_Düsseldorf_, d. 15. Juli 1840.
Hiebei, theurer Freund und Gönner, sende ich Ihnen die Rolle, welche
die Überraschung enthält, wovon mein letzter Brief redete. Es wird
Ihnen, denke ich, Freude machen, daß Ihre gelegentlich geäußerte Idee
Thatsache geworden ist, und ich kann meinem gedruckten Texte nur noch
privatim hinzufügen, daß er keine gedruckte Lüge ist, vielmehr eher
zu wenig als zu viel sagt in Beziehung auf _das_ Factum, daß ein
Shakespeare’sches Gedicht aus dem Alt-Englischen Gerüste selbst durch
Dilettanten ein Leben und eine drastische Anschauligkeit gewinnt, die
ich nie bei den Aufführungen in unsern Theatern wahrgenommen habe.
Ich hätte Ihnen die Blätter schon weit früher gesendet, allein die
erste nur für die Festgenossen abgezogene Auflage war vergriffen und
so mußte ich die zweite abwarten, die erst in diesen Tagen erschienen
ist.
Wollen Sie mein eingerichtetes Buch kennen lernen, worin alle
szenischen Arrangements eingezeichnet sind, so kann ich es Ihnen bei
Gelegenheit schicken.
Es wäre gut, wenn über die Thatsache, daß ein Werk Shakespeare’s
auf „_seiner_ Bühne“ dargestellt worden, einmal etwas im
größeren Publico verlautete. Wir leben hier in Beziehung auf solche
Notizertheilungen im Zustande klösterlichster Abgeschiedenheit.
Vielleicht finden Sie selbst einmal Gelegenheit dazu, oder Einer Ihrer
vielen hundert literarischen Gäste übernimmt es, davon zu reden.
Wie gern hätte ich von Ihnen gehört die Zeit her! Es ist mir aber nicht
so gut geworden. Auch die Anwesenheit der Solger, die hier einen Tag
verweilte, hat nicht dazu geführt, denn sie hat mir keine Veranlassung
gegeben, mit ihr zusammenzutreffen, warum? Das weiß _sie_
vermuthlich allein, ich wenigstens weiß es nicht. Ganz fabelhaft
klingt die Nachricht, daß Sie in tiefster Stille einen Roman in zwei
Bänden geschrieben haben, wovon der verehrte Autor trotz achttägigen
Zusammenseyns im vorigen Herbste mir kein Wort sagte.
Mein Memorabilien-Buch ist noch immer nicht heraus, doch nun zum
künftigen Monat versprochen. Sobald es da ist, werde ich ein Exemplar
übersenden.
Der Canzler Müller schrieb mir vor einigen Wochen, Hafner I. sei Ihnen
remittirt, diesen wiedergekehrten Sohn drücken Sie also wenigstens an
Ihre väterliche Brust, wegen seines Bruders ist nun freilich nichts
weiter zu machen.
Von Tristan habe ich eilf Gesänge geschrieben, d. h. den ersten Theil.
Der zweite wird _neun_ enthalten und soll nun ungesäumt folgen,
denn ich will das Gedicht mir vom Herzen haben. Hoffentlich ist das
Ganze gegen Ende des Jahres fertig. Es wird mir bei dieser Arbeit
so gut, daß ein Paar Enthusiasten sie ohne alle Kritik von Gesang zu
Gesang begleiten, was bei einer Production die fast über _eines_
Menschen Kräfte geht, beinahe nothwendig ist.
Sonst lebe ich still und friedlich fort. Ich wollte, es würde mir noch
einmal so gut, Sie an meinem Heerde sitzen zu haben. Meine gute Frau
empfiehlt sich Ihnen und Ihrem ganzen Hause. Sie sieht ihrem Stündlein
in einigen Wochen entgegen, ist hoffnungsvoll, froh und kräftig. Geht
Alles gut, so werde ich wohl im Herbst einen Abstecher nach Belgien
machen, Brüssel, Gent, Brügge, Antwerpen sehen.
Friedrich Wilhelm IV.! Welche Constellationen, Combinationen
und Figuren des Schicksals! Ist Ihnen auch so wunderbar bei diesem
Thronwechsel geworden? Gott gebe dem neuen Herrn recht gesunden
nüchternen Menschenverstand! Das Andre hat er wohl Alles.
Können Sie mir denn gar keine sichere Notiz über die Gestalt (d. h. die
Architektonik des Gerüstes) der ältern Spanischen Bühne nachweisen?
Ich brauche sie so nöthig. Meine freundlichste Empfehlung allen Ihren
Angehörigen, und behalten Sie lieb