II.

_Leipzig_, 17. Aug. 1838.

_Hochwohlgeborner Herr,

Hochverehrtester Herr Hofrath!_

Mit großer Bangigkeit schicke ich dieses Schreiben an Sie, Verehrtester

Herr, ab, denn die Furcht durch die Bitte, welche ich an Sie wage,

Ihnen zu mißfallen und keine oder eine zurückweisende Antwort zu

erhalten, ist in mir fast eben so groß, als der Wunsch lebhaft mit

Ihrem allverehrten Namen ein Unternehmen schmücken zu dürfen, mit

welchem ich selbst etwas Ausgezeichnetes leisten und meine Zukunft

als Schriftsteller begründen möchte. Ich will mir das freundliche

Wohlwollen vor die Seele rufen, mit welchem Sie mich mehr als einmal

in Ihrem Hause aufgenommen haben, um mir Muth zu machen, meine Bitte

vorzutragen.

Aus der Beilage werden Sie, Hochverehrtester Herr, ersehen, daß ich

in Begriff stehe, eine Zeitschrift herauszugeben und Sie werden in

den Worten des Prospects auch die Tendenz angedeutet finden, welche

ich in diesem Unternehmen verfolge: eine Zeitschrift herauszugeben,

welche durch die Gediegenheit des Inhaltes, so wie durch die Art ihres

Erscheinens dem buntscheckigen, auf gemeine Weise die Zeitinteressen

verwirrenden und ausbeutenden Treiben der Tageblätter und ihrer

Verfasser einen starken Damm entgegen zu stellen, dem besten und

edelsten Theil des Publikums eine kräftige Geistesnahrung zu bieten und

dadurch die Literatur selbst, welche durch eine gewisse Klasse moderner

Schriftsteller auf das tiefste erniedrigt worden ist, in der Achtung

des Publikums wieder zu heben bestimmt ist.

Meine Kräfte zu diesem Unternehmen sind, ich weiß es wohl, noch gering,

aber mein Muth und mein Eifer sind groß, und ich hoffe, daß auch die

Kraft mit der Übung zunehmen wird. Prüfen Sie, Hochverehrtester Herr,

ob mein mit dem besten Willen und einer gewiß Ihren Beifall habenden

Tendenz unternommenes Werk, wohl verdient, daß der größte Dichter

der Nation mit seinem gewichtigen Namen und mit einigen, wenn auch

vielleicht an Umfang nur kleinen, doch durch die Fülle der Poesie

bedeutenden Beiträgen dasselbe unterstütze!

Vor Allem vergeben Sie meine Dreistigkeit, ich habe mich zu ihr in

keiner gemeinen Absicht entschlossen.

Indem ich diesen Brief absende, nehme ich mir noch die Freiheit

dasjenige, was in meinen „Volksbüchern“ bisher erschienen ist,

beizulegen. Vielleicht sehen Sie alte Bekannte, über deren poetischen

Werth Sie zuerst der Mitwelt die Augen geöffnet, nicht ungern in dem

volksthümlichen Gewande und sind mit meiner für das Volk bestimmten

Bearbeitung nicht ganz unzufrieden.

Genehmigen Sie, Herr Hofrath, die Versicherung der innigsten Verehrung

von

Briefe an Ludwig Tieck (2/4) Zweiter Band · 第 319 / 358 题