Wissen Sie sonst noch etwas?«

Da sagte er, ob sie denn Wilhelm Raabe nicht kenne und Gottfried

Keller, und Mörike und –, er besann sich einen Augenblick, weil ihm

so viele auf einmal einfielen, die er ihr sagen wollte, er sah wie in

einen Garten hinein und wußte nicht, was zuerst brechen, – da lachte

sie ihm hell dazwischen hinein.

Sie legte die Hände an die Ohren, aber so, daß man die kleinen

Diamanten noch sah, die in den hübschen Ohrläppchen steckten.

»Ach, hören Sie auf,« rief sie, »das können Sie einem doch nicht im

Ernst zumuten, daß man das liest. Überhaupt, die Deutschen, was haben

sie denn? Sie sind so langweilig, zahm und langweilig, das sind sie.«

Da fühlte er, daß er grob werden müsse und brach die Sitzung ziemlich

kurz ab. Vielleicht war er es auch geworden, das kann man bei ihm nicht

sicher wissen. Jedenfalls ließ er die hübsche Frau, denn das war sie

trotz alledem, in einigem Staunen zurück.

Ja, also so lag sie jetzt jedenfalls auch da oben, es war ihm, als ob

er durch die Wände sähe.

»Komm, Ellen,« sagte er. »Wir gehen spazieren, wir brauchen sonst

niemand dazu.«

Da gingen sie zuerst durch die lange, schmale Hauptstraße von Nervi

hin, an den vielen Läden vorbei und beredeten, was sie alles kaufen

wollten, wenn sie Geld hätten, und machten aus, wenn einmal das

Geldschiff komme, dann sollten alle, die sie zu Haus gelassen hätten,

etwas ganz Schönes kriegen und außerdem Ellen noch ein Eselsfuhrwerk.

»Kommt es denn einmal?« fragte Ellen, und er sagte, daß man so etwas

nie ganz gewiß wissen könne, daß sie aber nun zuerst die Frau Eidechse

besuchen wollten.

Die Frau Eidechse wohnte in einer Mauerritze, ganz weit draußen an der

Strandmauer, da, wo der rote stachelige Kaktus blühte hoch über dem

Meer.

Sie mußten durch ein schmales Gäßchen hinunter, das war links und

rechts aus hohen, steinernen Gartenmauern gebildet. Oben sahen die

dunkelgrünen Zypressen und Pinien und die silberigen Olivenbäume

herüber, was aber sonst noch dahinter war, das konnte kein Mensch

wissen. Das war das Allergeheimnisvollste, was es geben konnte, so ein

Garten hinter einer steinernen Mauer.

Sie gingen aber schnell durch das Gäßchen hindurch, sie wollten es gar

nicht wissen, was dahinter sei, denn von unten her glänzte schon das

Meer herauf.

Da lag es in der Sonne und da lag auch die Strandmauer.

»Guten Tag, Frau Eidechse, Sie werden höflich zu einem Konzert

eingeladen,« sagte er.

Sie war aber nirgends sichtbar.

»Sie hat noch im Haus zu tun bei den Kindern. Ist auch gut, so fangen

wir einmal an.«

Da fing er an zu pfeifen. Denn pfeifen, das konnte er trotz des

Halsleidens, das schadete nichts. Er hatte sich darin zu einer gewissen

Virtuosität ausgebildet. »Was soll ich pfeifen, Ellen?«

Sie kannte sein Repertoire gut. »O du lieber Augustin,« sagte sie

unverweilt.

Wanderschuhe und andere Erzählungen · 第 20 / 27 题