ergebenster
_Franz Kratter_,
Gutsbesitzer.
N. Sch. Haben Sie die Güte, Ihr Schreiben bei Herrn Doktor und
Professor Maus in der grossen Armeniergasse abgeben zu lassen. --
Unangenehm ist es mir, daß der Brief nur bis zur Grenze frankirt werden
konnte.
Krause, Karl Christ. Friedr.
Geb. den 6ten Mai 1781 zu Eisenberg im Altenburgischen, gest. in
München am 27ten Sept. 1832.
Sein System der Logik (1828) -- Philosophie des Rechtes (1828) --
Vorlesungen über die Grundwahrheiten der Wissenschaft (1829) --
haben seinen Ruf in der gelehrten Welt begründet. Er gilt für einen
„Philosophen von socialistischer Tendenz.“
Sein Schreiben an Tieck bezieht sich auf mehrere Namen von
Bedeutung. Die angedeutete Befürchtung, daß Böttiger’s Einfluß
ihm (als Tiecks Freunde) in Hannover schaden könne, ist ein
Anachronismus; denn 1823 waren jene kleinen Wunden, einst
von schelmischen Krallenhieben des Katers gerissen, längst
vernarbt, und Böttiger verkehrte ganz freundlich mit seinem
ehemaligen Gegner.
_Göttingen_, am 24ten September 1823.
_Mein verehrter Freund!_
Sehr oft habe ich an Sie gedacht, und mich im Geiste mit Ihnen
beschäftiget, auch während ich auf der Reise, und bei meiner kleinen
Einrichtung in Göttingen, vielfach zerstreut war, noch mehr aber jetzt,
da ich anfange, hier heimisch zu sein. Viele unsrer Gespräche wachten
in mir wieder auf, und ich lebte die angenehmen Stunden, die ich bei
Ihnen, und in Ihrem schönen Kreise zubrachte, im Geiste wieder.
Unsere Reise beendeten wir glücklich, obgleich auf der Höhe zwischen
Nordhausen und Heiligenstadt manche Beschwerde und Gefahr zu bestehen
war. Meine arme Sophie wurde durch die Anstrengung und durch die
Beschwerde der Reise krank, und fiel endlich in ein Fieber, woraus sie
sich erst in diesen Tagen erholt.
Einige Stunden nach unsrer Ankunft in Göttingen, trat unerwartet unser
gemeinsamer Freund ~Dr.~ Thorbecke bei mir ein. Wir freuten uns
Beide des Wiedersehens; er hat sich mir seitdem als Freund erwiesen,
und ich habe ihn noch mehr lieb, als sonst; wir sehen uns jeden Abend
abwechselnd bei ihm oder bei mir. Daß Sie und Ihre Werke sehr oft der
Gegenstand unsrer Gespräche sind, und wie sehr wir uns Beide sehnen,
bei Ihnen zu sein, brauche ich Ihnen nicht zu versichern.
Ich bin Ihnen sehr dafür verpflichtet, daß Sie mich Ihrem Freunde
Ottfr. Müller empfohlen haben, den ich sehr werthschätze und liebe. Die
Aussicht auf den genaueren Umgang mit ihm, und vielleicht auf seine
Freundschaft, erheitert mir den Gedanken an die nächste Zukunft.
Er hatte sich vorgenommen, in den letzten Tagen dieses Monates nach
Dresden zu reisen, mußte aber diesen Lieblingsplan aufgeben, wegen
einer Menge Arbeiten, die er nicht aufschieben kann, und in den Ferien
kaum zu bestreiten denkt, und bedauert daher schmerzlich, es sich
versagen zu müssen, einige Tage bei Ihnen und Ihrem Familienkreise zu
verleben.
Zwei Tage nach meiner Ankunft wurde ich hier durch den Decan, Herrn
Hofrath Mitscherlich bei der Philosophischen Facultät nostrifizirt, und
die Anzeige meiner Vorlesungen kam noch in die einzeln auszugebenden
Abdrükke des deutschen Lectionsverzeichnisses, obgleich die den
Götting. gel. Anzeigen beigelegten Abdrükke schon abgezogen waren.
Vielleicht bringe ich durch Ottfr. Müllers, Thorbeckes, und einiger
anderen Gelehrten Vermittelung meine Vorlesungen über Logik und
Einleitung in die Philosophie, und über das System der Philosophie zu
Stande, -- wenn auch nur für Wenige. Kurz vor Anfang der Vorlesungen
werde ich disputiren. -- Sehr viel ist daran gelegen, daß ich dem
Herrn Minister von Arnsberg und dem Herrn Staatsrath von Hoppenstädt
in Hannover empfohlen werde. Ich habe gehört, daß bei Beiden der Herr
Hofrath Böttiger sehr viel gilt; -- dieß ist vielleicht für mich eine
sehr schlimme Vorbedeutung. Halten Sie es für gut, wenn ich deßhalb
mich an Herrn Hofrath Geißler wendete, so unterstützen Sie mich dabei
mit Ihrem Rathe, und melden mir dessen Adresse.
Mit großem Vergnügen habe ich Ihre belehrende Vorrede zu der Vorschule
zum Shakespeare gelesen, und darin manches angedeutet gefunden, was Sie
die Güte gehabt haben, mir gesprächsweise ausführlicher mitzutheilen.
Ihre Gedichte, zunächst Ihre Schilderungen auf der Reise in Italien,
erheitern und erfreun mich bei meinen ernsten Arbeiten, denn Sie waren
immer und bleiben mir der liebste deutsche Dichter.
Heute las ich den Vorbericht Tafel’s zu dem ersten Theil der von ihm
herausgegebenen Werke Swedenborg’s, der auch Ihnen in mancher Hinsicht
merkwürdig sein wird, besonders wegen der Abschätzung der verschiedenen
christlichen Kirchen, und wegen des Ganges der Gedanken und der
Gefühle, wodurch ein so wohlunterrichteter Mann, wie dieser Tafel
erscheint, dennoch ein Gläubiger an die unmittelbar göttliche Sendung
und Inspiration Swedenborg’s werden konnte.
Ich wünschte, daß der Überbringer dieses Briefes, mein Freund, der
Diaconus M. Wagner, Ihre nähere Bekanntschaft machen dürfte. Er ist
ein sehr schätzbarer Mann, von reger Empfänglichkeit für alles Wahre,
Schöne und Gute, wahrhaft fromm, von kirchlichen Vorurtheilen frei, und
hat sich durch seine Wirksamkeit als Prediger, und als der thätigste
Mitstifter der neuen Freischule, die Anerkennung eines großen Theiles
der Dresdner Bürgerschaft erworben.
Ich, meine Frau und Sophie, wir empfehlen uns hochachtungsvoll Ihnen,
Ihrer Frau Gemahlin, sowie der Frau Gräfin, und Ihren Fräulein
Töchtern, und ich bin stets mit Verehrung und Liebe