Die Juden beschuldigen uns des Hasses gegen sie und dazu noch eines
Hasses aus Vorurteilen. Da also von Vorurteilen die Rede ist, will ich
zuerst fragen: hat der Jude gegen den Russen etwa weniger Vorurteile als
der Russe gegen den Juden? – oder sollte er ihrer nicht doch noch mehr
haben? Ich habe Briefe von Juden erhalten, und zwar nicht von einfachen,
sondern von gebildeten Juden – und wieviel Haß gegen die „autochthone
Bevölkerung“ ist doch in diesen Briefen! Das auffallendste aber – sie
bemerken es selbst nicht einmal, daß sie gehässig schreiben.
Ein Volk, das vierzig Jahrhunderte auf der Erde existiert, also fast
seit dem Anfang der historischen Zeitordnung, und noch dazu in einem so
festen und unzerstörbaren Zusammenhang, ein Volk, das so oft sein Land,
seine politische Unabhängigkeit, seine Gesetze, wenn nicht gar seinen
Glauben verloren hat, – und sich noch jedesmal wieder vereinigen, sich
in der _früheren Idee_ wiedergebären, sich Gesetze und fast auch den
Glauben von neuem hat schaffen können, – nein, ein so zähes Volk, ein so
ungewöhnlich starkes, energisches, solch ein in der ganzen Welt
beispielloses Volk hat nicht ohne _status in statu_ leben können. Und
diesen _status_ hat es überall und während der schrecklichsten
tausendjährigen Verfolgungen aufrechterhalten. Doch ich will hier
keineswegs, indem ich vom _status in statu_ rede, eine Anklage gegen die
Juden erheben. Ich frage nur: worin besteht denn dieser _status in
statu_, worin seine ewige, unveränderliche Idee, und worin das Wesen
dieser Idee? Allerdings lassen sich Fragen von solcher Größe nicht in
einem kurzen Artikel genügend auseinandersetzen, abgesehen davon, daß
dies auch aus einem anderen Grunde ganz unmöglich wäre: noch ist die
_Zeit_ für das endgültige Urteil über dieses Volk nicht gekommen, trotz
der verflossenen vierzig Jahrhunderte; noch steht das letzte Wort aus,
das die Menschheit über dieses mächtige Volk zu sagen hat. Aber auch
ohne in das Wesen der Sache einzudringen, kann man doch wenigstens
einige, wenn auch nur äußerliche Kennzeichen dieses _status in statu_
angeben. Diese Kennzeichen sind: die bis zum religiösen Dogma erhobene
Absonderung und Abgeschlossenheit von allem, was nicht Judentum ist, und
die Unverschmelzbarkeit mit anderen Völkern, der Glaube, daß es in der
ganzen Welt nur ein einziges persönliches Volk gibt – die Juden –, und
die Überzeugung, die anderen Völker, wenn sie auch vorhanden sind, doch
so behandeln zu müssen, als ob sie nicht vorhanden wären. „Scheide dich
aus von den Völkern und bilde deine Besonderheit und wisse, daß du von
nun ab _allein bei Gott_ bist. Die anderen vernichte oder mache sie zu
deinen Sklaven oder beute sie aus. Glaube an deinen Sieg über die ganze
Welt, glaube, daß alles dir untertan sein wird. Alle anderen Völker
sollst du verabscheuen und mit keinem von ihnen Umgang pflegen. Und
selbst wenn du dein Land und deine politische Persönlichkeit verlierst,
selbst wenn du über die ganze Erde hin unter alle Völker verstreut sein
wirst – gleichviel: glaube an all das, was dir verheißen ist, ein für
allemal, glaube, daß es also geschehen werde, – inzwischen aber lebe,
verachte, beute aus und – erwarte, erwarte, erwarte ...“ Das ist die
Quintessenz dieses _status in statu_. Außerdem gibt es natürlich noch
innere und geheime Gesetze, die diese Idee lebendig erhalten.
Sie sagen, meine gebildeten Herren Israeliten und Gegner, daß dieses
nichts als Unsinn sei, und: „... Wenn es auch einen _status in statu_
gibt, – das heißt, selbstverständlich: früher einmal einen gegeben hat,
von dem jetzt vielleicht noch schwache Spuren vorhanden sein mögen, – so
haben einzig die Verfolgungen aller Zeiten und besonders des
Mittelalters zu ihm geführt; folglich ist dieser _status in statu_
ausschließlich aus dem Trieb der Selbsterhaltung entstanden; setzt er
sich auch heute noch fort, besonders in Rußland, so geschieht das nur,
weil der Israelit hier noch nicht dieselben Rechte genießt wie der
Russe.“ Ich aber glaube, daß er, selbst wenn er die gleichen Rechte
hätte, doch auf keinen Fall seinem _status in statu_ entsagen würde. Den
_status in statu_ nur den Verfolgungen und dem Selbsterhaltungstrieb
zuzuschreiben, geht meiner Meinung nach nicht an. Die Widerstandskraft
zur Selbsterhaltung würde dann doch nie und nimmer für ganze vierzig
Jahrhunderte ausgereicht haben. Selbst die größten und stärksten
Kulturen haben sich nicht einmal durch die Hälfte von vierzig
Jahrhunderten erhalten können und haben ihre politische Kraft und
selbständiges Volkstum in noch kürzerer Zeit eingebüßt. Hier ist nicht
die Selbsterhaltung die erste Ursache, sondern eine Idee, die mit sich
fortreißt, die leitet und erhält; hier handelt es sich um etwas
Weltbeherrschendes und Ewiges, worüber das „letzte Wort“ zu sagen die
Menschheit vielleicht noch gar nicht fähig ist. Daß der religiöse
Charakter in dieser Idee das Übergewicht hat – darüber kann kein Zweifel
bestehen. Es ist doch klar, daß der Fürsorger dieses Volkes unter dem
Namen des früheren alten Jehova fortfährt, mit seinem Ideal und seiner
Verheißung sein Volk zum festen Ziele zu führen. Es ist ja ganz
unmöglich, wiederhole ich, sich einen Juden ohne Gott vorzustellen, oh,
und ich glaube auch nicht an gebildete jüdische Atheisten: alle sind sie
eines Wesens, und Gott weiß, was der Welt von der jüdischen Intelligenz
noch bevorsteht! Als Kind habe ich oft von den Juden sagen hören, daß
sie auch jetzt noch unverzagt ihren Messias erwarten, alle, wie der
niedrigste so der höchste von ihnen, der gelehrteste Philosoph wie der
kabbalistische Rabbiner; daß sie alle glauben, ihr Messias werde sie
wieder in Jerusalem versammeln und alle Völker mit seinem Schwerte zu
ihren Füßen legen; daß nur aus diesem Grunde die Juden – wenigstens in
ihrer übergroßen Mehrzahl – bloß eine einzige Arbeit allen anderen
vorzögen: den Handel mit Gold und mit allem, was sich schnell in Gold
verwandeln läßt –, und daß sie dies nur deshalb täten, hieß es, um
dereinst, wenn der Messias kommt, kein neues Vaterland zu haben, nicht
durch Besitz an das Land Fremder gebunden zu sein, sondern ihr Hab und
Gut in Gold und Wertsachen mit sich führen zu können –
„Wenn erglänzt das Licht der Morgenröte
Und Cinellen, Cymbeln, Pauken und Schalmeien tönen –
Dann bringen wir nach Palästina
In den alten Tempel unsres Gottes
Alle Schätze, die wir haben:
Edelsteine, Gold und Silber“ ...
Ich habe das als Legende gehört, doch bin ich fest überzeugt, daß dieser
Glaube unbedingt vorhanden ist, vielleicht nicht bewußt im einzelnen,
wohl aber in Gestalt eines instinktiven, unbezwingbaren Triebes in der
ganzen Masse der Juden. Damit aber ein solcher Glaube lebendig bleibe,
ist es natürlich erforderlich, daß der _status in statu_ aufs strengste
erhalten werde. Und so wird er denn erhalten. Folglich ist und war nicht
nur die Verfolgung die Ursache des _status in statu_, sondern – die
_Idee_ ...
Haben aber die Juden wirklich solch ein besonderes inneres, strenges
Gesetz, das sie zu etwas Ganzem und Besonderem zusammenbindet, so kann
man ja noch über die Frage, ob man ihnen die volle Gleichberechtigung
mit dem eigenen Volke geben soll, nachdenken. Selbstverständlich muß
alles, was Menschlichkeit und Gerechtigkeit verlangen, für die Juden
getan werden. Doch wenn sie in ihrer vollen Rüstung und Eigenart, in
ihrer nationalen und religiösen Absonderung, im Schutze ihrer Regeln und
Prinzipien, die den Grundsätzen, nach denen sich bis jetzt die ganze
europäische Welt entwickelt hat, so durchaus entgegengesetzt sind, –
wenn sie bei alledem noch die vollständige Gleichberechtigung mit der
autochthonen Bevölkerung in _allen möglichen_ Rechten verlangen: bekämen
sie dann nicht, wenn man sie ihnen gewähren würde, bereits mehr als das,
was das autochthone Volk selbst hat, etwas, was sie _über_ letzteres
stellen würde? Hierauf wird man natürlich auf die anderen Fremdvölker in
Rußland hinweisen: „Die sind gleichberechtigt oder doch so gut wie
gleichberechtigt, wir Israeliten aber haben von allen Fremdvölkern die
geringsten Rechte, und das nur, weil man uns fürchtet, weil wir Juden,
wie es heißt, schädlicher als alle anderen Fremdvölker sein sollen. Doch
wodurch sind denn gerade wir Israeliten schädlich? Wenn unser Volk auch
einige schlechte Eigenschaften haben mag, so hat es sie doch nur, weil
das russische Volk selbst zur Entwicklung dieser Eigenschaften beiträgt,
und zwar einfach durch seine eigene Unwissenheit, durch seine Unbildung,
durch seine Unfähigkeit, selbständig zu sein, durch seine geringe
ökonomische Begabung. Das russische Volk verlangt ja selbst nach einem
Vermittler, einem Leiter, einem Vormund in den Geschäften, einem
Gläubiger, ruft ihn selbst und verkauft sich ihm freiwillig! Seht doch,
wie es in Europa ist: dort haben die Völker einen festen und
selbständigen Willen, eine starke nationale Entwicklung und Verständnis
für die Arbeit, an die sie von jeher gewöhnt sind – dort fürchtet man
sich auch nicht, den Israeliten dieselben Rechte zu geben! Hört man etwa
in Frankreich von einem Schaden, den der _status in statu_ der dortigen
Israeliten der französischen Nation verursachte?“
Allem Anschein nach ein starker Einwand; aber geht aus ihm nicht hervor,
daß die Juden es gerade dort gut haben, wo das Volk noch unwissend ist
oder unfrei oder wirtschaftlich wenig entwickelt, – daß es für sie also
gerade dort vorteilhaft ist, zu leben? Anstatt nun durch ihren Einfluß
das Niveau der Bildung zu heben, das Wissen zu verbreiten, die
wirtschaftlichen Fähigkeiten in der eingeborenen Bevölkerung zu
entwickeln, wie es die anderen Fremdvölker tun, haben die Juden überall,
wo sie sich niedergelassen, das Volk noch mehr erniedrigt und verdorben,
überall dort ist die Menschheit noch niedergebeugter, und ist das Niveau
der Bildung noch tiefer gesunken, hat sich noch schrecklicher
aussichtslose, unmenschliche Armut verbreitet, und mit ihr die
Verzweiflung. Man frage doch in unseren Grenzgebieten die eingeborene
Bevölkerung, was die Juden treibt, und was sie so viele Jahrhunderte
hindurch getrieben hat? Man wird nur eine einzige Antwort erhalten: „Die
_Unbarmherzigkeit_! ... Getrieben hat sie so viele Jahrhunderte bloß
ihre Gier, sich an unserem Schweiß und Blut zu sättigen.“ Die ganze
Tätigkeit der Juden in unseren Grenzgebieten hat bloß darin bestanden,
daß sie die eingeborene Bevölkerung in eine rettungslose
Abhängigkeit von sich gebracht haben, und zwar unter einer wirklich
bewunderungswürdigen Ausnutzung der Verhältnisse. Oh, in solchen
Angelegenheiten haben sie es immer verstanden, die Möglichkeit zu
finden, über _Rechte_ zu verfügen. Sie haben es immer verstanden, gut
Freund mit denen zu sein, von denen das Volk abhängt; in dieser
Beziehung wenigstens sollten sie doch über ihre _geringen Rechte im
Verhältnis zum russischen Volke_ nicht klagen. Sie haben ihrer bei uns
schon übergenug –, dieser Rechte über das russische Volk! Was in den
Jahrzehnten und Jahrhunderten aus dem russischen Volke dort geworden
ist, wo die Juden sich niedergelassen haben – davon zeugt die Geschichte
unserer russischen Grenzgebiete. Bitte jetzt irgendein anderes Volk von
den Fremdvölkern Rußlands zu nennen, das sich in dieser Beziehung mit
den Juden messen könnte? Man wird keines finden. In dieser Beziehung
behaupten die Juden ihre ganze Originalität, im Vergleich zu den anderen
Fremdvölkern Rußlands, und die Erklärung dieser Tatsache ist natürlich
in diesem ihrem _status in statu_ zu suchen, dessen Wesen gerade diese
Unbarmherzigkeit allem gegenüber, was nicht Jude ist, gerade diese
Verachtung jedes Volkes und jeder Rasse und jedes menschlichen Wesens,
das nicht Jude ist, ausmacht. Und was ist denn das für eine
Rechtfertigung, daß im Westen Europas die Völker sich nicht haben
besiegen lassen, und daß somit das russische Volk selbst die Schuld
daran trägt, wenn der Jude es knechtet? Weil das russische Volk in den
Grenzgebieten sich schwächer als die europäischen Völker erwiesen hat –
infolge seiner schrecklichen, viele Jahrhunderte langen politischen
Darniederlage –, nur deswegen soll man es also endgültig durch
Ausbeutung erwürgen, anstatt ihm zu helfen?
Und im übrigen – da sie auf Europa, auf Frankreich z. B., hinweisen:
auch dort ist dieser _status in statu_ wohl kaum so unschädlich gewesen,
wie es anfänglich scheinen mag. Das Christentum und seine Idee sinken
dort natürlich nicht durch die Schuld der Juden, sondern durch jener
Völker eigene Schuld, doch nichtsdestoweniger kann man auch in Europa
auf einen großen Sieg des Judentums, das viele früheren Ideen schon
durch seine Idee verdrängt hat, hinweisen. Oh, selbstverständlich hat
der Mensch zu allen Zeiten den Materialismus vergöttert und ist immer
geneigt gewesen, die Freiheit bloß in der Sicherstellung seiner selbst
durch „aus allen Kräften angesammeltes und mit allen Mitteln erhaltenes
Geld“ zu sehen und zu verstehen. Doch noch niemals sind diese
Bestrebungen so offen und so dogmatisch zum höchsten Prinzip erhoben
worden, wie in unserem neunzehnten Jahrhundert. „Jeder für sich und nur
für sich und alle Gemeinschaft zwischen den Menschen einzig für mich“ –
das ist das moralische Prinzip der Mehrzahl der heutigen Menschen[38]
und nicht einmal schlechter, sondern arbeitender Menschen, die weder
morden noch stehlen. Und die Unbarmherzigkeit zu den niedrigeren Massen,
der Verfall der Brüderlichkeit, die Ausnutzung des Armen durch den
Reichen – oh, natürlich ist das auch früher schon und überhaupt immer
gewesen, aber – aber es ward doch nicht zu einer Wahrheit und
Weltanschauung, sondern ist vom Christentum stets bekämpft worden! Jetzt
aber wird es im Gegenteil zur Tugend erhoben! So darf man wohl annehmen,
es sei nicht einflußlos geblieben, daß an den Börsen dort allenthalben
Juden herrschen, daß nicht umsonst _sie_ die Kapitale lenken, nicht
umsonst _sie_ die Kreditgeber, und nicht umsonst, ich wiederhole es,
_sie_ die Beherrscher der ganzen internationalen Politik sind!
Und das Ergebnis: ihr Reich nähert sich, ihr volles Reich! Es beginnt
der Triumph der Ideen, vor denen die Gefühle der Menschenliebe, der
Wahrheitsdurst, die christlichen und die nationalen Gefühle, und sogar
der Rassen_stolz_ der europäischen Völker sich beugen. Der Materialismus
triumphiert, die blinde, gefräßige Begierde nach _persönlicher_
materieller Versorgung, die Gier nach persönlichem Zusammenscharren des
Geldes, und – der Zweck heiligt das Mittel –: all das wird als höchstes
Ziel anerkannt, als das Vernünftige, als Freiheit, an Stelle der
christlichen Idee der Rettung einzig durch engste ethische und
brüderliche Vereinigung der Menschen. Man wird hierauf vielleicht
lachend erwidern, daß das keineswegs durch die Juden so gekommen sei.
Natürlich nicht durch die Juden allein; doch wenn die Juden in Europa
gerade seit der Zeit – da diese neuen Grundsätze dort den Sieg
davongetragen – die Oberhand gewinnen und gedeihen, sogar in dem Maße,
daß ihre Grundsätze zum moralischen Prinzip erhoben werden, so kann man
doch wohl sagen, daß das Judentum einen großen Einfluß gehabt hat. Meine
Gegner weisen immer daran hin, daß die Juden im Gegenteil arm sind, und
zwar überall, in Rußland nur noch ganz besonders; daß nur der kleine
Wipfel dieses Volksbaumes reich ist, die Bankiers und die Könige der
Börsen, von den übrigen aber fast neun Zehntel buchstäblich Bettler
sind, die sich für ein Stück Brot zerreißen und Maklerdienste tun, um
eine Kopeke zu erhaschen. Ja, das ist wahr, doch was sagt das
schließlich? Sagt das nicht gerade, daß sogar in der Arbeit der Juden,
daß sogar in ihrer ausbeutenden Tätigkeit selbst etwas Unrechtes,
Unnormales, etwas Unnatürliches ist, das seine Strafe bereits in sich
trägt? Der Jude verdient durch Vermittlergeschäfte, er – handelt mit
fremder Arbeit. Ein Kapital ist angesammelte Arbeit; der Jude schlägt
sein Kapital aus fremder Arbeit! Doch all das ändert bis jetzt noch
nichts an dem Gesagten: dafür erobern die reichen Juden immer mehr die
Herrschaft über die Menschheit und streben immer eifriger darnach, der
Welt ihr jüdisches Antlitz aufzudrücken und ihr jüdisches Wesen zu
verleihen. Spricht man über diese Eigenschaft der Juden, so sagen sie
immer, auch unter ihnen gäbe es gute Menschen. Herrgott! Handelt es sich
denn hier etwa darum? Ich spreche doch in diesem Fall nicht von _guten_
oder _schlechten_ Menschen. Und gibt es unter den Juden nicht
gleichfalls gute? War denn der verstorbene James Rothschild etwa ein
schlechter Mensch? Ich spreche doch nur im allgemeinen vom _Judentum_
und von der _jüdischen Idee_, die die ganze Welt ergreift, an Stelle des
„mißlungenen“ Christentums.
Doch es lebe die Brüderlichkeit!
Aber – was rede ich eigentlich, und wozu? Oder bin ich vielleicht
wirklich ein Judenhasser? Sollte es doch wahr sein, was mir eine
zweifellos gebildete und edle junge Israelitin schreibt – bin ich
wirklich, wie sie sagt, ein Feind dieses „unglücklichen“ Volkes, das ich
„bei jeder Gelegenheit grausam angreife“? „Ihre Verachtung für das
jüdische Volk, das an nichts anderes als an sich selbst denkt, wie Sie
sagen,“ schreibt sie mir, „ist nur zu augenscheinlich“. – Nein, gegen
diese Augenscheinlichkeit lehne ich mich auf und bestreite sie. Im
Gegenteil, ich sage und schreibe gerade, daß „alles, was Menschlichkeit
und Gerechtigkeit verlangen, alles, was die Gebote Christi von uns
fordern, für die Juden getan werden muß“. Diese Worte habe ich schon
einmal geschrieben und jetzt füge ich nur noch hinzu: ja, trotz aller
Bedenken, die von mir ausgesprochen worden sind, bin ich doch für die
größte Erweiterung der Rechte unserer Juden in der russischen
Gesetzgebung und, wenn es nur durchführbar ist, auch für die vollste
Gleichheit der Rechte mit denen der eingeborenen Bevölkerung – NB.
obgleich sie schon jetzt vielleicht mehr Rechte haben, oder richtiger,
mehr _Möglichkeiten, sich ihrer zu bedienen_, als das eingeborene Volk
selbst. Hier geht mir nun wieder etwas anderes durch den Sinn: wenn
unsere Dorfgemeinde, die unseren armen Bauern vor so viel Bösem
bewahrt[39] aus irgendeinem Grunde ins Wanken und Zerbröckeln käme –
wie, wenn dann diesen befreiten Bauer, der so unerfahren ist und so
wenig der Verführung zu widerstehen weiß, und den bis jetzt gerade die
Dorfgemeinde bevormundet hat, die Juden überfielen – was dann? Dann
würde es ja mit ihm einfach zu Ende sein, dann hätte er im Augenblick
alles verloren: sein ganzes Eigentum, seine ganze Kraft würde dann schon
am nächsten Tage in die Hände der Juden übergehen – und dann käme eine
Zeit, die man nicht nur mit der Zeit der Leibeigenschaft vergleichen
könnte, sondern eher mit der des Tatarenjoches.
Doch abgesehen von allem, was mir in den Sinn kommt und was ich
geschrieben habe, bin ich für ihre vollständige Gleichstellung in den
Rechten, – denn also will es das Gebot Christi. Wozu aber habe ich dann
so viele Seiten geschrieben, was habe ich sagen wollen, wenn ich mir so
_widerspreche_? Gerade das habe ich sagen wollen, daß ich mir nicht
widerspreche, daß ich russischerseits kein Hindernis für die Erweiterung
der jüdischen Rechte sehe. Nur behaupte ich, daß es solcher Hindernisse
weit mehr auf der Seite der Juden selbst gibt; und wenn sie bis jetzt
noch nicht gleichberechtigt sind, so trägt der Russe weniger Schuld
daran als der Jude selbst. Denn gleichwie der einfache Jude mit Russen
weder zusammen essen noch mit ihnen verkehren will, und diese sich
darüber nicht nur nicht ärgern, sondern es sofort begreifen und
verzeihen („das tut er bloß, weil er solch einen Glauben hat“), ebenso
sehen wir auch im intelligenten, gebildeten Juden ungemein häufig
dasselbe maßlose und hochmütige Vorurteil gegen uns Russen. Oh, man höre
nur, wie sie schreien, daß sie die Russen liebten! Einer von ihnen
schrieb mir sogar, es bereite ihm großen Kummer, daß das russische Volk
„keine Religion hat und sich unter seinem Christentum nichts denkt“! Das
ist wohl etwas zu weit gegangen für einen Juden, und es erhebt sich da
nur die Frage: was versteht denn dieser hochgebildete Israelit selber
vom Christentum? Dieser Eigendünkel und Hochmut ist für uns Russen eine
der am schwersten zu ertragenden Eigenschaften des jüdischen Charakters.
Wer ist von uns unfähiger, den anderen zu verstehen: der Jude oder der
Russe? Ich rechtfertige eher den Russen: der Russe hat wenigstens keinen
religiösen Haß auf den Juden – entschieden nicht! Die anderen Vorurteile
aber – wer hat davon mehr? Da schreien nun die Juden, daß sie so viele
Jahrhunderte lang verfolgt und unterdrückt worden seien, es sogar jetzt
noch seien, und daß der Russe dies zum mindesten in Betracht ziehen
müsse, wenn er den jüdischen Charakter beurteilt. Gut, wir ziehen es
auch in Betracht, was wir sofort beweisen können: in der intelligenten
Schicht des russischen Volkes haben sich mehr als einmal Männer erhoben,
die für die Rechte der Juden eingetreten sind. Was aber tun die Juden?
Ziehen sie etwa die langen Jahrhunderte der Unterdrückung und
Verfolgung, die das russische Volk ertragen hat, in Betracht, wenn sie
die Russen anklagen? Wäre es möglich, zu behaupten, daß unser Volk
weniger Leid und Elend erfahren hätte als die Juden, gleichviel wann und
wo? Und wäre es möglich, gleichfalls zu behaupten, daß es _nicht_ der
Jude gewesen ist, der sich mehr als einmal mit den Unterdrückern des
russischen Volkes vereinigte – daß nicht er zur Zeit der Leibeigenschaft
den russischen Bauern aufkaufte und somit sein unmittelbarer Beherrscher
war? Das ist doch wahr, ist doch Geschichte, unbestreitbare Tatsache!
Doch noch nie haben wir gehört, daß das jüdische Volk darüber Reue
empfände; es klagt immer nur den russischen Bauern an und wirft ihm vor,
daß er den Juden wenig liebe.
Einmal wird volle und geistige Einheit unter den Menschen herrschen, und
es wird kein Unterschied in den Rechten mehr bestehen. Darum bitte ich
meine Herren Israeliten-Gegner und -Korrespondenten vor allem, doch auch
uns Russen gegenüber nachsichtiger und gerechter zu sein. Ist der
Hochmut der Juden, ihr ewiger „mäkelnder Widerwille“ der russischen
Rasse gegenüber nur ein Vorurteil, ein „historischer Auswuchs“, und
_verbirgt sich darunter nicht irgendein viel tieferes Geheimnis ihrer
Gesetze oder ihres Wesens_ – so wird sich all das nur um so früher
zerstreuen, und wir werden uns einmütig in guter Brüderlichkeit
zusammentun zu gegenseitigem Beistand und für die große Sache: unserer
Erde, unserem Staate und unserem Vaterlande zu dienen! Die gegenseitigen
Anklagen werden allmählich aufhören, und damit wird auch die Ausnutzung
dieser Anklagen, die das klare Verständnis der Dinge verhindern,
verschwinden. Für das russische Volk kann man bürgen: oh, es wird dem
Juden die größte Freundschaft entgegenbringen, trotz des
Glaubensunterschiedes, und doch wird es volle Achtung für die
historische Tatsache dieses Unterschiedes bewahren. Trotzdem aber ist zu
einer vollständigen Brüderlichkeit – _Brüderlichkeit beiderseits
erforderlich_. Also möge doch der Jude wenigstens ein wenig brüderliche
Gefühle zeigen, um den Russen zu ermutigen. Ich weiß, daß es unter den
Juden auch jetzt schon viele gibt, die sich nach der Beseitigung der
Mißverständnisse sehnen und wirklich äußerst menschenfreundlich sind –
ich will die Wahrheit nicht verschweigen. Und eben damit diese
nützlichen und menschenfreundlichen Leute nicht den Mut verlieren, ihre
Vorurteile ein wenig abzuschwächen und damit den Anfang der Sache zu
erleichtern, wünschte ich die Erweiterung der Rechte des jüdischen
Volkes, wenigstens soweit sie möglich ist: eben soweit das jüdische Volk
die Fähigkeit beweist, sich dieser Rechte zu bedienen, _ohne daß die
eingeborene Bevölkerung darunter zu leiden hat_. Nur eines fragt sich
noch: werden diese tapferen und guten Israeliten auch viel erreichen,
und inwieweit sind sie selbst befähigt zu der neuen schönen Aufgabe der
_wirklichen_ brüderlichen Vereinigung mit Menschen, die ihnen dem
Glauben und dem Blute nach fremd sind?