_Christoph Roßberger_.
Meine Frau, die Euch mit den Kindern, ebenfalls herzlich grüßen läßt, klagt
eben über Frösteln und Kopfweh -- die Nägel fangen ihr auch schon an blau
zu werden -- das sind die freundlichen Anzeigen des kalten Fiebers.
Dritter Brief.
_Nujork_ nich sondern _Kendukki_ wo ich jezd bin.
_Lüber Ludewig!_
Ich bin glicklich hir eingedroffen in Ameriga Dunnerwetter das is en Land
17 Dage in eine ford gereißt un noch keine Grenze un kein Schandarm un kein
Bas verlangd un kein Schlachbaum gesen un kein Bolizeidiener worum ich Dich
eigendlich bitten wolde weil mir das bei den Bolizeidienern die ich nich
gesen habe einfelld so geh doch einmal zu Lowizki hin Du weist schon --
und sage ihm hir soll er herkommen hir is des Land vor ihm. Woso aber Du
glaubsd dass ich nich de Warheid rede die Kühe und Ferde laufen hir frei im
Walde rum un es kann se jeder nehmen wer will un ich bin iberall die Nachd
in die schenstden Betten geschlafen und ob sie mich eine 20 Daler Nothe
wexeln kennten wenn ich se morgens fragde sagden se jedesmal nein was mir
sehr leid tat Hurrjeh komm nach Ameriga un 3mal Fleisch un Speck un Kafeh
un Milg und Zuker un saure Gurken un Herr nennen sie Misther wo sie mich
immer Misther Bomeier nennen. Hür glaub ich aug von wegen Komunismuss is
das regde Blatz glaub ich un ich un ein guder Freind wir haben uns den
Mormonen angemagd wie ich sagen wollde wir haben Briderschafd mit sie
gemagd un allens sollen mir teilen haben sie ferschprochen mir teilen un
sie teilen un die anderen teilen un da kommen mir gans gut weg dabei aber
mir missen sie schon mannigmal kleine Freindschafden duhn un Welschkorn
holen in andere Felder und aus Fersehn eine Sau schlagden un kein Schandarm
hat einen nichts zu sagen un is keiner zu sehn. Un vile Aeppel in die
Obstgerten un viele Firsich das eine Bein tut mich noch sähr we von ein
große Hund -- gottvertamte Krete der Hund Aber ich muss nu schlüßen o
Ludewig wenn Du wistest was se hir vor Gefengnisse haben lauter Holz und
kein Boden drin ob se wol unser einem nu Du verstehest mir wol Aber ich
muss nu schlüßen un die Bauern die nich teilen wollen haben ire Kornkrib
als wo so ein Welschkornscheune heißt im Freien un keine Hunde dabei wie
die vertamte Krete. Aber ich muss nu schlüßen un wenn Du hirherkomst un
ich wone in das Bortinghaus von Samöel Schmit un Du kansd hir aug wohnen
1 un 3 4tel Dollar die Woche. Aber ich muss nu schlüßen un Du kansd lange
gut leben denn Du komsd bald hürher von die Schorken die Dich schünden und
kujjeniren wo es immer geschiht das winscht Dein getreier Bruder
_Eregott Bomaier_.
Wenn Du meine Frau siest sage ihr sie solte jo nich hirher kommen es were
hir gar nigts vor die Frauen.
Vierter Brief.
=New York the 20th of March 48.=
_Theuerer Scharffenstein!_
Du wirst staunen, schon einen Brief von mir zu erhalten, denn Du am besten
kennst wohl meine Schwäche in Allem was schreiben heißt -- die Hand die
gewöhnt ist den Degen zu führen, schreckt gewöhnlich vor der Feder zurück
-- doch ich fühle mich hier zu wohl, zu glücklich, um Dir nicht Theil
an meiner Freude zu gönnen und jeder Tag deshalb, den ich an dieser
Mittheilung verzögerte, schien mir ein Raub an Deiner Liebe.
Du weißt aus welchen Gründen ich Deutschland verließ -- was half mir meine
Stellung als Rittmeister -- der Rittmeister verdiente nicht genug den
Grafen standesgemäß leben zu lassen, und meine Lage wurde drückend. Ich
muß Dir aber dennoch gestehn, daß ich mit nicht geringen Befürchtungen den
Amerikanischen Boden betrat -- es war eine _Republik_, und was konnte darin
der arme Graf erwarten -- hoffen? Schon der erste Blick, den ich in die
ungeheuere Stadt New York that, bestärkte mich dabei in diesem Gefühl, und
beengte mir Herz und Geist -- kein Haus ohne ein Geschäft in den unteren
Räumen, kein freier Raum zwischen Thüren und Fenstern, ohne Schilder,
Anzeigen und riesige Namenszüge und Buchstaben. Hier -- das ließ sich
nicht verkennen -- herrschte der Krämer, und der Graf konnte nur eine sehr
untergeordnete Rolle spielen.
Oder sollte ich etwa als -- Commis in eines dieser Geschäfte treten? --
Dingen und feilschen, wiegen und messen, und mir mit »ehrlichem Fleiße«
einen Platz in der menschlichen Gesellschaft mühsam erringen, daß
ich endlich, nach Jahre langer Arbeit -- auf gleicher Stufe mit den
Krämerseelen stünde? -- Bah, der Gedanke war demüthigend und odiös und
trieb mir die Tropfen auf die Stirn.
Der erste Lichtblick, der mich in diesem Chaos meiner Gefühle traf, war
eine vierspännige Kutsche mit galonnirtem Kutscher vorne und betreßten
Bedienten -- einen Weißen und einen Neger, hinten auf -- ja auf dem
Kutschenschlag sogar ein Wappen -- leider konnte ich es nicht erkennen,
denn sie rollte zu rasch an mir vorüber. Ich war wirklich erstaunt, _das_
hier in einer der Hauptstädte der Republik zu finden, und Du wirst
mein Erstaunen theilen, wenn ich Dir sage, daß ich in Zeit von einer
Viertelstunde fünf oder sechs solche Wappenträger gesehn, doch mit lauter
mir fremden Schilden.
Am nächsten Tag, als ich die Theile der Stadt durchzog, wohin meine
Empfehlungen lauteten, betrat ich die Straßen die weniger kaufmännisch und
schon mehr aristokratisch aussahen. Elegante Gebäude mit Marmortreppen,
Mahagonithüren und vergoldeten Knöpfen -- hie und da der Wollkopf eines
schwarzen Portiers sichtbar. Dennoch betrat ich mit einer Art Beklemmung
die erste Treppe -- der Name John Broadfoot klang gar zu plebejisch und
sein, wie seiner Gattin Anblick, strafte ihn leider nicht Lügen, obgleich
sie Beide von Atlas und Gold strotzten -- ich mußte wahrhaftig beim
ersten Eintritt das Lachen verbeißen -- Gott sei Dank, daß ich nicht
herausplatzte.
Aber pompös eingerichtet waren die Leute, wahrhaft fürstlich, und Du weißt,
meine Ansprüche in der Art sind nicht gering -- nur etwas überladen, zu
viel Gold und lichte Farben, zu wenig Schatten für die Masse blendender
Strahlen. Von dem Augenblick an begann aber ein neues Leben für mich! ich
flog aus einer Gesellschaft in die andere; Einladung folgte auf Einladung;
ich wurde fetirt wie an keinem Orte Deutschlands oder Frankreichs und
der deutsche Graf, der =german count=, scheint wirklich das Stadtgespräch
geworden. Beim Himmel, Eugen, ich bin in dieser Republik eher wie ein Gott
als ein Sterblicher behandelt worden, und wenn in Paris, wo, wie ich eben
die Nachricht bekomme, das Königthum gestürzt sein soll, die Republikaner
ebenfalls so rücksichtsvoll gegen Grafen sind, dann werd' ich künftig in
Paris die Saison und in Amerika meinen Sommer verleben.
Doch lange mag ich nicht mehr der Mittelpunkt aller dieser Feste sein,
ohne nicht bald selbst einmal etwas ähnliches zu veranstalten; dieser mir
gezollte Weihrauch macht mich allerdings sehr stolz; ich bin aber auch
wieder zu stolz, unerwiedert dergleichen fortwährend anzunehmen. Meine
Casse befindet sich freilich in keinen übermäßig brillanten Umständen,
soviel aber hält sie hoffentlich aus, denn ist mir wieder auf eine Zeitlang
hier Bahn gebrochen und rückt der Sommer weiter hinein, nun so ziehe ich in
die benachbarten Städte Philadelphia, Baltimore, Boston; ein Graf mit einem
so wackeren Namen wie der meine, wird dort überall nicht allein willkommen
geheißen, sondern wirklich ersehnt, da es, Gott sei Dank, mit zum guten Ton
gehört, ihn unter seine »=friends=« zu zählen.
Also =good bye=, mein theuerer Scharffenstein, laß bald selbst einmal etwas
von Dir hören und sei versichert, daß sich stets Deiner in alter Liebe und
Freundschaft erinnern wird, Dein
_Hugo_,
Graf von Böllinghausen und Nistadt.
=P. S.= Solltest Du selber noch herüber kommen, so nimm auf dem Dampfschiff
um Gotteswillen erste Cajüte. Man muß hier, in Amerika selber, allerdings
mit manchem Plebs verkehren, weil sich das nicht gut vermeiden läßt, auf
der See aber, und so frisch von der Heimath fort, ist es oft höchst fatal
und widerwärtig.
Fünfter Brief.
Im Staat _Ohio_ am 3ten März 1848.
_Liebe Eltern und lieber Bruder!_
Es freut mich Euch sagen zu können, daß es mir hier gesund und wohl geht.
Ich habe nämlich die Seereise glücklich überstanden und wenn ich auch lange
seekrank war, so bin ich doch jetzt wohl und gesund und es fehlt mir an
meinem Körper gar Nichts. Was aber die Verhältnisse hier anbetrifft, so
thut es mir leid, Euch gar nichts Bestimmtes und nichts Gutes über mich
schreiben zu können, denn es geht mir bis jetzt noch hier herzlich schlecht
-- vielleicht wird's einmal später besser. Kommt aber ja nicht jetzt
heraus, wie ihr es wolltet, liebe Eltern und lieber Bruder -- es ist Alles
nicht wahr, was uns Siebenhegers im vorigen Jahre geschrieben haben -- und
wenn es wahr ist, so ist es ganz anders, als wie es im Brief aussieht, und
wie man es sich dennoch denken muß. Allerdings kann jeder gleich Meister
werden wer will, und ich bin auch gar nicht faul gewesen wie ich hier
nach Amerika kam. Ich nahm gleich mein Handwerkszeug, miethete mir einen
_Schop_, wie sie's hier nennen und fing mit der Tischlerei an, aber lieber
Gott, arbeiten hätt' ich schon gern gewollt, wenn ich nur was zu arbeiten
gehabt hätte, und den theueren Miethzins mußt ich dabei bezahlen und das
Borting, wie sie hier die Wirthshäuser nennen und da wurden die hundert
Thaler, die ihr mir mitgegeben habt, liebe Eltern, immer weniger, bis ich
zuletzt einsah, ich müßte endlich verhungern, wenn ich so sitzen bliebe und
wartete auf Arbeit. Da gab ich mein Werkzeug an einen Freund zum Aufheben
und ich selbst nahm den Rest von meinem Geld, 37 Dollar und 3 Schilling und
ging nach Missuri.
Im Lande nun dacht ich könnt's mir gar nicht fehlen, denn in dem Brief
stand ja, das Vieh liefe hier wild herum und koste beinah gar Nichts, und
das Welschkorn brauchte man nur zu pflanzen, und Alles was man hätte könnte
man gleich verkaufen an Butter, Milch, Mais und Wildhäute und das Haus
helfen Einem die Nachbarn baun -- das stand alles in dem Brief. Und wie ich
nun hierherkam da hatt ich noch 20 Dollar und 75 Cent, denn das Reisen hier
ist sehr billig, aber damit konnt ich doch keine Farm kaufen und Arbeit
konnt ich auch nicht kriegen, denn hier brauchen sie lauter Leute, die
recht gut mit der Axt umzugehn wissen, und daß wußte ich nicht, und mein
Handwerkszeug hatt ich auch in Nujork gelassen und wie ich dorthin schrieb
da sagte der Wirth in dem Bortinghaus dem ich es gegeben hatte, er wüßte
nichts davon und ich war es los. Für 4 Dollar den Monat und die Kost boten
sie mir in Anfang Arbeit an, aber ich wollte es nicht annehmen weil ich
glaubte es wäre zu wenig, und ich verzehrte erst alle meine 20 Dollar und
dann nahm ich Arbeit für 4 Dollar, weil ich doch nicht hungern wollte und
ehrlich fortkommen wollte. Und ich bin auch ganz abgerissen an Kleider und
ich fürchte mich neue zu kaufen, denn ich mochte nicht gerne Geld borgen.
Ich bin bei Deutschen hier und muß fürchterlich arbeiten, aber ich thu es
gern, denn ich verdiene doch wenigstens mein täglich Brod, aber sie sagen
mir, Einer der kein Geld hat, der kann es zu gar nichts bringen und wenn
ich fleißig bin, wollen sie mir in der Erndte 8 Dollar geben und ein neues
Hemde. Ich muß auch viel Tischlerarbeit für sie machen und für andere
Leute, wofür ich aber das Geld nicht kriege, meine Brodherrschaft
verdient aber nichts dabei, denn die thut es auch sehr billig, mehr aus
Gefälligkeit, weil sie auch wieder viel Gefälligkeit von den andern Leuten
erhält.
Das sind nun die schönen Gedanken von 1 Dollar den Tag für Arbeit und immer
mehr zu thun wie Einer thun könnte. Meine Brodherrschaft, die es sehr gut
mit mir meint, sagt ich könnte mir gratuliren, daß ich bei ihnen wäre, denn
viele Leute laufen brodlos rum. Und daß ist auch wahr, ich habe schon
viele gesprochen, die gerade aus Deutschland kommen, und es geht ihnen
sehr schlecht. Neulich war ein Mann bei mir aus Hessen Darmstadt -- der
hat geweint und gesagt seine Familie thäte in einer elenden Blockhütte am
kalten Fieber liegen und er hätt keinen Groschen um Brod zu kaufen. Der
Mann heißt Mülzer und ist auch ein Handwerker, aber ein Bäcker und die
Leute backen sich hier alle selber ihr Brod und was anderes konnte er nicht
werden, sagte er, weil er nichts anderes gelernt hat.
Doch adje liebe Eltern und lieber Bruder, vielleicht geht mir's noch einmal
besser hier in Amerika und dann schreib ich Euch wieder, aber jetzt gehts
noch nicht gut und darum grüßt Euch Euer getreuer Sohn und Bruder
_Traugott Erdmann_.
Sechster Brief.
_New York_ den 9ten März 48.
_Mein herzlieber Carl!_
Versprochener Maßen erhältst Du, sobald ich nun hier in dem neuen
herrlichen Lande einmal zu Athem gekommen, augenblicklich Nachricht von
mir, und zwar Nachricht, nicht wie es hier im Lande selber steht, denn
davon weiß ich noch zu wenig, sondern über das besonders, was ich hier thue
und treibe.
Ich bin beinah alle Tage auf der Jagd gewesen, doch die Jagd um New York
selbst herum, ist höchst unbedeutend -- eine kleine Rohrdommel und zwei
Moschusratten bilden den beträchtlichsten Theil meiner Beute, und das
klingt Dir wahrscheinlich sonderbar, wenn Du Dich an unsere Gespräche über
Bären, Büffel, Elens, Riesenhirsche und Panther erinnerst. Doch Du mußt
bedenken, die Jagd ist hier frei, jedes Kind kann mit seiner Flinte
hinausgehn und schießen, und daß da um eine Stadt wie New York, die, glaub'
ich, 400,000 Einwohner hat, kein großes eßbares Wild mehr zu finden ist,
liegt allenfalls auf der Hand.
Gestern traf ich aber glücklicher Weise einen alten Jäger aus Indiana, das
viele hundert Meilen westlich von hier liegt; der erzählte mir, zufälliger
Weise wie das Gespräch gerade kam, von dem Wild in seiner Gegend, das
muß fabelhaft sein. Mir zugeschworen hat er's, daß er die Bären manchmal,
besonders in kalten mondhellen Nächten, aus seinem Küchenfenster schießt,
und Hirsche erlegt er nur, wenn er Fleisch für die Hunde braucht. Denke Dir
wie sich das glücklich trifft, der Mann hatte zufällig, und ich merkte es
gleich, er wollte im Anfang nicht mit der Sprache heraus, eine kleine Farm,
ein sogenanntes =improvement= von ein paar Ackern urbargemachten Landes
zu verkaufen, auf dem ein kleines Wohnhaus und eine Räucherkammer und
Maisscheune steht. Und weißt Du was das ganze kosten soll? -- Du riethst
es wahrlich nicht und gingst Du noch so tief hinunter -- denke Dir,
250 Dollar; -- vier bis fünf Acker urbar gemachtes Land mit den dazu
gehörigen Gebäuden für 250 Dollar! es ist fabelhaft.
Ich scheute mich wahrhaftig im Anfang ja zu sagen, denn es war
augenscheinlich, der Mann kam gerade mitten aus dem Walde in die Stadt und
kannte den Werth seines Besitzthums gar nicht, denn für 250 Dollar schieß
ich ja allein in der Gegend an Wild heraus, Bärenfett, Honig und Wachs,
was Alles hier in New York einen ganz guten Preis hat, gar nicht gerechnet.
Leider sind keine Indianer mehr in der Gegend, doch versicherte mir mein
Backwoodsman, das sei nur ein sehr großer Vortheil für den Wildstand, dem
die Indianer, wenn sich viele in der Nachbarschaft aufhielten, gewaltigen
Abbruch thäten.
Gestern Mittag wurden wir denn handelseinig; d. h. ich schloß den Handel
nach seinen eigenen Bedingungen mit ihm ab, weil ich Furcht hatte es könnte
mir sonst ein Andern zuvorkommen. Hol's der Henker, wenn der Mann etwas
verkaufen will, so muß er auch wissen, was er dafür fordern kann -- er ist
alt genug und braucht keinen Vormund. Uebrigens habe ich ihm auch noch drei
Kühe, die auf dem Platz sind, für den allerdings im Verhältniß jener wilden
Gegend etwas hohen Preis von 12 Dollar =per= Stück abgenommen, auch eine
Heerde Schweine von 19 Stück mit 3 Dollar =per= Kopf. So bin ich denn auf
einmal ein Amerikanischer Farmer geworden und will in nächster Woche nach
meinem neuen Besitzthum aufbrechen; wollte Gott Du wärst jetzt hier und wir
könnten zusammen dorthin ziehn, ich kann Dir gar nicht sagen wie ich mich
darauf freue.
Nur das eine ist mir unangenehm, daß der alte Jäger nicht mit mir zu seinem
früheren Wohnort zurückkehren kann, um mich dort gewissermaßen einzuführen;
er will aber von hier direkt nach Texas, um von dort aus nach New Mexico
überzusiedeln und als Pionier den Kern jener Macht mit bilden zu helfen,
die später als neuer Staat der Union von Nordamerika ein neues Glied jener
herrlichen Kette werden wird, die in kaum einem halben Jahrhundert den
ganzen Continent von Amerika umspannen muß. In Texas soll es auch viel Wild
geben, lange aber nicht so viel, meines Backwoodsmans Aussage nach, als in
Indiana.
Besonders malerisch hat er mir die Truthahnjagd und die Panterhetzen
geschildert und das einzige was er gegen das Land dort einzuwenden hat,
wäre -- denn er sagte mir, er hielte es für seine Pflicht darin aufrichtig
gegen mich zu sein -- daß eben Panther, Bären und Wölfe einen ordentlichen
Viehstand schwer aufkommen ließen; besonders bösartig sollten die Bären
hinter den Schweinen her sein, ja nicht selten sogar in das Maisfeld selber
brechen und darin beträchtlichen Schaden anrichten. -- Und das sollte
mich von dem Lande abschrecken, Carl -- ich gebe Dir mein Wort, ich mußte
ordentlich an mich halten, daß ich nicht laut aufjubelte vor lauter Freude.
-- Bären im eigenen Maisfeld; na wartet, meine schwarzen Burschen, ich will
Euch das Mahl mit meiner treuen Büchse gesegnen -- zwanzig Kugeln auf's
Pfund, die machen ein Loch wo sie hinkommen.
Um übrigens den alten Jäger wenigstens in etwas dafür zu entschädigen, daß
er so billig verkauft, und mir zugleich die Bahn zu dem Ziel meiner Wünsche
gezeigt und geebnet hat, bin ich heute morgen, als ich ihm sein Geld
ausgezahlt hatte, durch die Stadt gegangen und habe ihm dort noch eine
prächtige lange Büchse, die ihm sehr in die Augen zu stechen schien und die
allerdings 60 Dollar kostete, gekauft. Du hättest sehn sollen, wie mich der
anschaute, erst griff er voller Eifer darnach, und dann besann er sich eine
Weile, schüttelte mir die Hand, und wollte sie meiner Seele nicht annehmen,
wie ich aber endlich ganz fest darauf bestand, ja zuletzt sogar schwur, ich
würde sie, wenn er sie zurückweise, dem ersten besten Menschen geben, der
uns auf der Straße begegnete, da warf er sie sich über die Schulter
und pfiff vor Freude die ganze Straße hinunter. Es ist ein kostbarer
Menschenschlag, der Amerikanische.
So lebe denn für jetzt wohl, mein Carl, denn die Vorbereitungen zu meiner
Reise nehmen für den Augenblick meine ganze Zeit in Anspruch; ich will
nämlich, wenn ich es noch möglich machen kann, schon morgen nach meinem
kleinen Besitzthum aufbrechen, um gleich Jemanden zu besorgen, der es
mir dieses Jahr noch ackern und mit Mais bepflanzen kann. Sowie ich dort
eingerichtet bin, hörst Du sogleich wieder von mir, und des ersten Büffels
Haut, den ich eigenhändig erlege, soll unter Deinem Schreibtisch als
Fußdecke prangen.