_Karlsruhe_, 1. September 1837.
_Verehrter Herr und Freund_,
Ich habe mich den ganzen Frühling und Sommer mit der Hoffnung getragen,
Nachricht von Ihrem Kommen nach Baden zu erhalten oder aufs Freudigste
durch Ihre Gegenwart in Karlsruhe überrascht zu werden: allein ich
sehe und fürchte, ich werde auf Beides für dieses Jahr verzichten
müssen. Muß ich glauben, daß Ihre Gesundheit so angegriffen ist, daß
sie eine Reise nach Süddeutschland nicht erlaubt, oder darf ich mit
dem herzlichsten Vergnügen -- ein Vergnügen, dem ich selbst meinen
eigensüchtigen Wunsch, Sie wieder bei uns zu sehen, gern opfere
-- annehmen, daß Ihr Wohlseyn eine solche Auswanderung aus Ihrem
freundlichen Dresden gar nicht nöthig machte? Beruhigen Sie mich über
jene Besorgniß oder bestätigen Sie mir diese tröstliche Vermuthung,
wenn auch nur mit einer Zeile; aber bald!
Ihre kurze und eilige, mir aber darum doch überaus werthvolle Zuschrift
vom 27. März ist mir erst mehrere Wochen nach diesem Datum zugekommen;
mein Unstern wollte, daß mich der Überbringer, Hr. v. Bernburg, den
ich literarisch schon kannte und achtete und deshalb um so mehr auch
persönlich kennen und lieben zu lernen gewünscht hätte, nicht zu Hause
traf und ich ihn bei wiederholtem Vorsprechen in seinem Gasthofe
ebenfalls jedesmal verfehlte.
Wenn ich nicht aufs Überzeugendste fühlte, daß ich den Inhalt jener
Zuschrift, insoweit er die Verdienstlichkeit der Engl. Bibl. betrifft,
vielmehr Ihrem freundschaftlichen Wohlwollen für mich, als der ernsten
Übung Ihres allgeachteten und -- verdientenfalls -- allgefürchteten
kunstrichterlichen Vermögens zu verdanken habe, so könnte ich über
Ihre beifällige Äußerungen fast stolz werden; ich habe indessen die
aufsteigende Hoffahrt niedergedrückt und mich an Ihrem gütevollen Lobe
so weit zu erfreuen und zu erstärken mir erlaubt, daß ich neue Lust und
neuen Muth zur Fortführung eines -- wie ich aufrichtig gestehen will,
mir _liebgewordenen_ -- Unternehmens gewann, welches mir mancherlei
Umstände zu verleiden geeignet sind; _da_hin gehören vor Allem: der
Unfug, der mit dem Übersetzen mehr als je getrieben wird und _jedem_
Übersetzer in _einer_ Verdammung gewissermaßen eine ~levis notae
macula~ anhängt; ferner: die ganz seltsame Art, mit welcher diejenigen
Zeitschriften, welchen altem Herkommen nach ein Exemplar der Engl.
Bibl. zur Beurtheilung zugesendet zu werden pflegt, verfahren, indem
sie die Zusendung entweder gar nicht einer öffentlichen kritischen
Bemerkung werthhalten oder mit einer blosen Inhaltsaufzählung
abfertigen, und dessenungeachtet, jedoch mit Verschweigung der
benützten Quelle, zu Auszügen in ihre eigenen Spalten verwenden;
endlich: die Anzahl jener freibeuterischen Unterhaltungsblätter, welche
ein kaum erschienenes Heft der Engl. Bibl. auf eine Weise plündern, die
in pekuniärer Beziehung einem solchen Unternehmen nur schaden muß. --
Doch genug und übergenug mit solchen Beschwerden und Klagen, die ein
Altmeister in der Literatur einem literarischen Neuling, der eine
Lieblingsidee, und wäre sie auch nur auf so Unbedeutendes wie der
Plan der Engl. Bibl. gerichtet, ungern verkümmert und aufzugeben sich
genöthigt sieht, mit freundlicher Nachsicht zu gute halten wird.
Ich habe dieses Blatt so unverantwortlich in den lieben Egoismus
ausschießen lassen, daß ich mir zur Buße, und Ihnen gewiß zur
erwünschtesten Erleichterung, das Vergnügen versage, Sie noch länger
anzuplaudern, und mit dem herzlichsten Wunsch für Ihr körperliches
Wohlergehen und die Fortdauer Ihrer, mir sammt allen Ihren Freunden so
hochschätzbaren, geistigen Schaffenslust schließe.