Indische Menschen

Als der berühmte amerikanische Schriftsteller Mark Twain Indien

besuchte, traf ich mit ihm in Gwalior zusammen. Auf den humorvollen

Spott, der seine Bücher besonders charakterisiert, anspielend,

fragte ich ihn im Laufe unserer Unterhaltung, wie er wohl glaube,

den indischen Verhältnissen und den indischen Menschen in dieser

seiner besonderen Weise gerecht werden zu können; denn trotz meiner

langjährigen Anwesenheit in Indien und meines ständigen Verkehrs

mit Indern wäre mir noch nie irgend etwas, das mit Humor auch nur

verwechselt werden könne, zur Kenntnis gekommen.

Mark Twain überlegte meine Worte in seiner ruhigen Art und gab mir dann

zu, daß er selbst noch keinen Weg sehe, die indische Welt irgendwie

in humorvollen Darstellungen dem europäischen oder amerikanischen

Verständnis näher zu bringen. Aus den Erzählungen von Leuten, die wie

ich viele Jahre in Indien gelebt hätten, und aus den Beobachtungen

seines eigenen Aufenthaltes habe er so viel Unergründliches gesehen und

wahrgenommen, daß er es nicht wagen würde, die so sonderbaren Umstände

und die von der unseren so ganz verschiedene Auffassung und Denkweise

auf seine Art zu schildern. Ihm selbst beginne klar zu werden, daß,

je länger man in Indien lebe und je enger man mit der eingeborenen

Bevölkerung in Berührung komme, man destomehr begreifen lernen müsse,

wie auch in dem seltsamsten Tun und Treiben dieser Menschen, von ihrem

eigenen Standpunkte aus, sicherlich nichts Außergewöhnliches zu finden

sei. Alles Sonderbare dort, was unserem Gefühl und unserer Ansicht

nach oft kaum noch mit dem Maßstab gesunder Vernunft gemessen werden

könne, werde, im Winkel indischer Verhältnisse gesehen, wenn auch nicht

für uns natürlich, so doch verständlich, da die ganzen Grundlagen des

indischen Lebens uns beständig neue, fremdartige und unbegreifliche

Ausblicke erschlössen.

Zwanzig Jahre an Indischen Fürstenhöfen · 第 54 / 85 题