II.

_Hamburg_, d. 3t. Dc. 40.

_Hochgeehrter Herr Hofrath_.

Sie sind schon daran gewöhnt, unreife Producte zugesandt zu erhalten,

mithin kommt es Ihnen wohl auf das ~plus ou moins~ nicht mehr an.

Der Arbeit, die ich Ihrem Wohlwollen empfehle, habe ich mich mit großer

Liebe unterzogen, und kann ihr nur in sofern das Wort reden, als ich

ihre Nothwendigkeit erkannte. Der einzige, zu einer Fortsetzung der

Schütze’schen Geschichte befähigte, unser _Schmidt_, erliegt fast

der Last der Tagesgeschäfte, und Hand mußte einmal angelegt werden. So

machte ich mich daran. Ich habe schon in der Vorrede gesagt, wie ich

wünsche verbeßert zu werden. Mein Bemühen, die neuere Zeit der älteren

gegenüber zu stellen war ein gewagtes, aber ein nothwendiges. Ob meine

Ansichten Eingang finden werden und können, muß ich dahin gestellt

sein laßen. Mindestens habe ich ehrlich ausgesprochen, wie sich mir

das deutsche Theater jetzt darstellt, und von woher ich glaube, daß

seine Erkräftigung ausgehen müßte. Kann sein, daß ich irre, dann möge,

der guten Absicht wegen, das ~errare humanum est~ auch _mir_

zu Gute kommen. Haben Sie, hochgeehrter Herr Hofrath, einmal Zeit und

Lust, einen Blick in mein Büchlein zu thun, so danke ich Ihnen im

Voraus, und ersuche Sie nur, mir die Zumuthung zu vergeben. Indem ich

mich den lieben Ihren und der Frau Gräfin hochachtungsvoll empfehle,

verbleibe ich mit unwandelbarer Verehrung

Briefe an Ludwig Tieck (2/4) Zweiter Band · 第 252 / 358 题