Ihr

_Koreff_.

Kratter, Franz.

Geb. 1758 zu Oberndorf am Lech, Kassierer in Lemberg, -- Sekretair

in Wien, -- Direktor des Theaters in Lemberg, -- Gutsbesitzer --

gestorben...?

Der Augarten, Gedicht. -- Der junge Maler am Hofe. -- Das

Schleifermädchen aus Schwaben, Romane.

Über seine dramatischen Arbeiten dürfen wir billig schweigen, da

der Leser durch den Autor im nachstehenden Briefe genügend davon

unterrichtet wird. Der Brief hat wirklich um seiner Form willen

wenig Anspruch auf öffentliche Mittheilung zu machen, und wäre die

darin enthaltene Bitte an irgend einen andern Menschen gerichtet,

so wäre gar nichts Besonderes dabei.

Daß aber Herr Kratter sich mit seinem Ansuchen zu Tieck wendet,

übersteigt die Grenzen kindlicher Naivetät. _Ludwig Tieck_

soll ihm einen Verleger für alte, längst von den Brettern

verschwundene Dramen auftreiben, die gerade von den Kritikern,

zu denen sich damals T. so heftig gesellte, ohne Erbarmen und

Schonung perhorrescirt worden sind? Es wäre zum Todlachen -- wär’s

nicht zugleich wahrhaft rührend! Man erinnere sich nur des A. W.

Schlegel’schen Sonettes aus der „Triumph- und Ehren-Pforte“ für den

aus Sibirien zurückkehrenden „Theaterpräsidenten:“

„&c. Und wie ein Jeder kann, so fei’r’ ihn Jeder:

_Du kratz’ das Herz mit Höllenfratzen Kratter_,

Du siede neue Zauberinnen Zschokke,

Du lass’ die Bestien tanzen Schikaneder!“

Was ihm wohl Tieck geantwortet haben mag? -- Je nun, wir denken,

das ist leicht errathen. Gar nichts!

_Lemberg_, den 16ten April 1829.

_Hochzuverehrender Herr!_

Einer der vorzüglichsten Verehrer Ihrer litterarischen Verdienste ist

so frei, aus dem fernen Norden Ihre Güte in Anspruch zu nehmen. Man hat

mir so viel Rühmliches von der Humanität Ihres Charakters gesagt, daß

ich kein Bedenken trage, mich mit einer Bitte an Sie zu wenden, deren

gefällige Gewährung für mich von großer Bedeutung wäre.

Der Buchhändler Wallishauser in Wien übernahm den Verlag der Ausgabe

meiner sämmtlichen dramatischen Arbeiten. Allein die Wienerzensur

verboth von den ersten sechs zum Drucke eingesendeten Schauspielen zwei

der Interessantesten, und verstümmelte die Übrigen so unbarmherzig,

daß sie mir diese Ausgabe in den Östreichischen Staaten platterdings

unmöglich machte. Da diese Schriften durchaus reine Moralität zum

Zwecke haben, so ist mir die zwecklos übertriebene Strenge dieser

Zensur unerklärbar.

Da ich seit vielen Jahren nichts in den Druck gegeben habe, so sind

alle meine litterarischen Verhältnisse mit dem Auslande nach und nach

gänzlich erloschen. Ich wage es daher, Sie in meiner Angelegenheit um

Ihren gütigen Beistand zu bitten. Ihre vielfältigen Verhältnisse würden

es meiner Meinung nach Ihnen nicht schwer machen, mich in Hinsicht

des Verlages besagter Schriften mit irgend einer soliden Buchhandlung

in Verbindung zu bringen. Deuten Sie mir es nicht ungütig, wenn ich

mich dann unterfange, Ihre Bemühung im Falle eines guten Erfolges

erkenntlich zu honoriren.

Verzeichniß der zum Drucke fertigen Schauspiele.

1. _Der Weise im Unglück._ Sch. in 5 A. von der Zensur

verbothen. Ob es gleich vor vielen Jahren unter dem Titel: Der

Vizekanzler auf dem K. K. Hoftheater sehr oft mit grossem Beifall

gegeben worden ist. Als eine jugendliche Arbeit verwarf ich es

nun, und gründete auf den sehr anziehenden Stoff ein ganz neues

Schauspiel unter der obigen Benennung.

2. _Das Mädchen von Marienburg_, ein fürstliches

Familiengemählde in 5 A. nach der neuen Verbesserung von der Zensur

verbothen, nachdem es auf dem K. K. Hoftheater mehr denn hundertmal

dargestellt worden ist.

3. _Die Pflegesöhne_, ein Trauerspiel in 5 A. Noch ungedruckt.

In Jamben. Es war mehrere Jahre hindurch auf dem K. K. Hoftheater

ein Repertoirstück. Ich glaube nun, daß es durch eine fleissige

Umarbeitung an Werth gewonnen habe.

4. _Athenais_, Sch. in 5 A. in Jamben. Als ein Gegenstück zum

Mädchen von Marienburg von nicht weniger interessantem Stoff. Es

ist noch ungedruckt.

5. _Der Blutzins an die Mauren._ Heroisches Sch. in 5 A. in

Jamben, und noch ungedruckt. Aus den Zeiten, als die christlichen

Städte in Spanien jährlich eine Anzahl Jungfrauen als Tribut an die

Sarazenen abliefern mußten.

6. _Bruder Franz von Paula._ Heroisches Sch. in 5 A. in

Jamben, und noch ungedruckt. Meines Erachtens der interessanteste

Stoff von allen meinen Schauspielen.

7. _Die Sklavin in Surinam._ Sch. in 5 A. Zwar vor mehrern

Jahren von Eßlinger in Frankfurt verlegt, nun aber gänzlich

umgearbeitet.

8. _Das Oktoberfest_, oder das Paradies des Gutsherrn.

Ländliches Gemählde in 5 A. So eben verfaßt, und vielleicht kein

unkräftiges Wörtchen zu unserer Zeit. Noch ungedruckt.

9. _Die Verschwörung wider Peter den Großen._ Tr. in 5 A. Im

Jahre 1790 von der deutschen gelehrten Gesellschaft in Manheim

mit dem Preise gekrönt. Demungeachtet fand ich es jetzt nöthig,

demselben durch Umarbeitung eine neue Gestalt zu geben.

10. _Der Friede am Pruth_, Sch. in 5 A. Als Fortsetzung des

Mädchens von Marienburg.

Die noch ungedruckten und umzuarbeitenden Stücke sind:

1. _Sebastian der Unächte._ Tr. in 5 A. in Jamben.

2. _Der Mohrenkönig._ Sch. in 5 A.

3. _Appius der Dezemvir._ Tr. in 5 A. in Jamben.

4. _Eginhard und Emma._ Sch. in 5 A.

5. _Die Kriegskammeraden._ L. in 5 A.

6. _Der Brautwerber._ L. in 5 A.

Sie dürften in zwei Jahren zum Drucke fertig werden.

Ich ließ diese Schriften größten Theils noch ungedruckt liegen, bis ich

theils zur wesentlichen Verbesserung, theils zur gänzlichen Umarbeitung

derselben einen von allen Geschäften freien Zeitpunkt gewinnen

würde. Dieser traf endlich vor zwei Jahren ein, und ich benützte ihn

mit besonderem Fleiß. Ich glaube daher weder Ihre gütige Verwendung

zu kompromittiren, noch von einer bescheidenen Kritik etwas Arges

fürchten zu müssen. In der Beilage sind die zum Drucke fertigen Stücke

verzeichnet.

Herr Wallishauser würde sich herbeilassen, von dem Verleger eine

bedeutende Anzahl Exemplare zu übernehmen, wenn ihm von demselben der

ausschliessende Absatz in den Österr. Staaten zugesichert würde. Gegen

auswärts gedruckte Schriften ist die Wienerzensur ziemlich nachsichtig.

Es wäre daher von ihr nichts Schlimmes in dieser Hinsicht zu besorgen.

Ich ersuche Sie um eine gefällige Antwort, indem ich mit der

geziemendsten Hochachtung die Ehre habe zu seyn

Briefe an Ludwig Tieck (2/4) Zweiter Band · 第 234 / 358 题