Obgleich zur kalten Jahreszeit große Züge Wildenten, besonders in den
Nordwest-Provinzen Indiens einfallen, so ist es doch nicht leicht, zum
Schuß auf sie zu kommen. Mit großer Vorsicht suchen sie die Mitte der
Gewässer auf oder die Nähe von Ufern, die von jedem Gebüsch entblößt
sind. Bei der geringsten Gefahr steigen sie auf und gehen schnell so
hoch, daß sie auch für ein Rohr Nr. 4[7] nicht mehr erreichbar sind.
Lockvögel, die ich aus Europa kommen ließ, verfehlten ihren Zweck. Die
Wildente in Indien schien ihnen nicht zu trauen. Vielleicht auch, weil
sie in so großer Zahl zusammenbleiben.
Die einzige Möglichkeit, mit der Aussicht auf eine größere Strecke
auf sie zum Schuß zu kommen, bietet der indische Treibfalke. Nachdem
die Jäger sich um das Gewässer verteilt haben, läßt der eingeborene
Jagdgehilfe einen oder zwei Falken steigen. Sobald die Enten --
seltener findet man, und nur auf den großen Flüssen, Gänse -- den
Raubvogel bemerken, fliegen sie auf und umkreisen in geringer Höhe
die Wasserfläche. Bevor nun der Falke sich sein Opfer gewählt hat
und darauf niedergestoßen ist, werden die über dem Wasser unruhig
durcheinanderfliegenden Tiere von den Jägern beschossen. Während dieser
kurzen Zeit können bei der großen Zahl der Züge hunderte von Enten
erlegt werden.
Hat der Falke sein Opfer in den Fängen und bereitet sich vor, es zu
verzehren, so eilt der Wärter auch schon herbei und streift ihm die
Augenkappe über. Manchmal verfehlt der Falke sein Ziel, in welchem
Falle er nicht wieder in die Höhe steigt, sondern sich beschämt auf
einem benachbarten Felde niederläßt, von wo ihn sein Wärter durch Rufe
und unter dem Schwenken eines an einem Strick befestigten Entenflügels
herbeilockt. Nur selten geschieht es, daß er diesem Rufe nicht folgt.
In diesem Falle muß er eingefangen werden, wobei man die Stelle, an der
er sich befindet, an dem Tönen einer kleinen Schelle erkennt, die ihm
angeschnallt ist.
Die Kaste der Bauri und ebenso die Bhils, eine arme, verachtete Klasse
der Landarbeiter, jagen Enten auf eine einfachere Art. Da in der
kalten Jahreszeit die meisten Gewässer nur wenig Wasser haben, macht
der Bauri oder der Bhil sich auf, sie mit der Hand zu fangen. Nachdem
er die Stelle erkundet hat, wo ein größerer Zug Wildenten eingefallen
ist, bewaffnet er sich mit einem großen, irdenen Topf, dessen Seiten
von Löchern durchbrochen sind, und befestigt einen Sack an seinem
Gürtel. Am Wasserrande angelangt, stülpt er sich den Topf über den
Kopf und watet, bis an die Schultern sich im Wasser haltend, langsam
und vorsichtig auf die Entenschar zu. Durch Behutsamkeit und Erfahrung
gelingt es ihm, mitten unter sie zu gelangen. Dann ergreift er eine
nach der andern bei den Füßen, zieht sie mit raschem Griff unter die
Oberfläche und erstickt sie lautlos, um sie in den Sack an seinem
Gürtel zu stecken. Auf den Märkten der Nordwest-Provinzen erhält er
nicht mehr als 2 Anna oder 30 Pfennig für die so gefangene Ente, weil
auf diese Art erlegtes Geflügel in Indien nicht besonders geschätzt
wird.