_Leipzig_, 21. Oct. 1843.
Ich übersende Ihnen anbei, verehrter Herr, ein Exemplar meines neusten
Stückes, genannt „die Bernsteinhexe,“ mit der Bitte, dasselbe einer
Lectüre zu würdigen. Vielleicht finden Sie darin irgend ein Interesse,
welches Ihnen „Rokoko“ anmuthend gemacht hat, befriedigt. Daß es ein
Bühnenstück werden sollte, hat mich allerdings in Deutlichkeit, Kraft
und Nachdruck für den dämonischen Lebensstoff des Stückes vielfach
behindert: ich habe die wilden Rosse schärfer im Zügel halten müssen,
als ich, bloß für’s Lesepublikum schreibend, gethan hätte. Daß
Intendanzen wie die Dresdner vor solchem Stoffe des Todes erschrecken,
wird Ihnen nicht zweifelhaft sein, nur für Berlin, wo dies Erschrecken
nicht vorauszusetzen, fehlt es leider gar sehr an Schauspielern.
Möchten Sie doch in diesem Betracht es nicht an Aufmunterung für neue
Acquisitionen fehlen lassen: unter den jetzigen Umständen muß ich zum
Beispiele die Aufführung Rokokos immer noch zurückhalten, weil es
absolut an einem Schauspieler für den Marquis fehlt. Auch in dieser
Bernsteinhexe würde der „Wittich“ an einen leider ganz manierirten und
unerquicklich gewordenen Schauspieler, Herrn Rott, kommen müssen. Es
ist dieser Mangel an Schauspielern eine wahre Verzweiflung für uns;
denn was ließe sich sonst an einem so wichtigen Heerde wie Berlin
kochen und braten! Aufgeführt muß aber doch werden! Das Leben ist kurz
und wir müssen lernen, und lernen nur dadurch, daß wir uns aufgeführt
sehn.
Ich wünsche herzlich, daß Ihr körperliches Befinden erträglich sein
möge. Seit Sie mir gesagt -- ein schreckliches Wort! -- daß Sie
_nie_ ohne Schmerzen, ist ja dies leider der höchste Wunsch.
Von der Stoffquelle „Marie Schweidler &c.“ sprech ich Ihnen nicht, da
sie Ihnen ja sicherlich genau bekannt ist.