„Und die Finanzen? Wie steht es mit einem Artikel über die Finanzen?“ –
fragt man mich. Ja, bin ich denn ein Finanzmann? Wie sollte ich es
wagen, über die Finanzen zu schreiben. Wenn auch ich es bin, der hier
das Thema aufwirft, so wage ich das doch nur, weil ich im voraus
überzeugt bin, daß ich von den Finanzen alsbald auf etwas ganz anderes
übergehen werde. Das gibt mir dann andererseits freilich den Mut zu
einer solchen Überschrift; denn ich weiß es ja selbst, daß ich gar nicht
fähig bin, über unsere Finanzen zu schreiben, da ich auf unsere Finanzen
nicht vom europäischen Standpunkt aus sehe und auch überhaupt nicht
daran glaube, daß man diesen europäischen Standpunkt bei uns einnehmen
kann, aus dem einfachen Grunde, weil wir nun einmal nicht „Europa“ sind
und im Vergleich zu „Europa“ fast wie auf dem Monde leben.
In Europa z. B. veränderten sich die Beziehungen der niederen Stände zu
den höheren, feudalen, im Laufe von Jahrhunderten, und zuletzt durch die
Revolution: alles vollzog sich mit einem Wort „historisch und
kulturell“. Bei uns dagegen wurde die Leibeigenschaft mit allen ihren
Folgen in einem einzigen Augenblick abgeschafft, und das geschah Gott
sei Dank ohne jegliche Revolution. Aber warum mußte das gleichwohl eine
so ungeheuere finanzielle Erschütterung verursachen? Wahr ist ja
allerdings, daß das, was plötzlich fällt, immer gefährlich fällt.
Versteht sich, nicht ich bedauere es, daß die Leibeigenschaft plötzlich
fiel, im Gegenteil, groß und gut war es, daß diese ganze schwere
geschichtliche Sünde durch das machtvolle Wort des Zar-Befreiers von uns
genommen wurde. Nichtsdestoweniger war das Naturgesetz nicht zu umgehen,
und die Erschütterung war groß. Nun gut: sie mußte ja groß sein, aber
warum war sie denn so ungeheuer? Jede politische Umwälzung hat ihre
historischen Gesetze, und ohne Zweifel wird es auch heute schon Menschen
geben, die bereits klar erkennen, warum die Folgen dieser Umwälzung so
groß waren. Leider kann ich dieses Thema nicht weiter entwickeln, denn
es ist zu gewaltig und umfangreich; erst ein Historiker des nächsten
Jahrhunderts wird ihm gewachsen sein. Ich will nur auf einzelne
Wirkungen, die von ihr ausgingen und die auffallen und beunruhigen,
hinweisen. Sehen wir uns die Sache näher an. Die Leibeigenschaft wurde
aufgehoben, denn sie behinderte alles, sogar die Entwicklung der
Landwirtschaft. Jetzt, so schien es, mußte der Bauer seine Lage
verbessern können! Doch nichts von alledem geschah: in der
Landwirtschaft kam der Bauer gerade auf das Minimum von dem, was ihm
sein Land geben konnte. Unser jetziges Unglück besteht hauptsächlich
darin, daß es uns unbekannt ist, ob sich in Zukunft solch eine Kraft
finden und worin sie bestehen wird, durch die der Bauer über das Minimum
hinauskommen und seine Erde zum Maximum des Ertrages zwingen kann. Die
Klugen im Lande werden behaupten, daß diese Frage längst beantwortet
sei, ich aber bin fest überzeugt, daß sie noch längst nicht beantwortet
sein kann, daß sie viel weiter reicht, viel tiefer greift und
unvergleichlich inhaltsvoller ist, als man von ihr voraussetzt. Die
ganze frühere herrschaftliche Landwirtschaft sank bis zur Kläglichkeit;
doch gleichzeitig begann eine Neuordnung des Besitzstandes, es schien
ein neues intelligentes Einheits- und Gesamtvolk zu entstehen. Nun,
Schöneres, Besseres hätte man sich nicht wünschen können, als eine
derartige Erneuerung, denn eine intelligente Führung hat das Volk nötig
und es sucht nach ihr. Aber bedauerlicherweise ist auch das bei uns erst
nur ein Ideal, ist wie ein schöner Vogel, der unter den Wolken
herumfliegt. Die Wirklichkeit ist von diesem Ideal weit entfernt! Ja,
will denn der grundherrschaftliche Stand, der frühere Gutsbesitzer,
überhaupt mit dem Volke zu einer klugen, einer intelligenten
Gesamtnation zusammenwachsen? Das ist die Frage, die allerwichtigste,
die allerbedeutendste, die es zurzeit bei uns überhaupt gibt, und von
der vielleicht unsere ganze Zukunft abhängt!
Währenddessen aber wissen wir noch längst nicht, auf welchem Wege wir
sie beantworten können. Will nicht, im Gegenteil, der besitzende Stand
sich über das Volk erheben, und sucht er es nicht wieder mit Macht zu
beherrschen, zwar nicht mehr wie zur Zeit der Leibeigenschaft, versteht
sich, aber immerhin: will er nicht, statt eine Vereinigung mit dem Volk
zu erstreben, aus seiner Bildung eine neue und scheidende Macht
aufrichten und es mit einer Aristokratie der Intelligenz bevormunden?
Oder will er das Volk aufrichtig als seinen Bruder im Blute wie im
Geiste anerkennen, das achten, was unser Volk achtet, einwilligen zu
lieben, was unser Volk mehr liebt als sich selbst? Denn sonst wird er
sich nie mit ihm vereinigen können! Was das Volk achtet und liebt, das
hält es fest und gibt es nicht hin, auch für keine Intelligenz, selbst
dann nicht, wenn es auch noch so sehr nach dieser verlangt. Alles das
ist bei uns noch ganz unentschieden, ist eine Frage, die Zeit,
Geschichte, Kultur und Generationen verlangt, uns aber steht es wieder
bevor, sie in einem einzigen Augenblicke zu entscheiden. Das ist ja eben
der Unterschied zwischen uns und Europa, daß bei uns die Dinge nicht auf
„historischem und kulturellem“ Wege sich entwickeln können, sondern
schnell und ganz plötzlich sich entwickeln müssen, oft geradezu – wie in
diesem Falle – auf völlig unvorhergesehenen staatlichen Befehl und
Willen. Sie werden mir zugeben, daß Europa eine solche Geschichte nicht
kennt. Wie kann man da von uns „Europa“ verlangen, und gar Finanzen nach
„europäischem System“? Ich, zum Beispiel, glaube wie an ein ökonomisches
Axiom, daß in einem Staate nicht die Eisenbahnaktionäre, nicht die
Industriellen, nicht die Millionäre, nicht die Banken und nicht die
Juden das Land beherrschen, sondern allen voran und ganz allein die
Landwirte: denn wer das Land bearbeitet, der zieht alles andere mit
sich. Der Landmann ist die Quintessenz, der Kern, das Mark des Reiches.
Wie ist es aber bei uns, ist es hier nicht gerade umgekehrt? Beherrschen
uns nicht gerade die ökonomischen Kräfte, der Eisenbahnaktionär und der
Jude? Europa baute seine Eisenbahnen ein halbes Jahrhundert lang – und
das bei seinem Reichtum! Bei uns dagegen wurden die letzten fünfzehn-
bis sechzehntausend Werst Eisenbahn in zehn Jahren gebaut – und das bei
unserer Armut und in einer ökonomisch so zerrütteten Zeit: gleich nach
der Aufhebung der Leibeigenschaft! Alles Kapital wurde dorthin gezogen,
gerade als das Land es am meisten brauchte. Die Eisenbahn wurde
gleichsam auf die zerrüttete Landwirtschaft gebaut. Und ist denn die
Frage des privaten Landbesitzes bei uns überhaupt schon beantwortet?
Wird der Einzelbesitz sich neben dem Bauernland halten können und seine
bestimmte Arbeitskraft finden, aber eine gesunde und feste, und nicht
auf das Proletariat und die Schenke angewiesen sein? Was kann da Gutes
herauskommen, solange nicht eine vernünftige Lösung dieses Problems
gefunden ist? Wir haben gesunde Entschlüsse nötig, früher werden wir
nicht zur Ruhe kommen. Und nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen
Kraft. Wie kann man bei uns jetzt europäische Budgets und geordnete
Finanzen verlangen, wo es doch noch ein Rätsel ist, wie wir überhaupt
all dem haben standhalten können, was auf uns einstürmte? – Nur mit der
großen, verbindenden Volkskraft haben wir standzuhalten vermocht!
Ruhe haben wir wenig, besonders geistige Ruhe fehlt uns, und gerade
diese wäre die Hauptsache, denn ohne geistige Ruhe wird nichts. Dem
schenkt man aber bei uns gar keine Aufmerksamkeit, denn man strebt nur
nach zeitlichem materiellem Wohlergehen. Wenn wir keine geistige Ruhe
haben, so haben wir auch keine Festigkeit, weder in unseren
Überzeugungen, noch in unseren Ansichten, unseren Nerven, und zu guter
Letzt auch nicht in unserem Geschmack. Arbeit und die Erkenntnis, daß du
nur durch Arbeit „erlöst wirst“ – fehlt bei uns sogar ganz. Das
Pflichtgefühl geht uns völlig ab, ja, und woher sollten wir es auch
haben, da wir anderthalb Jahrhunderte lang eine falsche Kultur bei uns
hatten, oder, besser gesagt, gar keine?! „Warum soll ich mich bemühen,
wenn ich durch ebendiese meine Kultur dahin gekommen bin, alles um mich
herum zu verneinen? Und wenn es Dummköpfe gibt, die das Gebäude durch
irgendwelche europäische Formen zu retten glauben, so verneine ich die
Dummköpfe und behaupte: ‚je schlechter desto besser!‘ Das ist meine
ganze Philosophie!“ – Ich versichere Sie, daß bei uns viele so denken,
die einen laut, die anderen leise für sich. Die Leute mit solchen
Aphorismen sind indessen selbst durchaus von Fleisch und Bein. „Je
schlechter desto besser,“ sagen sie, aber wünschen tun sie dabei sicher
das „schlechter“ nur für die anderen, das „besser“ jedoch wohlweislich
für sich selbst; so wird man wohl ihre Philosophie verstehen müssen.
Denn er hat ja einen Wolfshunger, dieser Russe. Groß ist er wie ein Bär,
aber Nerven hat er wie eine Frau; verweichlicht und verwöhnt, grausam
und leidenschaftlich ist er, ertragen kann er nichts, „ja, und wozu sich
abmühen und aushalten?“ Ist es zu Ende mit den Diners im Restaurant, ist
es zu Ende mit den Kokotten, wozu lohnt’s sich dann noch zu leben, denkt
er und – krach, schießt er sich eine Kugel vor den Kopf! Und gut ist es
noch, wenn er sich eine Kugel vor den Kopf schießt, sonst geht er hin
und bestiehlt einen anderen auf irgendeinem mehr oder weniger
gesetzlichen Wege. Aber _arbeiten_? – nein, das wird er nicht! Und so
entsteht eine allgemeine Armut bei ständig wachsendem Appetit.
Unter anderem möchte ich noch bemerken, daß der Gogolsche Typ des
„Hauptmann Kopeikin“ sich in zahllosen Varianten, bis zum
aufgeblasensten Weltmann hinauf, bei uns erschreckend vermehrt hat. Alle
fletschen sie nach dem Bargelde die Zähne, alle bilden sie sich, wenn
auch nicht zu Räubern auf der offenen Landstraße wie der wirkliche
„Kopeikin“, so doch zu Taschendieben aus, einige unter dem Deckmantel
des Staats, andere ohne ihn. Einige von ihnen behaupten sogar stolz:
„Ich handle darum so, weil ich alles verneine und jegliche Verneinung
fördere.“ Oh, es gibt sogar liberale Kopeikins! Die haben nur zu gut
verstanden, daß der Liberalismus in Mode ist, und daß man mit ihm gut
fährt. Wer hat sie nicht gesehen, diese Allerweltsliberalen und
billigen Atheisten, wie sie jetzt dem Volke gegenüber mit ihrer
Fünfkopekenweisheit großtun. Es ist der niedrigste Typ von all unseren
liberalen Erscheinungen, aber nichtsdestoweniger hat auch er jenen
ungeheueren Appetit. Er ist der erste, der an eine mechanische Heilung
der Wurzeln von außen glaubt. Diese Leute gruppieren sich und haben
einen Einfluß, der sich oft bis auf die ehrlichsten Leute erstreckt, die
eigentlich nicht schuld daran sind, daß sie solch ein Kontingent haben:
„Jegliche Veränderung ist gut, wenn sie nur ohne Mühe vor sich geht.“
Der liberale Kopeikin fügt dann noch in Gedanken hinzu: „Bei jeder
Umwälzung fällt für mich immer etwas ab!“ Und gerade von dieser Seite
ist er am gefährlichsten, wenn er auch nur ein – Kopeikin ist. Aber mit
ihm wollen wir uns jetzt nicht weiter beschäftigen. Das bisher Gesagte
ist ja sowieso nur eine Ergänzung zu unserem Thema. Doch nun zu den
Finanzen, zu den Finanzen!
* * * * *
Es ist nun einmal meine Angewohnheit, immer gleich mit dem Ergebnis zu
beginnen, den Kern meiner ganzen Idee vorauszuschicken. Niemals habe ich
es verstanden, ihn allmählich herauszuschälen und ihn erst dann
bloßzulegen, wenn es mir gelungen ist, alles vorher klarzumachen und
nach Möglichkeit zu beweisen. Meine Geduld reicht dazu nicht aus, mein
Charakter verhindert es einfach; damit schade ich mir freilich sehr,
denn manch eine Idee setzt, geradeaus gesagt, ohne jegliche
Vorbereitung, ohne vorhergegangenen Beweis, nur in Erstaunen und
Verwunderung, wenn sie nicht Gelächter hervorruft. So komme ich denn
auch hier gleich wieder mit einer Behauptung, über die man – ich fühle
es schon im voraus – lachen wird, wenn man nicht auf sie vorbereitet
ist. Meine Behauptung ist folgende: „Wenn die Finanzen in einem Staate
gewisse Erschütterungen erlitten haben, so denke man nicht so sehr an
gegenwärtige Bedürfnisse, wie schreiend diese auch sein mögen, sondern
zuerst an die Gesundung der Wurzeln, und – die Finanzen werden sich von
selbst bessern.“
An sich ist das ja nichts Neues: welcher Finanzminister hätte sich nicht
schon darum bemüht, besonders unser jetziger, der gerade an so eine
Wurzel faßte, als er die Salzsteuer aufhob. Man erwartet sogar noch
andere Reformen, große, wirklich die Hauptwurzel erfassende. Freilich
wurden auch früher schon, bereits vor zehn Jahren, „zur Gesundung der
Wurzeln“ viele Mittel angewandt: Revisionen wurden eingeleitet,
Kommissionen berufen zur Untersuchung und Verbesserung der Lage unseres
russischen Bauern, seines Gewerbes, seiner Gerichte, Verwaltung, seiner
Krankheiten, Sitten und Gewohnheiten. Die Kommissionen teilten sich in
Unterkommissionen zur Sammlung statistischer Unterlagen, und die Sache
ging wie geölt, das heißt auf dem allerbesten administrativen Wege, den
es nur geben kann. Aber ich habe ja gar nicht davon sprechen wollen;
denn nicht nur die Unterkommissionen, sondern sogar so wesentliche
Reformen wie die Aufhebung der Salzsteuer oder das große noch zu
erwartende Steuersystem, sind meiner Meinung nach nur Palliativmittel,
etwas Äußeres, und noch keineswegs die Wurzel Heilendes. Das aber ist
es, worauf ich hinweisen möchte. Eine Heilung der Wurzel würde es
dagegen sein, wenn wir z. B. wenigstens zur Hälfte das Nur-Gegenwärtige
vergessen könnten: alle Tagesfragen, die schreienden Bedürfnisse unseres
Budgets, die Zinsen der ausländischen Anleihen, die Defizite, den Rubel,
den Staatsbankerott sogar, – der übrigens nie bei uns eintreten wird,
wie sehr ihn auch unsere schadenfrohen ausländischen Feinde prophezeien
mögen; mit einem Wort, wenn wir alles Nur-Gegenwärtige vergessen und so
lange für die Wurzel arbeiten würden, bis wir in Wirklichkeit eine
reiche und gesunde Frucht ernten können. Dann kann man ja wieder mit der
Gegenwart leben oder, besser gesagt, mit dem neuen Kommenden; denn in
diesem Zwischenraum, das muß man sich sagen, wird alles Frühere (d. h.
das jetzt Gegenwärtige) sich so radikal verändert und einen so neuen
Charakter angenommen haben, daß wir es nicht wiedererkennen werden. Ich
begreife natürlich, daß alles, was ich jetzt behaupte, allen sehr
sonderbar erscheinen muß: nicht an den Rubel zu denken, an das Bezahlen
der Schulden, an den Bankerott, an das Heer, kurz, an all das, was man
anscheinend zuerst bedenken und zufriedenstellen muß. Ich versichere
Sie, auch ich verstehe das und ich gestehe Ihnen, daß ich mit Absicht
meine Behauptung so scharf hingestellt und meine Wünsche bis zum
unerreichbaren Ideal gesteigert habe. Ich dachte dabei, fange ich beim
Absurden an, so werde ich später allen verständlicher, und so sagte ich
denn: wenn wir nur zur Hälfte das Gegenwärtige vergessen könnten und
unsere Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenkten, in eine Tiefe, in die
bis jetzt in Wahrheit noch niemand geschaut hat – denn Tiefe suchte man
bisher doch nur an der Oberfläche. Ich will aber gleich auch diese meine
Formel noch abschwächen und statt ihrer vorschlagen: wenn nicht einmal
die Hälfte – auf die Hälfte will ich verzichten – wenn nur ein
zwanzigster Teil vom Gegenwärtigen zu vergessen möglich wäre, und wenn
man jedes folgende Jahr zu diesem zwanzigsten Teil noch einen
zwanzigsten Teil hinzufügen könnte und so weiter und so weiter bis zu
drei Vierteln des Ganzen! ... Nicht der Teil ist hierbei wichtig,
sondern wichtig wäre das Prinzip, das man damit aufstellt, und dem man
folgt.
Aber wie soll man denn das Gegenwärtige lassen?! Man kann doch die
Wirklichkeit nicht einfach ausstreichen! Ich sage „nicht ausstreichen“,
weiß ich doch selbst, daß man die Wirklichkeit nicht unwirklich machen
kann ... Aber wissen Sie – manchmal kann man auch das! Wenn wir von
unserer krankhaft erregten Aufmerksamkeit jährlich nur einen zwanzigsten
Teil auf etwas anderes ablenkten! Dabei ist gar nicht zu befürchten, daß
sie der Gegenwart verloren ginge, nein, ich wiederhole es: wenn sie sich
nur auch etwas anderem zuwendete, sich einem neuen Prinzip unterwerfen
würde, einem, das die Gedanken und den Geist umbildet – zu etwas
Besserem, zu etwas viel Besserem! Man wird sagen, daß ich in Rätseln
spreche, aber dem ist nicht so. Doch gut, ich werde zunächst ein kleines
Beispiel anführen, um zu zeigen, auf welche Weise man den Übergang vom
Nur-Gegenwärtigen zur Heilung der Wurzeln sofort beginnen könnte.
* * * * *
Wie wäre es zum Beispiel, wenn Petersburg plötzlich – sagen wir, durch
irgendein Wunder – von seinem Hochmut dem übrigen Rußland gegenüber
abließe? Welch ein großer erster Schritt wäre das schon zur Gesundung
der Wurzeln! Denn wie steht es jetzt mit Petersburg? Es ist doch schon
so weit gekommen, daß Petersburg sich für ganz Rußland hält, und dieser
Irrtum steigert sich noch von Generation zu Generation. Es will in
gewissem Sinne dem Beispiel von Paris folgen, ungeachtet dessen, daß es
Paris gar nicht ähnlich ist. Für Paris hat es die historische
Entwicklung mit sich gebracht, daß es ganz Frankreich, sein politisches
wie soziales Leben, in sich aufsog. Nehmen Sie Frankreich Paris, was
würde ihm dann noch verbleiben? Nur seine geographische Lage. Nun, und
auch bei uns glauben einige schon, daß ganz Rußland in Petersburg
enthalten sei. Doch Petersburg ist längst nicht Rußland, für die größere
Hälfte des russischen Volkes hat Petersburg nur dadurch eine Bedeutung,
daß sein Zar dort lebt. Unsere Petersburger Intelligenz aber, das wissen
wir alle, versteht von Generation zu Generation Rußland immer weniger,
und das wohl darum, weil Petersburg, eingeschlossen in seinem finnischen
Sumpf, mehr und mehr eine falsche Vorstellung von Rußland bekommt. So
hat sich bei einigen von diesen Herren der Horizont bereits arg
verengert, ja, er ist fast schon so eng geworden wie der Horizont von
Karlsruhe.[34] Aber blicken Sie nur über Petersburg hinaus: und vor
Ihnen liegt ein ganzes weites Meer russischen Landes, ein uferloser
Ozean. Doch siehe, der Sohn der Petersburger Väter verneint auf die
gleichmütigste Weise dieses russische Volksmeer und verhält sich zu ihm
wie zu etwas Passivem und Unbewußtem, geistig Nichtigem und jedenfalls
im höchsten Grade Rückständigem. „Vielköpfig ist es, aber dumm, taugt
nur dazu, uns zu erhalten, wofür wir ihm Verstand beibringen und es an
eine staatliche Ordnung gewöhnen müssen.“ Tanzend und das Parkett
polierend, werden in Petersburg die zukünftigen Sohne des Vaterlandes
gebildet, und die Petersburger Beamten studieren ihr Vaterland in den
Kanzleien. Versteht sich: irgend etwas erlernen sie schließlich in
ihnen, nur ist das nicht Rußland, sondern etwas ganz anderes, etwas sehr
Besonderes. Und dieses ganz Andere und Besondere wird dann Rußland
aufgebunden. Doch währenddessen bewegt sich das Volksmeer nach seinem
eigenen Gesetze und sondert sich mehr und mehr von Petersburg ab. Und
sagen Sie nicht, daß es, wenn auch ein mächtiges, so doch unbewußtes
Leben führe, was nicht nur die Petersburger allein glauben, sondern auch
noch andere Russen, die Rußland besser kennen. Wenn man nur wüßte,
wieviel Erkenntnis sich schon im Volke angesammelt hat! Und das Erkennen
wächst noch von Tag zu Tag. Wie würden sich die Petersburger wundern,
wenn sie wüßten, wie vieles dem Volke schon zugänglich und verständlich
ist! Wenn sich das auch noch nicht im großen Ganzen äußert, so tut es
sich doch schon an allen Ecken und in allen Hütten kund, wofern man es
nur zu fühlen und zu sehen versteht. Wie sollte es sich auch schon im
Ganzen äußern können, das Ganze ist ja ein Meer! ein Ozean! Aber wenn es
sich einmal äußern wird, in welch maßloses Erstaunen wird es da den
intelligenten Petersburger versetzen! Freilich wird das europäische
Menschlein das Volk noch lange verneinen und wird sich dem Volke noch
immer nicht ergeben wollen. Ja, viele werden so hinsterben, ohne von ihm
überhaupt etwas zu ahnen. Wäre es da nicht besser, wiederhole ich, um
großen heraufkommenden Mißverständnissen vorzubeugen, er ließe, wenn
auch nur in seinen besten Vertretern, ein wenig ab, von seinem Hochmut
Rußland gegenüber? Nur ein wenig mehr Eingehen, Verständnis, nur ein
wenig mehr Demut im Herzen vor dieser großen russischen Erde, vor diesem
Volksmeer – das ist es, was uns nottut. Das wäre der erste Schritt, den
wir zur „Heilung der Wurzeln“ machen müßten.
„Aber erlauben Sie, mein Herr,“ unterbricht man mich, „was Sie bis jetzt
gesagt haben, sind doch nur alte, verbrauchte, unrealisierbare
Phantastereien der Slawophilen. Und was wollen Sie damit sagen: zur
‚Heilung der Wurzeln‘? Welcher Wurzeln? Und was verstehen Sie darunter?“
„Sie haben recht, meine Herren, ich muß zunächst doch noch einiges über
die Wurzeln sagen.“
* * * * *
Die Hauptwurzel, die einer Heilung zu allererst bedarf, ist ohne Zweifel
dieses große russische Volksmeer selbst, von dem soeben die Rede war.
Ich spreche jetzt von unserem einfachen Mann und Bauern, von der
bezahlten Kraft unserer schwieligen, abgearbeiteten Hände: von unserem
russischen Volksozean. Oh, wie sollte ich nicht wissen, was die
Regierung für ihn getan hat und noch ununterbrochen tut, von der
Aufhebung der Leibeigenschaft an? Sie sorgt für seine Bedürfnisse, seine
Aufklärung, für seine Gesundung, vergibt ihm sogar manches Mal seine
Rückständigkeit, mit einem Wort, sie tut viel für ihn, wer wollte das
leugnen! Aber nicht davon soll hier die Rede sein, sondern von der
seelischen Heilung dieser Hauptwurzel, die der Anfang zu allem sein
müßte. Unser Volk ist seelisch krank; noch ist das Innerste seiner Seele
gesund, aber die Krankheit ist trotzdem schwer. Welcher Art ist nun
diese Krankheit? Es ist unmöglich, sie in einem Worte auszudrücken. Man
könnte sie so formulieren: Es ist ein „unstillbarer Durst nach
Wahrheit“. Das Volk sucht und sucht die Wahrheit, kann aber den Weg zu
ihr nicht finden. Ich wollte meine Ansicht über diese Krankheit auf das
Finanzielle begrenzen, aber ich muß doch noch einmal auf anderes
zurückkommen.
Nach der Aufhebung der Leibeigenschaft tauchte im Volke das Bedürfnis
nach etwas Neuem, noch nicht Dagewesenem auf: es war ein Durst nach
Wahrheit, der ganzen vollen Wahrheit, und nach einer Auferstehung zu
einem neuen Leben. Das Volk verlangte nach neuen Anschauungen, neue
Gefühle stiegen in ihm auf, und es begann, mit ganzer Seele an die neue
Ordnung zu glauben. Aber etwas anderes trat ein, etwas, was es nicht
erwartet hatte. Die neue Ordnung, an die das Volk so gern geglaubt
hätte, die – verstand es nicht. Es begriff sie nicht, wurde irre an ihr
und verlor zuletzt seinen Glauben an sie. Sie erschien ihm als etwas
Fremdes, Äußerliches und nicht als sein Eigenes. Doch dieses Thema immer
wieder vorzubringen, das schon so oft besprochen worden ist, lohnt sich
nicht: andere wissen mehr davon als ich – lesen Sie unsere Zeitungen. Es
kam damals eine wilde Verzweiflung über unser Volk: wie ein trunkenes
Meer wogte es über Rußland hin, und wenn man auch versuchte, den Durst
nach Wahrheit in Strömen von Branntwein zu stillen, so wurde er doch
nicht befriedigt. Niemals war das Volk allen fremden Einflüssen mehr
preisgegeben als jetzt. Nehmen Sie als nur ein Beispiel etwa die
„Stunde“,[35] und sehen Sie, welch einen Erfolg sie im Volke hat: was
aber beweist das? Doch nur das Suchen nach Wahrheit und die innere
Unruhe unseres Volkes. Gerade die Unruhe ist es: das Volk ist seelisch
aufgewühlt, und ich bin überzeugt, wenn die nihilistische Propaganda bis
jetzt ihren Weg ins Volk noch nicht gefunden hat, so geschah das nur
dank der Unfähigkeit und Dummheit ihrer Führer, die das Volk nicht zu
nehmen verstehen. Aber sonst, bei der geringsten demagogischen Fähigkeit
wäre auch sie so ins Volk gedrungen, wie das Luthertum durch die
„Stunde“. Wie soll man das Volk vor Ähnlichem bewahren, denn es ist
gesagt: „Es werden Zeiten kommen, wo man euch sagen wird: weder hier ist
Christus, noch dort, glaubet nicht!“ So steht es auch jetzt bei uns, und
nicht nur mit unserem Volk, sondern auch mit unserer Intelligenz.
Verschiedene ungewöhnliche Gerüchte dringen ins Volk, man spricht von
Veränderungen, Anweisungen eines Landanteils, von einer goldenen
Urkunde! Unlängst las man ihm in den Kirchen eine öffentliche Warnung
vor, daß es nicht daran glauben solle, daß nichts davon wahr wäre – und
was geschah? Gerade nach dieser Warnung befestigte sich das Gerücht nur
noch mehr im Volke. Ich weiß von einem Fall, wo Bauern sich bei einem
benachbarten Gutsbesitzer Land kaufen wollten und schon mit dem Preise
einig waren, nach dem Verlesen dieser Warnung sich aber vom Kaufe
zurückzogen. „Wir bekommen es noch ohne Geld,“ sagten sie und – warten.
Und was die Hauptsache ist: das Volk steht bei uns allein, ist nur
seinen eigenen Kräften überlassen, und niemand unterstützt es moralisch.
Es hat zwar sein „Semstwo“, aber das ist „Obrigkeit“. Sein Gericht, aber
– auch das ist „Obrigkeit“. Und seine „Gemeinde“ scheint sich
gleichfalls dazu entwickeln zu wollen. Die Zeitungen sind voll von
Beschreibungen, wie das Volk seine Vertreter wählt, natürlich immer in
Gegenwart der Obrigkeit, deren Mitglied der neu Erwählte denn auch meist
ist. Und was ergibt sich daraus? Da sieht solch ein armer einfältiger
Kerl um sich und kommt plötzlich zum Schluß, daß es nur den Ausbeutern
und Schmarotzern gut geht und alles nur für sie gemacht zu sein scheint:
„Also werde auch ich dasselbe tun!“ – Nun, und so tut er es denn auch.
Ein anderer betrinkt sich wieder, nicht etwa weil die Armut ihn drückt,
sondern weil ihn die Rechtlosigkeit so anwidert. Was läßt sich da
machen? Das ist Fatum! Man sollte meinen, da gibt es doch eine
Verwaltung und Vorgesetzte, da müßte doch alles wie am Schnürchen gehen
– doch gerade das Gegenteil ist der Fall. Es ist ausgerechnet worden,
daß für das Volk in unserer Zeit fast zwanzig Regierungsämter
eingerichtet worden sind, ausschließlich für das Volk, um es zu
beschützen und zu beraten. Nun sind aber für den armen Menschen ohnehin
schon alle und jeder „Obrigkeit“ – und jetzt hat er noch zwanzig solcher
„Obrigkeiten“ hinzubekommen! Seine Bewegungsfreiheit ist ja gleich der
einer Fliege, die in einen Teller mit Honig gefallen ist. Doch eine
solche Freiheit ist nicht nur vom moralischen Standpunkte aus schädlich,
sondern auch vom ökonomischen Standpunkte aus. So ist denn das Volk im
Grunde doch allein und ohne Ratgeber. Es hat niemanden außer Gott und
dem Zaren – mit diesen beiden moralischen Kräften, mit diesen beiden
großen Hoffnungen hält es sich aufrecht. Alle anderen Ratgeber gehen an
ihm vorüber, ohne es auch nur zu berühren. Die ganze fortschrittliche
Intelligenz, zum Beispiel, geht glatt an ihm vorüber, und das ist
schade; denn auch in unserer Intelligenz gibt es begabte Menschen – bloß
für das russische Volk haben sie wenig Verständnis. Bei uns verneint man
es nur; oder man beklagt sich ununterbrochen: warum sich die
Gesellschaft nicht zu dieser Idee einer Vereinigung mit dem Volke
„beleben“ läßt! und was das für sie für eine Aufgabe wäre! Man sollte
aber doch wissen, daß man sich zu ihr gar nicht „beleben“ kann, einfach,
weil das Volk der Gesellschaft fremd ist. Die letztere bildet nur eine
Schicht über dem Volke – mit der einzigen Beziehung zu ihm, daß das Volk
durch seine Arbeit _ihr dient_, _ihr_ die Möglichkeit verschafft, sich
europäische Bildung anzueignen. Doch in diesen zwei Jahrhunderten
europäischer Bildung hat das Volk sich nur noch mehr von ihr entfremdet.
Wenn die fortschrittliche Intelligenz jetzt behauptet: „Wir sind es, die
um das Volk leiden, wir, die so viel über dasselbe schreiben und es zu
uns emporziehen wollen,“ so ist doch das russische Volk instinktiv
überzeugt, daß es sich hier nur um ein imaginäres Volk handelt, ein in
den Köpfen der Intelligenz entstandenes, daß das _wirkliche_ Volk aber
von der Intelligenz nur verachtet wird. Ich gebe zu: das verächtliche
Verhalten zum Volk ist bei einigen von uns gar nicht bewußt, ja, man
kann ruhig sagen, unabsichtlich. Es ist ein Überbleibsel des
Leibeigenschaftsverhältnisses und stammt aus der Zeit, als das Volk um
unserer „europäischen Bildung“ willen staatlich erdrosselt wurde; und es
ist zweifellos auch jetzt noch in uns, obschon das Volk nun
„auferstanden“ ist. Deshalb wird es uns auch noch lange unmöglich sein,
uns mit dem Volke zu vereinigen, wenn nicht ein Wunder in russischen
Landen geschieht. Das Volk ist in seiner großen Masse rechtgläubig und
lebt nur der religiösen Idee, es braucht sich sogar dieser Idee gar
nicht bewußt zu sein. Im Grunde genommen hat es überhaupt keine andere
Idee außer dieser, aus ihr kommt alles bei ihm. Wenigstens will das Volk
mit seinem ganzen Herzen und aus seiner tiefsten Überzeugung, daß alles,
was bei ihm geschieht und was man ihm gibt, aus dieser „Idee“ heraus
geschehe, auch ungeachtet dessen, daß vieles beim Volke selbst nicht von
dieser Idee ausgeht, daß es oft willenlos von dunklen, verbrecherischen,
barbarischen Instinkten beherrscht ist. Aber jeder Verbrecher und
Barbar, mag er auch noch so sündig sein, betet doch zu Gott in den
besseren Minuten seines Seelenlebens und bittet ihn, seine Sünden
auszulöschen und ihn wieder seiner „Idee“ leben zu lassen. Diese Idee
will nun unsere Intelligenz nicht anerkennen. Unsere Intellektuellen
weisen auf seine Sünde und seinen Schmutz hin, an dem sie, die das Volk
zwei Jahrhunderte lang geknechtet haben, doch selbst Schuld tragen,
weisen auf seine Vorurteile und religiöse Gleichgültigkeit hin, und
einige behaupten sogar, daß das russische Volk geradezu „verkörperter
Atheismus“ sei. Ihr größter Irrtum besteht eben darin, daß sie im
russischen Volke keine Kirche anerkennen wollen. Ich spreche jetzt nicht
von der Herde Christi, sondern von unserem russischen „Sozialismus“,
dessen Ziel es ist, die „Kirche“ aller Völker zu werden, soweit die Erde
diese „Kirche“ überhaupt verwirklichen kann. Ich spreche ferner von dem
unstillbaren Durst nach der großen, allgemeinen, allbrüderlichen
Vereinigung im Namen Christi, einer Idee, die im russischen Volke immer
gegenwärtig ist. Und wenn diese Vereinigung auch erst im Wunsche und im
Gebet besteht, nicht in der Tat, so treibt doch der religiöse Instinkt
dieser millionenköpfigen Masse nicht zu mechanischen Formen: nicht im
Kommunismus liegt der Sozialismus des russischen Volkes, sondern es
glaubt, sein Seelenheil in der Vereinigung aller Völker im Namen Jesu
Christi zu finden. Das ist unser russischer Sozialismus! Über diese
höhere vereinigende kirchliche Idee im russischen Volke lachen unsere
Europäer. Oh, es gibt noch viele solcher „Ideen“ im Volke, mit denen die
Herren nicht übereinstimmen werden, und die sie aus ihrer europäischen
Weltanschauung heraus als „tatarisch“ verurteilen. Man kann daher ruhig
die Behauptung aufstellen: wer diese Hauptidee des Volkes, die Erwartung
des in ihm heraufkommenden Schöpferischen, das Gottesschicksal seiner
weltumfassenden Kirche nicht versteht, der wird auch nie das russische
Volk selbst verstehen und es auch nie lieben können. Bei manch einem von
unseren Europäern ist das Herz rein, gerecht und sehnt sich nach Liebe,
– aber lieben wird er nicht das Volk, sondern nur jene Vorstellung, die
er sich von ihm macht. Da das Volk aber Volk bleibt, d. h. es selbst
bleibt, so kann man für die Zukunft nur einen unvermeidlichen und
gefährlichen Zusammenstoß voraussehen. Denn meine Behauptung hat auch
eine umgekehrte Auslegung, nämlich die, daß das Volk solch einen
russischen Europäer niemals als zu sich gehörig betrachten wird: „Liebe
zuerst mein Heiligtum, achte, was ich achte, dann erst bist du wie ich,
bist mein Bruder, ungeachtet dessen, daß du nicht so angekleidet bist
wie ich, daß du ein Herr bist, daß du zur ‚Obrigkeit‘ gehörst, und daß
du dich manchmal nicht einmal in russischer Sprache richtig auszudrücken
verstehst.“ Das wird ihnen das Volk sagen, denn unser Volk hat einen
klugen und weiten Verstand. Es achtet und liebt auch gewiß jeden guten
und klugen Menschen, dankt ihm für seine Ratschläge und befolgt sie
gern, ohne daß jener an dasselbe zu glauben brauchte, woran das Volk
glaubt. Das russische Volk vermag mit einem jeden auszukommen, denn es
hat viele Typen gesehen, vieles beobachtet und behalten in seinem
langen, schweren Leben während der letzten zwei Jahrhunderte. Aber sich
einleben und sich mit einem Menschen eins fühlen – sind zwei
verschiedene Sachen. Doch ohne Zusammengehörigkeitsgefühl kann keine
Vereinigung stattfinden.
So ist die Kluft zwischen der Intelligenz und dem Volke außergewöhnlich
groß, das Volk ist allein, sich selbst überlassen; außer in seinem
Zaren, an den es unerschütterlich glaubt, sieht es in nichts und
niemandem eine Stütze. Froh wäre es, eine zu erblicken – aber vergeblich
schaut es danach aus. Welch eine große, schöpferische, Segen bringende,
neue Kraft aber würde in Rußland erstehen, wenn bei uns eine geistige
Vereinigung der Intelligenz mit dem Volke erfolgte! Oh, meine Herren
Finanzminister, ganz andere jährliche Budgets werden Sie dann aufstellen
als die, welche sich jetzt ergeben! Milch und Honig würden in unserem
Reiche überfließen, und alle Ideale wären mit einem Schlage erreicht! –
„Ja, aber wie das anfangen, und ist es denn wirklich unsere europäische
Aufklärung, die uns daran hindert?“ Nein, nicht diese, denn im Grunde
gibt es diese Aufklärung bei uns überhaupt nicht, auch heute noch nicht.
Ich denke so: existierte bei uns eine _wirkliche_ Aufklärung, so wäre
eine Trennung zwischen Volk und Intelligenz nie erfolgt, denn auch das
Volk verlangt doch nach Aufklärung. Wir aber sind, „Aufklärung“ suchend,
auf den Mond geflogen und haben den Weg zum Volke verloren. Wie wäre es
nun uns verflogenen Menschen möglich, die Sorge um die Heilung des
Volkes auf uns zu nehmen? Was können wir tun, damit der beunruhigte
Volksgeist sich wieder stärkt und beruhigt? Seine Finanzen, sein Kapital
verlangt moralische Ruhe, denn sonst wird es versiegen. Was soll man
tun, damit der Geist des Volkes die Wahrheit findet und sich in ihr
beruhigt? Diese Wahrheit ist ja vielleicht schon da, aber was soll man
tun, damit das Volk an sie zu glauben lernt? Wie soll man es ihm in die
Seele pflanzen, daß die Wahrheit in der russischen Erde liegt? Was soll
man tun, damit das Volk an sein Gericht, an seine Obrigkeit zu glauben
anfängt und sie anerkennt als Fleisch von seinem Fleisch und Blut von
seinem Blut? Oh, wenn die Wahrheit wenigstens für die Zukunft im Volke
ungefährdet bliebe, damit es den Glauben nicht verlöre, daß sie einmal
doch bestimmt noch kommen wird! Wenn die Fliege sich nur ein wenig von
dem Teller mit Honigseim fortbewegen könnte, so wäre das schon eine
große, große Beruhigung. Und nochmals sage ich: das ganze Unglück kommt
von der Trennung der höheren intelligenten Stände vom unteren,
niedrigeren – von unserem Volke. Wie aber dieses Volksmeer mit unserer
Intelligenz aussöhnen, damit es nicht zu einem großen Aufruhr in ihm
kommt?
* * * * *
Dazu gibt es nur eine Möglichkeit, ein magisches Wort, das lautet:
„Vertrauen zeigen“! Zu unserem Volke kann man Vertrauen haben, denn es
ist dieses Vertrauens wert. Ruft die grauen Bauernkittel und fragt sie,
was ihnen fehlt, und was sie nötig haben, und sie werden euch die
Wahrheit sagen, und wir alle werden dann vielleicht zum ersten Male die
Wahrheit hören. Dazu sind keine großen Versammlungen nötig: das Volk
kann man an allen Orten und in jeder Hütte fragen, denn an jedem
einzelnen Ort sagt es Wort für Wort dasselbe; was die ganze Masse
zusammen auch sagen würde, das Volk ist überall eins. Auch die getrennte
Einheit würde nur das eine wiedergeben, denn der Geist ist derselbe.
Jede Ortschaft würde vielleicht eine kleine örtliche Besonderheit
hinzufügen, aber im ganzen, im allgemeinen würde alles in allem
übereinstimmen. Man muß sich nur in acht nehmen, daß es auch wirklich
der Bauer ist, der echte Bauer, nicht etwa der Schmarotzer oder
Ausbeuter. Aber schließlich, selbst der Freischlucker wird der Erde
nicht untreu und wird die Wahrheit sagen – das ist schon so eine
Eigenschaft unseres Volkes. Wie soll man aber diesen Vorschlag
ausführen? Oh, Menschen, die die Macht dazu haben, können das besser
bestimmen als ich; ich möchte nur behaupten, daß es dazu besonderer
Formeln nicht bedarf. Unser Volk jagt nicht nach Formeln, besonders
nicht nach fertigen, fremdländischen, die hat es nicht nötig und die
wird es auch nie nötig haben. Es hat etwas ganz anderes im Kopfe, hat
seine eigene Ansicht über die Sache; und in seinen Anschauungen ist ein
Volk wie das unsrige durchaus unseres Vertrauens würdig. Und wer der
Russen Liebe zum Zaren gesehen und gefühlt hat, der weiß, daß sie des
Zaren Kinder sind und der Zar ihr Vater ist. Wer daran nicht glaubt,
versteht nichts von Rußland. Nein, darin liegt eine tiefe und
ursprüngliche Idee: und sie bedingt einen lebendigen, mächtigen
Volksorganismus, der mit seinem Zaren in eins verschmilzt. Diese Idee
ist eine Kraft, und diese Kraft ist mit den Jahrhunderten noch
gewachsen, besonders in den letzten für das Volk so schrecklichen zwei
Jahrhunderten, die wir wegen unserer europäischen Aufklärung so preisen,
– wobei wir freilich ganz vergessen, daß diese Aufklärung uns nur durch
das Kreuzesleiden unseres Volkes ermöglicht wurde. Aber das Volk glaubte
an seinen Befreier, wartete auf ihn und – er kam! Wie sollen wir da
nicht seine Kinder sein? Der Zar ist für das Volk keine äußere Kraft,
nicht die Kraft irgendeines Besiegers – wie es z. B. die Dynastien der
früheren Könige in Frankreich waren –, sondern eine volkliche,
verbindende Kraft, die das Volk selbst wollte, die aus seinem Herzen
wuchs, die es liebte, für die es litt, von der allein es seinen Auszug
aus Ägypten erhoffte. Für das Volk ist der Zar die Verkörperung seines
Selbst, seiner Idee, seines Glaubens und seiner Hoffnungen. Und diese
Hoffnungen wurden ihm noch kürzlich so glänzend erfüllt, wie sollte es
da weitere Hoffnungen aufgeben? Im Gegenteil, sie bestärken und
befestigen sich, denn der Zar wurde nach der Aufhebung der
Leibeigenschaft nicht nur in der Idee oder in der Hoffnung, sondern in
der Tat zu seinem Vater. Diese Beziehung des Volkes zum Zaren als zu
einem Vater ist die einzige felsenfeste Grundlage, auf der jede Reform
bei uns geschaffen und aufgebaut werden kann. Wenn Sie wollen, so gibt
es bei uns gar keine andere schöpferische, erhaltende und führende Kraft
in Rußland als das organische und lebendige Bündnis des Volkes mit
seinem Zaren: nur ihm entspringt bei uns alles. Wer hätte auf diese
Bauernreform hoffen können, wenn er nicht im voraus geglaubt und gewußt
hätte, daß der Zar dem Volke ein Vater ist, und daß der Glaube an den
Zaren wie an seinen Vater das Volk retten und vor Unglück behüten werde.
Wahrlich, schlecht wäre ein Sozialökonom als Reformator, der die
wirklichen, lebendigen Kräfte des Volkes aus Vorurteil oder um fremder
Überzeugungen willen außer acht läßt. Ja: wir – die Intelligenz – sind
schon deshalb nicht eins mit dem Volke und können es nicht verstehen,
weil wir, auch wenn wir seine Beziehung zum Zaren einsehen, doch das
Wichtigste in seiner ganzen Tiefe und Bedeutung für unsere Zukunft nicht
erfassen können: daß gerade durch diese Beziehung zu seinem Zaren das
russische Volk sich von allen Völkern Europas und der ganzen Welt
unterscheidet; daß das nicht ein zeitlicher, ein vorübergehender
Zustand, nicht ein Zeichen von Volksjugend, wie manche klugen Köpfe
vielleicht schließen, sondern eine ewige, immerwährende und niemals oder
wenigstens lange noch nicht, sehr lange noch nicht sich verändernde
Kraft ist. Wie sollte sich da nicht schon deswegen unser Volk von allen
anderen Völkern unterscheiden, nicht seine eigene Idee in sich tragen?
Ist es nicht klar, im Gegenteil, daß unser Volk schon den organischen
Keim einer unterschiedlichen Idee in sich trägt? Diese Idee schließt
eine so große Kraft in sich, daß sie natürlich unsere ganze weitere
Geschichte beeinflussen wird, und da sie eine ausschließlich
russisch-eigenartige ist, so kann auch _unsere Geschichte nicht der
Geschichte anderer europäischer Völker ähnlich_ und noch viel weniger
ihre sklavische Kopie sein. Das ist es, was unsere klugen Köpfe nicht
verstehen wollen, die da glauben, bei uns könne sich alles ohne jegliche
Eigenart genau nach europäischem Muster verwandeln, und die sogar diese
unsere Eigenart hassen, so daß es vielleicht noch mit einem Unglück
enden kann. Daß aber bei uns alles anders und ursprünglich ist, dazu
diene folgendes Beispiel. In unserer Zukunft, wenn wir die Periode
unseres Pseudoeuropäismus überwunden haben werden, kann z. B. die
bürgerliche Freiheit sich nur bei uns in einem Grade entwickeln, wie
nirgends in Europa und nicht einmal in den Vereinigten Staaten von
Nordamerika. Auf dieser felsenfesten Grundlage, auf der Liebe des Volkes
zu seinem Zaren als seinem Vater, und nicht durch ein geschriebenes
Gesetz wird diese Entwicklung sich vollziehen – denn Kindern kann man
vieles erlauben, was bei anderen Völkern, die nach Kontrakten leben,
undenkbar ist, Kindern kann man ebenso vieles auch anvertrauen und
ebenso vieles verzeihen, denn Kinder werden ihren Vater nicht verraten
und wie Kinder von ihm jeden Verweis ihrer Fehler in Liebe
entgegennehmen.
Und einem solchen Volke soll man nun nicht Vertrauen schenken? Mag es
deshalb selbst von seinen Bedürfnissen reden und nicht andere für sich
sprechen lassen: wir, die Intelligenz des Volkes, wir müssen erst hören,
was es sagt. Oh, nicht aus politischen Gründen schlage ich etwa vor,
zeitweise unsere Intelligenz aus dem Spiele zu lassen – schreiben Sie
mir bitte nicht politische Ziele zu –, nein, ich habe den Vorschlag _aus
rein pädagogischen_ Gründen gemacht. Ja, hören wir zu, wie klar und
vernünftig das Volk, ganz ohne unsere Hilfe, seine Wahrheit ausdrücken
und wie es in der Sache gerade den Nagel auf den Kopf treffen wird, und
ohne uns zu beleidigen, wenn auch von uns die Rede sein sollte. Mögen
wir vom Volke lernen, wie man die Wahrheit spricht. Von ihm können wir
Demut und Lebenserfahrung und Wirklichkeitssinn lernen. Sie werden mir
antworten: „Soeben sagten Sie, wie leicht das Volk allen unsinnigen
Gerüchten glaube, – welch eine Weisheit können wir da von ihm erwarten?“
Nun, Gerüchte sind etwas ganz anderes, und nicht – die Einheit in der
allgemeinen Sache. Hier, im Volk, werden wir etwas Ganzes erblicken, und
das Ganze wirkt durch sich selbst und das Ganze bringt zur Vernunft. Ja,
für uns wird es in Wahrheit eine Schule sein, die fruchtbringendste
Schule. Wir werden erstaunt sein, beim Volke so viel Lebenserfahrung und
Ernst zu finden; freilich wird es auch solche geben, die ihren Augen
nicht trauen wollen, aber solcher sind wenige, denn alle wirklich
Aufrichtigen, die nach Wahrheit verlangt, und denen es um die allgemeine
Sache und den allgemeinen Nutzen zu tun ist – die werden sich an die
wahren Worte des Volkes halten. Alle diejenigen aber, die nicht
aufrichtig der Sache ergeben sind, werden mit ihrem Mißtrauen nur ihre
eigene Inhaltslosigkeit aufdecken. Und wenn es noch welche gibt, die dem
Volke nicht Glauben schenken, so sind das nur Altgläubige und Doktrinäre
der vierziger und fünfziger Jahre, alte, unverbesserliche Kinder, die
nur lächerlich und ganz unschädlich sein werden. Doch alle anderen außer
diesen werden sich die Augen reiben und endlich zu sehen anfangen. Das
kann außerordentlich wichtige Folgen haben, denn ... denn auf diese
Weise kann der Anfang, der erste Schritt zur Vereinigung unseres
Standes, der Intelligenz, die so hoch über dem Volke zu stehen meint,
mit dem Volke gemacht werden. Ich spreche nur von einer geistigen
Vereinigung, denn die nur haben wir nötig, die wird uns zu allem
verhelfen, wird alles umschaffen und eine neue Idee bringen. Unsere
helle und frische Jugend, denke ich, wird die erste sein, die ihr Herz
dem Volke schenken und es verstehen wird. Ich hoffe auch deshalb so sehr
gerade auf sie, weil sie selbst so leidet im „Suchen nach Wahrheit“: in
der Sehnsucht nach ihr wird sie sofort fühlen, daß auch das Volk nach
ihr sucht. Und wenn die Jugend der Seele des Volkes nahestehen wird,
dann wird sie auch diese Phantasien lassen, die jetzt so viele Jünglinge
beherrschen, alle jene, die sich einbilden, die Wahrheit in den
verstiegensten europäischen Lehren zu finden. Oh, ich glaube, daß ich
nicht phantasiere und die heilsamen Folgen vergrößere, die aus diesem
Ereignisse hervorgehen würden. Der Hochmut würde fallen und die
Ehrfurcht vor der mütterlichen Erde wiedergeboren werden. Eine ganz neue
Idee würde plötzlich in unsere Seele leuchten und alles erleuchten, was
bis jetzt im Dunkeln gelegen, und mit ihrem Lichte die Lüge ertöten.
Und, wer weiß, vielleicht wäre das der Anfang einer Reform, die durch
ihre Bedeutung hoch über der Reform der Leibeigenschaft stände: wäre sie
doch gleichfalls eine Befreiung – eine Befreiung unserer Geister und
Herzen von dem Leibeigenschaftsverhältnis zu Europa, in dem wir zwei
Jahrhunderte gestanden, ganz ähnlich unserem Bauern – unlängst noch ein
Sklave wie er. Und wenn diese zweite Reform sich verwirklichen könnte,
so wäre sie auch nur eine Folge der großen ersten Reform, der Aufhebung
der Leibeigenschaft zu Anfang der Regierung unseres Zar-Befreiers. Mit
der einen wäre die materielle Wand gefallen, die das Volk von der
Intelligenz trennte, mit der zweiten fiele diese Wand auch ideell. Was
könnte höher stehen, was wäre fruchtbringender für Rußland als dieser
geistige Bund aller Stände? Die, welche sich bis jetzt des Volkes
schämten, des angeblich barbarischen und jegliche Entwicklung hemmenden,
die werden sich dieses Schämens schämen und sich mit dem Volke aussöhnen
und vieles wieder achten können, was sie früher verachteten. Und wenn
das Volk ihnen geantwortet, seine Sache ihnen vorgelegt hat und sein
demütiger Mund verstummt – dann fragen Sie meinethalben auch unsere
Intelligenz, und wär’s auch nur nach ihrer Meinung über das Volk, und
sie werden sofort die Folgen bemerken. Oh, auch ihr Wort wird dann
fruchtbar werden, denn sie ist doch nun einmal die Intelligenz, und das
letzte Wort gehört ihr. Das uns alsdann vom Volke gegebene Beispiel
würde uns auf jeden Fall von Unüberlegtheiten und Dummheiten abhalten,
die von uns, wenn wir zuerst das Wort gehabt hätten, unfehlbar begangen
worden wären. Und Sie werden sehen: unsere Intelligenz würde dann nichts
mehr im Widerspruch zum Volke sagen, sondern würde dessen Wahrheit in
die ganze Breite seiner Bildung hineinentwickeln und sie
wissenschaftlich erläutern und begründen – denn auch das Volk hat die
Wissenschaft nötig. Ja, und wenn sich auch Widersprüche einstellen
würden, Widersprüche gegen gewisse Grundlagen unseres Volkes, so würden
sie es doch nicht wagen, sich so heftig gegen den Volksgeist
aufzulehnen, und das ist sogar sehr wichtig.
Ja, es ist sogar sehr leicht möglich, daß unsere seelische Ruhe schon
bei dem ersten Schritt wiederkehrt. Es würde eine allgemeine, alle
vereinigende Hoffnung erstehen, und wir würden uns über unsere Ziele
klarer werden. Das aber wäre wichtig: denn unsere bewußte Kraft, unsere
Intelligenz, ahnt ja kaum, welchen Inhalts unsere nationalen und
staatlichen Ziele sind oder sein können. Gerade hier liegt heute die
Unsicherheit, und gerade die ist gewiß auch die Quelle unserer
Ruhelosigkeit und Verstimmtheit, und nicht nur dem Gegenwärtigen,
sondern noch viel mehr dem Zukünftigen gegenüber. Alles das könnte
aufgeklärt und erläutert werden, oder wir bekämen einen Hinweis auf
Mittel, mit denen man bei uns etwas erlangen könnte, wir würden auf neue
Gedanken kommen ...
Doch genug! Ich habe gesprochen, wie ich es verstanden habe. Wenn man
nicht alles versteht, wenn ich mich unzureichend ausgedrückt, so nehme
ich die Schuld auf mich – aber das, was man versteht, möge man in einer
friedlichen und unverletzenden Weise verstehen. Ich wünschte nur, daß
man unparteiisch begriffe: daß ich zuerst und vor allen Dingen für das
Volk stehe, daß ich an seine Seele, an seine Kräfte, deren Größe noch
niemand von uns zu ahnen scheint, wie an ein Heiligtum glaube,
hauptsächlich aber an die errettende Bedeutung des großen, alles
erhaltenden und aufbauenden Volksgeistes. Mich verlangt nur nach einem:
daß alle ihn erschauten – denn wenn sie ihn nur einmal erschaut haben,
werden sie sofort auch alles Übrige verstehen.
Die Meinung eines geistreichen Bureaukraten über unsere Liberalen
und Westler
... Ich will von einem geistvollen Bureaukraten erzählen, der mir vor
kurzem in einer Gesellschaft eine sehr interessante Sache
auseinandergesetzt hat – eine, die gerade jene Grundsätze berührt, die
für die Veränderung unserer gegenwärtigen[36] Lage in Frage kommen.
Das Gespräch drehte sich um die Finanzen, um die allgemeine ökonomische
Situation, und zwar speziell in dem Sinne, daß wir Russen unsere Mittel
nicht verschwenden sollten, sondern vernünftig mit ihnen umzugehen
versuchen müßten, damit auch nicht eine einzige Kopeke für irgendeine
Phantasterei hinausflöge.
Über diese Art Ökonomie wird jetzt bei uns überall gesprochen, und die
Regierung beschäftigt sich unausgesetzt mit diesem Problem. Es ist auch
tatsächlich so etwas wie eine Kontrolle eingeführt worden, und
alljährlich will man in den Etats eine bestimmte Summe zu streichen
suchen. In der letzten Zeit sprach man sogar von einer Verringerung der
Armeeausgaben. Manche meinten, man könne das stehende Heer auf die
Hälfte der Truppen herabsetzen. „Deswegen“, hieß es, „würde doch nichts
anders werden“. Das wäre ja alles ganz wunderbar, aber trotzdem gibt es
etwas, was sich einem dabei unwillkürlich in die Gedanken einschleicht:
Gut, wir reduzieren die Armee vorläufig um fünfzigtausend Mann, das Geld
aber geht uns doch wieder durch die Finger, für dieses und jenes,
natürlich nur für die Bedürfnisse des Staates, jedenfalls aber für
Bedürfnisse, die so radikaler Opfer nicht wert sind. Die abgeschafften
fünfzigtausend Mann jedoch werden wir dann niemals wieder einbringen
können, oder höchstens mit Mühe und Not; denn was man einmal abgeschafft
hat, ist schwer wieder anzuschaffen. Soldaten aber brauchen wir mehr als
je und besonders jetzt, da in Europa alle einen Stein für uns bereit
halten. Es ist gefährlich, diesen Weg zu betreten, doch nur in der
_gegenwärtigen_ Zeit. Wir würden nur dann uns überzeugen lassen, daß
dieses heilige Geld wirklich für etwas Notwendiges ausgegeben wird, wenn
wir, z. B. den Entschluß faßten, unerbittliche Ökonomie zu treiben, so
wie etwa Peter sie durchgeführt haben würde, wenn er sich vorgenommen
hätte, zu sparen. Sind wir nun aber dazu fähig, bei den „schreienden“
Nöten unserer gegenwärtigen Lage, in der wir nun einmal stecken? Ich
bemerke hierbei, daß dieses einer der ersten Schritte wäre zu einer
Umkehr vom alten, phantastischen Gegenwärtigen zum neuen, wirklichen und
für uns notwendigen Zukünftigen. Wir reduzieren ziemlich oft die Etats,
das Beamtenpersonal usw., doch das Ergebnis ist immer dasselbe: daß die
Etats ganz von selbst sich wieder vergrößern und vermehren. Ja, sind wir
denn überhaupt fähig zu einer richtigen Reduzierung, fähig, zum
Beispiel, von vierzig Beamten mit einemmal auf vier herunterzugehen? Daß
vier Beamte ohne Ausnahme dasselbe leisten können, was jetzt vierzig
leisten, das wird natürlich niemand bezweifeln, besonders bei einer
Vereinfachung des Eingaben- und Verordnungswesens mit all seinen
Schreibereien, und überhaupt bei einer radikalen Veränderung der
jetzigen Formen der Beamtenarbeit.
Auf dieses Thema kamen wir, wie gesagt, zufällig zu sprechen. Einige
bemerkten, daß eine derartige Reform jedenfalls ein großer Bruch mit dem
Alten wäre. Andere entgegneten, daß bei uns schon viel kapitalere
Reformen als diese durchgeführt worden seien. Die Dritten fügten hinzu,
daß man den neuen Beamten, also diesen vier, die die vierzig ersetzen
sollen, das Gehalt sogar verdreifachen könnte, und daß diese dann gewiß
treffliche Arbeiter abgeben würden. Und selbst wenn man das Gehalt auch
für diese vier verdreifachte, so würde ihr Gehalt doch nur dem der
jetzigen zwölf entsprechen; folglich wären die Ausgaben immer noch um
fast drei Viertel der heutigen vermindert.
Hier aber geschah es, daß mich mein Bureaukrat unterbrach. Ich bemerke
noch, daß auch er zu meiner größten Verwunderung gegen die Möglichkeit,
durch vier vierzig zu ersetzen, nichts einzuwenden hatte: „Auch mit
vieren wird es sich machen lassen.“ Doch was er angriff, war etwas ganz
anderes: er wies auf das Grundsätzliche hin, auf die Fehlerhaftigkeit
und das Verbrecherische dieses neuen „Prinzips“. Ich kann seine
Entgegnung nicht wörtlich wiedergeben, und ich führe sie nur an, weil
mir seine Meinung in ihrer Art bemerkenswert erschien und so etwas wie
eine pikante Idee enthielt. Er hat sich natürlich nicht herabgelassen,
auf Einzelheiten einzugehen, da ich in dieser Sache nicht „Spezialist“
bin: „verstehe wenig davon“, was vorauszuschicken ich mich beeile – aber
sein „Prinzip“, so hoffte er, würde mir doch einleuchten.
„Die Reduzierung der Beamten von vierzig auf vier,“ begann er gemessen
und in eindringlichem Tone, „ist für die Sache nicht nur unnütz, sondern
allein schon ihrem Wesen nach direkt schädlich, trotz der tatsächlich
beträchtlichen Verringerung der Staatsausgaben. Unmöglich und schädlich
wäre nicht nur, von vierzig auf vier zu reduzieren, sondern selbst von
vierzig auf achtunddreißig. Und das aus folgendem Grunde: es wäre ein
verderblicher Anschlag auf das Grundprinzip. Jetzt sind es zweihundert
Jahre her, d h. seit Peter, daß wir, die Bureaukraten, im Reiche _alles_
sind; ja, im Grunde genommen sind _wir_ das Reich und überhaupt _alles_;
– _das Übrige_ – ist nur Anhängsel. Wenigstens ist es bis vor kurzem,
bis zur Aufhebung der Leibeigenschaft, noch so gewesen. Alle früheren
Wahlämter, als da sind ... nun, da, die der Adligen zum Beispiel, haben
ganz von selbst, sozusagen infolge einer Anziehungskraft, unseren Geist
und Sinn angenommen. Und wir haben uns deswegen, als wir das einsahen,
keineswegs beunruhigt; denn das Prinzip, das vor zweihundert Jahren
aufgestellt worden ist, wurde dadurch nicht im geringsten angegriffen.
Nach der Bauernreform schien allerdings etwas Neues kommen zu wollen: es
kam die Selbstverwaltung, es kam das Semstwo usw. ... Jetzt hat es sich
deutlich erwiesen, daß auch all dieses Neue sofort und ganz von selbst
unsere Form, unsere Seele und unsere Gestalt annimmt, sich sozusagen in
unsere Form verwandelt. Und das ist nicht etwa durch Zwang geschehen –
das wäre eine total falsche Auffassung –, sondern gerade ganz von
selbst; denn es ist schwer, sich Jahrhunderte alter Gewohnheiten zu
entledigen, und wenn Sie wollen, ist das auch nicht nötig, besonders
nicht in einer so fundamentalen und großen Nationalfrage. Sie können mir
das, wenn Sie wollen, nicht glauben; doch wenn Sie tiefer nachdenken, so
werden Sie die Richtigkeit des Gesagten, dessen bin ich gewiß,
anerkennen. Denn – was sind wir? Wir sind _alles_, sind bis jetzt
_alles_ gewesen und werden fortfahren, alles zu sein, – und wiederum
ohne uns darum selber sonderlich zu bemühen, einfach nach dem
natürlichen Gang der Dinge, also unwillkürlich! Es ist schon lange her,
daß man sagt, unsere Arbeit sei tote, papierene Kanzleiarbeit, und
Rußland wäre all dem entwachsen. Vielleicht ist es dem entwachsen, aber
vorläufig sind wir immer noch die einzigen, die Rußland halten und es
davor bewahren, daß es auseinanderfällt! Denn das, was Sie erstarrtes
Kanzleitum nennen, – d. h. also wir, als Einrichtung, und dann auch
unsere ganze Tätigkeit – das ist, wenn man sich eines Beispiels bedienen
will, wie das Skelett, in einem lebendigen Organismus. Zerstören Sie das
Skelett, werfen Sie die Knochen durcheinander – und der ganze lebendige
Körper muß vergehen. Schön, mag die Sache auch noch so tot betrieben
werden, dafür aber geht es nach dem System, nach dem Prinzip, dem großen
Prinzip – erlauben Sie, daß ich Sie darauf aufmerksam mache. Mag es auch
auf Kanzleimanier geschehen, meinetwegen sogar schlecht, unvollkommen,
so wird es immerhin irgendwie doch gemacht und, die Hauptsache: Rußland
steht noch und fällt nicht! Das ist es ja, daß es noch immer nicht
fällt! Ich bin bereit, Ihnen zuzugeben, daß wir im Grunde meinetwegen
auch nicht gerade _alles_ sind, – oh, wir sind klug genug, um
einzusehen, daß wir nicht _ganz_ Rußland sind und besonders jetzt nicht;
dafür aber sind wir immerhin _etwas_, d. h. etwas bereits Wirkliches,
tatsächlich Vorhandenes, wenn auch vielleicht teilweise Körperloses. Nun
aber, was habt ihr, womit ihr uns ersetzen könntet? Woraufhin könnten
wir uns mit der Überzeugung zurückziehen, daß auch bei euch ein _Etwas_
entstanden ist, das uns wirklich ersetzen kann, – ohne daß alles fallen
muß? All diese Selbstverwaltungen und Semstwos – das ist doch vorläufig
immer noch ein Vogel in den Wolken, meinetwegen ein prachtvoller Vogel,
einer, der unter dem Himmel herumfliegt, jedoch immerhin einer, der sich
noch niemals auf die Erde herabgelassen hat. Folglich ist er trotz
seiner Schönheit als Wert für uns eine Null, wir aber, wenn wir auch
durchaus nicht ‚prachtvoll‘ sind und man unser sogar sehr überdrüssig
geworden ist, wir aber _sind_ dafür wenigstens etwas, und zwar nichts
weniger als eine Null. Ihr nun werft uns vor und beschuldigt uns: wir
seien daran schuld, daß der Vogel sich bis jetzt noch nicht auf die Erde
herabgelassen hat, und wir bemühten uns, ihn, den prachtvollen Vogel, in
unsere Bureauform umzuwandeln, unserem Kanzleigeist anzupassen. Es wäre
natürlich sehr nett von uns, wenn das wirklich der Fall wäre; denn damit
würden wir beweisen, daß wir für das ewige, grundlegende und edelste
Prinzip einstehen, und eine nutzlose Null in ein nützliches Etwas
verwandeln. Doch glauben Sie mir, hierbei tragen wir nicht die geringste
Schuld, oder doch nur eine verschwindend geringe Schuld, und glauben Sie
mir, der herrliche Vogel ist selber im Zweifel: er weiß selbst nicht,
was er eigentlich werden soll – das, was wir sind? oder wirklich etwas
Selbständiges? Wie gesagt, er ist noch selber unschlüssig und hat
vielleicht sogar ein wenig den Kopf verloren. Ich versichere Sie, er ist
aus eigenen freien Stücken zu uns gekommen, und wir haben ihn nicht im
geringsten zu beeinflussen gesucht. So stellt es sich heraus, daß wir
sozusagen ein natürlicher Magnet sind, zu dem in Rußland bis heute noch
alles hingezogen wird – und das kann noch lange, lange so fortdauern.
Sie glauben mir noch immer nicht? Es erscheint Ihnen vielleicht
lächerlich? Und doch bin ich bereit, um einerlei was zu wetten:
versuchen Sie es, lösen Sie Ihrem herrlichen Vögelchen die Flügel,
gestatten Sie ihm alle Freiheiten, befehlen Sie zum Beispiel Ihrem
Semstwo mit aller Strenge: ‚Von jetzt ab mußt du ein selbständiger und
nicht mehr ein bureaukratischer Vogel sein!‘ – und, glauben Sie mir, daß
alle Vögel, wie sie da sind, ohne eine Ausnahme, sich von selbst noch
viel mehr zu uns drängen und schließlich damit enden werden, daß sie
sich in echte, rechte Beamte verwandeln, unseren Geist und unsere
Gestalt annehmen, alles von uns kopieren! Sogar der Bauer wird zu uns
kommen, denn es würde ihm doch gar zu schmeichelhaft sein, uns ähnlich
zu werden! Nicht umsonst hat sich der Gefallen, den sie an uns Beamten
gefunden haben, zweihundert Jahre lang entwickelt. Und Sie verlangen
nun, daß wir, das einzig Reale und Feststehende in Rußland, uns selber
gegen dieses Rätsel eintauschen sollen, gegen diese Scharade, gegen
diesen Ihren schönen Vogel in den Wolken? Nein, lieber behalten wir
unseren Sperling in der Hand. Lieber verbessern wir uns selber
irgendwie, nun, sagen wir, indem wir etwas Neues einführen, etwas mehr,
wie Sie es nennen, Fortschrittliches, dem Geiste der Zeit
Entsprechenderes: wir werden, sagen wir, etwas wohltätiger werden oder
sonst irgend etwas von der Art ... Aber gegen das Hirngespinst, den
plötzlich erschienenen Traum, tauschen wir nicht unser einziges reales
_Etwas_ ein; denn es ist klar, daß wir vorläufig niemanden haben, der
uns ersetzen könnte! Wir widersetzen uns der Vernichtung sozusagen durch
unseren mächtigen passiven Widerstand. Dieser Widerstand ist es gerade,
der an uns wertvoll bleibt, denn nur durch ihn allein hält sich noch
alles in unserer Zeit. Darum aber wäre der Versuch, uns von vierzig auf
achtunddreißig zu reduzieren (von einem ‚von vierzig auf vier‘ ganz zu
schweigen) grundschädlich, ja wäre sogar unmoralisch! Man würde Kopeken
sparen, dafür aber das Prinzip zerstören. Vernichten Sie, verändern Sie
jetzt noch unsere Formel, wenn Sie nur das Gewissen dazu haben: Es würde
ein Verrat an unserem ganzen russischen Europäismus, an unserer ganzen
Bildung sein! – wissen Sie das auch? Das wäre die Verneinung dessen, daß
auch wir ein Reich, auch wir Europäer sind, das wäre Verrat an Peter!
Und wissen Sie, Ihre Liberalen – übrigens die unserigen gleichfalls –,
die in den Zeitungen so heftig für die Semstwos gegen das Beamtentum
eintreten, widersprechen sich im Grunde genommen alle selbst. Denn diese
Semstwos, alle diese Neuheiten ‚im volklichen Geiste‘ – das sind doch
dieselben ‚Volksgrundsätze‘, oder die beginnende Formulierung dieser
Grundsätze, über die jene Partei, die unseren europäisierenden Russen so
verhaßt ist, eben die ‚russische Partei‘ zetert (vielleicht haben Sie
schon gehört, daß man sie in Berlin so benannt hat?); das sind diese
selben ‚Grundsätze‘, die unser russischer Liberalismus und Europäismus
so wütend leugnet, die er verlacht und sogar nicht einmal als vorhanden
anerkennen will! Oh, er fürchtet sie sehr: Nun, wie, wenn sie
tatsächlich vorhanden sind und sich verwirklichen – dann ist’s doch in
gewissem Sinne eine unangenehme Überraschung! Also sind alle Ihre
Europäer genau genommen mit uns und wir mit ihnen ... was sie eigentlich
schon längst hätten einsehen und sich merken sollen. Wenn Sie wollen,
sind wir nicht nur mit ihnen, sondern sogar _wir sind sie_, denn wir
sind ein und dasselbe: in ihnen, in ihnen selber ist unser Geist
enthalten und sogar unsere Gestalt, gerade in diesen Ihren Westlern. Ja,
das ist tatsächlich so! Und ich werde Ihnen noch etwas sagen: Europa, d.
h. das russische Europa oder Europa in Rußland – das sind ja nur wir
allein! Wir sind die Verkörperung der ganzen Formel des russischen
Europäismus und enthalten sie restlos in uns. Wir allein sind ihre
Ausleger. Ich begreife nicht, warum man diesen unseren Europäern nicht
für ihren Europäismus gewisse Kennzeichen verleiht, wenn wir mit ihnen
doch nun einmal so ohne weiteres zusammenfließen? Mit Vergnügen würden
sie sie tragen, und damit könnte man auch noch viele anlocken. Aber bei
uns versteht man’s nicht. Nichtsdestoweniger schimpfen sie auf uns – die
Eigenen erkennen die Eigenen nicht! Doch, um mit Ihren Semstwos und all
diesen Neuheiten endlich abzuschließen, sage ich Ihnen ein für allemal:
Nein! Denn dieses ist eine lange Sache und keineswegs so kurz, wie Sie
vielleicht annehmen. Dazu bedarf es einer eigenen vorhergehenden Kultur,
einer eigenen, neuen, vielleicht noch einmal zweihundertjährigen
Geschichte. Nun, sagen wir, einer hundertjährigen, oder meinetwegen auch
fünfzigjährigen, da wir ja jetzt das Jahrhundert der Telegraphen und
Eisenbahnen haben. Also immerhin doch eine fünfzigjährige Entwicklung:
also geht es nicht sofort. Augenblicklich jedenfalls wird nichts anderes
entstehen als unseresgleichen. Und so wird es noch lange bleiben.“
Damit verstummte mein Bureaukrat stolz und würdevoll, und, wissen Sie,
ich habe ihm auch nichts entgegnet, denn in seinen Worten war gerade
solch ein „Etwas“, irgendeine traurige Wahrheit, die wirklich, wirklich
da ist. Selbstverständlich war ich innerlich nicht mit ihm
einverstanden. Und zudem – in _solchem_ Ton sprechen nur Leute, die sich
überlebt haben. Aber trotzdem war in seinen Worten „etwas“ ...