1. Ihre Benützung für allgemeine Zwecke.

Für allgemeine Zwecke dient der Personentransport der Eisenbahnen

beinahe gar nicht, der Gütertransport aber kommt wieder beinahe

ausschließlich für die Zwecke der Gesamtheit in Betracht. Es kann

sein, daß der Personen- und der Gütertransport zeitlich getrennt

werden, daß nämlich Lastzüge nur zur Nachtzeit, Personenzüge nur

zur Tageszeit verkehren, wie vormals in der Schweiz. Das würde nicht

ausschließen, daß jeder Personenzug auch eine geringe Menge von Gütern,

das Reisegepäck ungerechnet, und daß der Lastzug auch eine kleine

Anzahl von Personen mit befördert, letztere besonders, wenn sie in

Amtsgeschäften reisen.

Was den Gütertransport anbelangt, so wird er beinahe nur

Massentransport sein und es werden beinahe nur ganze Wagenladungen,

oft ganze Züge von einer Betriebsstätte zur anderen oder an eine oder

mehrere nahe gelegene Abladestellen abgehen. Eine Papierfabrik, eine

Weberei, eine Gießerei, eine Holzwarenerzeugungsstätte wird immer

trachten, nur ganze Wagen zu verladen, oder nur für einen bestimmten

Ort Güter zu verfrachten. Eigene Züge werden die wenigen kleinen

Sendungen aufnehmen, welche in verschiedenen Orten abzuladen sind.

Besonders wichtig ist die rasche Beförderung der Zeitungen VI, 7.

Diese kann durch eigene Blitzzüge geschehen, welche in keiner Station

anhalten. In diesem Falle werden die an den Stationen abzuladenden

Zeitungspakete entweder ausgeworfen, oder auf bewegliche Behälter, die

der Zug streckenweise mitnimmt, abgeladen. Das Auswerfen von Sendungen

ist auch heute im Gebrauche, aber nur, wo die Eisenbahnverwaltung an

ihre eigenen Organe versendet. Ebenso kann es mit kleinen Sendungen

gehalten werden, die ausnahmsweise eine besonders dringende Beförderung

notwendig machen. Solche Blitzzüge würden selbst nach den heutigen

Einrichtungen der Dampfeisenbahnen in Österreich den Transport vom

Mittelpunkt des Reiches bis an die entfernteste Grenze in 6-8 Stunden

bewerkstelligen können, so daß Zeitungen, die um Mitternacht von der

Reichshauptstadt abgeschickt werden, zwischen 8 und 10 Uhr morgens in

allen, auch von der Eisenbahn entfernten Urgemeinden eintreffen können.

Die Beförderung der Transporte wird also viel ökonomischer und rascher

sein als heute. Aber auch der Betrieb der Eisenbahnen im Kollektivstaat

ergibt eine große Menge von Ersparnissen. Absender und Empfänger ist

immer derselbe, Staatsorgane senden Güter an Staatsorgane und auch wo

es sich um Einzelne handelt, sind die Staatsorgane ihre Mandatare.

Kassen und Kontrolle entfallen, Verrechnungen und Ersätze werden

erspart und das Begleitungspersonal könnte gewiß sehr vermindert

werden, wenn nicht die übertriebene Ausnützung des Personals in

der heutigen Gesellschaftsordnung einer humaneren Behandlung der

geringeren Eisenbahnbediensteten Platz machen und aus diesem Grunde

eine Vermehrung des Personals nach anderer Richtung wieder stattfinden

müßte.

Dabei kommt nun weiters in Betracht, daß im Kollektivstaat, wenn

obige Vorschläge für die Verteilung der Bevölkerung angenommen werden,

die Gütertransporte der Eisenbahnen im Verhältnisse zur Gesamtmenge

der Produkte vermindert werden. Es wird ein viel größerer Bruchteil

der Produkte am Produktionsort oder in dessen Nähe konsumiert und im

letzteren Falle der Transport mit Pferden betrieben und auch die Pferde

verfrachten wieder mit geringerem Aufwand an Zugkraft und geringerer

Begleitung.

Inwiefern die Straßengüterfrachten durch Automobile statt der Pferde

werden befördert werden, ist eine bloße Frage der ökonomischen

Berechnung, wofür der Staatsverwaltung alle entscheidenden Daten

vorliegen. Dabei wird in Betracht kommen, ob nicht die Pferdezucht zu

anderen Zwecken und nicht bloß für den Transport, volkswirtschaftliches

und militärisches Bedürfnis sein wird, wobei sich vielleicht ergeben

wird, daß ein bestimmter Pferdestand unbedingt erhalten werden muß,

dessen Ausnützung für Transportzwecke aus diesem Grunde ökonomischer

ist, als ein Automobiltransport, der vielleicht dann ökonomischer wäre,

wenn man die Pferde ganz eingehen lassen könnte. Der Kollektivismus

hat in vielen Einzelheiten eine ökonomische Berechnung, die für unsere

Verhältnisse nicht zutreffend wäre.

Der Kollektivismus und die soziale Monarchie · 第 83 / 152 题