Katzen saßen auf morschen Galerien unter

Büscheln aufgehängter Maiskolben. Hie und da meckerte eine Ziege,

blökte ein Rind, das aus irgendeinem Grunde nicht mit auf die Weide

gezogen war.

Man konnte erstaunt sein, wenn man, aus dieser Umgebung kommend, durch

eine enge Pforte das Haus des Bürgermeisters betreten hatte und sich

in einer Flucht von kleinen, gewölbten Sälen befand, deren Decken von

Handwerkern, im Stile Tiepolos, figurenreich ausgemalt worden waren.

Hohe Fenster und Glastüren, mit langen, roten Gardinen geschmückt,

führten aus diesen sonnigen Räumen auf eine ebenso sonnige, freie

Terrasse hinaus, die von uraltem, kegelförmig geschnittenen Buchsbaum

und wundervollem Lorbeer geziert wurde. Wie überall, so auch hier,

vernahm man das schöne Rauschen des Wasserfalls und hatte jenseits die

wilde Bergwand sich gegenüber.

Der Sindaco, Sor Domenico, war ein gutgekleideter, in der Mitte der

vierziger Jahre stehender, ruhiger Mann, der vor kaum einem

Vierteljahre erst zum zweitenmal geheiratet hatte. Die schöne,

blühende, zweiundzwanzigjährige Frau, die Francesco in der blanken

Küche mit der Zubereitung des Frühstücks beschäftigt getroffen hatte,

geleitete ihn zu dem Gatten herein. Als jener die Erzählung des

Priesters, von dem Besuch, den er abends vorher empfangen hatte,

angehört und den Zettel gelesen hatte, der den Namen des Besuchers und

wilden Mannes in unbeholfenen Schriftzügen trug, ging ein Lächeln

durch seine Gesichtszüge. Dann, als er den jungen Sacerdote Platz zu

nehmen genötigt hatte, fing er, vollkommen sachlich, und ohne daß die

maskenhafte Gleichgültigkeit seiner Mienen jemals gestört wurde, die

gewünschte Auskunft über den mysteriösen Besucher, der tatsächlich

ein dem Pfarrer bisher verborgen gebliebener Bürger Soanas war, zu

geben an.

* * * * *

»Luchino Scarabota,« sagte der Sindaco -- es war der Name, den der

Besucher des Pfarrers auf den Zettel gekritzelt hatte! -- »ist ein

keineswegs armer Mann, aber schon seit Jahren machen seine häuslichen

Zustände mir und der ganzen Gemeinde Kopfschmerzen, und es ist nicht

eigentlich abzusehen, wo dies alles am Ende noch hinauslaufen soll. Er

gehört einer alten Familie an, und es ist sehr wahrscheinlich, daß er

etwas von dem Blut des berühmten Luchino Scarabota da Milano in sich

hat, der zwischen Vierzehn- und Fünfzehnhundert das Langhaus des Domes

unten in Como baute. Solche alte, berühmte Namen haben wir ja, wie Sie

wissen, Herr Pfarrer, manche in unserem kleinen Ort.«

Der Sindaco hatte die Glastüre geöffnet und den Pfarrer während des

Redens auf die Terrasse hinausgeführt, wo er ihm, mit der ein wenig

erhobenen Hand, in dem trichterförmigen, steilen Quellgebiete des

Wasserfalles einen jener, aus rohem Stein gemauerten Würfel wies, wie

sie die Bauern der Gegend bewohnen. Aber dieses, in großer Höhe, weit

über allen anderen hängende Anwesen unterschied sich von jenen nicht

nur durch seine vereinzelte, scheinbar unzugängliche Lage, sondern

auch durch Kleinheit und Ärmlichkeit.

»Sehen Sie, dort, wo ich mit dem Finger hinzeige, wohnt dieser

Scarabota,« sagte der Sindaco.

»Es nimmt mich wunder, Herr Pfarrer,« fuhr der Sprechende fort,

»daß Sie von jener Alpe und ihren Bewohnern noch nichts gehört

haben sollten. Die Leute geben weit und breit in der ganzen Gegend

seit einem Jahrzehnt und länger das widerwärtigste Ärgernis. Leider

kann man ihnen nicht beikommen. Man hat die Frau vor Gericht

gestellt, und sie hat behauptet, die sieben Kinder, die sie geboren

hat, stammten -- gibt es etwas Unsinnigeres? -- nicht von dem Manne,

mit dem sie lebt, sondern von sommerlichen Schweizer Touristen ab, die

an der Alpe vorüber müssen, wenn sie zum Generoso hinaufklettern.

Dabei ist die Vettel verlaust und schmutzstarrend und überdies

abschreckend häßlich, wie die Nacht.

Nein, es ist offenkundig, daß der Mann, der Sie gestern besucht hat

und mit dem sie lebt, Vater von ihren Kindern ist. Aber das ist der

Punkt: dieser Mensch ist zugleich ihr leiblicher Bruder.«

Der junge Priester verfärbte sich.

»Natürlich ist dies blutschänderische Paar von aller Welt gemieden

und in die Acht getan. In dieser Beziehung wird die vox populi selten

fehl gehen.« Mit dieser Erklärung setzte der Sindaco seine Erzählung

fort. »Sooft sich eines der Kinder etwa bei uns oder in Arogno oder in

Melano hat blicken lassen, ist es beinahe gesteinigt worden. Man hält

jede Kirche, soweit die Leute bekannt sind, für entweiht, wenn das

verruchte Geschwisterpaar sie betritt, und die beiden Verfemten haben

das, als sie den Versuch glaubten machen zu dürfen, auf eine so

furchtbare Weise zu fühlen bekommen, daß ihnen seit Jahren jede

Neigung zum Kirchenbesuch abhanden gekommen ist.

Und sollte man etwa gestatten«, fuhr der Sindaco fort, »daß solche

Kinder, solche verfluchte Kreaturen, die jedermanns Abscheu und Grauen

sind, hier unten in unsere Schule gehen und zwischen den Kindern guter

Christen in der Schulbank sitzen? Kann man uns zumuten, wir sollen

dulden, daß unsere ganze Ortschaft, Klein und Groß, durch diese

moralischen Schandprodukte, diese schlechten, räudigen Bestien

verpestet wird?«

Das bleiche Antlitz des Priesters Francesco verriet durch keine Miene,

inwieweit die Erzählung Sor Domenicos ihn berührt hatte. Er dankte und

ging mit dem gleichen würdigen Ernst im Ausdruck des ganzen Wesens,

mit dem er erschienen war, davon.

* * * * *

Francesco hatte bald nach der Unterredung mit dem Sindaco seinem

Bischof über den Fall Luchino Scarabota Bericht erstattet. Acht Tage

später war die Antwort des Bischofs in seiner Hand, die dem jungen

Geistlichen auftrug, sich von dem allgemeinen Stand der Verhältnisse

auf der sogenannten Alpe von Santa Croce persönlich zu unterrichten.

Der Bischof lobte dabei den geistlichen Eifer des jungen Manns und

bestätigte ihm, er habe wohl Ursach, sich dieser verirrten und

verfemten Seelen wegen in seinem Gewissen bedrängt zu fühlen und auf

ihre Errettung bedacht zu sein. Von den Segnungen und Tröstungen der

Mutterkirche dürfe man keinen noch so verirrten Sünder ausschließen.

Erst gegen Ende des Monats März erlaubten die Amtsgeschäfte und auch

die Schneeverhältnisse des Berges Generoso dem jungen Geistlichen von

Soana, mit einem Landmann als Führer, den Aufstieg zur Alpe von Santa

Croce anzutreten. Ostern stand vor der Tür, und trotzdem an der

Schroffwand des Bergriesen fortwährend mit dumpfem Donner Lawinen in

die Schlucht unterm Wasserfall niedergingen, hatte der Frühling

überall, wo die Sonne ungehindert zu wirken vermochte, mit voller

Kraft eingesetzt.

So wenig Francesco, unähnlich seinem Namensheiligen von Assisi,

Naturschwärmer war, konnte doch das zarte und saftige Sprießen, Grünen

und Blühen um ihn her nicht ohne Wirkung auf ihn bleiben. Ohne daß

sich der junge Mensch dessen deutlich bewußt werden brauchte, hatte er

die feine Gährung des Frühlings im Blut und genoß sein Teil von jenem

inneren Schwellen und Drängen der ganzen Natur, das himmlischen

Ursprungs und trotz wonnig-sinnlich-irdischen Auswirkens auch in allen

seinen erblühten Freuden himmlisch ist.

Die Kastanienbäume auf dem Platz, über den der Priester mit seinem

Begleiter zunächst wieder schreiten mußte, hatten aus braunen,

klebrigen Knospen zarte, grüne Händchen gestreckt. Die Kinder lärmten,

nicht minder die Sperlinge, die unterm Kirchdach und in unzähligen

Schlupflöchern der winkligen Ortschaft nisteten. Die ersten Schwalben

zogen ihre weiten Schleifen von Soana über den Abgrund der Schlucht,

wo sie scheinbar dicht vor dem phantastisch getürmten, unzugänglichen

Felsmassiv der Bergmauer abschwenkten. Dort oben auf Vorsprüngen oder

in Felslöchern, wo nie eines Menschen Fuß hingedrungen war, horsteten

Fischadler. Die großen, braunen Pärchen traten herrliche Fahrten an

und schwebten, nur um zu schweben, in stundenlangen Dauerflügen über

Bergspitzen, immer höher und höher kreisend, als wollten sie

majestätisch, selbstvergessen, in die befreite Unendlichkeit des

Raumes hinein.

Überall, nicht nur in der Luft, nicht nur in der braunen, aufgewühlten

oder mit Gras und Narzissen bekleideten Erde und allem, was sie durch

Halme und Stämme in Blätter und Blüten aufsteigen ließ, sondern auch in

den Menschen war das Festliche, und die braunen Gesichter der Bauern,

die auf den Terrassen zwischen den Reihen der Weinstöcke mit Hacke oder

gekrümmtem Messer arbeiteten, strahlten von Sonntäglichkeit: hatten doch

überdies die meisten von ihnen das sogenannte Osterlamm, eine junge

Ziege, bereits geschlachtet und mit zusammengebundenen Hinterläufen zu

Hause am Türpfosten aufgehängt.

Die Weiber, die ganz besonders zahlreich und laut mit ihren gefüllten

Wäschekörben um den überfließenden Sarkophag aus Marmor versammelt

waren, unterbrachen, als der Priester und sein Begleiter vorüberging,

ihre lärmende Heiterkeit. Auch am Ausgang des Dorfes standen

Wäscherinnen, wo unter einem kleinen Madonnenbild ein Wasserstrahl aus

dem Felsen drang und sich ebenfalls in einen antiken Sarkophag aus

Marmor ergoß. Beide Stücke, sowohl dieser Sarkophag, als jener, der

auf dem Platze stand, waren vor längerer Zeit aus einem Baumgarten

voll tausendjähriger Steineichen und Kastanien gehoben worden, wo sie

seit undenklicher Zeit, nur wenig aus dem Boden hervorragend, unter

Epheu und wildem Lorbeer versteckt, gestanden hatten.

Im Vorübergehen bekreuzte sich Francesco, ja, unterbrach das Schreiten

für einen Augenblick, um der lieblich mit Feldblumenopfern der Landleute

umstellten Madonetta über dem Sarkophag, mit einer Beugung des Knies zu

huldigen. Zum ersten Male sah er dies kleine, von Bienen umsummte,

liebliche Heiligtum, da er diesen oberen Teil der Ortschaft noch niemals

besucht hatte. War Soana mit seinem unteren Teil, mit seiner Kirche und

einigen mit grünen Läden geschmückten, hübschen Bürgerhäusern um den

terrassenartig untermauerten Kastanienplatz bürgerlich beinahe

wohlhabend und zeigte es dort in Gärten und Gärtchen blühende

Mandelbäumchen, Orangen, hohe Zypressen, kurz, eine mehr südliche

Vegetation, hier oben, einige hundert Schritte höher hinauf, war es nur

noch ein alpines, ärmliches Hirtendorf, das nach Ziegen und Kuhstall

duftete. Auch setzte hier ein mit Wackersteinen gepflasterter, äußerst

steiler Bergweg ein, der durch täglichen morgendlichen Auszug und

abendlichen Einzug der großen Gemeinde-Ziegenherde geglättet war; denn

er führte hinauf und hinaus zur Gemeindealm in das kesselförmige

Quellgebiet des Flüßchens Savaglia, das weiter unten den herrlichen

Wasserfall von Soana bildet und nach kurzem, rauschenden Lauf durch

tiefe Schlucht im See von Lugano untergeht.

Nachdem der Priester, immer geführt von seinem Begleiter, eine kurze

Weile auf diesem Bergweg hinan geklettert war, stand er still, um

aufzuatmen. Den großen, schwarzen, tellerartigen Hut mit der Linken

vom Kopfe nehmend, hatte er mit der Rechten ein großes, buntes

Taschentuch aus der Soutane gezogen, womit er die Schweißperlen von

seiner Stirn tupfte. Im allgemeinen ist der Natursinn, der Sinn eines

italienischen Priesters für die Schönheit der Landschaft, nicht

sonderlich. Aber der Weitblick von großer Höhe und aus der sogenannten

Vogelperspektive, wie man es nennt, ist doch ein Reiz, der auch den

naivsten Menschen mitunter trifft und ihm ein gewisses Staunen

abnötigt. Francesco erblickte seine Kirche mitsamt der dazugehörigen

Ortschaft bereits nur noch als ein Miniaturbild tief unter sich,

während rings um ihn her die gewaltige Bergwelt, wie es schien, immer

höher gen Himmel ragte. In das Gefühl des Frühjahrs mischte sich jetzt

das Gefühl des Erhabenen, das vielleicht aus einem Vergleich der

eigenen Kleinheit mit den erdrückend gewaltigen Werken der Natur und

ihrer drohenden, stummen Nähe entstehen mag und das mit einem halben

Bewußtsein davon verbunden ist, daß wir doch auch an dieser Übermacht

auf irgendeine Weise teilhaben. Kurz, Francesco fühlte sich

erhaben-groß und winzig-klein in ein und demselben Augenblick, und

dies gab den Anlaß, mit gewohnter Bewegung auf Stirn und Brust das vor

Irrungen und Dämonen schützende Kreuz zu schlagen.

Im Weitersteigen hatten bald wieder religiöse Fragen und

praktisch-kirchliche Angelegenheiten seines Sprengels von dem

jugendlich eifrigen Klerikus Besitz ergriffen. Und als er wiederum

diesmal am Eingang eines felsigen Hochtals stille stand und sich

umwandte, hatte ihn der Anblick eines arg verwahrlosten, hier für die

Hirten errichteten, gemauerten Heiligenschreins auf den Gedanken

gebracht, alle vorhandenen Heiligtümer seines Kirchspiels, und wenn

sie noch so entlegen waren, aufzusuchen und in einen gotteswürdigen

Stand zu setzen. Er ließ sogleich seine Augen umherschweifen und

suchte den die vorhandenen Kultstätten womöglich umfassenden

Überblick.

Er nahm seine eigene Kirche mit dem daran geklebten Pfarrhaus zum

Ausgangspunkt. Sie stand, wie gesagt, auf der Ebene des Dorfplatzes

und ihre Außenmauern setzten sich in steilen Wänden des Grundfelsens

fort, an dem ein munterer Gebirgsbach unten vorüberrauschte. Dieser

Gebirgsbach, unter dem Platz von Soana hindurchgeführt, trat in einem

gemauerten Bogen ans Licht, wo er, freilich durch Abwässer stark

verunreinigt, Baumgärten und blumige Wiesen wässerte. Jenseit der

Kirche, ein wenig höher, was von hier aus nicht festzustellen war, lag

auf rundem, flachen Terrassenhügel das älteste Heiligtum der Umgegend,

eine kleine Kapelle, der Jungfrau Maria geweiht, deren verstaubtes

Kultbild auf dem Altar von einem byzantinischen Mosaik der Apsis

überwölbt wurde. Dieses, trotz tausendjährigen und höheren Alters in

Goldgrund und Zeichnung wohlerhaltene, Mosaik stellte Christus

Pantokrator dar. Die Entfernung von der Hauptkirche bis zu diesem

Heiligtum betrug nicht über drei Steinwurfsweiten. Eine andere hübsche

Kapelle, diese der heiligen Anna geweiht, lag in der gleichen

Entfernung von ihr. Über Soana und hinter Soana erhob sich ein äußerst

spitzer Bergkegel, der im Umkreis natürlich von weiten Talräumen und

den Flanken der überragenden Generoso-Kette umgeben war. Dieser

beinahe zuckerhutartige, aber bis oben begrünte, scheinbar

unzugängliche Berg hieß Sant Agatha, weil er auf seinem Gipfel zur Not

ein Kapellchen eben dieser Heiligen beherbergte. Dies waren im engsten

Umkreis der Ortschaft eine Kirche und drei Kapellen, der sich im

weiteren Kreise der Pfarre drei oder vier andere Kapellen anreihten.

Auf jedem Hügel, an jeder hübschen Wegwende, auf jeder weithin

blickenden Spitze, da und dort an malerischen Felsabstürzen, nah und

fern, über Schlucht und See hatten fromme Jahrhunderte Gotteshäuser

angeklebt, so daß in dieser Beziehung die tiefe und allgemeine

Frömmigkeit des Heidentums noch zu spüren war, die im Verlauf

vergangener Jahrtausende alle diese Punkte ursprünglich geweiht und so

gegen die bedrohlichen, furchtbaren Mächte dieser wilden Natur sich

göttliche Bundesgenossen geschaffen hatte.

Der junge Eiferer sah alle diese Anstalten römisch-katholischen

Christentums, wie sie den ganzen Kanton Tessin auszeichnen, mit

Befriedigung. Freilich mußte er sich zugleich mit dem Schmerz des

echten Gottesstreiters eingestehen, daß in ihnen weder überall ein

reger und reiner Glaube lebendig war, noch auch nur eine genügend

liebevolle Fürsorge seiner Amtsbrüder, um alle diese verstreuten,

himmlischen Wohnstätten vor Verwahrlosung und Vergessenheit zu

bewahren.

Nach einiger Zeit ward in den engen Fußsteig eingebogen, der in

dreistündiger, mühsamer Steigung zum Gipfel des Generoso führt. Dabei

mußte sehr bald das Bett der Savaglia auf einer verfallenen Brücke

überschritten werden, in deren nächster Nähe das Sammelbecken des

Flüßchens war, das von da aus in seinen selbstgebildeten Erosionsspalt

von hundert und mehr Meter Tiefe hinabstürzte. Hier hörte Francesco

aus verschiedenen Höhen, Tiefen und Richtungen neben dem Rauschen des

zu seinem Sammelbecken heraneilenden Wildwassers, Herdengeläut und sah

einen Mann von rauhem Äußeren -- es war der Gemeindehirt von Soana! --

der lang auf der Erde ausgestreckt, sich mit den Händen am Ufer

stützend, den Kopf zum Wasserspiegel hinabgebeugt, ganz nach Art eines

Tieres seinen Durst löschte. Hinter ihm grasten einige Ziegenmütter

mit ihren Zicklein, während ein Wolfshund mit gespitztem Ohr auf

Befehle wartete und des Augenblicks, wo sein Meister und Herr mit

Trinken fertig war. »Auch ich bin ein Hirte,« dachte Francesco, und

als jener sich von der Erde erhob und mit schneidendem Pfiff durch die

Finger, der an den Felswänden widerhallte und mit weit ausholenden

Steinwürfen seine überallhin verstreuten Tiere bald zu schrecken, bald

weiter zu treiben, bald zurückzurufen und überhaupt vor der Gefahr

des Absturzes zu bewahren suchte, dachte Francesco, wie dies schon bei

Tieren, geschweige bei Menschen, die der Versuchung des Satans

allezeit preisgegeben waren, eine mühevolle und verantwortungsschwere

Arbeit sei.

* * * * *

Mit doppeltem Eifer begann nun der Priester weiter zu steigen, nicht

anders, als wenn zu fürchten gewesen wäre, der Teufel könne auf diesem

Wege zu den verirrten Schafen womöglich der Schnellere sein. Als er,

immer von seinem Begleiter geführt, den Francesco einer Unterhaltung

nicht würdigte, eine Stunde und länger steil und beschwerlich

gestiegen war, immer höher und höher in die Felswildnis des Generoso

hinein, hatte er plötzlich die Alpe von Santa Croce auf fünfzig

Schritt vor Augen liegen.

Der Ketzer von Soana · 第 1 / 8 段