Pferdeschau

Wie Selbstsucht und Gewinngier von oben bis unten in allen Schichten

der Bevölkerung vorhanden sind, konnte ich wie in einem Brennpunkt in

Kapurthala beobachten.

Alljährlich fand dort eine landwirtschaftliche Ausstellung statt, bei

der unter anderen auch den Besitzern des besten Pferdematerials Prämien

zuerkannt wurden, die der Maharadscha in höchsteigener Person nicht zu

verteilen, sondern äußerst würdevoll den ihm genannten Preisträgern in

einem Leinewandsäckchen vor die Füße zu werfen pflegte.

Am Anfang meiner Tätigkeit gehörte ich, sowie zwei englische

Tierärzte, zu dem Preisrichterkollegium dieser Pferdeschau. Jedoch,

wir mußten uns sehr bald überzeugen, daß die Prämien niemals den

Besitzern der von uns prämiierten Pferde übergeben wurden, sondern

stets irgendeinem Anverwandten der Beamten des Maharadscha. Sie

verstanden es, ohne daß wir es zu hindern vermochten, ihre Leute, die

oft überhaupt kein Tier besaßen, dem Maharadscha im Augenblick der

Verteilung vorzuführen, der das Geld, ohne die Empfänger auch nur

anzusehen, ihnen zuwarf.

Trotz entschiedener Vorstellungen, die ich bei Dschagatdschit Singh

erhob, und die ihn auch dazu brachten, mir bessere Beachtung unserer

Preisurteile zuzusichern, spielte sich dieselbe Szene jedes Jahr in

aller Lächerlichkeit ab. Der Maharadscha glaubte, sich durch die

wegwerfende Behandlung seiner Untertanen in den Augen der anwesenden

europäischen Gäste, die ihn auf seinem Zeltsessel, im Glanze seines

indischen Herrschertums, bewunderten, ganz besonders eindrucksvoll zu

benehmen. Zum Schluß hielten die englischen Tierärzte es für unter

ihrer Würde, diese Komödie weiter mitzuspielen, und blieben der Schau

fern. Ich als Deutscher sah keinen Grund, trotzdem ich Beamter des

Maharadscha war, ihrem Beispiel nicht zu folgen.

Selbstverständlich verursachte dieses unser Nichterscheinen endlosen

Klatsch unter der klatschlustigen Bevölkerung des Städtchens, was den

anderen Beamten des Maharadscha, die nun allein mit ihren Kenntnissen

Preisrichter spielen mußten, aus vielen naheliegenden Gründen wenig

lieb war. Daher verfiel man auf einen kleinen, echt indischen Streich,

mit dem man mich bei Dschagatdschit Singh unmöglich zu machen gedachte.

Ich war während der Tage der sogenannten Pferdeschau von Kapurthala

nach Amballa zum Rennen gefahren. Diese Gelegenheit wurde benutzt, um

zwei meiner eigenen Pferde den Richtern vorzuführen. Da sie natürlich

an Rasse und Pflege die Tiere der armen Landbevölkerung weit überboten,

wurden ihnen die höchsten Preise zuerkannt.

Seiner Gewohnheit getreu, nur auf seine orientalische Potentatenwürde

zu achten, bemerkte der Maharadscha nicht, wer den Preis einheimste

und kümmerte sich überhaupt nicht darum, wem er die ihm überreichten

Leinwandsäckchen zuwarf. So konnte ein Bengale, ein Babu, der als

Beamter in meinen Diensten stand, sich der Preise bemächtigen. Man

beabsichtigte, dem Maharadscha die Angelegenheit so darzustellen, als

ob ich selbst, um der Preise willen, meine Pferde ausgestellt habe und

mich aus diesem Grunde nicht als Preisrichter blicken ließe. Zum Glück

erhielt ich gleich nach meiner Rückkehr aus Amballa Kenntnis von dem

Anschlag und konnte mich bei dem Maharadscha über die Angelegenheit

beklagen, ehe noch die ehrenwerten Preisrichter Gelegenheit hatten, den

wohleingefädelten Plan zu vollenden und ihre Darstellung des Vorfalles

dem Fürsten glaubhaft zu machen.

Um einiger Rupien willen wurde so der ganze Staatsapparat von

Kapurthala in Bewegung gesetzt; alle, vom Maharadscha in seiner

pomphaften Würdesucht bis zu den niedrigsten Stallburschen, waren

mittelbar oder unmittelbar daran beteiligt, eine in ihren wirklichen

Zwecken durchaus nützliche und richtige Angelegenheit, wie die

Pferdeschau, in ihr gerades Gegenteil zu verkehren. Echt indisch muß

alles der Geldgier und der Eitelkeit dienen, ohne jede Rücksicht oder

Verständnis für die wirklichen Erfordernisse des Landes.

Die Prämien, die den armen und bedrückten Bauern zugute kommen sollten,

und die trotz ihrer verhältnismäßig geringen Höhe für diese Leute ganz

bedeutende Summen vorstellten, wurden irgendeinem nichtsnutzigen faulen

Beamten in die Hände gespielt.

Zwanzig Jahre an Indischen Fürstenhöfen · 第 49 / 85 题