XIV. Umwandlung der Staaten zur Einführung der
kollektivistischen Gesellschaftsordnung 333
Einleitung.
In einer Rede des österreichischen Ministerpräsidenten Baron Beck im
österreichischen Herrenhause vom 24. Juli 1907 sagt derselbe:
»Damit hat sich eines der wichtigsten Staatsprobleme auf die
Tagesordnung gestellt. Dieses Problem ist: ein richtiges Gleichgewicht
herzustellen zwischen dem erwachten Selbstbewußtsein breiter
Volksschichten und den unerläßlichen Forderungen, die im Interesse
kraftvoller Durchführung des Staatswillens und der sicheren Erreichung
der Staatszwecke erhoben werden müssen. Das sind die zwei Pole,
zwischen denen sich das öffentliche Leben bewegt und zwischen denen
die Ausgleichung gefunden werden muß. Soll die Monarchie ihrer
geschichtlichen Stellung gerecht werden, dann muß sie unter ihre
Aufgaben an oberster Stelle die soziale Fürsorge für die breiten
Schichten der Bevölkerung aufnehmen. Ich für meinen Teil glaube,
daß ein gesunder sozialer Fortschritt und die ruhige Entwickelung zu
einem wahrhaft modernen Staat, =der seinem Wesen nach Wirtschaftsstaat
und soziale Fürsorgeanstalt sein muß, nicht nur neben einer starken
monarchischen Gewalt, sondern gerade mit ihr und durch sie möglich
ist=.
Ich begrüße es, daß unserem alten, ehrwürdigen Staatsgebilde die
Aufgabe geworden ist, den hervorragenden Beruf der Monarchie für die
modernen sozialen Aufgaben darzutun. Mit Zuversicht in die Zukunft
blickend, dürfen wir die neue Bahn betreten in der festen Überzeugung,
daß unser geliebtes Vaterland nicht nur den gewaltigen Problemen der
Neuzeit sich gewachsen zeigen, sondern gerade an diesen gesteigerten
Aufgaben wieder seine unverwüstliche, ewig blühende Lebenskraft
erweisen wird. Für diese Aufgaben erbitte ich mir die Autorität des
hohen Hauses und da ich mich mit ihm eins weiß in dem Gedanken an eine
machtvolle Monarchie, so hoffe ich, daß meiner Bitte die Erfüllung
nicht versagt bleiben wird.«
Nicht irre machen darf uns, daß der ehemalige Ministerpräsident Baron
Beck so große Ideen angekündet, dann aber nicht das Geringste getan
hat, um die Verwirklichung dieser Ideen vorzubereiten und um den Staat
in einen »wahrhaft modernen Staat«, in einen »Wirtschaftsstaat«, in
eine »soziale Fürsorgeanstalt« umzugestalten. Denn die österreichischen
Staatsmänner vermögen gar wenig. Da aber Österreich auf keine Weise
zur Ruhe kommen kann, so lange es sich in den ausgefahrenen Geleisen
der Individualwirtschaft fortbewegt, können wir mit Sicherheit darauf
rechnen, daß die österreichische Staatskunst sich doch eines Tages
dieses Ideals bemächtigen wird.
Diese Worte zeigen, daß die österreichische Regierung der Monarchie und
insbesondere den Habsburgern die Sendung vindiziert, neue staatliche
Grundlagen zu schaffen und Aufgaben zu lösen, die ohne Staatsomnipotenz
nicht gelöst werden können.
Diese Ideen sind in belletristischer Form bereits in meinem Romane
»Österreich im Jahre 2020« zum Ausdrucke gekommen und in diesem Werke
werden sie philosophisch, volkswirtschaftlich und staatspolitisch
dargelegt. Die Intelligenz muß sich derselben bemächtigen, weil sie nur
durch Mitarbeit an der bevorstehenden Umgestaltung sicherstellen kann,
daß diese Umgestaltung auch den höheren Interessen, der Kunst, der
Forschung und dem technischen Fortschritte zugute kommen wird, während
die sozialdemokratische Partei, in dogmatische Irrtümer verrannt, uns
der sozialen Revolution und damit der Anarchie entgegentreibt und,
wenngleich gegen ihren Willen, die ganze Kultur in Frage stellt.