_Dresden_, am 23. Jan. 1814.
Die übersendeten Bücher und Musikalien, theuerster Freund, habe ich
richtig erhalten. Der Farqhuar ist mir sehr lieb, da ich längst mit ihm
genauer bekannt zu werden wünschte, ob er wohl in seiner zügellosen
Manier sich eigentlich unter honetten Leuten nicht sehen lassen darf.
Ich habe aber jetzt sogar Amtshalber eine wahre Sehnsucht nach dem
Ächtkomischen. Man hat mir eine Aufsicht über das hiesige deutsche
Theater aufgetragen, und das Geschäft ist nicht undankbar, da ich
mehr Eifer bey den Schauspielern und mehr Empfänglichkeit bey dem
jetzigen Publikum wahrnehme, als ich erwartete. Mein Wunsch ist nach
und nach den „nassen Jammer“ von dem hiesigen Theater zu verdrängen,
und das Publikum nach und nach an eigentlichen Kunstgenuß zu gewöhnen.
An Tragödien fehlt es uns nicht, aber gute Lustspiele sind äußerst
selten. Inmittelst müssen sogenannte Spektakelstücke, Zaubereyen und
dergleichen mit aushelfen, die mir immer lieber sind, als Ifflands
platte Moral. Vielleicht finde ich jemand, der einen Farqhuar’schen
Stoff nach dem Bedürfniß der Zeit behandelt.
Neulich war im Vorschlage, den Sommernachtstraum einzustudiren, und
das ganze Feenvolk mit Innbegriff von Oberon und Titania durch Kinder
zu besetzen. Die Idee ist gewagt, und ich möchte wissen, was Sie darzu
sagten. Wahr ist’s, daß wir jetzt einige sehr brauchbare Kinder bey dem
Theater haben.
Andere Stücke von Shakespear habe ich auch für die Zukunft ~in
petto~, und gern möchte ich mit Ihnen darüber berathschlagen. Nur
kann nicht alles auf einmal geleistet werden, da jetzt noch manche
Schwierigkeiten zu heben sind.
Der Gräfin Henriette bitte ich mich bestens zu empfehlen. Mit großer
Freude vernehme ich ihre Wiederherstellung. Von meinen Musikalien steht
ihr alles zu Diensten, was sie gebrauchen kann.
Die Meinigen lassen Ihnen viel Freundschaftliches sagen. Leider haben
wir uns in Berlin seltner gesehen, als ich gewünscht hätte. Bey
Burgsdorf bitte ich mein Andenken zu erneuern. Leben Sie recht wohl!
_Körner_.