*Kirche.* Gew. 1179, z. T. abgebrochen 1895. Ursp. 3sch. rom. Basilika,
nur ein Teil des Lhs. und die Apsis erhalten, auch der Nonnenchor
abgerissen. Breite 19,7, Laenge 18,3 m. 4 Arkaden auf einfachen rom. Pfll.
und glatten Rundbgg. Soweit im Stil zu 1179 passend. Juenger das einfache
WPortal mit Rundbogentuer und kleinem rom. Crucifixus. -- _Barockaltar_ aus
Kloster Bildhausen. Kleine Predella mit Bild einer Aebtissin 1558.
*Propstei* von 1792. Mit schoenem Treppenhaus.
_WEESENSTEIN._ K. Sachsen AH Pirna.
*Schloss* auf hohem Felsen ueber der Mueglitz. Erste Anlage angeblich von
Koenig Heinrich I. Von A. 15. bis E. 18. Jh. im Besitz der Buenau. Aufbau,
dem Felsen folgend, in 8 Stockwerken, die unteren die juengsten, so dass die
Kellereien im 5., die Staelle im 3. Stockwerk liegen. Die Vorburg auf einem
durch Bruecke verbundenen zweiten Felsplateau. Im sog. Moenchsboden
_Wandmalereien_ der fruehesten Renss. Einrichtung der Schlosskirche 1738-41.
Der "steinerne Saal" 16. Jh. Schmuckreiches Hauptportal 1575. Aus A. 18.
Jh. Stuckdecken, Ledertapeten, bmkw. Moebel. Im Gartenfluegel gute
klassizist. Ausstattung. _Portraets_ von Rotari, Mengs, Graff, Vogel,
Leypoldt, Torelli. -- Oben im Walde Jagdschloesschen mit prachtvollen
_Rok.-Oefen_.
_WEHNDE._ Pr. Sachsen Kr. Worbis.
*Dorf-K.* 1670 gotisierender Barock.
_WEHRDA._ RB Cassel Kr. Huenfeld.
*Dorf-K.* An den got. OTurm 1567 ein rck. Schiff angebaut, der Turm
wehrbar. Viele Grabsteine 16-18. Jh.
_WEHRDA._ RB Cassel Kr. Marburg.
*Dorf-K.* mit wehrbarem WTurm (ca. 1490) auf befestigtem Kirchhof. --
Spgot. _Schnitzaltar_.
_WEHRSHAUSEN._ RB Cassel Kr. Marburg.
*Marien-K.* OHaelfte 1475, WHaelfte juenger. Rck. mit 6 Kreuzgwbb. auf
Laubkragsteinen, polyg. Schluss. Huebscher Dachreiter.
_WEIDA._ Sachsen-Weimar Kr. Neustadt a. d. O.
*Stadt-K.* (ehem. Franziskaner); 1sch. got. Bau mit 3/8 Schluss; im 16. Jh.
ein suedl. Ssch. angebaut; turmlos; das WPortal in einfachen frgot. Formen.
-- _Kanzel_ und andere Ausstattungsstuecke 1646 ff. Tuechtiges lebensgrosses
_Kruzifix_ 1680.
*Friedhof*. Portal 1580. Kanzel, interessanter kleiner Freibau von 1608.
*Peters-K.* Ruine mit grossem rom. Turm.
*Wieden-K.* Ruine; Lhs. und doppeltuermiger WBau rom. Um M. 14. Jh.
begonnen mit dem Chor ein Neubau, der nicht beendet wurde; ausgezeichnete
Leistung der in diesem Teile Deutschlands wenig vertretenen Hochgotik. Der
Chor schliesst mit 5 Seiten des 8Ecks, Masswerk und Laubwerk von bester
Zeichnung. -- In der WVorhalle Spuren von Wandmalerei (13. Jh.?).
*Nonnenklst.-K.*, aus E. 12. Jh. und E. 14. Jh., sehr verbaut, spaeter
staedt. Kornhaus.
*Rathaus* 1580, rest. nach Brand 1687, denen zu Altenburg und Gera
verwandt.
*Schloss Osterburg*; eine noch immer bedeutende Baugruppe, wenn auch nicht
mehr so reich wie auf der Ansicht Merians. Grosser runder Bergfried; der
erste, ca. 30 m hohe Absatz 2. H. 12. Jh.; der zweite Absatz, 22 m hoch,
von kleinerem Radius, und die beiden Zinnenkraenze aus dem spaeten Ma. Die
Wohngebaeude im 16. und 17. Jh. um- und ausgebaut, ihrer Zwerchhaeuser und
sonstigen Schmuckes grossenteils beraubt. In der Kap. rom. Buendelpfll.,
aehnlich denen im Klst. Mildenfurt.
_WEIDELSBURG._ RB Cassel Kr. Wolfhagen.
*Burgruine.* Noch ziemlich viel erhalten, 14.-16. Jh. 2 grosse Wohngebaeude,
umgeben von Mauern mit 9 halbrunden Tuermen und tiefem Graben.
_WEIKERSGRUeBEN._ UFranken BA Gemuenden.
*Pfarr-K.* Guter spgot. _Fluegelaltar_ um 1490. -- _Holzfigur_ St. Nikolaus,
wuerzburgisch um 1500.
_WEILAR._ Sachsen-Weimar VB Eisenach.
*Dorf-K.* Einheitlich 1740. -- Huebscher Rok.Kanzelaltar, mit der
Orgelempore verbunden. Im Herrschaftsstand mehrere _Fluegelgemaelde_ E. 15.
Jh. (in diesem Gebiet selten).
*Schloss* (v. Boineburg) M. 18. Jh. Ausstattung aus dieser und der
Folgezeit. Gemaelde- und Waffensammlung.
Auf dem Beyer vorgeschichtliche *Wallburg*.
_WEIMAR._ Kr. Cassel-Land.
*Dorf-K.* Mauern im W frrom., nach O sprom. erweitert, Gwbb. spgot. --
Steinkanzel spgot., Empore renss.
_WEIMAR._ Hauptstadt von Sachsen-Weimar.
*Haupt-* und *Stadt-K.* Spgot. Halle. Beg. 1498, umgebaut 1735. -- Grosser
Reichtum an _Grabmaelern_ (im Inv. werden ihrer 49 beschrieben). Darunter 6
grosse Wandgraeber: 1) fuer Herzog Joh. Wilhelm {~DAGGER~} 1573; Triumphbogen in den
Formen italienischer Hochrenss. mit einzelnen nordisch-barocken Zuegen; --
2) fuer Herzog Johann III. {~DAGGER~} 1605 und Gemahlin von _L. Tuettich_ und _H.
Huenefeld_ aus Leipzig; die Triumphbogenform klar durchgefuehrt, die
Einzelheiten sehr barock; in der Hauptnische die Oelbergsgruppe; -- 3) fuer
die Kurfuerstin Agnes {~DAGGER~} 1555, reliefierte Wandtafel auf hohem Fuss; -- 4) fuer
Friedrich Wilhelm I. {~DAGGER~} 1602; der Herzog und die Herzogin Freifiguren,
kniend vor dem Kruzifix; dieses Hauptfeld flankiert von gekuppelten
korinth. Sll. mit verkroepftem Gebaelk; an dem hohen Sockel und der Attika
Relieftafeln; -- 5) fuer Johann Friedrich III. {~DAGGER~} 1565; das Motiv aehnlich dem
Epitaph der Kurfuerstin Agnes; -- 6) fuer die Herzogin Dorothea Susanna,
Witwe Joh. Wilhelms, {~DAGGER~} 1592; geteilt durch 4 jonische Pilaster, vor
welchen 4 jonische Freisaeulen; die Verstorbene dreimal, als Kind, Braut
und Witwe (oder mit zwei Toechtern?); Alabaster, roter Marmor und Schiefer.
Unter den Grabplatten am meisten bmkw.: 7) Kurfuerstin Margarethe {~DAGGER~} 1521;
Bronzeguss aus der Werkstatt _P. Vischers_, flaches Bildnisrelief,
Umrahmung durch einen Kleeblattbg. mit leichter Andeutung von Masswerk; am
Rande der Platte die Umschrift in got. Minuskeln mit einer schmalen
Borduere von renss. Ornament; -- 8) Lucas Cranach "pictor celerrimus et
consul Witebergensis" {~DAGGER~} 1553; Sandstein; die Portraetfigur kuenstlerisch von
maessigem Wert; -- 9) Herzog Wilhelm d. Tapfere {~DAGGER~} 1482; Bronze; die Zeichnung
in kuehnen derben Umrissen vertieft geschnitten; der Herzog im freien Raume
stehend, halb links gewendet; -- 10) Joh. Friedrich d. Grossmuetige und
Gemahlin, beide {~DAGGER~} 1554; zwei Tafeln aus Bronze auf steinernem Sockel; nur
mit Wappen und Inschriften; Umschliessung durch ein schoenes eisernes
Gitter; Entwurf des Ganzen vom Maler _Peter_ [_Gothland_], die
Bronzeplatten vom Bildhauer _Hermann_ in Erfurt und dem Buechsengiesser
_Jacob __ Schlaf_ in Eisleben; -- 11) Kurfuerstin Agnes {~DAGGER~} 1555
(zusammengehoerig mit dem Epitaph No. 3); Bronzeplatte, bloss ornamental
behandelt, in der Mitte das grosse Wappen in staerkerem Relief. --
_Altartriptychon_ von _L. Cranach_; des Meisters letztes Werk, in dem
seine lange verwahrloste Kunst sich noch einmal hebt; bez. 1552, ein Jahr
vor seinem Tode, vollendet von seinem Sohn 1555; auf dem Hauptbilde in der
Mitte Christus am Kreuz; links der Auferstandene als Sieger ueber Tod und
Teufel; rechts die Portraetgestalten Luthers und Cranachs, von Johannes dem
Taeufer auf das Kreuz hingewiesen; auf den Fluegeln Portraets der
kurfuerstlichen Familie; auf den Aussenseiten Christi Taufe und Himmelfahrt.
-- Drei _Lutherbildnisse_ zu einem Triptychon zusammengestellt, das linke
bmkw. Original von _Veit Thim_, die beiden anderen Kopien nach _Cranach_.
*Residenzschloss*. Die seit 1651 von _Moritz Richter_ erbaute Wilhelmsburg
hatte einen aehnlich unbewegt maessigen und duesteren Charakter wie der
Friedenstein in Gotha. Nach Brand 1774 unter _Goethes_ Leitung Um- und
Neubau (bis 1803). Architekten: _Steiner_, _Ahrens_, _Thouret_, _Genz_.
Drei Fluegel umgeben einen rck. Hof, der an der vierten Seite frei bleibt;
maessig gegliedert; Formen nuechtern neuklassisch. Vor der SWEcke einige von
dem aelteren Schloss gerettete Baulichkeiten: der Schlossturm, im Unterbau
von 1439, in den Obergeschossen E. 18. Jh.; die "Bastille" mit grossem
renss. Tor um 1550, Saeulenhalle an der Parkseite aus 17. Jh.
*Rotes Schloss,* 1574 als Witwensitz der Herzogin Susanna erbaut; der Erker
beraubt und sonst einfach.
*Gelbes Schloss,* im selben Gebaeudekomplex wie das vorige; 1702.
*Gruenes Schloss* (jetzt Bibliothek), in ursp. reicher, an den Schauseiten
durchaus bemalter Renss.; 1760 und 1803 das Aeussere vereinfachend umgebaut,
das Innere rok.
*Wittumspalais*, erb. nach 1750 in bescheidenen Formen.
*Stadthaus* 1526-1547. -- *Haus* der Familie _v. __Luetzelburg_ (jetzt
Staatsanwaltschaft) 1568. -- *Cranachhaus* am Markt (von C. bewohnt
1552-53), wesentlich E. 16. Jh. -- *Haus Herderplatz No.* 16, ehemals dem
Deutschorden gehoerig, 1566, Renss. strengerer Richtung. -- Das *Goethe-*
und das *Schillerhaus*; neben ihrem Erinnerungswert als Typen des
vornehmeren und des bescheideneren mitteldeutschen Buergerhauses am E. 18.
Jh. nicht uninteressant. -- Ein aehnliches Doppelinteresse bietet der _Park_
mit seinen Ziergebaeuden aus Goethes Zeit.
_WEISCHWITZ._ Sachsen-Meiningen Kr. Saalfeld.
*Dorf-K.* wesentlich 1792. -- Drei Figuren von einem _Altarwerk_ um 1500
"zu den vorzueglichsten Erzeugnissen der Saalfelder Werkstatt zu rechnen".
_WEISMAIN._ OFranken BA Lichtenfels.
*Pfarr-K.* Spgot. Alt nur der Chor; das Lhs. (Halle) erneuert; genauere
Anhaltspunkte fuer die ursp. Gestalt waren nicht mehr zu finden.
*Rathaus* 1634. -- Gut erhaltenes Torhaus mit Turm.
_WEISSENBERG._ K. Sachsen AH Loebau.
*Stadt-K.* Stattlicher _Altar_ 1666. -- Lange Reihe v. Gersdorfscher
_Grabsteine_ 16.-18. Jh.
*Rathaus* nach Brand 1787, aeltere Teile benuetzend.
_WEISSENBORN._ K. Sachsen AH Freiberg.
*Dorf-K.* ohne ausgepraegten Stil. -- Stattliches _Epitaph_ des Adolf v.
Hartitzsch bez. 1612, in der Art der gleichzeitigen Arbeiten in Sayda und
Lauenstein. -- 3 ikon. _Grabsteine_ derselben Familie 1557, 1632, 1664. --
Schlossruine.
_WEISSENBORN._ K. Sachsen AH Zwickau.
*Dorf-K.* 14. Jh., umgearbeitet 1430 und 1552. -- _Selbdritt_, gutes
Schnitzwerk um 1500. _Glocke_ 14. Jh., mit 1489 und 1538.
_WEISSENBRUNN AM WALD._ Sachsen-Coburg LA Coburg.
*Kirche* 1508 (Inschr. ueber der NTuer), umgebaut 1753. *Schloss* 1556.
_WEISSENFELS._ Pr. Sachsen Kreisstadt.
*Stadt-K. S. Marien.* Sandsteinquaderbau. Am WTurm Inschrift 1303; das
uebrige nach Brand 1429 erneuert bis 1480, doch wohl mit Benutzung der
alten Grundmauern. Die Schmalseite des Ssch. spricht fuer ehemalige
Basilika. Jetzt die drei Schiffe von gleicher Hoehe, das Gwb. des Msch.
nicht ausgefuehrt (Balkendecke), in den Ssch. Netzgwbb. Die Fensterachsen
der SSeite entsprechen nicht den Arkaden. Die Ssch. schliessen
sonderbarerweise mit 2 Polygonalseiten, der in Breite des Msch. vorgebaute
Chor hat 2 Joche und 5/10 Schluss. Seine Fenster und Strebepfll. sind sehr
reich dekoriert, ungefaehr in der Art der Schloss-K. zu Altenburg, waehrend
das Lhs. sparsam gehalten ist. -- _Hochaltar_ 1524, sonstige Ausstattung
1670-84.
Ehem. *Klst. S. Clara* (profaniert und ruinoes). Im wesentlichen der
Gruendungsbau von 1285. Sehr langgestreckt (9,9 : 52,9), der Chor nicht
abgesetzt, aber durch (spaetere) Gwbb. vom flachgedeckten Lhs.
unterschieden. Er schliesst 3/8. Im W. 2jochige Nonnenempore. Die schlanken
Fenster 2teilig, als Masswerk einfacher Kreis ueber 2 Spitzbgg. -- Die spgot,
Kanzel aus der *Stadt-K.* versetzt. -- Die als Magazine vernutzten
Klst.Gebaeude in der Anlage noch zu erkennen.
*Schloss Neu-Augustusburg.* 1664-90 von _Erhard Lindner_; der Entwurf wohl
von _Moritz Richter_, aehnlichen Charakters wie die Schloesser von Weimar
und Gotha. Imposanter Massenbau in schlichtesten Einzelformen. 3 Fluegel in
Triklinienstellung. Je 21 Fensterachsen in 3 Geschossen. Keine Giebel.
Einziger Akzent der breite turmartige Aufsatz auf dem Mittelfluegel. Die
innere Ausstattung durch Umwandlung zur Kaserne zerstoert. Von namhaftem
Interesse die von Leonhard Sturm, dem Theoretiker des protestantischen
Kirchenbaus, geruehmte Kap. Saalbau mit Emporen nach dem durch das Schloss
von Torgau vorbildlich gewordenen Typus. Sehr reiche
"taeppisch-ueberzierliche" Dekoration in weissem Stuck auf rosa und
apfelgruenem Grunde.
*Rathaus* 1670, Turm 1690 von Chr. Richter. -- *Buergerhaeuser* renss. und
bar.
_WEISSENOHE._ OFranken BA Forchheim.
Ehem. *Benedikt. Klst.-K.* gegr. im 11. Jh., neu erbaut und ausgestattet
17.-18. Jh., ohne kuenstlerische Bedeutung.
_WEISSENSEE._ RB Erfurt Kreisstadt.
*Nikolai-K.* (jetzt Remise). Einfacher 1sch. rom. Bau mit got.
Veraenderungen.
*Petri-Paul-K.* Der gestreckte got. Chor, 3 Joch und 5/8 Schluss nach 1331,
das 1sch. flachgedeckte Gemeindehaus juenger. 2 _Schnitzaltaere_ um 1500.
*Landgrafenburg.* Die rom. Anlage vollstaendig erhalten, aehnlich dem
Landgrafenhause der Wartburg und wahrscheinlich von demselben Meister
erbaut. Fenster vermauert. Im Erdgeschoss des Turms rom. Sll. Erhalten auch
das rom. Aussentor.
_WEISTROPP._ K. Sachsen AH Meissen.
*Dorf-K.* 1499. Stark veraendert. Im grossen WTurm Vorhangsboegen. -- Schloss
ohne Interesse. Portraets von _Graff_ und _Tischbein_.
_WEITERSHAUSEN._ RB Cassel Kr. Marburg.
*Dorf-K.* Roher 1sch. Gwbbau im rom.got. Uebergangs-Stil, 1700 rest.
_WELKERS._ RB Cassel Kr. Fulda.
*Dorf-K.* neu. Flandrisches Altarwerk mit geschnitzter Kreuzigung in 23
Figuren, E. 15. Jh.
_WENDELSTEIN._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt.
*Burg.* Seit M. 14. Jh. Besitz der Witzleben, im 16. Jh. als
fuerstengleicher Edelsitz eingerichtet, im 30jaehr. Kriege zerstoert; jetzt
groesseren Teils Ruine, einige Gebaeude notduerftig unter Dach. Das 1596 fuer
Wolf Dietrich v. Witzleben von _Friedrich Fuss_ errichtete "Neue Schloss"
zeigt im Hauptportal Hochrenss. in vornehm behandelter jon. Ordnung; an
der Tuer des Treppenturms Elemente des Florisstils.
_WENIGENJENA,_ Vorstadt von Jena. Sachsen-Weimar.
*Dorf-K.* Urspr. als langgestreckte Klst.-K. geplant. Unvollendet. Chor
mit 5/8 Schluss hochgot., die Gewoelbe 1902 ergaenzt. Duerftiges kleines 1sch.
Lhs. aus A. 16. Jh. Aussen an der SSeite reich angelegtes und sorgfaeltig
ausgefuehrtes, aber unvollendet gebliebenes Portal aus der ersten Bauzeit.
-- _Sakramentsnische_, auf der Grenze von Hoch- und Spgot. -- _Gedenktafeln_
aus 17. und 18. Jh. -- Im Chor _Wandmalereien_ des 14. Jh., Juengstes
Gericht, Passion und Heiligenlegende.
_WENKBACH._ RB Cassel Kr. Marburg.
*Dorf-K.* Rom. 12. Jh. Der breite OTurm bildet mit seinem Erdgeschoss den
Chor. Abgewalmtes Satteldach mit 4 Erkern. Am flachged. Sch. nur die
SMauer rom.
_WERDAU._ K. Sachsen AH Zwickau.
*Stadt-K.* 1760 vom Dresdener Baudirektor _S. Locke_. Hallenbau mit
Emporen. Stuckierung von _A. Vogel_. Reicher _Kelch_ M. 15. Jh.
_WERKEL._ RB Cassel Kr. Fritzlar.
*Kirchturm*, spgot. von 1508 mit hohem, schlankem Holzhelm, woran 4
Ecktuermchen.
_WERLESHAUSEN._ Pr. Sachsen Kr. Heiligenstadt.
Ansehnlicher *Edelsitz* der Herren v. Harstein 1565, steinerner Unterbau,
2 hohe Fachwerkgeschosse, Treppenturm und Erker.
_WERNBURG._ Pr. Sachsen Kr. Ziegenrueck.
*Dorf-K.* Chor rom., Sch. juenger. Ausstattung von einigem Interesse.
*Kap. S. Veit.* Kleiner malerischer spgot. Bau. Am Chorgiebel reiche
Masswerkblenden.
*Schloss* 1580. Stattlicher Renss.Bau. Im Erdgeschoss grosse gewoelbte Halle.
_WERNECK._ UFranken BA Schweinfurt.
*Sommerschloss* des Fuerstbischofs Karl Friedrich von Schoenborn, 1731 bis
1747 von _B. Neumann_. Mit den sich anschliessenden Stallungen und
Oekonomiegebaeuden eine grosse, komplizierte Anlage; im Hauptbau 2 Saele und
100 Zimmer. Die glaenzende innere Einrichtung 1806-14 durch Grossherzog
Ferdinand voellig veraendert, jedoch in der Kapelle noch die Stuckdekoration
aus der Erbauungszeit. Weitere Zerstoerungen bei der Einrichtung als
Irrenanstalt. Prachtvolle Gittertore von _Oegg_ in der Art jener des
Wuerzburger Schlosses. Der ausgedehnte Park anglisiert.
_WERNSTEIN._ OFranken BA Kulmbach.
*Schloss.* Ueber Buckelquaderfundamenten des 13. Jh. kleiner Renss.-Bau
1567. Befestigung mit reicher Tordekoration 1576, anscheinend von _Caspar
Vischer_. Im Vorwerk grosser Festsaal 1580-93, Portraetmedaillons und
Ornament im Charakter der Plassenburg.
_WESTENFELD._ Sachsen-Meiningen Kr. Hildburghausen.
*Dorf-K.* 1579, veraendert 1731.
_WESTHAUSEN._ Sachsen-Meiningen Kr. Hildburghausen.
*Dorf-K.* rom. Anlage mit OTurm, in spgot. Zeit gruendlich umgebaut.
_WETTER._ RB Cassel Kr. Marburg.
*K.* des 1015 gegr. *adligen Jungfrauenstifts*. Baudaten fehlen.
Moeglicherweise etwas vor der Elisabethkirche in Marburg begonnen, ist sie
doch wesentlich unter deren Einfluss ausgefuehrt, mit Neigung zu etwas
altertuemlicherer Praegung der Einzelformen. Gr. und System gleichen, bei
bedeutend kleineren Abmessungen, ganz dem Marburger, mit dem Unterschied,
dass die Kreuzarme nicht polygonal, sondern in gewoehnlicher Weise gerade
schliessen. Das Qsch. enthaelt also ausser der quadr. Vierung je 2 rck.
Gewoelbefelder. Das Lhs. 5 Joche. Ganze innere L. 40 m. Von Marburg
abweichende Zuege sind sonst noch: die Schaftringe an den Diensten der
OTeile; die schlichten runden Sockel; die fast zur Haelfte nach innen
gezogenen Strebepfll.; die primitive Bildung des Masswerks durch Ausschnitt
aus Steinplatten; die Walmdaecher auf den Kreuzfluegeln (die jetzigen
Dachgiebel eine willkuerliche Zutat von _G. G. Ungewitter_). Das Hauptdach
aus 15. Jh.; vorher ueber dem Msch. ein gesondertes Satteldach und
quergestellte Daecher ueber jedem Joch der Sschiffe. Ursp. geplant
wahrscheinlich 2 W-Tuerme. Jetzt ein einzelner grosser von 1506. Die spgot.
Bemalung des Innern von _C. Schaefer_ beseitigt und nach vorgefundenen
frgot. Resten erneuert; ob fuer das Ganze zutreffend, ist natuerlich
zweifelhaft. Auch am Aeusseren des Chors Spuren eines gemalten Frieses. --
_Stifterdenkmal_ der Almudis und Dinkmudis. Schoener Celebrantenstuhl 1466.
_Taufstein_ frgot., 6 auf Loewen ruhende Saeulen stuetzen das halbkugelige
Becken. -- _Altar_ mit Retabelgemaelde, 7 Passionsszenen, 13. (??) Jh. --
_Wandmalereien_ im Chor spgot.
Von dem alten *Stiftsgebaeude* geringe Reste.
Von der *Stadtbefestigung* Teile mit Wehrgang erhalten.
_WETTESINGEN._ RB Cassel Kr. Wolfhagen.
*Dorf-K.* sprom. mit 2 rippenlosen Kreuzgwbb. WTurm wehrhaft, ohne Tuer.
Bemalte Steinkanzel und Taufstein aus 13. Jh.
_WETTIN._ Pr. Sachsen Saalkreis.
*Stadt-K.* spgot. unbedeutend.
*Burg*, malerisches Landschaftsbild, architektonisch ohne Interesse.
_WETTRINGEN._ UFranken BA Hofheim.
*Pfarr-K.* Wesentlich 1775. Sehr ansehnlicher _Hochaltar_, die Figg. in
der Richtung _P. Wagners_, ebenso die vortrefflichen _Kruzifixe_ auf den
Seitenaltaeren. _Pietas_ A. 16. Jh. -- Mehrere _Bildstoecke_.
_WETZHAUSEN._ UFranken BA Hofheim.
*Ev. Pfarr-K.* Einheitlich 1707, ebenso die Ausstattung. -- Bmkw. durch
Vollstaendigkeit und z. T. auch durch Qualitaet die lange mit 1460
beginnende Reihe von _Grabmaelern_ der Truchsessen v. Wetzhausen, 31 an der
Zahl. -- Bmkw. _Kelch_ 14. Jh.
*Schloss.* Grosser 4fluegeliger, 4geschossiger Bau des 16. Jh., Einzelheiten
got. und renss.
_WEYER._ UFranken BA Schweinfurt.
*Dorf-K.* Got. OTurm mit Chor 1. Haelfte des 15. Jh. Der uebrige Bau nebst
Stuckaturen um 1730.
*Pfarrhaus.* Unter Abt Baumann von Ebrach (1703-14) erbaut. Gute
Stuckdecken um 1730.
Malerischer *Gemeindebrunnen* auf zehn steinernen Saeulen. Erneuert 1840.
*Bildstock* der Kreuzigung mit Stifter von 1623.
_WICKERSHAIN._ K. Sachsen AH Borna.
*Marien-K.* (frueher Wallfahrts-K.). Durch wiederholte Um- und Anbauten hat
die ursp. rom. Anlage (von welcher der turmtragende quadr. Vorchor und die
WWand) eine sehr unregelmaessige Gestalt erhalten; der Chor von 1424 von
eigentuemlicher Verschiebung des polyg. Gr.
_WIEDERAU._ K. Sachsen AH Rochlitz.
*Dorf-K.* Von der rom. Anlage erhalten der Chor und das schoene Suedportal.
_WIEDERAU._ K. Sachsen AH Borna.
*Schloss* (Gf. Hennicke) 1705, schmuckloser Putzbau von vornehmen
Verhaeltnissen. Bmkw. die unveraenderte Ausstattung des durch 2 Geschosse
gehenden Saales. -- Portraets von _Graff_, Venusstatue bez. _Balth.
Permoser_ 1724, von demselben die Jahreszeiten.
_WIEDERKUNFT, FROeHLICHE._ Sachs.-Altenb. LA Roda.
*Jagdschloss* Joh. Friedrichs des Grossmuetigen beg. 1547. Inmitten eines von
Waldbaechen gebildeten Teiches. Nach vielen Beschaedigungen im 19. Jh. sehr
willkuerlich rest. Urspr. ein grosser, von Graeben, niedrigen Mauern und
Ecktuermen mit Zwiebeldaechern umgebener Hof; im Innern freistehend der
Wohnbau aus Fachwerk; mit vielen Erkern und Tuermen. -- Die jetzige
Ausstattung mit renss. Moebeln verschiedenen, meist fremden Ursprungs. 4
_Gemaelde_ aus der Schule _Cranachs_ schildern das Leben Joh. Friedrichs.
_Relief-Brustbild_ desselben aus Papierteig und bemalt, eine damals in
Thueringen beliebte Technik.
_WIEDERSBACH._ Pr. Sachsen Kr. Schleusingen.
*Dorf-K.* 1601, wie Hinternah.
_WIESENBRONN._ UFranken BA Kitzingen.
*Pfarr-K.* Turm (W) um 1300, Lhs. 1603. -- Altar A. 17. Jh. mit bmkw.
_Gemaelde_ von _Hans Heunisch_. -- _Grabmal_ des brandenbg. Geh. Rats Joh.
Buttner {~DAGGER~} 1605 und seiner Frau, 2 Tafeln in schoenem _Bronzeguss_ von _Joh.
Weinmann_.
_WIESENFELD._ RB Cassel Kr. Frankenberg.
*K.* einer um 1200 gestifteten *Johanniter-Kommende*. Frgot. 1260. Rck.
mit Schluss aus 6Eck, im Sch. 4 oblonge Kreuzgwbb. An der NSeite grosser
5geschossiger Turm ohne Tuer, nur mit Leiter ersteigbar, also zu
Verteidigungszwecken errichtet (rest. 1903).
*Johanniterhaus*. 1587, unbedeutend und verwahrlost.
_WIESENFELD._ Pr. Sachsen Kr. Heiligenstadt.
*Dorf-K.* 1768. Gutes Beispiel des ansehnlichen Eichsfelder Bar.-Typus
(vgl. Geisleden, Rengelrode, Reinholtsroda, Volkerode, Wuestheuterode).
_WIESENTHAU._ OFranken BA Forchheim.
*Dorf-K.* spgot., stark rest. -- _Altaere_ 17.-18. Jh. _Kanzel_ bar. mit
spgot. Figg. Reich geschnitzter _Beichtstuhl_ 18. Jh. _Epitaphe_ der
Familie v. Wiesenthau 1581, 1590, 1605.
*Schloss*, stattlicher Renss.-Bau mit Rundtuermen, Schneckenstiegen,
Rittersaal. Im Bauernkriege zerstoert, neu gebaut 1566.
_WIESENTHEID._ UFranken BA Gerolzhofen.
*Pfarr-K.* 1727-32 von _Balth. Neumann_; Baufuehrer der oft von Neumann
verwendete und spaeter im Kurfuerstentum Trier selbstaendig auftretende
_J. G. Seiz_. In ihr gibt der grosse Kuenstler seine Idee einer Landkirche,
freilich mit ungewoehnlich reichlichen Mitteln, die ihm der vornehme
Bauherr (Schoenborn) zur Verfuegung stellte, ausgefuehrt. Die Raumdisposition
ganz einfach: hoher klarer Saalbau mit flacher Spiegeldecke, eingezogener
Chor. Aussen Verputzbau mit Sandsteingliederung. Mansarddach. Im Detail
neben spezifischen Rokokoformen (Fenster) Elemente des dorischen Stils
(Pilaster und Fries). Der Turm waechst hinter dem Fassadengiebel aus dem
Dach; ein interessanter, indes kaum geglueckt zu nennender Versuch. Die
Innendekoration nachneumannisch; gemalte Scheinarchitektur an Wand und
Decke, gut verbunden mit den praechtigen Stuckmarmoraltaeren. Auf dem
Hochaltar bmkw. gut die _Statue_ des h. Mauritius.
*Kreuzigungsgruppe* vor der K. 1766; gross, virtuos, enorm theatralisch.
*Schloss* der Grafen v. Schoenborn; weitlaeufiger Komplex um einen quadr.
Binnenhof, Ausfuehrung 16.-18. Jh. im ganzen schlicht. Geschmackvoll
eingerichtete Rok.Zimmer.
*Graefl. Gruftkapelle*, ca. 1730. Im Innern Scheinarchitektur von dem Maler
der Kirche (eine einstuerzende Kuppel darstellend).
*Rathaus* in behaebigem fraenkischem Fr.Rok.
_WILDBURG._ UFranken BA Koenigshofen.
*Burgruine.* Von der ehem. Stammburg des Dynastengeschlechtes
Wildburg-Henneberg nur unbedeutende Reste erhalten.
_WILDENBERG._ UFranken BA Miltenberg.
*Burgruine* ca. 1170-1250. Eine der schoensten, die sich aus rom. Zeit
erhalten haben; Gelnhausen und Muenzenberg nicht nachstehend (die
Inschriften jetzt im graefl. Erbachischen Schloss Eulbach nicht
einwandfrei). Die Anlage klar und regelmaessig. Ungewoehnlicher Aufwand an
Kunstformen: rom. die Torhalle, darueber Kap. mit ausgekragtem Altarerker;
der Palas rom. und frgot., ganz glaenzende Fensterarchitektur.
_WILDENFELS._ OFranken BA Forchheim.
*Burgruine* bedeutend.
_WILDPRECHTSRODA._ Sachsen-Meiningen Kr. Meiningen.
*Kirche* 1683.
*Schloss* (v. Butlar). Der einzige ansehnliche Renss.Bau der Gegend, 17.
Jh.
_WILHELMSBAD_ bei Hanau RB Cassel.
*Badanlage* 1779, Brunnentempel, Logierhaus, Theater, Karussell; im Park
kuenstliche Ruine, Insel mit Pyramide, Eremitage.
_WILHELMSHAUSEN._ RB Cassel Kr. Hofgeismar.
*K.* des ehem. *Cisterc. Nonnen-Klst. Wahlshausen*. Rom. 12. Jh.
Flachgedeckte Basilika auf kreuzf. Gr., Apsiden am Chor und Qsch., im Lhs.
4 Arkaden mit Stuetzenwechsel. An den Sll. attische Basen mit Eckblaettern,
Wuerfelknaeufe mit Pflanzenornament. Eine Tuer am suedl. Kreuzfluegel umrahmt
mit dem Profil der attischen Basis, im Tympanon Agnus Dei. (Nebenapsiden
und Sschiffe jetzt zerstoert.) 1892 rest. und vielfach veraendert.
_WILHELMSHAUSEN._ Kr. Cassel-Land.
Ehem. *Nonnen-Klst.-K.* Im 13. Jh. Cisterc.-Nonnen. Die Bauformen der
Kirche weisen auf 12. Jh. Im 30jaehrigen Kriege halb zerstoert, 1891 rest. --
Kleine kreuzf. Basilika (28 m l.). Der Gr. des Qsch. und Chors zeigt genau
dieselben Abweichungen vom quadr. Schema wie Kaufungen. Hauptapsis alt. Im
Lhs. 4 Arkaden mit Stuetzenwechsel. Wuchtige Sll. mit kurzem, stark
verjuengtem Schaft, an den Flaechen der Wuerfelkaptt. eingetiefte Palmette.
WFassade turmlos. Rom. (?) _Taufstein_.
_WILHELMSHOeHE_ bei Cassel.
Ein im 12. Jh. gegr. *Nonnenklst.* 1527 aufgehoben. Bescheidenes
landgraefl. *Schloss*. Im 17. Jh. vergroessert. A. 18. Jh. unter Landgraf Karl
Neubau (Entwurf von _de la Fosse_ 1710) mit grossartiger Parkanlage
geplant. Nur die letztere wurde unter Karl wirklich begonnen, von seinen
Nachfolgern fortgesetzt. Den Schlossbau verwirklichte erst Wilhelm IX.
(Abbruch des alten Schlosses Weissenstein 1786-90). Der erste Entwurf von
_Wailly_ 1785 wurde abgelehnt; desgl., wegen zu grosser Ausdehnung, der
unter dem Einfluss Palladios entstandene, kuenstlerisch sehr bedeutende
Entwurf von _H. Chr. Jussow_ 1786. Den Auftrag erhielt _Salomon Louis Du
Ry_ (aus der in Cassel, s. dort, in mehreren Generationen taetigen
Hugenottenfamilie). Die vorgeschlagenen Loesungen sehr verschiedenartig,
uebereinstimmend jedoch in der Stilfrage. Der in seiner Jugend bei Blondel
in Paris gebildete Kuenstler hatte sich unumwunden dem Klassizismus
englischer Faerbung zugekehrt. Der Bau des noerdl. Fluegels begann 1788, der
Mittelbau 1792, die Innenarbeiten 1803 vollendet. -- Die Anlage modifiziert
mit interessanter Wirkung, zumal in Anpassung an das bewegte Gelaende und
die ansteigenden Baummassen des Parkes, den traditionellen
Hufeisengrundriss in der Weise, dass dessen 3 Fluegel in 3 selbstaendige
Gebaeude aufgeloest, dann aber durch segmentfoermige Zwischenbauten wieder
verbunden werden, und zwar so, dass die Achsen der Nebengebaeude zu dem
Hauptgebaeude in stumpfem Winkel anlaufen.
Nicht befriedigend ist das Hoehenverhaeltnis der Zwischenbauten; sie waren
auch ursp. auf das Erdgeschoss beschraenkt; die Obergeschosse teils unter
Jerome, teils erst 1829 hinzugefuegt. Wie sehr die apsidialen Schluesse der
Hauptbauten und ueberhaupt der ganze Rhythmus durch sie gestoert wird,
leuchtet ohne weiteres ein. -- Das Schloss von Wilhelmshoehe vertritt
zusammen mit dem von Koblenz am bedeutendsten die dem Empire vorangehende
Phase des Klassizismus. Der Nuancenunterschied der beiden Gebaeude ist
bezeichnend fuer den Unterschied der strengeren, grosszuegigeren englischen
(von den Zeitgenossen oft "roemisch" genannten) und der weicheren
franzoesischen Richtung. In der inneren Einrichtung draengt sich der
franzoesische Geschmack wieder vor, doch schon im Gepraege des eigentlichen
Empire. Ein Verzeichnis der Gemaelde von 1790 gibt 45 Nummern, zu denen
spaeter noch manches hinzukam, vieles wieder beseitigt wurde. Unter den
Gegenstaenden ueberwiegt die roemische Geschichte, auch ein Zyklus aus Tasso
war vorhanden. Die Kuenstler grossenteils Deutsche. Die bekanntesten Namen
_F. H. Tischbein_, _Hackert_ und _Nahl_.
Der *Park*. Beg. bald nach 1700 unter Landgraf Karl in Erinnerung an die
Gaerten in Rom und Frascati durch den roemischen Architekten _Giov. Fr.
Guernieri_ -- vielleicht das grandioseste, was irgendwo der Barockstil in
der Verbindung von Architektur und Landschaft gewagt hat. Diese Anlage,
die, wo nicht ganz, so doch in bedeutenden Teilen, tatsaechlich zur
Ausfuehrung gekommen war, wich seit 1786 dem noch bestehenden Naturpark im
englischen Geschmack. Bei _Guernieri_ war das Hauptmotiv die mit reichem
architektonischem Beiwerk ausgebildete Kaskadenfolge, die sich von der
Hoehe des Habichtswaldes bis zum Schloss Weissenstein hinzog, 3500 Fuss rhein.
l., die Mittelbahn 6,5 m br., zweimal durch Absaetze mit Rundmotiven und
eine breite Querallee mit vielen Becken und Springbrunnen durchbrochen.
Davon hat sich nur der oberste Abschnitt erhalten, endend in das
phantastisch-kolossalische _Oktogon_ mit dem Herkules (der "kleine
Herkules" aus einer aelteren Anlage des 17. Jh.). Auch der englische Park
wollte auf Mitwirkung der Architektur nicht verzichten. Doch in einem
grundsaetzlich anderen Sinn, als das Barock. Nicht um architektonische
Durchbildung des Gelaendes und Pflanzenwuchses handelte es sich, sondern um
Anlage zerstreuter Einzelarchitekturen, die in der (scheinbar) freien
Natur malerische Zentren bilden und durch ihre gegenstaendliche Bedeutung
Stimmung machen sollten. Kuenstliche Ruinen u. a. wurden beliebt. Im ersten
Projekt _Du Rys_ sollte sogar das Schloss selbst einen Ruinenfluegel
erhalten. Im Charakter einer imaginaeren Urkunst das "Grab der Voegel".
Roemisch die "Sibyllengrotte" und die kleine Nachbildung der
Cestiuspyramide. Inzwischen kam aus England die romantische Schwaermerei
fuer die Gotik. So entstand (erster Plan 1790) die _Loewenburg_, anfangs als
Ruine beabsichtigt. Auf Verlangen des Landgrafen ein vollstaendiges,
wohnbares, allerdings im Massstab der einzelnen Bauteile klein gegriffenes
Bergschloss -- kulturhistorisch merkwuerdig als eine der fruehesten
Schoepfungen sentimentaler Neugotik in Deutschland. Entwurf von _Jussow_.
Fuer die dem Schlosse naeher liegenden Zierbauten kehrte derselbe mit gutem
Takt wieder zu klassischen Formen zurueck: _Saeulenhalle_ und _Tempel_ am
Bowlingreen und reizvoller Entwurf (nicht ausgefuehrt) zum Philosophentale.
-- Eine _chinesische Galerie_, eine _Moschee_ und eine _Eremitage des __
Plato_ sind seither wieder verschwunden. -- Unter den Nebengebaeuden des
Schlosses das wichtigste das _Theater_ von 1808 (jetzt mit starker
Veraenderung Tennishalle) und das _Pflanzenhaus_.
_WILHELMSTAL_ bei Cassel.
*Schloss.* Es gehoert nicht zu den groesseren, aber zu den reizvollsten unter
den Rok.Schloessern Deutschlands. Erb. von Mitgliedern der aus Frankreich
stammenden, in mehreren Generationen in Cassel ansaessigen
Architektenfamilie _Du Ry_. Drei Fluegel in aufgeloester Triklinienstellung.
Anlage des Ganzen und Ausfuehrung der Kavaliershaeuser von _Karl D._ Sein
Sohn _Simon Ludwig D._ war schon 1749 in Paris mit der Durcharbeitung des
Entwurfs fuer den Mittelbau (corps de logis) unter den Augen _Blondels_
beschaeftigt (ausgefuehrt erst nach dem 7jaehrigen Kriege). Die bei grosser
Feinheit der Sandsteinarbeit etwas kraftlose Fassade zeigt schon eine
leise Tendenz zum Klassizismus; das Innere ist reines Rokoko, allerdings
nicht in jener ekstatischen Prachtlust, der vor allem die geistlichen
Fuersten des katholischen Deutschlands huldigten, auch in ihren Schloessern,
sondern leichter in der Haltung, feiner und anheimelnder; wie denn auch
der Gr. und die Abmessungen in erster Linie auf Wohnlichkeit ausgehen. --
Zur Seite standen _Du Ry_ der Bildhauer _J. A. Nahl_ und der Maler _J. H.
Tischbein_. -- Die kleinen Wachthaeuser um 1770 in derjenigen Abwandlung des
Rok., die man "Zopf" zu nennen pflegt.
_WILHELMSTAL_ bei Eisenach Sachsen-Weimar.
*Grossherzogl. Schloss*. Malerische Gruppe von niedrigen schlicht bar.
Einzelhaeusern, zwei Reihen in einer Laengsachse geordnet. Am NEnde ellipt.
Festsaal A, 18. Jh. Umgestaltung der beiden NHaeuser unter Goethes Leitung
1790. Aus derselben Zeit der Brunnen in der Querachse. Weitere verbindende
Zutaten 1850.
_WILLERSHAUSEN._ RB Cassel Kr. Eschwege.
*Pfarr-K.* Spgot. Hallenkirche mit aelterem quadr. Chor. Im Schiff je 4
schlanke Rundpfll., mit spiralisch um den Schaft sich windenden Ansaetzen.
*Schloss*, meist Fachwerkbau, ohne Bedeutung.
_WILLMERSREUTH._ OFranken BA Kulmbach.
*Pfarr-K.* Sprom. Chor im OTurm, Kreuzrippengwb. Lhs. 1753 umgebaut. --
_Holzfigg._ Reste eines _Altars_ von ca. 1520. Bmkw. _Taufstein_ 2. H. 16.
Jh.
_WILSDORF._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt.
*Dorf-K.* Die rom. Anlage unveraendert. Rck, OTurm in gleicher Br. mit dem
Schiff. Tuerrahmen der NSeite aus 3 rom. Grabsteinen.
_WILSDRUFF._ K. Sachsen AH Meissen.
*Pfarr-K.* S. Nikolai neu; aus der alten das huebsche Portal aus ziemlich
frueher got. Zeit; _Kanzel_ 17. Jh.; _Epitaph_ 1731.
_WIMMELBURG._ Pr. Sachsen Mansfelder Seekreis.
*Benediktiner-Klst.* gegr. ca. 1060. Stattliche Kirche im Stil der 2. H.
12. Jh. Jetzt Ruine; leidlich erhalten nur Teile des Chors und Qschiffs
(lichte Laenge des Qsch. 22 m). Ausgebildeter Hirsauer Gr. mit 5 Apsiden.
Nebenchoere (gewoelbt) und Hauptchor (flachgedeckt) kommunizieren durch je
zwei niedrige Arkaden (also aehnlich Konradsburg, doch ohne den dortigen
Blendbg.); Pfll. mit Ecksaeulchen in der Art des Meisters von Koenigslutter.
Der Bogenfries der Apsis bildet eine Wellenlinie (wie in Klst. Mansfeld).
_WINDECKEN._ RB Cassel Kr. Hanau.
*Stadt-K.* 1455-96, 3sch.
*Schloss* (Amtsgericht) 16.-17. Jh.
*Rathaus*, spgot. Massivbau mit Staffelgiebeln. Bmkw. Inneneinrichtung.
*Stadtmauer* mit Wehrgang und Scharten.
_WINDHAUSEN._ Kr. Cassel-Land.
*Herrenhaus*, anspruchslos behaglicher Bau von 1789. Die Anlagen des
Ministers von Schlieffen (von 1781 ab) ein charakteristisches Beispiel des
sentimentalen Naturparks und seiner Requisiten: Einsiedelei,
Freundschaftsdenkmal, Altar, Arminiusgrab, gotische Ruine, Teufelsbruecke.
_WINDEHAUSEN._ Pr. Sachsen Kr. Sangerhausen.
*Pfarr-K.* Im platt geschlossenen Chor frgot. Drei-Fenster-Gruppe, am
Gewaende Ringsaeulen.
_WINDHEIM._ UFranken BA Hammelburg.
*Pfarr-K.* 1766. Guter Bau der Neumannschule, wahrscheinlich von Hauptmann
_Fischer_ (vgl. Fuchsstadt). Stattlicher _Hochaltar_ von 1696, ehem. in
Hammelburg.
_WINDISCH-HOLZHAUSEN._ Pr. Sachsen Kr. Erfurt.
*Dorf-K.* mit wohlerhaltenem rom. OTurm und Apsis.
_WINDISCHLEUBA._ Sachsen-Altenburg LA Altenburg.
Ansehnliche spgot. *Dorf-K*. mit Netzgwb., WTurm rom. 12. Jh.
*Schloss*; bedeutende Anlage; E. 14. Jh. verstaendnisvoll hergestellt.
Ringmauern und Ecktuerme ma., Hauptwohngebaeude (SFluegel) im 1. und 2.
Geschoss um 1450, das Obergeschoss und die sehr stattlichen Giebel und
Zwerchhaeuser 1532. Auch die anderen Gebaeude enthalten bmkw. Einzelheiten.
Rok.Saal. Wertvolle Sammlung von ma. Kleinkunstwerken.
_WINTERHAUSEN._ UFranken BA Ochsenfurt.
Huebsches Gesamtbild mit manchen der Aufmerksamkeit werten Einzelheiten.
*Pfarr-K.* 1497 und 1573 umgebaut. Der Chorturm hat 3 sprom. Geschosse.
Bar. _Hochaltar_ mit bmkw. spgot. _Schnitzbildern_; im Hauptfeld
Kreuzigung, in der Predella Abendmahl. Starke Kirchhofsbefestigung aus sp.
Ma.
*Mauritius-K.* (prof.). In der Anlage fast genaue Wiederholung der
Lambert-K. in Tueckelhausen, 1sch. mit eingezogenem quadr. Chor.,
Stilformen frgot. um 1300.
*Rathaus* 1738, gefaelliger Bau des Wuerzburger fr. Rok.
_WIPFELD._ UFranken BA Schweinfurt.
*Dorf-K.* um 1780-90, aufwaendige klassizist. Ausstattung der Wuerzburger
Schule.
_WIPPRA._ Pr. Sachsen. Mansfelder Gebirgskreis.
*Burgruine.* Sehr verfallen.
_WIRSBERG._ OFranken BA Kulmbach.
*Pfarr-K.* 1. H. 18. Jh. Gutes Beispiel einer Landkirche im sog.
Markgrafenstil. Kanzelaltar (saechsisch-thueringischer Einfluss).
_WIRTHEIM._ RB Cassel Kr. Gelnhausen.
*Dorf-K.* spgot., in allen Teilen flachgedeckt, auch in dem 1/2 8eck.
Chor; sorgfaeltiges Masswerk.
_WITTENBERG._ Pr. Sachsen Kreisstadt.
*Stadt-K.* Unscheinbare Hallenkirche von gedrueckten Verhaeltnissen. Chor
und WBau mit 2 Tuermen um 1300, Lhs. A. 15. Jh. Die 3 Sch. schliessen platt
in gleicher Flucht, das noerdl. ist verbreitert, daher die
Unregelmaessigkeiten des Schlusses. Errichtung von Emporen zu 1516 und 1540
gemeldet. Die jetzigen neugot. Der Predigtstuhl M. Luthers (1543) in der
Lutherhalle, das _Altarwerk_ _L. Cranachs d. Ae._ modern verunstaltet. An
der noerdl. Chorwand Gemaelde von _L. Cranach d. J._, die Bekehrung Pauli,
des Meisters letztes Werk, 1586. _Taufbecken_ in Rotguss von _Hermann
Vischer_ 1457, 8eck., auf Loewen ruhend, am Kessel Reliefs von Heiligen.
Einfacher _ikon. Grabstein_ Bugenhagens. Grosses _Epitaph_ fuer Matth. v.
Schulenburg 1S69 von _G. Schroeter_. Das ausgezeichnete _Alabasterrelief_,
Grablegung, am Grabmal L. Cranachs d. J. {~DAGGER~} 1586 von _S. W._ (_Sebastian
Walther_ in Dresden). Tafel fuer Kaspar Lindemann von _Ulrich Gretel_ in
Leipzig. -- Aussen an der NSeite Relief, Christus als _Weltenrichter_ 1310;
am WPortal _Maria_ mit Heiligen aus derselben Zeit; am Chor _Judensau_.
*Schloss-(Universitaets)-K.* ca. 1490-1500, rest. seit 1885. Das Aeussere
entspricht ungefaehr dem alten Zustande, das Innere durchaus rest. Rck. von
6 Achsen mit 3/8 Schluss. Zwischen den nach innen gezogenen Pfll. eine
ringsumlaufende, von Stichboegen getragene Empore, dem entsprechend ein
niedriges unteres und ein hohes oberes Fenstergeschoss. -- Grosse
_Bronzegrabplatten_ fuer Friedrich den Weisen und Johann den Bestaendigen;
jene bez. _Peter Fischer_ (sic) _Norimbergensis_ A. 1527; diese, eine fast
genaue Nachahmung, _H V_ (_Hans Vischer_). Ausserdem dieselben beiden
Kurfuersten in lebensgrossen knienden _Marmorstatuen_. Die Bronzetafel auf
dem Grabe Luthers moderne Kopie des Exemplars in Jena.
_Bronze-Gedaechtnistafel_ des Juristen Henning Goeden von _P. Vischer_ 1521
(Wiederholung im Dom zu Erfurt).
*Schloss* erb. von Friedrich dem Weisen 1490-99. Sehr entstellt. Bmkw. die
beiden Treppenhaeuser, die sich nach dem Hof in Lauben oeffnen. Ueber dem
Portal schoen gemeisselte Wappen. 2 runde Tuerme an den Ecken. Urspr. Zustand
auf dem Titelbilde des Wittenberger Heiligtumbuchs.
*Rathaus* spgot. und renss. An der langen Marktseite ausser dem
(modernisierten) Erdgeschoss 2 Geschosse zu 13 Achsen, Vorhangboegen; spaeter
hinzugefuegt ein Renss.-Portal mit Altan und 4 Renss. Zwerchhaeusern. --
*Apotheke L. Cranachs*. Strassenseite durch neuen Verputz entstellt, besser
erhalten der Hof, darin ein nicht sicher zu deutendes Relief eines
Geharnischten. *Haeuser Melanchthons* und *Bugenhagens*. Das *Lutherhaus*
(urspr. Augustiner-Klst.) hat durch die Rest. 1840 einen gaenzlich falschen
Charakter erhalten; unberuehrt das 1540 in Pirna gefertigte Portal und im
ganzen auch Luthers Wohnstube.
*Alter Friedhof* vor dem Elstertor; renss. Portal ca. 1560 mit Relief des
Weltenrichters. Die Grabsteine von Luthers Tochter Elisabeth und
Melanchthons Nichte Magdalene haben nur Inschriften.
_WITTGENDORF._ K. Sachsen AH Zittau.
*Dorf-K.* 1754. Gute _Grabmaeler_ E. 17. Jh.
_WITZELRODA._ Sachsen-Meiningen Kr. Meiningen.
*Dorf-K.* E. 16. Jh. Charakteristische Inneneinrichtung um 1702.
_WITZENHAUSEN._ RB Cassel Kr. Witzenhausen.
*Stadt-K.* Angeblich 1404. Lhs. 3sch. mit ueberhoehtem, fensterlosem Msch.
Jetzt Bretterdecken. Der gewoelbte Chor hoeher. -- Grabmal der Familie v.
Bodenhausen 1575; mehrere lebensgrosse Rundfigg. knien auf einer von Sll.
getragenen Plattform, darueber Relief mit der Auferstehung Christi.
*Wilhelmiter-Klst.* 2 Saele (jetzt Schafstall); der kleine mit 4Gwbb. auf 1
Mittelpfl.; der groessere durch 4 achteckige Schafte, aus deren Kanten die
Rippen herauswachsen, in 10 Gwb.Felder geteilt; Aehnlichkeit mit dem
Rittersaal des Marburger Schlosses. Die Klostergebaeude jetzt zur
Kolonialschule eingerichtet.
*Klus-Kap.* am rechten Werraufer. Alle Fenster mit rom. Profilen.
*Hospitals-Kap. S. Michael.* Einfacher spgot. Bruchsteinbau um 1392. Der
sonst schmucklose kleine WTurm traegt einen bmkw. Aufbau; 4 Sll., durch
Eselsruecken verbunden, die Oeffnungen mit Masswerk gefuellt, Kroenung mit
steinernem Helm.
*Rathaus.* Einfacher Renss.Steinbau, 1819 durch Restauration nach einem
Brande zur Unkenntlichkeit entstellt.
*Wohnhaeuser* in Fachwerk.
Reste der *Stadtbefestigung*.
_WITZLEBEN._ Schwarzburg-Sondershausen LA Arnstadt.
*Dorf-K.* mit rom. Resten.
_WOFFLEBEN._ RB Erfurt Kr. Hohenstein.
*Dorf-K.* 1751. Der eigentuemliche Gr. erklaert sich aus den Experimenten
des protestantischen Kirchenbaues.
_WOLFERSTEDT._ Sachsen-Weimar VB Apolda.
*Dorf-K.* mit romanischen Details, darunter bmkw. Portal.
_WOLFHAGEN._ RB Cassel Kreisstadt.
*Pfarr-K. S. Anna*. 2. H. 13. Jh. Niedrige Hallenkirche in schlichten,
kraeftigen Formen. Chor aus 8Eck. WTurm 1303 (Inschr.), das bmkw. Dach
1501.
Vor der Stadt *Kapelle* in vorzueglichen hochgot. Formen.
_WOLFMANNSHAUSEN._ Sachs.-Mein. Kr. Hildburghausen.
*Dorf-K.* Im Sch. schoene Felderdecke aus 17. Jh., oestl. Chorturm im
Erdgeschoss rom. Huebsche Ausstattung um 1730.
_WOLFSMUeNSTER._ UFranken BA Gemuenden.
*Pfarr-K.* Turm A. 14. Jh., das geraeumige Langhaus 1734 mit urspr. guter
gleichzeitiger Ausstattung (stark rest.). _Glocken_ 1412, 1786.
*Schloss Wolfsmuenster*. Malerische Anlage von 1584 mit Treppengiebeln.
_WOLKENBURG._ K. Sachsen AH Rochlitz.
*Dorf-K.* 1794 nach Entwurf von _J. A. Giese_ in der Richtung von _C. G.
Langhans_. Die das Schiff von 3 Seiten umgebende Empore von dor. Saeulen
getragen; der Altartisch ohne Aufsatz; hinter ihm in der Nische Gemaelde
von _A. F. Oeser_ und _H. V. Schnorr v. Carolsfeld_.
Die *aeltere K.* (um 1400) jetzt *Erbbegraebnis* der Grafen Einsiedel.
Altarwerk aus farbigem Marmor 1657, ausgezeichnete Arbeit von _J. H.
Boehm_. Schoene Gedenktafel des bei Kaiserslautern gefallenen Gf. Friedrich
v. E., Eisenguss aus Lauchhammer.
*Schloss* (Gf. Einsiedel). Got. Formen im SBau. Sonst alles gruendlich
umgebaut. Die klassizistische Saalausstattung vom Besten.
Familienbildnisse u. a. von _Mengs_, _Graff_ und _Grassi_. Grosser Park,
englisch umgearbeitet.
_WOLKENSTEIN._ K. Sachsen AH Marienburg.
*Stadt-K.* nach Brand 1689, einfacher 1sch. Bau. -- _Altarwerk_ aus
mehrfarbigem Gestein 16S2 von _Joh. Boehme_.
*Burg*, in jetziger Gestalt ohne Interesse.
_WOLKRAMSHAUSEN._ RB Erfurt Kr. Hohenstein.
*Dorf-K.* Sprom. WTurm, got. Sch. mit 1/2 Achteckschluss.
_WOLKSHAUSEN._ UFranken BA Ochsenfurt.
*Pfarr-K.* Erb. 1616, nach W verlaengert 1778. Die vortrefflich in das
Architekturbild eingegliederten _Altaere_ von _Auwera_ und _Steuerwald_
(letzterer ein Lokalmeister in Kitzingen).
*Sebastians-Kap.* 1771. Stuckatur und Altaere gleichzeitig. Ein aelterer
_Altaraufsatz_ um 1650 an der NWand. Hinter der Kap. bmkw. _Bildstock_ um
1400.
Im Dorf lebensgrosse _Standfig_. des hl. Michael 1743.
_WOLMIRSTADT._ Pr. Sachsen Kr. Eckartsberga.
*Dorf-K.* spgot., 1sch., mit Netzgwb.
_WOMMEN._ RB Cassel Kr. Eschwege.
*Gutshaus*, Portal Fruehrenaissance 1535.
_WONFURT._ UFranken BA Hassfurt.
*Pfarr-K.* Zentralbau von 1824. Altaere und Kanzel um 1700.
*Friedhofs-Kap.* Bmkw. Grabsteine des sp. 16. und des 17. Jh. Gute
_Kreuzigungsgruppe_ um 1750.
*Schloss.* E. 16. Jh., einige Veraenderungen 1695.
_WONSEES._ OFranken BA Ebermannstadt.
*Pfarr-K.* 18. Jh. -- Epit. Guttenberg 1541, Giech 1601.
_WORBIS._ Pr. Sachsen RB Erfurt. Kreisstadt.
*Stadt-K.* 1756, im 19. Jh. rom. (!) rest.
*Klst.-K.*, bar. Im Sch. 6, im Chor 2 Joche, Kreuzgwbb.
*Hardtkap.* 1749. Grosser Schnitzaltar 15. Jh.
*Amtsgericht*, schoener Fachwerkbau mit Erker, 16. und 17. Jh.
_WORMSLEBEN._ Pr. Sachsen Mansfelder Seekreis.
*Kirche.* Angeblich aelteste des Gebietes. -- Jetzt stillos bis auf ein
primitiv aussehendes rom. Tympanon.
_WUeLFERSHAUSEN._ UFranken BA Koenigshofen.
*Pfarr-K.* 1607. Charakteristisches Beispiel der von Bischof Julius
beguenstigten Nachgotik.
_WUeLFERSHAUSEN._ UFranken BA Karlstadt.
*Dorf-K.* aus der Juliuszeit, im 18. Jh. ueberarbeitet. Die guten
Rok.-Mobilien in Wuerzburg gearbeitet.
_WUNSIEDEL._ OFranken BAmtsstadt.
*Pfarr-K.*, spgot. Anlage, Lhs. und Turm 1730 umgebaut.
*Spital-K.*, spgot., unbedeutend. -- *Gottesacker-K.* 1672.
_WUeRDENHAIN._ Pr. Sachsen Kr. Liebenwerda.
*Dorf-K.* 1577 und 1747. -- Spgot. _Fluegelaltar_, zusammengesetzt aus einem
groesseren und kleineren. Die Figuren nicht uebel.
_WUeRZBURG._ UFranken B Amtsstadt.
*Dom S. Kiliani*. Urbau unter B. Arno (855-93). Rest. unter B. Burkard
(931-41). Neubau unter B. Bruno 1042ff. Ferner noch, in rom. Zeit
bedeutende Bautaetigkeit unter B. Embricho (1125-47) und B. Hermann
(1225-54); Veraenderungen 1606 bis 1607 und 1701-03. Heute wirkt der Dom im
Aeusseren wesentlich als romanischer, im Innern als Barockbau. -- Die
Baugeschichte macht Schwierigkeiten. Die Hauptfrage ist: hat Embricho, auf
dessen Zeit alles formale Detail am Langhaus hinweist, dieses auf dem
unveraenderten Grundriss Brunos wiederhergestellt? oder hat er einen
voelligen Neubau in vergroessertem Massstabe begonnen? Fuer die erstere
Alternative kann die Aehnlichkeit des mehrere ungewoehnliche Eigenschaften
zeigenden Grundrisses mit einem anderen Bau des 11. Jh., der Klst.-K. in
Hersfeld (beg. nach 1037), geltend gemacht werden. Dann aber muesste der
WBau mit seinen Doppeltuermen, da er auf schmaelere Schiffe hinweist(4), auf
eine noch aeltere Zeit zurueckgehen, was aber nicht wohl moeglich ist, weil
die Anlage westlicher Doppeltuerme mit Eingangshalle nicht vor 2. Viertel
11. Jh. (zuerst in Strassburg) nachgewiesen werden kann. Zwischen den
beiden oben genannten Moeglichkeiten blieb dann nur noch eine dritte, rein
hypothetische: Veraenderung des Massstabes schon unter Bruno. -- Der Ostbau
hat das volle Gepraege schon des 13. Jh. -- Der Gr. ist kreuzfoermig, die
Vierung genau quadr., die Fluegel des Qsch. sowohl als der Chor gestreckt
rechteckig (einzige aber genaue Analogie die Kloster-K. Hersfeld);
Hauptapsis und 2 kleinere Apsiden an der OWand des Qsch.; im Chorwinkel 2
quadr. Tuerme. Im Lhs. 10 Ark.; die rom. Kaempferprofile der Pfll. noch
sichtbar. Wie die allgemeine Disposition, so sind auch die Abmessungen
denen von Hersfold sehr nahe: ganze lichte L. ohne Turmhalle 97 (Hersfeld
95), Lhs. 57 : 31 (Hersfeld 55 : 30), Qsch. 58 (Hersfeld 57), H. des Msch.
24 (Hersfeld 23). Der Chor 1749 tiefer gelegt unter Opferung der alten
Krypta.
_Inneres_. Das Raumbild ist noch das alte romanische geblieben und von
maechtiger Wirkung. Rom. Einzelformen nur an den Pfll. sichtbar. Sie zeigen
eine ungewoehnliche, nur mit einigen thueringischen Bauten vergleichbare
Form; Halbsaeulenvorlagen unter der Bogenleibung. Die Gewoelbe des
Hauptchors und der Sschiffe um 1500 eingezogen. Bischof Julius
beabsichtigte A. 17. Jh. eingreifende Umwandlung im Charakter der von ihm
bevorzugten posthumen Gotik. Zur Ausfuehrung kamen nur die Gewoelbe des
Hochschiffes durch _Lazzaro Agostino_. Die ausgezeichnet schoene
Stuckdekoration 1701 von _Pietro Magni_.
_Aeusseres_. Die Fassade stammt aus verschiedenen rom. Epochen; durch die
glaettende und gleichmachende Rest. 1880 hat sie ihren historischen
Charakter verloren; das Portal neu erfunden; bis 1644 stand vor dem
Erdgeschoss eine Paradieshalle. -- Die oberen Turmabschluesse 1418. -- Die
Langseiten aus 1. H. 12. Jh. mit der ueblichen Lisenen- und
Bogenfriesgliederung, die jedoch einen eigentuemlich flauen Charakter hat;
vielleicht ist der Grund durch Verputz erhoeht. -- Die Osttuerme im
Erdgeschoss mit dem Chor gleichzeitig, in den oberen Teilen 1225-50. Die
Ueberfuehrung vom Quadrat zum 8Eck sehr eigentuemlich; fast moechte man
glauben, dass hier eine blasse Erinnerung an die Tuerme von Laon vorliegt,
vielleicht vermittelt durch Bamberg. Zu beachten die polychromen Wirkungen
durch Wechsel im Sandstein.
_Ausstattung_. _Chor_. [Von den 1701ff. beseitigten Kunstwerken waren die
wichtigsten gewesen: _Hochaltar_ mit dem Standbild des Salvators unter
einem von 4 Sll. getragenen Ciborium aus Salzburger Marmor, auf der
Retabelwand ein Marmorsarkophag mit Reliquien, 1510 von _Riemenschneider_;
von demselben 1494 ein bis zum Gewoelbe reichendes _Sakramentshaeuschen_.
Ehernes _Singpult_ von _Hans Wurzelbauer_ aus Nuernberg jetzt in der
Sepultur.] Die jetzigen _Altaere_ gute Durchschnittsleistungen der
Barockzeit. Sie enthalten Gemaelde von _Oswald Onghers_ (Enthauptung
Johannis), _Sandrart_ (Kreuzabnahme), _Bueler_ (Grablegung), _Merian_
(Drei Koenige). Die Altaere des Langhauses an den Pfeilern aufgestellt; sie
erhielten 1793 einheitliche Umrahmung. -- _Chorstuehle_ von _Jakob van der
Auwera_ 1749 mit den Wappen der damals amtierenden Domherren. --
_Eisengitter_ von _Gattinger_. -- Spgot. _Bischofsstuhl_ jetzt in der
Sakristei. -- Im Langhaus Taufkessel, Erzguss, bez. _Eckart von Worms_ 1279.
-- _Kanzel_ von _Mich. Kern_ 1609.
_Grabdenkmaeler_. Neben denen des Mainzer Doms die grossartigste Reihe, die
Deutschland besitzt. Sie wurden im 18. Jh. an Waenden und Pfeilern
aufgestellt. Die aelteren bildeten Deckplatten von Tumben, die juengeren
sind Bildnisepitaphe; die zu den letzteren gehoerigen Bodenplatten (ueber
der wirklichen Grabstelle) sind teils untergegangen, teils an den
Seitenschiffswaenden aufgestellt. Im 16. Jh. kam das Aedikulaepitaph mit
Reliefbild auf.
Im _Querschiff_: I. NFluegel. a) OWand. Ueber der kleinen, zur Krypta
fuehrenden Tuer Epitaph des Dechanten J. C. Kottwitz v. Aulenbach {~DAGGER~} 1610; B.
Konrad v. Bibra {~DAGGER~} 1544 im Stil des _Peter Dell d. Ae_. b) WWand. Grabstein
des Grafen Bernhard v. Solms {~DAGGER~} 1553 im Stil des _P. Dell d. J._; Grabstein
des B. Gerhard von Schwarzburg {~DAGGER~} 1400, ueberlebensgross, die Gewandung
dekorativ sehr wirksam, dabei ist es wichtig, dass mit ihr auch das gesagt
wird, was eigentlich Sache der Figur waere; im Kopf koennte man ein fein
gestimmtes Portraet zu sehen glauben, truege nicht der von demselben Meister
gefertigte Konrad von Weinsberg in Mainz auch ganz dieselben Zuege. Epitaph
des Dompropstes F. L. Faust v. Stromberg {~DAGGER~} 1673. Unter dem Durchgangsbogen
zum noerdl. Ssch. Erzplatten des Kottwitz v. Aulenbach (vgl. Epitaph oben)
und des Erasmus Neustetter. -- II. SFluegel. a) WWand: Ehernes Epitaph des
C. F. v. Thuengen 1629. b) SWand: Kenotaph des B. Moritz v. Hutten {~DAGGER~} 1552
von _Martin Hering_, c) OWand: Epit. des B. Konrad v.Thuengen 1540 von _Loy
Hering_ aus Eichstaett; Kenotaph des Dompropstes Niedhard v. Thuengen, B. v.
Bamberg, 1598.
_Im Langhaus_. -- _Noerdliche Reihe_. 1. Pfl. NSeite: B. Gottfried III. v.
Hohenlohe {~DAGGER~} 1322 (mit neuer falscher Inschrift), das Schwert fuehren die
Wuerzburger Bischoefe als Herzoege von Franken; trotzdem die Rechte zum
Segnen erhoben. SSeite: B. Otto v. Wolfskeel {~DAGGER~} 1345, ausgezeichnetes
Beispiel fuer den Stil des 14. Jahrhunderts; die grosse Schleppfalte von der
linken Huefte zum rechten Fuss im Schema der Apostel des Koelner Doms.
Rundfigur. -- 2. Pfl. NSeite: Domdechant Peter v. Aufsess {~DAGGER~} 1522, flacher
Erzguss, wohl aus der _Vischer_schen Huette. OSeite: B. Albert v. Hohenlohe
{~DAGGER~} 1372, die Sfoermige Schwingung so trefflich in die Charakteristik
einbezogen, dass sie kaum noch als konventionell wirkt. -- 3. Pfl. NSeite:
Epit. des Erasmus Neustetter 1594 (Grabplatte s. oben). -- 4. Pfl. O.
Seite: B. Johann v. Eglofstein 1411, Standbild unter Baldachin,
Portraetkopf. B. Wolfram v. Grumbach-Wolfskehl {~DAGGER~} 1333. Kein Kissen mehr,
die Auffassung als Standfigur zum ersten Male konsequent durchgefuehrt,
ueberhaupt bedeutende Arbeit. -- 5. Pfl. NSeite: Dompropst v. Frankenstein
1789 vom Bamberger _Mutschelle_. OSeite: B. Johann v. Grumbach 1466,
Standbild unter Baldachin, fein, vornehm, geschmackvoll; vom Wuerzburger
Meister _Leonhard Strohmeier_. -- 7. Pfl. OSeite: B. Adam Friedrich v.
Seinsheim 1779 von _J. P. Wagner_ nach dem Entwurf des Hofmalers
_Christoph Fesel_. -- 8. Pfl. SSeite: B. Philipp Adolf v. Ehrenberg {~DAGGER~} 1631,
ausgefuehrt 1664. -- _Suedliche Reihe_. 1. Pfl. NSeite: B. Mangold v.
Neuenburg {~DAGGER~} 1303. Keinesfalls wesentlich juenger, wichtig fuer den Uebergang
vom Stil des 13. Jh. zu dem des 14. Jh. (Pinder glaubt an einen in Sachsen
geschulten fraenkischen Kuenstler); der merkwuerdig individuelle Kopf im 18.
Jh. uebergangen. SSeite: B. Gottfried v. Spitzenberg {~DAGGER~} 1190 auf dem
Kreuzzug; der Stein, trotz der juengeren Inschrift, gleichzeitig, aeltestes
Zeugnis der Monumentalplastik in Wuerzburg, -- 3. Pfl. NSeite, neben der
Kanzel: B. Gottfried Schenk v. Limburg 1455. -- 4. Pfl. OSeite: B. Johann
v. Brunn 1440; die Gesichtszuege sind individuell, verraten aber nicht
einen 80jaehrigen Greis. NSeite: B. Rudolf v. Scherenberg 1493 von
_Riemenschneider_, dessen Stil von seiner besten Seite zeigend. -- 5. Pfl.
NSeite: B. Lorenz v. Bibra 1519; bei Lebzeiten bestellt; das Beiwerk
zeigt, wie sich der alternde Meister _Riemenschneider_ mit den
eindringenden Renss.-Formen auseinandersetzte; vielleicht jedoch unter
Mitwirkung eines juengeren Gehilfen; die Putten haben auch in den Koepfen
mit dem bekannten Engeltypus _Riemenschneiders_ nichts gemein; uebrigens
ist das Verhaeltnis der Figur zur tektonischen Umgebung vorzueglich
abgewogen und die Verbindung verschiedenfarbiger Steine mit zartem
Geschmack durchgefuehrt. -- 6. Pfl. NSeite: B. Melchior Zobel zu Gutenberg,
ermordet 1558, Hauptwerk des vielbeschaeftigten aber unerfreulichen _P.
Dell d. J._ -- 7. Pfl. NSeite: B. Friedrich v. Wirsberg 1573 von _W.
Sarder_ aus Eichstaett. OSeite: B. Franz Ludwig v. Ertal 1795. -- 8. Pfl.
NSeite: B. Julius Echter v. Mespelbrunn 1617 von _M. Kern_; Architektur
gut, Figur nicht bedeutend. SSeite: Ritter Sebastian Echter, des Bischofs
Bruder, 1577. OSeite: das umgestuerzte Wappen des letzten Echter {~DAGGER~} 1665. --
9. Pfl. NSeite: B. Joh. Gottfr. v. Aschhausen {~DAGGER~} 1622. -- Die Form des
Renss.Epitaphes, Aedikula mit Relief. An der suedl. Sschiffswand eine Reihe
bronzener Grabplatten, ehemals in der Naehe der entsprechenden Epitaphe zu
denken. Von ihnen gehoeren der Giesshuette _Peter Vischers_: Dompropst Georg
v. Giech {~DAGGER~} 1501, Dompropst Albert v. Bibra {~DAGGER~} 1511, B. Lorenz v. Bibra
{~DAGGER~} 1519, letztere vielleicht nach _Riemenschneiders_ Entwurf in Nuernberg
gegossen.
_Sonstige Skulpturen_. -- Vom Triumphbogen herabhaengend ueberlebensgrosses
_Holzkruzifix_ von 1478. -- Auf 3 Pfll. der NSeite verstreut _Maria und die
h.h. drei Koenige_, interessante, stark bewegte Standbilder aus A.14.Jh.,
durch moderne Rest, und Bemalung entstellt; aehnliche Pfl. Aufstellung in
der Lorenz-K. in Nuernberg; trotzdem vielleicht ursp. fuer ein Portal
gedacht, wie in Freiburg. Zu Beginn des Lhs. _Taufkessel_, Erzguss, bez.
_Eckart v. Worms_ 1279; die zu dieser Zeit in Sueddeutschland wenig
gelaeufige Technik erklaert die Roheit der Formen. -- _Kanzel_ von _Mich.
Kern_ 1609. -- In einer Kap. am WEnde des suedl. Ssch. grosse _Gruppe_ des
Marientodes, um 1470-80, hervorragend durch Wahrheit und Staerke des
Ausdrucks; am Eingang in die Kap. ein _Diakon_ mit Lesepult in einem
zugleich an _Riemenschneider_ und _Backofen_ erinnernden Stil, dann die 2
_Saeulen_ "Booz" und "Jachim" vom ehemaligen Paradies. -- Die spgot.
_Standbilder_ an den ersten Pfll. des Lhs, von den Strebepfll. der
Marienkap., wo sie zu verwittern drohten, hierher geborgen. -- In der
Vorhalle Madonna um 1420.
_Epitaphe am Aeusseren_. Meist sehr beschaedigt. Historisch interessant
dasjenige _Tilman Riemenschneiders_, wohl von seinem Sohne _Joerg_.
_Schoenborn-Kap._ am noerdl. Qsch. 1721-36 von _J. B. Neumann_. Kreisrunder
Kuppelraum mit elliptischen Exedren nach O und W, Eingang N, Hauptaltar S.
Vier _Grabmaeler_ von Kirchenfuersten aus der Familie Schoenborn. Das Innere,
als Grabkap. in grauem und schwarzem Marmor, kommt infolge nicht
gluecklicher Lichtfuehrung nicht nach seinem Werte zur Geltung; das Aeussere
zeigt _Neumanns_ Formensprache in aller Vollendung.
_Kreuzgang_. NFluegel 1424-28, SFluegel 1428-31, WFluegel nach 1431, OFluegel
1449-53. Die 3rippige Woelbung, deren mit Wappen geschmueckte Schlusssteine
im Gr. eine Zickzacklinie bilden, wohl spaeter. Stattliche Abmessungen,
etwa 35 : 50 m bei 4 m Tiefe der Gaenge. Die im O liegende Sepultur 1461.
2sch. Halle von 35 : 11 m, an der OWand 8 Kapp., deren Oeffnungen in den
Pfeilerachsen liegen, eine ]L: 5] Konsequenz der sternfoermigen Teilung des
Gwb. Das Erdgeschoss diente als Sepultur des Kapitels. Unter den ueberaus
zahlreichen _Denkmaelern_ im Kreuzgang seien hervorgehoben: Heinrich v.
Seinsheim {~DAGGER~} 1360, schlanke Ritterfigur in engem Lederpanzer; Paul Fuchs
{~DAGGER~} 1540 wohl von _Peter_ _Dell_; Martin v. Wiesenthau {~DAGGER~} 1554, bez. _T K_
(_Thomas Kistner_), Dompropst Markgraf Friedrich v. Brandenburg {~DAGGER~} 1536;
Oberst Baur v. Eisenberg, bez. _Mich. Kern_ 1623. In der Sepultur
Bronzeepitaph Alb. Schenk v. Limpurg, bez. _Joerg Straubinger _ (Nuernberg)
1680.
*S. Burkard.* K. des 751 gegr. Benedikt.-Klst. Neubau 1033, eingreifende
Rest. 1168, Erweiterung der oestl. Teile 1494-97. -- Kleine flachged.
Basilika ohne Qsch. An den oestl. Enden der Ssch. quadr. Tuerme, aus deren
Mauermasse rundbg. Altarnischen ausgespart sind; jetzt durch neue
Einbauten verdeckt. Der Hauptchor setzte sich zwischen den Tuermen fort und
schloss voraussetzlich mit rundbg. Apsis. Ausserdem waren WTuerme vorhanden,
die 1677 abgetragen wurden; damals auch die WEmpore eingebaut. 6 Arkaden
mit regelmaessigem Stuetzenwechsel. Sll. mit Wuerfelkaptt. und eckblattlosen
att. Basen. -- Aeusseres ganz schmucklos, der Gesimse beraubt. Interessant
nur das Portal an der NSeite mit geschlossener Vorhalle; dieselbe hat den
Eingang im O und eine Altarnische im W, an der NWand 2 gekuppelte grosse
Lichtoeffnungen. Das Portal (nachtraeglich) durch seitwaerts vorgeblendete
Saeulengruppen geschmueckt; reiche und originelle tektonische Gliederung bei
fast voelligem Mangel an Ornament. Die Tuerme quadr. bis zur Firsthoehe des
Msch., dann ins 8Eck umsetzend; diese Teile 1241 in anmutig ernsten frgot.
Formen. -- Der spgot. OBau in erheblich groesserem Massstab; das Qsch. so
breit, dass zwischen Vierung und Fluegeln je eine Stuetze eingeschoben; ursp.
flachgedeckt; modernes Netzgwb. im Monniersystem. -- _Chorstuele_ 1693 aus
got. und bar. Teilen zusammengesetzt. -- Im noerdl. Qsch. bmkw. _Opferstock_
mit Reliefs E. 13. Jh. -- _Votivrelief_ aus dem Leprosenhaus, Kreuzigung
ca. 1370. -- Grosser _Fluegelaltar_, noch in got. Anordnung, 1589-91; die
Gemaelde vom Wuerzburger Buerger _Alexander Mueller_ (die von demselben
ausgefuehrte Wand- und Deckenbemalung zerstoert). -- _Grabsteine_ der Aebte
Hermann Lesch {~DAGGER~} 1408, Eberhard Lesen {~DAGGER~} 1436, Johann v. Waldenfels {~DAGGER~} 1427.
-- An der Wand _Gemaelde_ der Grablegung von _Osw. Onghers_ 1676. -- In der
Pfarrei _Holzmadonna_ von _Riemenschneider_ aus seiner Fruehzeit.
[*Augustiner-Klst.* Gew. 1302. Abgebrochen 1824. Interessante Reste von
dekorativer Plastik, oberrheinischen Schulzusammenhang bekundend, im
Museum.]
*Franziskaner-K.* Erste Ordensniederlassung 1221. Die gegenwaertige K. eine
ursp. flachgedeckte got. Basilika aus 2. H. 13. Jh. Der gewoelbte Chor,
groesser als der erste, gegen 1289 hinzugefuegt. Veraenderungen unter Bischof
Julius: Einziehung von Gwbb. (in Netzform) 1611-14, alle 3 Schiffe unter
ein gemeinschaftliches Dach gebracht, die Fenster (mit Ausnahme derer am
O- und WSchluss) veraendert. Vom frgot. Bau geblieben: der Gr. (das 3sch.
Lhs. 35 m l., der 1sch. Chor 22,5 m l), das Mauerwerk und die (6) Arkaden
des Msch. Sie zeigen die got. Formen in der fuer die Bettelorden
charakteristischen aeussersten Vereinfachung: gemauerte Rundsll., 8eck.
Sockel, glatte Kelchkaptt., 4eck. Deckplatten, Bogenleibungen glatt bis
auf die Abfasung der Ranken, die Oberfenster kreisrund mit Vierpass. --
Traurige Rest. 1882. -- Der geraeumige Kreuzgang um 1300 bereits in
reicherer Behandlung. -- Die betraechtliche relative Hoehe der Ssch. schon im
ursp. Querschnitt. -- Die Valentins-Kap. an der SSeite, eine sehr alte
Gruendung, von Bischof Julius nachgot. umgebaut. Ueber ihr ein reich
stuckierter Prunksaal, der vor der Erbauung der Universitaet den
akademischen Festlichkeiten als Aula diente. -- An der steinernen Mensa des
Hochaltars Metallplatten mit frgot. _Schmelzarbeit_, meist Tierbilder nach
dem Physiologus. Auf einem Seitenaltar eine _Pietas_ von _Riemenschneider_
(?). -- Bmkw. _Messgeraete_ 18. Jh. -- _Grabmaeler_: Bildnisplatte des
Weihbischofs Georg Antworter {~DAGGER~} 1499, keine von den guten Arbeiten der
Zeit. Im Schiff die Frau des Schultheissen Zingel {~DAGGER~} 1407. Dann im guten
Wuerzburger Durchschnittscharakter mehrere Rittergrabsteine: Balthasar v.
Zingel {~DAGGER~} 1493; Truchsess v. Wetzhausen {~DAGGER~} 1513, Hans v. Grumbach {~DAGGER~} 1529,
Peter v. Randersacker {~DAGGER~} 1540. Schoenes kleines Kinderepitaph 1582 fuer eine
Echter v. Mespelbrunn. Grosses prachtvolles Wandgrab des Heinrich Zobel v.
Giebelstadt {~DAGGER~} 1589 mit Frau und 11 Kindern. Ein aehnliches fuer die Familie
v. Thuengen 1625 v. _Mich. Kern_. -- Aussen an der K. Oelberg von _Georg
Riemenschneider_.
*Deutschhaus-K.* (Militaermagazin). Der frueheste got. Bau in Wuerzburg (an
Stelle einer staufischen curia regia, zu welcher der erhaltene rom. WTurm
in Beziehung steht), beg. nicht lange vor 1280, die WTeile nach 1296. --
1sch. Anlage von 7 Jochen mit polyg. Schluss. Am 4. Joch tritt ein Wechsel
der Formen ein. Der aeltere Teil mit Wimpfen, der juengere mit Oppenheim
verwandt. Reiche Schlusssteine, Blattmasken und Figuerliches, das letztere
von sehr guter Hand. Dagegen das Portal (S) ohne Plastik, nur in eleganten
Architekturformen.
*Dominikaner (Augustiner)-K.* Erste Niederlassung 1228. Der jetzige Bau
ein Neubau von _Balthasar Neumann_ 1744, bei dem der got. Chor (von 1308)
beibehalten, nur dekorativ umgestaltet wurde. Das Lhs., eine hochstrebende
Pfl.Basilika, hat fuer das Bar. ungewoehnliche Proportion; _Neumann_ selbst
erklaert: "Die Kirche, dass sie so hoch muss werden, obliegiert der schoene
alte, gut gewoelbte Chor". Es ist moeglich, dass Neumann auch den got. Gr.
vollstaendig beibehalten hat. Die Dekoration ist einfach; es wird
hauptsaechlich, und zwar stark, durch die Altaere gewirkt, deren einer auf
jeden Pfl. des Lhs. Die Skizzen dazu von Neumann selbst. Der
architektonische Apparat des Barockaltars ist aufgegeben, diese hier
wollen nur Bilderrahmen sein, allerdings sehr praechtige und umfaengliche.
Die prunkvollere Dekoration des Moenchschors hinter dem Hochaltar
nachneumannisch. Gemaelde des Hochaltars von _Treu_ aus Bamberg,
Deckengemaelde von _G. A. Urlaub_ (Chor) und _Ermeltraut_ (Lhs.).
*S. Gertraud* in der Pleichach. Vor 1133 von Meister _Enzelin_, der spaeter
am Dom taetig. 1600-1613 voellig umgestaltet.
*Stifts-K. Haug*. Ehemals rom. Sl.Basilika mit WTuermen und
Dreiapsidenschluss. 1665 wegen der Festung niedergelegt. Tympanon mit
thronender Muttergottes und den beiden Johannes, nach 1200, jetzt im
Luitpold-Mus. -- Neubau 1670 bis 1691 von _Antonio Petrini_. Die Anlage
nach dem Typus des Gesu in Rom; als selbstaendige Elemente treten hinzu die
starke Ausladung der Qsch.Arme, welche auch das Lhs.System der seitlichen
Altarnischen fortsetzen, und die Doppeltuerme der Fassade. Die Einzelformen
schwer und ernst, von starker Ausladung. In allen Nischen maechtige
Barockaltaere italienischen Gepraeges (Gemaelde _Onghers_). Im uebrigen ist
der Binnenraum farblos. -- Am meisten weicht von den italienischen
Vorbildern das Aeussere ab. Es hat Strebepfll. und hohe Daecher, welche die
Fenster des hohen Kuppelanbaues teilweise ueberschneiden. Immerhin wirkt
die Kuppel sehr bedeutend. Die Fassade hat durch die seitliche Stellung
der Tuerme eine maechtige Ausdehnung erlangt. Des rhythmischen Lebens, das
sonst an Barockfassaden so stark zu sein pflegt, entbehrt sie. Schwere
Gurtgesimse, einfache Lisenen (nicht antike Ordnungen!) und Statuennischen
ergeben vielfaeltige, aber monotone Gliederung. -- Praechtige _Kanzel_.
*S. Jakob.* K. des ehem. Schottenklst. Beg. nach 1134, voll. 1146.
Flachgedeckte Pfl.Basilika ohne Qsch., schliessend mit 3 parallelen
Apsiden. Auf 31 m L. 10 Ark. Die beiden letzten Ssch. Joche mit stumpf
graetigen Kreuzgwbb. zwischen breiten Gurten (in urspr. Form nur im suedl.
Ssch.). Die quadr. Pfll. und alle uebrigen Formen die einfachsten. Die
rundbg. Friese aehnlich denen des Doms. Die westl. Vorhalle E. 17. Jh.
abgebrochen. Die OTuerme, von denen der suedl. rom., der noerdl. einfachst
got. Nach M. 13. Jh. wurde der Chor umgestaltet: ueber der im Unterbau
beibehaltenen rundbg. Hauptapsis ein hoher polygonaler Chor. -- An den
Pfeilern Malereien des Augsburgers _Leonhard Beck_ 1504. -- Die K. jetzt
Militaerspeicher, das Klst. Militaerkrankenhaus.
[*Johanniter-K.* A. 14. Jh., 1815 zerstoert. Die Grabsteine im Muenchener
Nationalmuseum.]
*Karmeliter-K.* 1662-1669 von _Antonio Petrini_. Der erste italisierende
Barockbau in Franken. Der Gr. zeigt die typische von den Jesuiten
ausgebildete Form. Die Haltung derb und schlicht. -- _Altarbilder_ aus der
Erbauungszeit von den Rubensschuelern _Diepenbeck_ und _de Rul_. -- Im Klst.
ein _Holzkruzifix_ aus 13. Jh.
*Liebfrauen-Kap.* auf der Feste Marienberg. Der Kernbau wahrscheinlich
identisch mit der A. 8. Jh. unter Karlmann genannten cappella in honorem
S. Mariae constructa, also der aelteste kirchliche Steinbau im Frankenland.
Rotunde Das Erdgeschoss hat 11,67 m im Lichten bei 4,07 m Mauerstaerke; im
Innern durch 6 Rundnischen und 2 Durchgaenge im W und O gegliedert. Im 12.
Jh. ein Obergeschoss von nur 0,75 m Wandstaerke, daher in der Aussenansicht
rueckspringend. Der Bau des 12. Jh. kann nicht gewoelbt gewesen sein; fuer
den des 8 Jh., der alt christlichen Anlagen durchaus aehnlich sieht, ist
Woelbung vorauszusetzen. -- Renss.-Portal vom Herstellungsbau nach Brand
1600. -- Stuckdekoration 1699 ff. -- Bmkw. spgot. _Reliquiar_ bez. 1519.
*Marien-Kap.* auf dem Markt. Nach der Judenverfolgung 1348 zur christl. K.
eingerichtet: Neubau 1377 ff.; Chor gew. 1392; die Ausschmueckung setzte
sich bis nach 1470 fort. -- Hallenkirche von 5 Jochen, 1sch. Chor von 4
Jochen und 5/8 Schluss. Das Innere 1713 barockisiert, 1856 in got. Sinne
hergestellt. Hallen von extremen Hoehenverhaeltnissen. Noch bezeichnender
fuer die Zeit das in allem Schmuckreichtum etwas duerr bleibende, in
schematisch eleganten Formen durchgebildete Aeussere, an dem namentlich die
Streben ein ungemein glaenzendes dekoratives Beiwerk erhalten haben.
Eigentuemlich die Art, wie die Dachbalustrade um den WGiebel herumgefuehrt
ist. Im S, W und N 3 sehr praechtige Portale. -- Der Turm steht noerdl. neben
der Fassade, mit 3 Pfll. frei; bis zur Gesimshoehe der K. ganz einfach,
dann noch ein mit Stab- und Masswerkrelief besetztes quadr. Geschoss,
endlich ein hohes Oktogon; alles in reichsten Formen; diese Teile 1441-60
von _Eberhard Friedeberger_ aus Frankfurt. (Der durchbrochene Steinhelm
modern, vorher Bleidach.)
_Skulpturen_. Am WPortal Madonna um 1440. Die Bogenfelder der 3 Portale,
am noerdl. Verkuendigung, am suedl. Marienkroenung, am westl. Juengstes
Gericht, das Verkuendigungsrelief ausgezeichnet in der Fuellung der
Bildflaeche, der leichten Beweglichkeit der Gewaender, der Anmut der Typen.
Entstehung um 1430-40 (Pinder: 1415-20). -- _Riemenschneiders_ _Adam und
Eva_ am NPortal, kuenstlerisch von groesster Bedeutung, wurden in juengster
Zeit entfernt (Histor. Verein) und durch Gewandstatuen ersetzt. Ebenfalls
von _Riemenschneider_, 1500-1506, die _Statuen_ Christi, des Taeufers und
der zwoelf Apostel an den Strebepfll., durch moderne Rest. verdorben (die
beiden Johannes neu, Originale im Dom).
Im Innern: suedl. Ssch. zwei Reliefs um 1400; _Marientod_, feierliche zarte
Stimmung, feinfuehlig flaches Relief, die Komposition altertuemlich bis auf
das perspektivisch schraeg gestellte Bett; von anderer Hand und in
kraeftigerem Pathos die _Kreuzgruppe_, der kniende Donator vielleicht Graf
Guenther v. Schwarzburg {~DAGGER~} 1410. Am Chorbg. _Dorothea_ und _Margaretha_ von
_Riemenschneider_, ca. 1510. _Grabsteine_: Martin v. Seinsheim {~DAGGER~} 1434;
Konrad v. Schaumburg {~DAGGER~} 1499, Werkstatt _Riemenschneiders_; Ritter Schrimpf
von _Peter Dell d. J._ 1556, Valentin v. Muenster von _demselben_, 1558.
Buergerliche Grabmaeler in Epitaphform 1566, 1624, 1648.
*S.Michaels-K.* An Stelle einer nicht bedeutenden rom. K. Neubau 1766
Valentin v. Muenster 1858ff. von _J. P. Geigel_ und _Joh. Fischer_ als
Ordens-K. der Jesuiten. Das Aeussere nuechtern, das Innere von bedeutender
Raumwirkung, aber in der Behandlung unsicheren Wollens zwischen barockem
Grundgefuehl und modernistischem Klassizismus. (Weitaus unerfreulicher als
die die gleiche Uebergangsstufe hochbedeutend repraesentierende Klst.-K. zu
Wiblingen bei Ulm). Die Deckengemaelde, reich an theologischen Finesen,
1770 vom Mainzer Hofmaler _Joseph Appiani_, fortgesetzt vom Wuerzburger
_Chr. Fesel_. Stuckaturen von _Materno Bossi_, Hochaltar von _Gaertner_
1798.
*Neubau-K.* s. Universitaet.
*Neumuenster-K.* Erb. unter B. Heinrich (995-1018), vgl. den Stein am Chor
mit der Inschr. "Henricus me fecit"; schon in rom. Zeit wiederholte
Bauveraenderungen, ueberliefert fuer die Zeit B. Adalberos (1045-1085),
ferner Ablaesse 1223-47. Rest. des Innern und westl. Anbau 1711ff. Der
Barock-Umbau nach derselben Methode, wie am Dom, d. h. der rom. Mauer- und
Pfeilerkoerper wurde beibehalten, aber im Innern ganz mit Barockformen
umkleidet, aussen die romanischen belassen. -- Urspr. flachgedeckte Basilika
mit Doppelchor. Die OKrypta erstreckt sich bis unter die Vierung; ihre
rom. Wandsll. erhalten; in der westl. Haelfte Wuerfelkaptt. und an den Basen
primitive Eckblaetter, in der oestl. reiche sprom. Laubkaptt. Die WKrypta
gaenzlich umgebaut. -- Der im NW stehende Turm duerfte mit dem abgebrochenen
WChor in Verbindung gestanden haben; schlanker 8Eckbau mit reicher, stark
bewegter Gliederung, in der Bewegung der Bogenfriese an die OTeile der
Stifts-K. von Gelnhausen erinnernd; der Stil passt zeitlich zu den Ablaessen
1223ff. -- Umbau in den 30er Jahren des 18. Jh. Die dabei genannten
Wuerzburger Namen geben nur die Baufuehrer, der Plan von nicht sicher
nachzuweisenden auswaertigen Kuenstlern; u. a. _Gabrieli_ in Ansbach zu Rate
gezogen. Der rom. WChor durch einen Kuppelbau von maechtiger Wirkung
ersetzt. Die Fassade auf stark bewegtem Grundriss, gut in den Proportionen
und reich, auch mit Figuren in Schmuck gesetzt, mag die beste der Zeit im
Frankenlande sein. Sie war besonders geschickt auf einen engen Platz
(Kuerschnerhof) komponiert. Die neuerliche Freilegung hat ein gutes Teil
der Wirkung zerstoert. -- Das Innere enthaelt bmkw. aeltere Kunstwerke. Im
noerdl. Qsch. eine der schoensten _Madonnenstatuen_ von _Riemenschneider_
bez. 1493, Sandstein, neu bemalt. -- _Grabstein_ des Abtes Joh. Trithemius
{~DAGGER~} 1516 von _Riemenschneider_. In der WKrypta bmkw. rom. Altarmensa und die
in Holz geschnitzten _Brustbilder_ der drei Frankenapostel von
_Riemenschneider_, Reste des Domtabernakels. In der OKrypta merkwuerdiger
_Crucifixus_ um 1340, _Selbdritt_ bez. 1417. Vier bedeutende _Tafelbilder_
A. 16. Jh., Schulherkunft nicht festgestellt. [Ein Fluegel des reichen rom.
Kreuzgangs jetzt im Garten des staedtischen Museums.]
*Wallfahrts-K. auf dem S. Nikolausberge* ("*Kaeppele*") 1747 bis 1750 von
_B. Neumann_ neben der aelteren Gnadenkap. Grosser, zentraler Kuppelraum mit
3 elliptischen Apsiden, Eingangshalle und 2 Fassadentuermen. Die innere
Dekoration z.T. aus nachneumannscher Zeit. -- Die _Deckenfresken_, sehr
farbig, bez. _M. Guenther_ 1752. -- Eine ausgezeichnete Komposition der
grosse, den Berg hinanfuehrende Treppenweg; die 14 _Stationsbilder_
(Sandsteingruppen) von _Joh. Peter_ und _Simon Wagner_ um 1775.
*Peters-K.* Umbau einer ma. K. 1717ff. durch _Greising_ und _Pezzani_
(beide wohl nur Ausfuehrer der Idee eines Dritten). Der rom. Turm, der got.
Chor und Mauerteile des Langhauses sollten wiederverwendet werden. Im
Verhaeltnis zu diesen Schwierigkeiten die Loesung geschickt: weitraeumige
Hallen-K. mit Emporen in den Abseiten. Hohe 3geschossige Fassade, im
Mittelstueck flach polygonal vorspringend; der Statuenschmuck
klassizistisch. Von der inneren Ausstattung hervorzuheben die rok. Kanzel
von _Ant. Bossi_, in Brillanz und Grazie unuebertroffen.
*S. Stephans-K.* Von der rom. Basilika die Krypta und der untere Teil der
Tuerme erhalten. Im uebrigen 1789 von _Geigel_ (_Kleinholz_ nur
Maurermeister) vollstaendig umgestaltet als weitraeumiger, ungeteilter Saal
ohne Emporen. Die dekorative Ausstattung durch den Bildhauer _Georg
Winterstein_, eine der besten in dieser Zeit in Deutschland entstandenen,
gibt die Klaerung der klassizistischen Bewegung, deren erste Regungen an
der Michaels-K. zu beobachten sind. Die Waende ausschliesslich in Weiss und
Gold; Gestuehl und Kanzel in natuerlicher Holzfarbe. Stuckierung von
_Materno Bossi_. Deckengemaelde von _K. Huber_ von Weissensee.
*Schloss Marienberg*. Seit 1250 staendiger Sitz der Bischof-Herzoege. Grosse
Erweiterungen 1468-1495. Umfassende Neugestaltung, doch mit Benutzung der
alten Teile (starker runder rom. Bergfried) durch B. Julius nach Braenden
1572 und 1600. Es wurde tunlichst fuer Regelmaessigkeit des Gr. gesorgt, der
ein langgestrecktes Viereck darstellt. Einheitliche Fassadenbildung fehlt,
geschmuecktere Formen nur an einzelnen Zwerchgiebeln, Tuermen und Portalen,
wovon seither vieles wieder verschwunden. Eine interessante Folge von
Stiltypen geben die nach den Erbauern benannten Festungstore:
Scherenbergertor 1482, Echtertor 1606, Neutor 1657, Guttenbergtor 1684.
*Rathaus.* Den aeltesten Teil bildet der "Graf-Eckhardturm". Entstanden aus
einem rom. Wehrbau (Sitz der Wuerzburger Burggrafen), doch schon im sp. Ma.
umgebaut. Am oestl. Ende der jetzigen Strassenfront ein breites rom. Tor mit
spgot. Einbau. Sonst bildete das Erdgeschoss ursp. eine ungegliederte
Masse. Der Erker und Doppelfenster mit Vorhangbg. M. 16. Jh. Die
Obergeschosse, der WGiebel und der Turm 1615. Die Uhr 1455 von _Hans
Klein_ aus Hassfurt. Im Mittelgeschoss ein Saal; eine praechtige Sl. traegt
ueber 2 Rundbgg. 4 spitzbg. Kreuzgwbb. Die Ausmalung in Teppichmustern und
mit zahlreichen Wappen der Reichsfuersten, vermutlich 1397 fuer den Besuch
Koenig Wenzels. -- Das _neue Rathaus_ 1659. Die Komposition der hohen
Giebelfassade, wie der malerisch gruppierten Treppen und Vorsaele steht
noch ganz auf dem Boden der deutschen Kunst vor dem grossen Kriege, wenn
auch mit einem Zusatz schweren Ernstes; Rustikabau fast ohne Ornament.
*Universitaet*. 1582-91 unter B. Julius Echter u. a. Man kann keinen
bestimmten Baumeister nennen; Kompromiss, bei dem viele mitgesprochen
haben. Der erste Entwurf war von _Robin_ in Mainz (vgl. Bd. III u. Bd.
IV.). -- 4 Fluegel von gleicher Hoehe umgeben einen grossen quadr. Hof; der
suedl. enthaelt die Kirche und hat sein eigenes System; der oestl. und westl.
entsprechen sich genau. Im Erdgeschoss Pfeilerhallen (von _Petrini_
geschlossen und als Bibliothekssaal umgebaut) in reicher diamantierter
Rustika mit dorischem Fries. Die 3 Obergeschosse geben eine verputzte
Flaeche ohne jede andere Gliederung als durch die breiten Fenster;
Teilungspfosten; gotisierende Gewaende. In der Mitte unbedeutende
Zwerchgiebel. Wendeltreppen kommen nicht mehr vor, sondern nur solche mit
gerade gebrochenem Lauf. Die Einfahrt hat ein voellig got. Netzgwb. Als
aeussere Schauseite hat die Front nach der Schulstrasse zu gelten; sie
besitzt 3 Portale, unorganische Vorsatzstuecke in harten antikisierenden
Formen. Dem Gesamteindruck fehlt das Heitere und Behagliche, das der
deutschen Renss. des 16. Jh. eigen gewesen war; man ahnt schon den
strengen und finsteren Geist der Epoche des Religionskrieges. _Die
Kirche_. In ihr scheint noch am meisten vom Robinschen Plan beibehalten zu
sein. Einer der wenigen bedeutenden Kirchenbauten der deutschen Renss. In
Deutschland galt es, mit der protestantischen Predigt in Wettbewerb zu
treten, daher Aehnlichkeit mit dem Typus der protestantischen
Schlosskirchen. Die Ausstattung der rundbg. Fenster mit Masswerk (sehr grob)
ist ein Zugestaendnis an den noch immer fuer vorzugsweise sakral geltenden
got. Stil. Drei Raenge Galerien begleiten beiderseits ein hohes,
langgestrecktes Msch. Pfeiler- und Bogenstellungen mit vorgesetzten
antiken Ordnungen; Kreuzgwbb. Der gross gedachten Anlage sind die
Einzelformen und die Proportionen nicht ebenbuertig: sie entbehren der
feineren Belebung. Auch war die Konstruktion fehlerhaft; 1617 stuerzte das
Hauptgwb. ein und zerstoerte das Juliusdenkmal _Robins_ und die uebrige
reiche Ausstattung. Wiederherstellung 1696. Der vorspringende WTurm in den
unteren Teilen vom Juliusbau erhalten, in den oberen von _Petrini_; eine
bedeutende Kunstleistung; die Loesung wesentlich anders und besser, als an
den Tuermen, die _Petrini_ vorher an der Hauger K. errichtet hatte; der
innerlich widerstrebende antike Formenapparat ist der nordischen Turmidee
merkwuerdig gluecklich dienstbar gemacht.
*Juliusspital*. Von dem 1580 voll. Stiftungsbau des Bischofs Julius hat
sich nichts erhalten. Brand 1699 und danach voelliger Umbau durch
_Petrini_; nach neuem Brande 1745 von _Neumann_ instand gesetzt, erweitert
1791 von _Ickelsheimer_ (Strassenfront).
*Hofspital*. Die K. aus einer got. E. 18. Jh. von _A. S. Fischer_
klassizistisch umgebaut. Schoenes _Holzrelief_ mit den 14 Nothelfern A. 16.
Jh. (nicht von _Riemenschneider_). _Grabstein_ des Ritters Christoph von
Koeln 1564 von _P. Dell d. J._
*Josephsspital* ("Hueberspflege"), gegr. 1794 durch Erweiterung des v.
Zobelschen Hofs in der Kapuzinergasse. Grosses _Relief_ von _B. H. Nickel_,
zur Erinnerung an die Stiftung; von ansprechender, entfernt an die
Tendenzen Schadows erinnernder Natuerlichkeit.
*Buergerspital*. Gegr. 1319 vom reichen Buerger Johann vom Stern (Johannes
De Ariete). _Madonna_ um 1420. Zwei ausgezeichnete _Bildnisgrabsteine_:
Johann v. Stern {~DAGGER~} 1329, Ekro v. Stern {~DAGGER~} 1343; man beachte den Stilwechsel
im Standmotiv. Aussen Sternsches Familienepitaph ca. 1330. -- [Der schoene
Portalstein im Museum.]
*Klerikalseminar* (frueher Jesuitenkollegium) als Werk _Jos. __ Greisings_
gesichert, 1716 f. Ernst und tuechtig, der Formengeist in der Mitte
zwischen der duesteren Schwerfaelligkeit des 17. Jh. und der neuen
Vornehmheit Neumanns. Die Portalskulpturen von _Jakob v. d. Auwera_ aus
Mecheln (nur die kroenende Nischenstatue des h. Ignatius nach Aufhebung des
Ordens durch guten Hirten ergaenzt).
*Rueckermaingebaeude* (frueher Amtshaus des Ritterstifts S. Burkard) 1715-22
v. _J. Greising_; derselbe knuepft, im Gegensatz zu dem Hauptmeister der
unmittelbar vorangehenden Zeit, _Ant. Petrini_, an die Traditionen des
deutschen Fruehbarok an. Im Innern bmkw. Stuckdecken.
*Zuchthaus* in der Burkharderstrasse. Erb. A. 19. Jh. als Kaserne der
fuerstbischoefl. Leibgarde von _Spaeth_, in kraeftiger und origineller
Verbindung von Rustika mit dor. Sll.
*Deutschordenskomturei*, mit dem Wappen des Komturs v. Ow 1694, Richtung
_Petrinis_.
*Residenzschloss*. Erb. 1719-44 (innere Einrichtung fortgesetzt bis in die
70er Jahre) von den beiden Fuerstbischoefen aus dem durch grossartigen
Bausinn hervorragenden Geschlecht der Schoenborn (vgl. Pommersfelden,
Werneck, Wiesentheid, Heusenstamm, Bruchsal, Worms, Mainz, Koblenz,
Trier). Fuerstbischof Johann Philipp waehlte zum Baumeister den noch jungen
und erst an einem einzigen Kunstbau (Ebrach 1716) bewaehrten Artillerie-
und Geniehauptmann _Joh. Balthasar Neumann_ (1687-1753). Nach der Sitte
der Zeit wurde der Plan von auswaertigen Architekten (_M. v. Welsch_ und
_L. v. Hildenbrand_), vermittelt durch Joh. Philipps Verwandte, den
Kurfuersten von Mainz und den Reichsvizekanzler in Wien, begutachtet, ohne
jedoch ihn irgend nennenswert zu veraendern. Erst als Neumann nach Paris
geschickt wurde, musste er sich durch den nuechternen Akademiker _Boffrand_
eine Verschlechtbesserung seines Treppenhauses gefallen lassen; nuetzlicher
koennten die auf die Zimmereinteilung bezueglichen Ratschlaege _Robert de
Cottes_ gewesen sein. 1729 ging N. nach Wien, wo _L. v. Hildebrand_
diesmal groesseren Einfluss gewann; die Gartenfassade bezeugt ihn. -- Das
Schloss von Wuerzburg ist eines der groessten architektonischen Kunstwerke,
die Deutschland besitzt, auch in seinem inneren Wesen deutscher, als die
landlaeufige Meinung annimmt. Der franzoesische Geschmack beeinflusst nur,
und auch nur teilweise, die Innendekoration. Den italienischen Bar. kannte
N. nur mittelbar durch die Wiener Schule. Der Stil seines Werkes ist
wesentlich persoenlich auf Grund der international gewordenen allgemeinen
Barockueberlieferung. -- Der Grundriss erweitert das herkoemmliche
Triklinienschema zu einem Gruppenbau. In der Mitte ein 53 m tiefer und 60
m breiter Ehrenhof (ehemals durch ein prachtvolles Gitter abgeschlossen),
in den Fluegeln je zwei Binnenhoefe, die gerade Gartenfront 160 m l., die
Seitenfronten 90 m. Der Aufbau ist 2teilig, da das 2. und 4. Geschoss sich
als Mezzanine voellig unterordnen. Von Risaliten wird massvoller Gebrauch
gemacht, auch die Dachlinien sind nicht sehr bewegt, im ganzen sollen die
Horizontalen herrschen. Die Einzelheiten vorzueglich im Grad des Reliefs
und in der Praezision der Zeichnung, barocke Ueppigkeit nur in der Kroenung
des Mittelbaus. Das beruehmte Treppenhaus bietet nur die Haelfte von
Neumanns ursp. Plan; die symmetrisch dazu gedachte zweite Treppe wurde ihm
von _Boffrand_ gestrichen; ausgefuehrt waere es weitaus die grossartigste
Treppenanlage der Welt geworden. -- Die Stuckdekoration ist von N. bis ins
einzelne vorgezeichnet. Seine erste Manier im rechten Fluegel, voll. 1737,
das meiste A. 19. Jh. umgeaendert. Im Spiegelsaal und Thronsaal beginnt
eine gewisse Hinneigung zum franzoesischen Louis XV., staerker wird sie in
der Salle des gardes. In der 1743 gew. _Kapelle_ verliert _Neumann_ die
fruehere Klarheit seiner Kunstsprache, eine eigentuemlich "schwuele,
ueberhitzte" Stimmung tritt ein. Die Gwbb. und ihre Widerspiegelung im Gr.
geben die Durchschneidung mehrerer Ellipsen. In den juengeren Raeumen
allmaehliche Wandelung des Stils. Die letzten 1805 ff. durch _N. A. de
Salins_ umgestalteten verkuenden den Sieg des Neuklassizismus. -- 1750-53
fuehrten _G. B. Tiepolo_ und sein Sohn _Domenico_ die weltberuehmten
Deckengemaelde im Treppenhaus und Kaisersaal aus; die uebrigen Maler waren
durchweg Deutsche. (Das Riesenbild des Treppenhauses, eine Huldigung fuer
den Fuerstbischof Karl Philipp v. Greifenklau, zu der der ganze Olymp und
alle vier Weltteile aufgeboten werden; im Kaisersaal Geschichte Friedrich
Barbarossas, dem das Bistum die Belehnung mit dem Herzogtum Franken
verdankt.) Kurz vor Tiepolo hatte _Joh. Zick_ die Decke des Gartensaales
gemalt, 1750. Unter den Bildhauern und Stuckateuren bemerkt man neben den
Deutschen (der beste war _Balthasar Esterbauer_) mehrere Italiener, die
Niederlaender _Jakob_ und _Wolfgang v. d. Auwera_, nur einen Franzosen,
_Cure_. Die unvergleichlich prachtvollen Schmiedearbeiten sind vom Tiroler
_J. G. Oegg_. Die aeltesten Stuckaturen im Ingelheimer Zimmer von
_Castelli_ 1724-28. Kaisersaal, Weisser Saal und andere Paradezimmer der
Ostfront von _Anton Bossi_, das Gruene Zimmer von _Materno Bossi_ 1770,
ebenso der schon zum Klassizismus uebergehende Fuerstensaal. -- 1765-70 die
Abrundung des Residenzplatzes durch die Arkaden und den "Gesandtenbau" von
_J. Geigel_; der korrespondierende "Rosenbachsche Hof" auf der NSeite ist
aelter (vielleicht von _Greising_). Die dekorative Plastik im Treppenhaus
und spaeter die im Garten von _J. P. Wagner_.
*Wohnbauten*. Aus Ma. wohl manche Mauerreste, aber keine sich augenfaellig
machende Formen; gut, wenn auch nicht zahlreich vertreten die Renss. des
16. und 17. Jh., ganz hervorragend das 18. Jh.
_Adelshoefe der Renss._: Curia Tannenberg am Paradeplatz 1575. Das jetzige
bischoefl. Palais, frueher Echterscher Hof, A. 17. Jh., gegen Herrengasse 8
reicher Erker, in der Hauskapelle Alabasteraltar von _Mich. Kern_. Von
demselben Meister der Kressenhof, jetzt Wittelsbacher Hof, Marktplatz 1.
Der Sandhof, nach 1595 (jetzt stark veraendert), reizvoll, namentlich die
Hofarchitektur; die Stuckdecke mit St. Georg nur Teil einer einst
umfassenden Dekoration [Stuecke im Nat.-Mus. Muenchen]. Ehrmannsches Haus
Augustinerstr. 1, im Hof Fachwerk mit ausgezeichnet schoenen Schnitzereien
1547. Ein anderes reiches Fachwerkhaus, in den Schnitzereien stark unter
Einfluss von Steinformen, das Bachmannsche Haus von 1634, Neubaustr. 2.
Seebachhof Domerschulgasse 3 mit got. Kapelle. Heidecker Hof ebenda 1 von
1626. Hof zum Kalb, Ebrachergasse 2. Hotel zum Schwan; Hof zum wilden
Schweinskopf, Paradeplatz 2; Martinsgasse 1 mit schoenem Eckerker aus dem
17. Jh.
_Barock_. Seit E. 17. Jh. Von _Petrini_ oder unter seinem Einfluss:
Marktplatz 2, ao. 1685, Musikschule 1680-90, Pleicherschulhaus 1695. Von
_Greising_ mehrere Haeuser der Neubaustrasse, no 6, 8, 10, 12 von 1716, no
14 veraendert 1736, im Innern stattliche Treppen mit geschuetztem Gelaender
und Stuckdecken. Curia Grossburkstadt 1716 in der Heinestr. 5, daneben 7
und 9 ao. 1721. Glockengasse 5 ao. 1718.
_Rokoko_. Von _Neumann_ oder unter seinem Einfluss: sein eigenes Haus (Hof
Oberfrankfurt) in der Franziskanergasse; Haus des Hofkanzlers v. Fuehler,
Bronnbachergasse 8, anno 1724. Huttenschloesschen 1725, in der
Sanderglacisstr. wiederaufgerichtet. Hof Marmelstein Domerschulstr. 2 ao.
1747. Damenstiftshaus (jetzt Stadttheater) 1750. Hotel de Russie.
Jagdzeughaus Zellerstr. 40. Eine ganze Reihe von Haeusern in der
Theaterstr. (2, 3, 4, 6, 8, 10) 1738-50. Dagegen hat das Haus zum Falken
(Marktplatz 9) mit Neumann nichts zu tun; stuckierte Fassadendekoration
von glaenzender Munterkeit, echt deutsche Fassung des Rokoko.
_Im Uebergang zum Klassizismus_: Domstr. 19. Bahnhofstr. 11.
*Votivstatuen und Reliefs* an Privathaeusern noch in grosser Menge erhalten;
keine andere Stadt Deutschlands (ausser Mainz) kann sich darin mit Wuerzburg
messen; gute got. Exemplare Augustinergasse 13, ca. 1390, Eichhornstr. und
Johanniterstr. ca. 1410; die grosse Masse bar. und rok., die besten von
juengeren Mitgliedern der Familie _v. d. Auwera_.
*Brunnen* auffallenderweise erst aus 18. Jh. Der groesste der
_Vierroehren-Br._ 1766 von _Lucas v. d. Auwera_, recht "zopfig". In
anmutiger Maskereinatuerlichkeit der _Fischer-Brunnen_ am Fischmarkt und
der _Baecker-Br._ in der Semmelgasse, beide von _Michael Daniel Koehler_
{~DAGGER~} 1778. _Dreikronen-Br._ 1779. Ceres-Br. um 1790, von _Nickel_.
*Luitpold-Museum* mit wichtigen Resten Wuerzburger Plastik.
*Universitaets-Bibliothek*. Fruehromanische Elfenbeinreliefs,
Bilderhandschriften, Skizzenbuch _Balthasar Neumanns_.
*Universitaets-Sammlungen*, wichtig fuer fraenkische Plastik und Malerei.
_WURZEN._ K Sachsen AH Grimma.
*"Dom"*. Den aeltesten Teil der langgestreckten Anlage (63 m) bildet im W
eine sprom. Pfeilerbasilika von 3 spitzbg. Arkaden, urspr. flachgedeckt,
im ganzen aehnlich der Frauen-K. zu Grimma. Erweiterungen 13., 14., 16.
Jh., neugot rest. 1817. -- _Steinstatuen_, zum Chorbau von 1513 gehoerig,
jetzt im Lhs.
*Schloss* 1491.
_WUeSTHEUTERODE._ Pr. Sachsen Kr. Heiligenstadt.
*Dorf-K.* (kath.) 1804. Gewoelbter Quaderbau, noch ganz in dem
herkoemmlichen Eichsfelder Bar. Typus.
_WYHRA._ K. Sachsen AH Borna.
*Dorf-K.* Einheitlicher Bau von 1494; die auch fuer das Lhs. (1sch.
3jochig) beabsichtigten Gewoelbe nur im Chor (eingezogen 2 Joche und 5/8
Schluss) zur Ausfuehrung gelangt.
_Z_
_ZABELSTEIN._ UFranken BA Gerolzhofen.
*Burgruine* aus 13. Jh., ehedem bedeutend, nach Beschaedigung im
Bauernkriege 1586 von Bischof Julius erneuert, jetzt nur spaerliche Reste.
_ZAHNA._ Pr. Sachsen Kr. Wittenberg.
*Stadt-K.* Rom. Granitquaderbau, urspr. 3sch., jetzt 1sch. kreuzf. Von den
urspr. 3 Apsiden 1 erhalten. Am Qsch. Granitportale. Im W rck. Turm, unten
Granit, oben got. Backstein.
_ZEHISTA._ K. Sachsen AH Pirna.
*Schloss*; erb. im 16. Jh., daher einige Volutengiebel; umgebaut 1736 vom
Gf. Bruehl.
_ZEIGERHEIM._ Schwarzb.-Rudolst. LA Rudolstadt.
*Dorf-K.* Beg. rom., Sch. und quadr. Chor, ueber welchem der Turm, wie oft
ueblich im Gebiete der Saale. Frgot. umgestaltet; Chor verlaengert und beide
Joche mit spitzbg. Tonnengwbb.; Hauptgesims aus Werkstein, an den Ecken
des O- und WGiebels zu Ohren verkroepft. Das suedl. Fenster des oestl.
Chor-Joches erweitert mit Masswerk der Hochgotik. Bmkw. hoelzerne Emporen
des Sch. 1715. -- Guter _Schnitzaltar_ um 1490, vom Saalfelder "Meister der
Baldachine". -- _Glocke_ 1499.
_ZEIL._ UFranken BA Hassfurt.
*Stadt-K.* 1713 mit Beibehaltung des got. Chorturmes (nunmehr W). Im Chor
reiches _Deckengemaelde_ von _J. P. __ Herrlein_ 1761. _Altaere_ um 1730. --
_Glocke_ 1379, eine zweite A. 14. Jh.
*Golgatha-Kap.* mit grosser Kreuzigungsgruppe unter einem von 4 Sll.
getragenen Dach, 1623.
*Rathaus* 17. Jh. 2 Steingeschosse, oberstes in Fachwerk.
*Rentamt* (vorher bischoefl. bambergisches Jagdschloss) erb. von Lothar
Franz v. Schoenborn gegen 1700.
Mehrere gute *Fachwerkhaeuser*. No 126 von 1689 mit besonders reichem
Schnitzwerk (aehnliches in Koenigsberg i. Fr.).
_ZEILFELD._ Sachsen-Meiningen Kr. Hildburghausen.
*Dorf-K.* 1734 im Anschluss an die fuer diese Gegend typische ma. Anlage,
1sch. Lhs. mit eingezogenem quadr. Chor, darueber Turm. -- _Altarwerk_ A.
16. Jh.
_ZEILITZHEIM._ UFranken BA Gerolzhofen.
*Pfarr-K.* 16. Jh. mit originaler bemalter Holzdecke.
*Schloss* des spaeten 17. Jh., eine der fruehesten fraenkischen Bauten der
Familie Schoenborn. 4fluegelig um einen quadr. Hof. Innen einige sehr
vornehm dekorierte Zimmer.
_ZEITHAYN._ K. Sachsen AH Grossenhain.
*Dorf-K.* 1595, im Chor Tonnengwb. mit Rippennetz. -- Schleinitzsches
_Wandgrab_ 1698, die gut charakterisierte Bildnisfigur in reicher
Umrahmung von Marmorsll. _Doppelgrab_ 1620.
_ZEITZ._ Pr. Sachsen Kreisstadt.
*Pfarr-K. S. Michael*. Die OWand des Qsch., der Apsidenbogen und der
Unterbau der 2 WTuerme fruehrom. Fuer das letztere, in Thueringen durch kein
aelteres Beispiel beglaubigte Motiv ist das Fehlen genauerer Datierung
besonders zu bedauern. Langhaus, Chor und Stirnwaende des Qsch. fruehgot.
gegen 1300. Die schmalen Fenster zu je 2 gruppiert. Aus dieser Zeit die
bmkw. _Wandgemaelde_ des Chors mit Stuckauftrag an Nimbus und Gewandsaeumen.
Von den einst 12 Kolossalfigg. (2-3 m hoch) sind 7 wiederhergestellt. --
Spaetgot. Umbau als Hallen-K. nach der Zerstoerung durch die Hussiten 1429.
Spaetgot. Wandgemaelde, darunter _Totentanz_. Uebermalt mit einem kolossalen
_S. Christophorus_. Die Gemaeldespuren im Qsch. fruehgot. In der Sakristei
guter bar. _Oelberg_.