Der Armenier Jakob, der in Indien als „Jacob of Simla“ allgemein
bekannt wurde, war ein häßlicher Troll mit pockennarbigem Gesicht
und alles andere als anziehend. Vielleicht hat seine mysteriöse
und suggestive Art zu sprechen ihm seine allerdings nur kurzen
Erfolge gebracht, obgleich ein einigermaßen normaler Mensch seinen
Phantastereien keinen Glauben schenken konnte. Er war eben ein
Armenier, Angehöriger einer Rasse, von der man in Indien sagt, daß
ihr, wenn sie wegen Geschäften oder in Kriegen auf der Bildfläche
erscheint, weder ein „Bania“ (indischer Wucherer) noch ein Jude,
noch ein Grieche gewachsen sei. Leider hat sich dieses indische Wort
bei Jakob nicht so recht bewährt, weder hinsichtlich des „Imperial
Diamants“, noch in einem Geschäft mit dem Maharadscha von Kapurthala.
In beiden Fällen erlitt das Prestige der Gerissenheit der armenischen
Handelsleute einen schweren Stoß. Dort ohne „Bania“, Juden oder
Griechen, einfach durch die kluge Diplomatie eines englischen Beamten,
hier durch die Gewissenhaftigkeit eines Deutschen.
Das Geschäft, das Jakob in Kapurthala vorschlug, war, daß der
Maharadscha ihm sein letztes Besitztum, ein Landhaus in Simla, abkaufen
sollte. Jakob setzte alles auf diese Karte. Sonst hatte er kein
Vermögen mehr, und selbst das Haus in Simla war nicht hypothekenfrei.
Er kam zum Maharadscha, um eine neue Anleihe darauf aufzunehmen, und
wußte ihm mit Worten so zuzusetzen und ihn sogleich so gut am rechten
Fleck zu fassen, daß er -- abergläubisch, wie nun indische Fürsten
einmal sind -- sich gleich für den Kauf des Hauses zu interessieren
begann.
Schon glaubte Jakob sich gerettet, besonders wenn er unserem
Finanzminister noch ein gehöriges Trinkgeld zukommen ließ. Bei
Gelegenheit eines Besuches vergaß er daher eine Tausendrupiennote bei
ihm, alles, was er eben flüssig machen konnte, und versprach außerdem
eine weitere ansehnliche Provision nach Kaufabschluß.
Der Minister sagte feierlichst zu, was an ihm sei nicht zu verfehlen,
damit der Kauf zustande komme, und Jakob reiste guten Mutes ab.
Bald darauf wurde ich, der ich damals erst kurze Zeit in der
Staatsstellung zu Kapurthala war, zur Inspektion des Hauses beordert.
Der Wahrheit gemäß berichtete ich, daß es in gutem Zustande, gut
möbliert und allem Anschein nach auch mit einigen orientalischen
Seltenheiten ausgestattet sei. Aber warum sollte der Maharadscha dieses
Haus in Simla kaufen, da er doch am gleichen Orte schon ein anderes
besitze? Und selbst das benutze er nicht, sondern zöge es vor, im
Hotel abzusteigen! Die orientalischen Kuriositäten hätten für ihn, der
sich viel mehr für europäisches Kunstgewerbe interessiere, doch kaum
besonderen Wert. Und zum Schluß wäre das Geld für die bevorstehende
Reise nach Europa besser zu verwenden.
Dies alles trug ich dem Maharadscha vor. Der letzte Punkt gab den
Ausschlag, und der Kauf zerschlug sich. Ob dieser üblen Nachricht war
Jakob sehr niedergedrückt. Er glaubte bemerken zu dürfen, daß er wohl
das Trinkgeld dem unrichtigen Beamten zugespielt habe, was ihm aber
eine echt deutsche Zurechtweisung eintrug.
War es mehr als meine Pflicht und Schuldigkeit gewesen, die Interessen
des Maharadscha zu wahren, und hatte nicht der erfahrene Jakob ganz
genau gewußt, daß der britische Sirkar bei der Wohnungsnot in Simla,
und der Schwierigkeit, für Dschagatdschit Singh überhaupt die Erlaubnis
zu erhalten, in Simla zu erscheinen, dem Maharadscha von Kapurthala
niemals ein zweites Besitztum dort gestattet haben würde?
Was aber das Auftreten Jakobs in den Werken Kiplings anlangt, wo er als
Surkan Sahib die Rolle eines bedeutenden Beamten im britisch-indischen
politischen Geheimdienst spielt, so nehme ich an, daß Jakob ebenfalls
durch seine Redensarten großen Eindruck auf den etwas leichtgläubigen
Kipling gemacht hat. Daß er in Wirklichkeit dem britischen Sirkar als
Geheimagent wertvolle Dienste geleistet hätte, ist mir ganz unbekannt.
Jakob selbst hat mir nie davon gesprochen.
Sollte der Sirkar ihm wirklich wegen der Entdeckung von Verschwörungen
und ähnlichem zu Dank verbunden gewesen sein, so hat er ihm mit dem
Prozeß in Haiderabad schlecht gelohnt. Als er am Bettelstab war, hat
ihm der Sirkar keinen Penny Unterstützung zukommen lassen. Von dem
Nisam von Haiderabad dagegen erhielt er einen monatlichen Zuschuß von
fünfhundert Rupien.
[Illustration: Heilige Affen in Mathura