Die russische Politik ist immer wieder auf ihre byzantinische Grundidee
zurückgekommen. Nur die Begründung dieser Idee hat durch die
Jahrhunderte gewechselt. Und fast unterscheiden sich die einzelnen
Zeitalter der russischen Geschichte wie die verschiedenen Formulierungen
des byzantinischen Gedankens.
Diese Begründung war nacheinander machtpolitisch, kirchenpolitisch und
panslawistisch, sie war zwischendurch bald das eine, bald das andere,
oft mehreres zugleich – je nachdem, welche Persönlichkeiten und
Gesichtspunkte, welche Kreise und Stimmungen die Begründung bestimmten.
Macht verband sich freilich immer mit ihr. Es war für die Zaren eine
besonders lockende Vorstellung, Selbstherrscher in der Stadt desselben
Konstantin zu werden, der einst verkündet hatte, daß der Wille des
Kaisers Kanon für das Volk sei. Ebenso fühlte sich die Beamtenschaft,
die höfische und politische Bürokratie, schon durch ihre Gewaltneigungen
zu der Stätte hingezogen, wo der Zeremonialstaat, aber auch der
Polizeistaat entstanden war. In einem verwandten und nur geheiligteren
Drange sehnte sich die Orthodoxie danach, wieder in die Stadt des
ökumenischen Patriarchen einziehen zu können, in der vordem das erste
Kyrie eleison erklang. Byzanz gab dem Russischen Reiche seinen
theokratischen Stil. Wie die mittelalterlichen Deutschen aus Rom das
Romanische herüberholten, so nahmen die Russen in Byzanz das Griechische
auf. Während den Rumänen auf dem Balkan das freilich entartete und
verkümmerte Erbe des Lateinertums zufiel, übernahmen die Russen für das
Slawentum die reichere und stolzere Überlieferung des oströmischen
Hellenismus. Byzanz wurde nach Rußland übertragen: und nicht nur in den
Symbolen, sondern vor allem in den Instinkten und Prinzipien. Nach jener
symbolischen Vermählung mit der letzten Palaiologin, die man Sophia
hieß, wie die große Kathedrale von Ostrom, wurden Wappen und
Herrschertitel, byzantinische Etikette, aber auch byzantinisches
Patriarchat, Klerikalverfassung, Klosterleben, byzantinisches Recht, das
an die Stelle des normannischen trat, nach Rußland hinübergeführt. Und
so fest wuchs in Moskau die Autokratie mit der Orthodoxie zusammen, so
sehr wurde das Byzantinische zur Grundlage des Reichsgefüges wie
Volkstums, daß man es schließlich gar nicht mehr als Byzantinismus,
sondern als autochthones, altheiliges, echtrussisches Gut empfand. Und
schon diese kirchen- und machtpolitische Begründung begleitete ein
nationalistisches Empfinden: Kyrill und die Slawenapostel, die Schöpfer
des russischen Alphabets und der altslawischen Kirchensprache,
vereinigten Russentum und Byzantinertum in einer slawophilen Gesinnung,
die später, als Rußland in seine historischen Gegensätze zum
europäischen Westen wie zum islamitischen Orient geriet, als
panslawistisches Bewußtsein der russischen Politik ihr geschichtliches
Ziel geben sollte: mit dem Besitz von Byzanz diese ganze Entwicklung
abzuschließen.
Die Eroberung von Byzanz ist früh versucht worden. Es waren noch
griechische Kaiser und bulgarische Zaren, die russische Großfürsten vom
Balkan zurückschlugen. Dann kam die Zeit, in der die Mongolen über
Rußland herrschten. Damals entschwand Byzanz völlig den russischen
Blicken. Auf die Mongolen aber folgten im Süden von Rußland die Tataren
und schoben sich trennend zwischen Moskau und den Balkan. Diesem
Tatarengürtel, dem Khanat der Krim, das seine Macht um den nördlichen
Rand des Schwarzen Meeres lagerte, verdanken die Balkanslawen heute, daß
ihre Nationalität sich erhielt, die ohne diese Trennung vom
Großslawentum in diesen Jahrhunderten der Russifizierung verfallen wäre.
Als aber Moskau, als das Großrussentum, das im Großslawentum die
politische Führung übernahm, wieder politische Bewegungsfreiheit erhielt
und von neuem den Blick nach Byzanz hinüberwandte, da waren hier
inzwischen große Veränderungen geschehen. Die Türken waren den Russen
zuvorgekommen: Byzanz war mohammedanisch geworden. Kaum ließ sich in
dieser Zeit das Schutzrecht über die Balkanslawen und Balkanchristen
aufrechterhalten und wenigstens andeuten, das erst Peter der Große
wieder gegen die Türkei ausgespielt hat, und das bis zum letzten
russisch-türkischen Kriege von der russischen Politik bald mehr
diplomatisch, bald mehr ideologisch ausgespielt worden ist. Es wurde
früh Prinzip dieser Politik, Prinzip von Instinkten der Rasse, die ihre
historischen Hemmnisse wie Möglichkeiten herauswitterte, sich immer auf
der Linie des geringeren Widerstandes vorwärts zu bewegen: sinkender
Staaten oder wilder, niederer, jedenfalls schwächerer Völkerschaften.
Und vorläufig lag diese Türkei, der gelungen war, was Rußland versäumt
oder verfehlt hatte, und die damals Ungarn, Polen, Wien bedrohte,
entschieden nicht auf dieser Linie des geringeren Widerstandes, auf der
die russische Politik ihre größten Erfolge erringen sollte. Vorläufig,
in einer Zeit, als Europa in den Wirren der Religionskriege und
Erbfolgestreite sich selber schwächte, als Österreich den Türkensturm
auszuhalten hatte, die schwedische Politik zwischen Rußland und Polen
als Gegner schwankte, Polen zerfiel, schien eher der Westen auf dieser
Linie zu liegen. Und so füllte denn die russische Politik diese Zeit, in
der sie vom Süden und Osten abgedrängt war, und in der abgewartet werden
mußte, bis die Türkei schwächer wurde und sich allmählich jenes Prinzip
des geringeren Widerstandes auch auf sie anwenden ließ, mit ihren
Vorstößen nach Europa aus, die dem Russentum allerdings nur die
Zwieschaften eines Westlertums in das Land und das Leben tragen sollten.
Über der Gründung von Petersburg wurde die Eroberung von Byzanz
vergessen. Doch blieb der Norden den Russen stets unheimlich, wie der
Westen ihnen peinlich war. Nur Peter konnte wagen, den Norden zu
zwingen. Peter war selbst ein nordischer Mensch, schon deshalb, weil er
sich auch auf die unrussische Linie des größeren Widerstandes vorwagte,
war ein letzter Waräger, im Temperamente vom Willensschlage und
Schaffensdrange des Großen Kurfürsten, im Charakter mit strindbergischen
Zügen grausamen Menschenmißtrauens. Aber sogar die Ostsee blieb den
Russen immer fremd. Früh fühlten sie, daß das baltische Meer nie ein
slawisches Meer werden würde, daß der Mensch der Steppe kein Mensch des
Ruders ist. Im Kampf um die Ostsee wurde das Russentum nur an die Grenze
des größeren Widerstandes abgedrängt, an der es schließlich Europa vor
sich hatte, eine kulturelle und, aus ihr sich immer wieder ergebend,
eine politische Überlegenheit, gegen die es nicht aufzukommen vermochte.
Zwar suchte es die Grenze immer wieder zu überschreiten, aber nur, um
neue Zwieschaften des Westlertums in sich aufzunehmen, die das Russentum
auf Nachahmung stellten, und damit vor die Gefahr, sich von sich selber
zu entfremden. Die Linie des geringeren Widerstandes konnte für Rußland
immer nur in den Grenzenlosigkeiten von Osten und Süden liegen, dort, wo
die slawische Welt sich einst mit der verfallenden antiken, jetzt mit
der heraufgekommenen islamitischen mischte. Die russische Politik blieb
daher, was sie war: eine Politik dieser Grenzenlosigkeit. Sie suchte die
russische Herrschaft mit der Schrankenlosigkeit von Instinkten
auszudehnen, die von der weiten Natur des russischen Landes in einem
besonderen Maße gerechtfertigt, ja, herausgefordert zu werden schienen.
Und ein einziges festeres, ein phantasmagorisches, freilich auch sehr
realpolitisches Ziel in dieser orientalischen Grenzenlosigkeit, in deren
Fernen die Wüste, Indien und Asien lag, war dann stets, bei europäischer
Nähe und russischer Erreichbarkeit, die Stadt des Konstantin, von der
aus Selbstherrschertum wie Rechtgläubigkeit einst in die slawische Welt
gekommen war. Immer wieder, langsam, auf einem asiatischen Umwege, auf
dem zuerst Kasan und Astrachan erobert, das Kaspische Meer erreicht
wurde, und der sich noch im Bogen um das Schwarze Meer bewegte, fühlte
deshalb das Russentum, zunächst im Kampf gegen das Krimtatarentum, in
der Richtung auf die Türkei und Konstantinopel vor, in der sich, als
Symbol seiner geistigen Selbständigkeit und geschichtlichen Sendung, der
Kuppelberg der Agia Sofia erhob.
* * * * *
Schon Iwan der Dritte steckte die Grenzenlosigkeiten der russischen
Ausdehnungsmöglichkeiten nach geopolitischen Prinzipien ab und wies der
russischen Politik das Ziel: „Die Grenzen des Moskowitischen Reiches bis
zu den von der Natur gewiesenen Marken hinauszurücken, das heißt, bis
zum Uralischen Bergrücken, den Gestaden des Kaspischen Meeres, dem
Kaukasus und dem Pontus.“ Und Iwan der Große, unter dem ohne sein Zutun
die ungeheure kosakische Erwerbung von Sibirien geschah, leitete dann
mit seiner persönlichen Politik die Umklammerung des Schwarzen Meeres
ein, die schließlich zum Kampf gegen die Türkei führen mußte. Sogar
Peter der Große, der durch die Geschichte mit dem Rufe des Westlers
geht, und dem die russische Geschichtsphilosophie der slawophilen und
panslawistischen Epoche später alle Zwiespälte vorwarf, die durch die
Hinüberwendung nach Europa und die Abwendung von Byzanz in den
russischen Volkskörper gekommen sind, hat den Ausgang zum Schwarzen
Meere früher gesucht als den zum Baltischen Meere. Die ganze
klimatische, rassengeographische und religionspolitische Einstellung
Rußlands, die Ausdehnungspolitik, die er vorfand, und übrigens auch
schon Verträge seiner Vorgänger mit Polen und Österreich, verwiesen ihn
auf den Kampf im Orient. Gerade weil er den Westen bewunderte, wollte er
nicht eher vor dessen Urteil treten, als bis er einen Ruhm mit seinem
Namen verbunden hatte: Und dieser Ruhm ließ sich von Rußland aus nur im
Osten erwerben. Die Eroberung von Asow und die Gründung von Taganrog im
damals türkischen Mündungsgebiet des Don wurde deshalb seine erste Tat.
Und dann erst beging er seinen genialen Fehler, der ihn in der
Geschichte so groß gemacht hat, diesen „petrinischen Fehler“, den schon
seine altrussischen Zeitgenossen erkannt, gegen den sie sich als das
Verhängnis Rußlands gewehrt und dessen Rückgängigmachung sie Slawophilie
und Panslawismus hinterlassen haben. Sein russischer Blick blieb nach
Süden und Osten gerichtet: nach Byzanz, orientwärts, asienwärts. Aber
daneben hatte Peter diesen kulturellen Blick, den er nicht wohl
anderswohin wenden konnte als dorthin, wo die nächste überlegene
Nachbarkultur war: nach Europa. Durch eine doppelte Politik, eine, die
orientalisch und europäisch zugleich sein sollte, legte er die weitere
Entwicklung des russischen Staatsgedankens in einer Zwieschaft fest, die
das russische Volkstum aus seiner Ruhe, Verwurzelung, gewohnten Lagerung
warf und den russischen Menschen an sich irre machte. Nun wurde, statt
daß Konstantinopel erobert worden wäre, an ähnlich schicksalsvoller
Stelle, gleichfalls zwischen Wasser und Land, aber ohne Heiligung durch
Überlieferung, zwischen fremden Völkern, Bekenntnissen und Gesittungen,
durch fremde Menschen und Arbeitsweisen, eine neue, eine künstliche, die
befohlene Hauptstadt Petersburg gegründet. Schon bei Peters Lebzeiten
wandte sich das Altrussentum von dem Geiste dieser Gründung ab: Peters
eigener Sohn Alexei sollte das Werkzeug werden, um der eindeutigen,
rechtgläubigen moskowitischen Partei wieder zum Siege zu verhelfen: der
schlaffe Prätendent einer ewigen Idee, der erste Panslawist auf einem
Throne, den er nie bestieg. Peter selbst wandte sich gegen Ausgang
seiner Regierung wieder dem Orient zu. Die Ausdehnung, die er im
Baltikum gegen die Schweden erreicht hatte, konnte ihn nicht für die
Enttäuschung entschädigen, die er am Pontus durch die Türken erlitt.
Asow, der Stolz seiner Jugend, war wieder verloren gegangen. Fast
scheint es, als ob er bereit gewesen ist, seine nordischen Eroberungen,
bis auf Petersburg, gegen Bezahlung wieder herauszugeben, wie dies unter
seinem Vater schon einmal geschehen war. Aber jetzt wollte Schweden
nicht und suchte eine Entscheidung, der es nicht mehr gewachsen war.
Peters letzte Gedanken gingen nach Asien, Persien, China, Sibirien
hinüber. Das machtpolitische Testament, das er hinterließ, geschrieben
oder ungeschrieben, forderte die Zertrümmerung der Türkei. Das
religionspolitische Testament forderte gar, in einer orthodoxen
Wiederaufnahme der katholischen Kreuzzugsgedanken des Mittelalters, den
Erwerb Jerusalems und der heiligen Stätte für Rußland. Und das beinahe
mystische Testament, das er hinterließ, ging noch weiter und forderte
die Eroberung Indiens, des weißen und heiligen Landes am Ganges, für das
Volk des weißen und heiligen Zaren.
Nach Peters Tode schien zunächst das Altrussentum zu siegen, das im
Grunde weder Petersburg noch Konstantinopel, nur sich selbst will,
obwohl seine politischen Ideen noch am ehesten, schon aus religiösen
Motiven, mit byzantinischen Tendenzen in Übereinstimmung zu bringen
sind. Residenz wie Regierung wurden wieder nach Moskau verlegt, freilich
auch wieder nach Petersburg zurück, hin und her. Auch Katharina die
Große, dieser zweite universale Mensch auf dem russischen Throne, die zu
organisieren hatte, was unter Peter pionierhaft abgesteckt worden war,
sah sich in der europäisch-orientalischen Zwieschaft festgelegt, die er
ihr hinterlassen. Doch ihre größten Unternehmungen hat auch sie gegen
die Türkei gerichtet. Die Nordküste des Schwarzen Meeres wurde gewonnen.
Aus den baltischen Häfen lief eine erste Flotte aus, um die Einfahrt in
die Dardanellen, freilich schon damals vergeblich, zu erzwingen. Doch
der entscheidende Friede von Kainardschi, den sie abschloß, und der
Rußland sein Schutzrecht über die Balkanchristen und zugleich eine
Meistbegünstigung seines Handels bestätigte, legte den Grund zu der
ganzen künftigen russischen Orientpolitik. Und wie weitausschauend ihr
Blick war, auch noch über dieses Ergebnis hinaus, das zeigte ihr
Lieblingsplan, ein großes rumänisch-bulgarisches Schutzreich Dazien
zwischen Rußland, Österreich und der Türkei zu schaffen, aus dem
vielleicht einmal ein neubyzantinisches mit der Hauptstadt
Konstantinopel werden konnte, und für das sie bereits ihren Enkel
Konstantin taufen ließ. Und wie realpolitisch zugleich dieser Blick war,
das zeigte ihr Lieblingswunsch, Ägypten zu erobern und zum mindesten
schon Malta im Rücken der Türkei und an Stelle von Franzosen oder
Engländern zu besetzen.
Doch erreicht wurde zunächst nur, unter den Nachfolgern Peters wie
Katharinas: daß Zeit verloren wurde, und daß der richtige Anschluß
verfehlt wurde. Rußland hat durch die petrinische Politik zwei
Jahrhunderte verloren und manche Gelegenheit verfehlt. Jener halbe und
eigentlich planlose Zustand kam auf, von dem Pozzo di Borgo als Minister
Alexanders I. gesagt hat, daß die ganze neuere Politik Rußlands fast
ausschließlich die Zerstückelung Polens zum Gegenstande gehabt habe; und
das war zu wenig für Rußland; war eine kleine Politik; eine unrussische
Politik.
Dafür haben freilich diese zwei Jahrhunderte das russische Volk in die
unmittelbare Nachbarschaft und unter die nachhaltende Einwirkung des
europäischen Westens gebracht, dessen Beispiele es zu seiner Entwicklung
brauchte. Aber gerade dieses russische Westlertum, das sich bildete,
mußte das autochthone Russentum, nachdem es einmal seine byzantinische
Selbständigkeit in Moskau gefunden hatte, in seiner russischen
Selbständigkeit in Rußland gefährden. Schon in der Zeit des falschen
Demetrius hatte ein erstes Westlertum das Moskowitertum vorübergehend
mit der Gefahr der Polonisierung und Katholisierung bedroht. Später
wurden Deutsche, Holländer und Schweden die Lehrmeister, die Rußland
brauchte, um sich in seiner künstlichen europäischen Stellung zu
erhalten, und deren Einfluß es doch immer wieder zurückstieß, weil das
natürliche russische Leben ihn nicht vertrug. Auf den deutschen Einfluß
folgte dann der französische, und auf den französischen wieder der
deutsche, auf den Einfluß Voltaires derjenige Friedrichs des Großen,
selbst Josephs des Zweiten, später Herders, Schillers und Hegels. Aber
gerade auf diesem Umwege über das Westlertum hat die russische
Geschichtsphilosophie, die sich bildete, sich mit den volklichen
Gegenbewegung der Slawophilie und des Panslawismus verbunden und ist von
dem europäischen Gedanken auf den byzantinischen zurückgekommen. Die
Verbindung mit dem Westen, die stets mehr enthusiastische als kritische
Übernahme seiner Probleme, machte das Russentum schließlich selbst
problematisch, brachte es in Widersprüche und Gegensätze aller Art, in
Unvereinbarkeiten des Geistes wie des Staates. Es ist dabei durchaus
eine Sache und Seite für sich, daß diese Problematik das Russentum
zugleich schöpferisch machte: nicht nur in der Arbeit, die Peter und
Katharina für Rußland leisteten, sondern auch in der Selbsterkenntnis
aller der Mißverständnisse und Übertreibungen des Westlertums, die Gogol
zur grotesken Drastik erhob, und in derjenigen seiner schweren
seelischen Erregungen, Erschütterungen, Erkrankungen, die Dostojewski in
dem realistischen Schattenreich einer russischen Apokalypse umgehen
ließ. Dieses russische Schöpfertum verbindet uns heute mit der
russischen Geistigkeit, die, nicht ein Teil, doch eine östliche
Ergänzung unserer eigenen Geistigkeit ist – und zwar um so mehr, je
weniger westlich, je echter russisch, slawisch, byzantinisch, je weniger
liberal und je mehr konservativ sie ist. Politisch aber, ideologisch,
geschichtsphilosophisch, in dem geistigen Sinne, den der Dichter und
Menschenforscher wie der Politiker und Geschichtsdenker Dostojewski
vertritt, mußte das Russentum sich von dem Westlertume, das seine
Geschichte wie ein Verhängnis begleitete, frei zu machen suchen.
Wie eine Erlösung wurde es in Rußland empfunden, als das neunzehnte
Jahrhundert wieder den Willen zu einer großen russischen und nunmehr
altrussischen Politik brachte und Petersburg sich erneut dem Orient
zuwandte: denn im Mittelpunkte des Orients stand Konstantinopel! Die
Befreiungskriege der Balkanslawen gaben den Anlaß, sich in die
türkischen Angelegenheiten einzumischen: und dieser Anlaß wurde der
ideologische Ausgangspunkt für die Slawophilie, als sie den
byzantinischen Gedanken zum panslawistischen erweiterte. Doch nun zeigte
sich politisch, daß der Besitz von Konstantinopel, nachdem die Türkei
allerdings genügend zersetzt und geschwächt sein mochte, um von Rußland
überrannt werden zu können, gar kein russisch-türkisches, vielmehr ein
durchaus europäisches Problem geworden war. Wie ein Spiel ging es
infolgedessen in den Kabinetten und auf den Kongressen um den einen
Stadtnamen: Konstantinopel! Schon Friedrich der Große hatte auf die
Frage geantwortet, warum er die Russen nicht nach Konstantinopel lassen
wolle: „Weil sie dann am anderen Tage in Königsberg stehen.“ Und
Alexander I. hatte Konstantinopel den „Hausschlüssel“ zu Rußland
genannt, worauf Napoleon antwortete, daß es zugleich der „Schlüssel zu
Toulon“ sei. Später schloß Skobeleff umgekehrt wie Friedrich der Große
und meinte, daß der Weg nach Konstantinopel über Berlin gehe. Und von
österreichischer Seite ist die schlagfertige Erwiderung auf die drohende
Bemerkung eines russischen Geschäftsträgers bekannt, daß der Weg nach
Konstantinopel über Wien führe: „Ja, und der nach Petersburg über
Warschau!“ Wahr war an allen diesen Beziehungen und Anspielungen: daß
für Rußland der Weg nach Konstantinopel allerdings nicht nur über die
Türkei, sondern über Europa führte.
Immerhin wurde manches von Rußland erreicht. Nikolaus I. erlangte, was
zuletzt Katharina verlangt hatte: die freie Durchfahrt durch die
Dardanellen für russische Handelsschiffe und ihre Sperrung für fremde
Kriegsschiffe. Aber er erlangte dies Zugeständnis um den Preis eines
Bündnisses zwischen Rußland und der Türkei, durch das beide Staaten sich
unter anderem zum wechselseitigen Schutze ihrer Völker und Bekenntnisse
verpflichteten, der Mohammedaner hier, der Slawen dort. Und dieser Preis
bedeutete ebenso einen Verzicht auf die alten macht- und
kirchenpolitischen Ansprüche, wie eine Verleugnung der neuen
panslawistischen Gesichtspunkte. Immerhin war Rußland nunmehr
Selbstherrscher auf dem Schwarzen Meere geworden. Dafür warfen dann die
Ergebnisse das Russentum um so weiter zurück. Im Pariser Frieden mußte
Rußland auf seine Bewegungsfreiheit im Schwarzen Meere wie auf sein
Schutzrecht über die Balkanchristen verzichten. Der Russisch-Türkische
Krieg wiederholte dann den Versuch, nach Konstantinopel vorzudringen,
noch ein letztes Mal, und wiederholte ihn nun auf der Grundlage und vor
dem Hintergrunde eines großen und leidenschaftlichen Panslawismus, dem
sich der größte und leidenschaftlichste Russe Dostojewski nicht entzog.
Die „slawische Frage“ kam auf und drang, wie der große beschauliche
Russe Tolstoi diese Zeit schildert, nachdem sie bis dahin nur die
Gesellschaft beschäftigt hatte, mehr und mehr in das Volk ein. Fast wäre
es erreicht worden, das große Ziel: die Russen vor Konstantinopel! und
die Russen in Konstantinopel! Aber wie die Türken, nachdem sie vor Wien,
nicht in Wien erschienen waren, nie wieder Wien bedrohen konnten, so
mußten die Russen auf Konstantinopel verzichten. Nach dem Berliner
Kongreß blieb nur die eine Möglichkeit einer veränderten politischen
Taktik übrig: durch die autonom gewordenen Balkanslawen, durch Slawen
und Bulgaren, auf dem Balkan zu herrschen. Und auch diese Möglichkeit
sollte versagen. Schon Dostojewski mußte vertrösten: „Einmal wird
Konstantinopel doch unser werden!“ Ja, einmal! Aber wann? Und schon
Dostojewski wandte den Blick nach Asien hinüber, nahm die letzten
russischen Waffenerfolge, die er noch erlebte, die Siege Skobeleffs in
Mittelasien, zum Anlaß, um dem Prinzip von der Linie des geringeren
Widerstandes, das sich bei ihm zuerst formuliert findet, eine andere
Richtung zu geben, und beantwortete in einer sibirischen Übertragung und
Auflösung des alten Gegensatzes von Westlertum und Altrussentum die
Frage: „Was ist Asien für uns?“ mit einem: „Asien ist unser Amerika!“
„In Europa sind wir Sklaven. Nach Asien kommen wir als Herren. In Europa
waren wir Tataren. Nach Asien kommen wir als Europäer!“ Byzanz blieb der
Mittelpunkt seines politischen Denkens. Aber Asien wurde zum letzten
Wort seiner russischen Hoffnung.
* * * * *
Byzanz war für Dostojewski mehr als ein Symbol, wie es für Rußland mehr
als ein Symbol ist. Das russische Selbstherrschertum war ursprünglich
eine barbarische Machtanmaßung, die zu ihrer Anerkennung der Heiligung
durch das Recht und durch die Überlieferung bedurfte: Byzanz gab ihr
beides. Durch Byzanz konnte das Zartum vertieft und vergeistigt, durch
Verchristlichung gerechtfertigt, durch Mystifizierung erhoben werden.
Ebenso sehnte sich der Panslawismus, den Dostojewski vertrat, nach Größe
und Reinheit und Überschwenglichkeit, die in den russischen
Volksgedanken kommen sollten. Dostojewski wollte die Macht in Gnade
verwandeln und mit ihr die Massen, die Balkanbrüder und zuletzt alle
Menschen beglücken. Ist nicht alle unsere Menschenmacht eine Anmaßung?
Bedürfen wir nicht alle der Gnade? In Byzanz sah er das Urchristentum
erhalten, während ihm der Katholizismus durch seine papale Verbindung
mit Staatlichkeit, der Protestantismus durch seine humanistische mit
Lehrhaftigkeit entartet erschien: ein Materialismus genau wie der
Sozialismus, und ein Ausdruck des Westlertums und Europäertums, gegen
das er sich in allen seinen Formen wandte. Dostojewski wollte die
russische Nationalkirche zur Allerweltskirche erheben, von der noch
einmal die Erlösung ausgehen sollte, die er persönlich, in der
Lauterkeit seiner Absichten, für möglich und kommend hielt, während sie
praktisch allerdings stets nur die Vergewaltigung der Völker und
Bekenntnisse bedeutet hat. In dieser Verbindung von Staat und Macht,
Volk und Kirche, Religion und Politik ist der Dichter Dostojewski mit
dem Politiker Dostojewski verbunden. Als Politiker mußte er werden, was
er als Dichter, als Volksfreund, als Mensch der Liebe zum Nächsten und
als Enträtseler des gemeinsamen Schicksals im einzelnen, des einzelnen
im gemeinsamen, war: der Slawophile, der Panslawist, der Konservative,
der sich auf den Boden des patriarchalisch geschichteten Russentums
stellte, um zu einem religiös gerichteten Menschentum zu gelangen. Der
Konservative in Dostojewski: das war der Boden, der Unterbau, war
Rußland mit seinem natürlichen, primitiven, altruistischen Sozialismus
bäuerlichen Lebens. Und der Nihilist in Dostojewski, den er in sich
überwand: das war der Mensch, der Europa und den Westen kannte, und der
das einzige russische und allmenschliche Hemmnis auf dem ewigen Wege zu
Gnade und Erlösung, in Europa im Liberalismus, in Rußland im Westlertum
erkannte: als den Träger von Egoismus und Individualismus, als den
Verbreiter jenes nur allzu russischen Nihilismus und den Bringer eines
ganz unrussischen Industrialismus, Kapitalismus, Materialismus.
* * * * *
Der byzantinische Gedanke im russischen Geschichtsdenken ist heute
entartet. Nachdem er durch die Jahrhunderte abwechselnd machtpolitisch,
kirchenpolitisch und panslawistisch begründet worden war, wurde er
wirtschaftlich. Im russischen Westlertum selbst folgte auf den
französischen und deutschen Einfluß des achtzehnten und neunzehnten
Jahrhunderts der englische des zwanzigsten, folgte nicht geistig, weil
er dies nicht wohl sein konnte, wohl aber gesellschaftlich und vor allem
handelspolitisch. Ein neuer Menschenschlag kam in Rußland herauf:
Industrielle und Großkaufleute, Liberale, die nunmehr auf russische
Weise eine britische Wirtschaftspolitik machen wollten. Oder war es ein
alter Schlag, der wieder durchbrach? War es der moskowitische Kaufmann,
der tatarische Unternehmer, der an Stelle des Petersburger
Verwaltungsbeamten in das Wirtschaftsleben des Russischen Reiches
eingriff und mehr und mehr auch die Politik des Staates in die
Richtlinie seiner Gesichtspunkte abdrängte? Eisenbahnen erschlossen die
Steppe und Fabrikanfänge entstanden um die Städte. Vor allem aber fand
die Aufhebung der Leibeigenschaft eine späte, doch breite Nachwirkung in
der Landwirtschaft, in den Massen des Landes und in den Massen der
Menschen. Die geplante Stolypin-Kriwoscheïnsche Agrarreform, die durch
Aufhebung des Mir dem russischen Bauern erst volle Arbeitsfähigkeit, der
russischen Erde erst volle Ertragfähigkeit geben wird, soll nun die
Entwicklung vollenden. Schon ist das Verhältnis von Ausfuhr und Einfuhr
zugunsten der ersteren völlig verschoben worden und hat Veränderungen
für den Staatshaushalt mit sich gebracht, deren Reichweite sich noch gar
nicht absehen läßt. Namentlich das südrussische Getreide, dessen
Verschiffung durch den Schwarzmeerhandel erfolgt, wurde als das
bequemste nationale Zahlungsmittel erkannt. Und wichtiger noch als die
Eroberung von Konstantinopel erschien mit einem Male der Erwerb der
Dardanellen, deren Öffnung dem russischen Handel den Anschluß an den
Weltverkehr sichern sollte. Die Türkenkämpfe, die von dem russischen
Staate bis dahin als Ausdehnungskampf betrieben, von dem russischen
Volke als Glaubenskampf empfunden worden waren, wurden zum
Wirtschaftskrieg. Es war das Neue der Zeit und das Neue in der
russischen Geschichte, das der europäische Krieg nicht gebracht, doch
offenbart hat: an Stelle einer autokratischen oder theokratischen, immer
slawokratischen Geschichtsanschauung griff jener selbe europäische
Materialismus, jene selbe westlerische Unheiligkeit, vor der Dostojewski
durch eine religiöse Erneuerung des byzantinischen Gedankens das
Russentum hatte bewahren wollen, auf Rußland über.
Es fragt sich nur, wie das russische Volk sich mit dieser Entwicklung
abfinden wird, durch die der russische Konservatismus hinter einen
russischen Liberalismus zurücktritt, wenn es dem russischen Staate nicht
gelingt, diese unvermittelte Wendung mit dem Besitz von Konstantinopel
wie dem der Dardanellen machtpolitisch abzuschließen? wenn Rußland
vielmehr auf diesen Besitz verzichten muß? dauernd und endgültig? Für
die russische Ideologie kann die wirtschaftliche, diese ökonomische,
nicht mehr ökumenische Auffassung des byzantinischen Gedankens nur eine
Entweihung sein, seine positivistische Entartung, sein tiefster,
materialistischer Fall und Verfall. Die russischen Ideologen sind denn
auch bereits in eine Gegenbewegung eingetreten, die sie von dem
neurussischen Liberalismus, von Manchestertum, Opportunität und Skepsis
abrücken und sich wieder dem altrussischen Patriarchentum und der Mystik
annähern läßt. Aber sie selbst sind nur Epigonen großer Ideen eines
Zeitalters, das die geschichtliche Möglichkeit, Byzanz zu besetzen und
für Rußland zu besitzen, bereits verfehlt hat. Während die russischen
Liberalen diese Möglichkeit in letzter Stunde noch nachzuholen suchten,
nicht durch einen Kreuzzug, sondern durch einen Ausfuhrkrieg, gehen die
russischen Ideologen noch einmal auf Dostojewski zurück, ohne freilich
in den eigenen Ideen über ihn hinauskommen zu können. Die politischen
Ideen Dostojewskis sind auch heute noch die geistige Plattform, auf der
Rußland steht. Nur in den Formulierungen und Postulaten sind die
ideologischen Epigonen der Dostojewskischen Dogmatik weicher und
nervöser, aber auch einseitiger und extremer – schon weil sie in dem
neurussischen Liberalismus denn doch einen anderen wirklicheren
gefährlicheren Gegner haben, als es das flaue und faule kosmopolitische
Westlertum war, gegen das Dostojewski sich wandte. Sie befinden sich
dabei in der Zwangslage, heute, mitten im Kriege, diesen Gegner, das
neue englische Westlertum, noch nicht bekämpfen zu können. Im Gegenteil,
sie suchen, wenn auch rein dialektisch, mit allen Zeichen der Ausflucht
und inneren Unvereinbarkeit, ihre geistigen Probleme mit den politischen
des Krieges in eine Übereinstimmung zu bringen. Sie sprechen davon, daß
das Bündnis mit den Nationen des Westens dem russischen Volkstum erst
seine wahre Ausdehnung sichere, mit der staatlichen und wirtschaftlichen
auch die künftige seelische, sprechen von einer wichtigsten Aufgabe der
Weltgeschichte, die der Weltkrieg lösen und die in einem Zusammenfließen
von Osten und Westen bestehen soll, über Deutschland hinweg. Aber die
Gegnerschaft gegen Liberalismus und Westlertum im eigenen Lande ist da
und lebt in der Sehnsucht der Seelen, die nicht Wirtschaft wollen,
sondern Glauben, nicht europäische Ordnung, sondern russisches Chaos und
russische Universalität. Die religiöse Revolution, deren Auslegung schon
Mereschkowski gab, will Wirklichkeit werden. Der jüngere Ssolowjoff
verkündet jetzt die religiöse Kultivierung der Welt und deren
Ausbreitung durch die russische Kirche. Rosanoff verherrlicht die
russische Trägheit und bringt sie in einen ewigen Gegensatz zu der
modernen futuristischen Betriebsamkeit, die er in Deutschland zu
verhaßter Gegenwart geworden sieht. Der alte politische Nihilismus kehrt
als Mönchtum wieder, als Wunsch und Wille zu einer reinen und erneuerten
Kirchlichkeit, hinter der sich, noch von ferne und undeutlich, der alte
Gedanke einer russischen Allerweltskirche erhebt und zu neuen
politischen panslawistischen und byzantinischen Schlußfolgen und
Forderungen überleitet. Aber auch für Rußland selbst taucht in einer
Verbindung alter demokratischer Neigungen des russischen Kirchentums mit
der Abneigung des Liberalismus gegen die absolute Zarengewalt ein
Gedanke auf, der nun freilich die Rückgängigmachung einer der
wichtigsten staatsrechtlichen Errungenschaften Peters des Großen
bedeuten würde: die Idee, wieder einen Patriarchen, jenes geistliche
Oberhaupt, das Peter der Große abschaffte, weil es das politische
Selbstherrschertum der Zaren hinderte, an die Spitze einer kirchlichen
Hierarchie zu setzen. Im Patriarchentum lag einst ein erster russischer
Sozialismus. Boris Godunoff hatte das Patriarchat und die
Leibeigenschaft eingeführt. Dann hatte Peter das Patriarchat beseitigt
und die Leibeigenschaft verschärft. Und später war es der noch absolute
Zarenwille Alexanders des Zweiten, der die liberale Aufhebung der
Leibeigenschaft verfügte. Nun kehrt die Entwicklung im Kreise von
mannigfachen Abwandlungen und Umwegen zu ihren Ausgängen zurück und
sucht Demokratisches und Autokratisches auf eine neue und doch
alte russische Weise zu vereinen. Es sind geistespolitische
Auseinandersetzungen, die bis zu einem Grade nur das innere russische
Schicksal angehen, über diesen Grad aber auch uns, die wir in
Deutschland die mitteleuropäische Grenzscheide, nicht nur von Westen und
Osten, sondern auch von Atavismus und Modernität bilden und die
Gegensätze von Konservatismus und Liberalismus, Überlieferung und
Entwicklung, Ewigkeit und Zeitlichkeit in das Gleichgewicht einer neuen
Wirklichkeit zu bringen haben. Wohin diese Auseinandersetzungen in
Rußland führen werden, kann niemand voraussehen: sicherlich zu schweren
seelischen Konflikten und Dilemmen, zu Problemen, deren schwerstes immer
darin bestehen wird, daß Rußland durch Deutschland von Byzanz abgedrängt
worden ist – bis Rußland dann eines Tages zu der Erkenntnis kommt, daß
der innere Grund dieser Abdrängung im Russentum selbst liegt, in der
russischen Geschichte, die Byzanz zu einer neuen europäisch-asiatischen
Form längst in Rußland verwirklicht hat.
Darüber mögen Jahrhunderte vergehen. Aber auch Städte und heilige
Stätten vergessen sich in der Erinnerung der Menschen. Schon heute hat
Byzanz diese neue Bedeutung für Rußland bekommen, daß aus dem
Machtproblem ein Wirtschaftsproblem geworden ist. Damit wird Rußland
sich abfinden müssen. Und darüber werden, wie die Nachfahren der
Kreuzritter längst Jerusalem, wie die Deutschen, die im Mittelalter das
Erbe von Westrom tatsächlich besaßen und verwalteten, heute längst Rom
vergessen haben, auch die Russen, die das Erbe von Ostrom antreten
wollten, schließlich Byzanz vergessen.
Moeller van den Bruck.