_C. Lebrün_.
Lenz, J. R. von.
Lenz, einigen höchst achtbaren Familien in Riga blutsverwandt und
verschwägert, hatte als junger Mann die Soldaten-Laufbahn verlassen
und war unter dem Schauspielernamen _Kühne_ zum Theater
gegangen. Schon auf der Breslauer Bühne erwarb er in Heldenrollen
sich bedeutenden Ruf, und wurde sodann nach Hamburg gezogen, wo er,
unter Herzfeldt’s und Schmidt’s, später unter Lebrüns Direktion
lange Jahre hindurch ein allgemein beliebtes und geachtetes
Mitglied blieb. Heroische wie humoristische Charaktere brachte er
zu voller Geltung, excellirte jedoch in bürgerlichen Vätern. Er
hat auch als Verfasser bühnengerechter und wirksamer Schauspiele
(z. B. die Flucht nach Kenilworth) Ehre eingelegt. Hochbejahrt,
und mit Pension vom Theater zurückgezogen, brachte er den Rest
des Lebens in der Vaterstadt Riga zu, von wo aus er noch kurz vor
seinem Tode weite Reisen durch Süddeutschland unternahm. In welchem
_Grade_ er eigentlich mit dem alten Dichter Lenz verwandt
gewesen? und ob er dessen Neffe war? wissen wir nicht genau zu
sagen.
_Hamburg_, d. 25t. Juni 1844.
_Hochgeehrter Herr!_
Ich kann mein Versprechen, die gewünschten Bücher betreffend, leider
nur zur Hälfte erfüllen, denn trotz aller angewendeten Mühe ist es mir
nicht gelungen die Schrödersche Bearbeitung des „_Hoffmeisters_,“
von Lenz aufzufinden. In der Theaterbibliothek -- auch im Kataloge
-- fehlt sie. Wahrscheinlich hat Schröder sie in seinen Privatbesitz
genommen, und von dem Schicksal seiner hinterlassenen Manuscripte kann
ich nichts und von Niemand etwas erfahren. Lebte der Professor Mayer in
Bramstädt noch, der Depositair seiner geheimsten Papiere -- wüßte ich
mir wohl Raths zu holen. Auch in dem Lustspiel „der _Schmuck_,“
das ich das Vergnügen habe Ihnen zu übersenden, werden Sie auf einige
Verstümmelung stoßen, doch ist sie nicht so arg, daß der Zusammenhang
unerrathbar zerrißen wäre; wenigstens ist die Rolle Wegforts ganz
erhalten. Schröder hat -- wie sichtbar -- auch dieses Stück verkürzt
und bearbeitet, und die statt der gestrichenen und veränderten Stellen
hinein befestigt gewesenen Zettelchen sind leider verloren gegangen.
Ich habe indeß nicht Anstand genommen selbst dies etwas entstellte
Exemplar Ihnen zuzusenden. Sie lernen mindestens daraus die Rolle des
Wegfort kennen, und werden an meinem Eifer, Ihren Wunsch nach Kräften
zu erfüllen, nicht zweifeln. Daß diesem Wunsch nur zur Hälfte Genüge
geschieht, bedaure ich unendlich.