Wenn auch der regelmäßige Volksunterricht mit dem vollendeten
achtzehnten Lebensjahre abschließt, so wird damit die erziehliche und
belehrende Beeinflußung der Staatsbürger nicht eingestellt werden.
Zunächst werden diesem Zwecke die Vorträge dienen, die regelmäßig
von Zeit zu Zeit in den Abendstunden werden abgehalten werden und von
welchen bereits in V, 3, a, _Alinea_: »Außer ihm« die Rede war. Die
Auswahl der Gegenstände und die Auswahl der Personen zu treffen, die zu
Vorträgen werden eingeladen werden, wird Sache des Pädagogen sein, der
sich mit den Ärzten und Unterrichtspersonen zu beraten und die Wünsche,
die im Schoße der Gemeinde laut werden, in Erwägung zu ziehen haben
wird. Die Richtung, welche die geistige Entwicklung jeder Gemeinde
nehmen wird, wird dafür maßgebend sein. Ebenso werden bedenkliche
Neigungen, welche überhand zu nehmen drohen, auf diesem Wege zu
bekämpfen sein.
Vorträge dieser Art, analog den heutigen populären Vorlesungen der
Universitätsprofessoren, aber in jeder Gemeinde und in jedem Quartier,
und viel eingehender und im Anschlusse an den Schulunterricht, werden
vor allem die Pädagogen und Fachlehrer zu halten haben, besonders zu
dem Ende, um die Erwachsenen mit jenen Fortschritten bekannt zu machen,
welche die Gegenstände des Volksunterrichtes seit dessen Abschlusse
gemacht haben, wodurch ja auch das Erlernte immer wieder eingeprägt
wird. Das wird es ja auch den Eltern erleichtern, mit der Schule Hand
in Hand zu gehen.
Auch die Ärzte werden sich an diesen Vorträgen beteiligen und alles
bekämpfen, was dem sanitären Fortschritte und der Veredelung des
Menschentums gefährlich werden könnte.
Insofern es sich um technische und wissenschaftliche Erfindungen
handelt, wird man es nicht an Demonstrationen und an Berichten über
praktische Einführungen und deren Erfolg fehlen lassen, um die gesamte
Bevölkerung an der Verbreitung der Erfindungen zu interessieren.
Dabei wird man es aber nicht bewenden lassen, sondern auch Personen von
hohem wissenschaftlichen Range zu Vorlesungen einladen, um das Wissen
nach ein und der anderen Richtung, wie dies in den besonderen geistigen
Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung liegt, zu vertiefen, besonders
dann, wenn die Bevölkerung an der Erforschung gewisser historischer
Fragen oder gewisser Gebiete der Naturschätze einen besonderen Anteil
nimmt und diese Vorträge neue Impulse zur Mitarbeit bieten können.
Immer sind die Rückwirkungen hervorzuheben, die die neuen Forschungen,
Erfindungen und Entdeckungen auf die Verlängerung, Verschönerung und
Bereicherung des Lebens nehmen können und auch der wirtschaftliche Wert
der Erfindungen darzulegen.
Ferner werden künstlerische Vorführungen in Gesang, Musik, Deklamation,
die nicht geradezu ein Theater voraussetzen, in jeder Gemeinde
stattfinden, um die Sitten zu veredeln und an das Schöne zu gewöhnen.
So auch wird man Wanderausstellungen von Bildern und plastischen Werken
veranstalten und Vorträge über ihren ästhetischen Wert damit verbinden.
Die Zahl der zu diesen Darbietungen und Belehrungen befähigten
Personen wird so groß sein, daß es keine Schwierigkeiten bieten wird,
allwöchentlich einen Abend solchen edleren Vergnügungen zu widmen.
Einen erziehlichen Einfluß werden auch die Reisen bieten, welche jedem
ermöglicht werden sollen. In XI, 1, b, _Alinea_: »Nimmt man nun«,
wird der Vorschlag gemacht, jedem Arbeiter einen jährlichen Urlaub
von 14 Tagen zu erteilen und in dieser Zeit soll es dem Beurlaubten
freistehen, die heimatliche Gemeinde zu verlassen und Reisen
innerhalb des Staatsgebietes zu unternehmen. Diese Reisen sollen einen
ununterbrochenen Verkehr mit allen Reichsgenossen ermöglichen und
Belehrungen aller Art vermitteln und diese Reisen, welche zu Fuß, auf
dem Fahrrad und mit den Eisenbahnen und Schiffen unternommen werden,
werden viel dazu beitragen, alle Bewohner des Reiches in jenen engen
Verband zu bringen, den Plato ein »Königliches Geflecht« nennt. Alles
Mißtrauen, aller Neid, alle Mißgunst werden ertötet werden, wenn man
sieht, wie auch andere schaffen und daß auch andere, insoferne sie
nicht verdienter um das Volk sind, nichts genießen, was man nicht
selbst hat oder haben kann. Auch diese Reisen wirken fortbildend.