Ach ja! -

Und dann wieder die Rezensenten im Winter. Wie sie mir alle meine

Gebresten vorfingern werden. Da merkt man erst wieder mal, was für ein

kapitaler Ignorant man ist ... Ja, ja, die Rezensenten! -

----

Mit dieser, allerdings etwas flüchtigen Berücksichtigung einer gewiß

nützlichen Menschensorte tret ich in mein Zimmer ein.

Ein lichtgrau tapezierter quadratischer Raum voll Sonne und Luft. Ein

weißes Bett, ein Waschtisch, ein geblümtes Sofa mit einem weißen

Hundefell davor, ein braun gebeiztes Regal mit ein paar Büchern und

umständlichem Rauchutensil, ein paar Stühle, ein paar kolorierte Stiche

_à la_ Neuruppin, ein einziges, breites Fenster mit weißen Gardinen.

Davor gerückt ein großer Tisch. Viel weißes Papier darauf im wirren

Durcheinander und dazwischen ein Tintenfläschchen. Die Sonnenstrahlen

huschen drüberhin und schillern in dem Wasserglas mit den vier »_gloire

de Dijon_«. Und draußen ein wippender, schaukelnder, sattgrüner

Laubtumult. Dahinter bläulich die Hügel.

----

Nun?

Hier: feierlich, würdig, reserviert, mit einer gewissen Andacht

hergelegt, ein Kreuzband. Richtig! Eine Zeitung! Na?

»Allen, die sich Menschheit, Leben und Poesie von Grund aus

verekeln lassen wollen, sei dieses Buch bestens empfohlen. Es

häuft Häßliches, Schmutziges und Niedriges bergehoch. Nichts als

Schmutz, Elend und Verkommenheit, körperlich wie geistig. Ebenso

wie jener schönfärbende, falsche Idealismus, welcher alles in

erborgten Schimmer kleidet, ist ein Todfeind aller Poesie jene

sogenannte Wahrheit, die alle Krankheiten, seien sie des Leibes

oder der Seele, auf die Gestalten häuft und die Augen schließt,

um nichts Lichtes zu sehen. Nur der Wechsel von Licht, Halblicht

und Dunkel gibt den Schein der Körperlichkeit in Kunst und

Leben« usw. usw.

»Schmutziges«? »Niedriges«? »Idealismus«? »Wahrheit?« »Halbdunkel«?

»Schatten«? »Poesie«?

Ja, da haben wir ja wieder mal die Jacke gründlichst vollgekriegt!

Und wie viel kluge Worte der Mann hat! Daß doch der liebe Gott für so

viele schöne, saubere Redensarten gesorgt hat!

O du heilige, böse Natur! Du meine glückliche, unglückselige Liebe!

Warum läßt du mich die Worte und klugen Maßstäbe vergessen? Weshalb bist

du mir im »Kleinen« wie im »Großen«, im »Geringen« wie im »Bedeutenden«

immer dieselbe, immer die gleiche, immer und überall und vor allem das

große, süße, schauerliche, erhabene und lockende Problem? Längst bist du

ja in säuberliche Grade und Werte verrubriziert. Daß du doch immer und

überall so wunderbar bist und es mich vergessen läßt!

Dir ist es gleich: für mich ist es kein Spaß. Denn ich muß in der

»talfriedlichen Enge der Menschen« wohnen. Ja, wenn man so vergeßliche

Triebe hat!

O du lachendes, freudiges Morgenlicht!...

Und ich lache in die schöne Welt hinein und lache und lache ...

Gut! Weg damit!

Die niedliche Hand aber, die mir mit so unschuldiger Andacht diese

prätentiöse, mürrisch-mißvergnügte Zeitungsmißgeburt auf meinen Tisch

gelegt hat, wird heut abend warm in meiner liegen. Heut abend. -

Und alles bleibt beim alten.

Trotz alledem und alledem ...

In Dingsda · 第 13 / 29 题