Die wichtigste Frage aber war für mich, einen tüchtigen Reis

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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1913 so weit

wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Offensichtliche Fehler

wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr

verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert.

Die Abkürzung für die Einheit ‚Grad Celsius‘ wurde nach der heute

gültigen Regel vereinheitlicht. Nach dem Zahlenwert folgt ein

Leerzeichen, danach die Einheit °C, ohne Leerzeichen. Steht das

Gradzeichen mit dem Zahlenwert allein, wird kein Leerzeichen

eingefügt, so also z.B. 14 °C -- aber 14°.

Die Beschriftungen der zweiteiligen Tafeln 65 bis 68 am Ende des

Buches befinden sich in der Originalvorlage auf einer getrennten

Seite vor den jeweiligen Abbildungen. In der vorliegenden Fassung

wurden diese unter die entsprechenden Bilder gesetzt.

Besondere Schriftvarianten werden im vorliegenden Text mit Hilfe der

folgenden Symbole gekennzeichnet:

kursiv: _Unterstriche_

fett: =Gleichheitszeichen=

gesperrt: +Pluszeichen+

Kapitälchen: GROSSBUCHSTABEN

Hochgestellten Zeichen wurde ein Caret-Symbol (^) vorangestellt; die

entsprechende Passage wurde mit Hilfe geschweifter Klammern wie folgt

gruppiert: KMUNKE’^{SCHEN}.

####################################################################

_R. KMUNKE, QUER DURCH UGANDA_

[Illustration: _Lobelia Stuhlmanni im Urwald des Elgon_]

RUDOLF KMUNKE

QUER DURCH UGANDA

EINE FORSCHUNGSREISE

IN ZENTRALAFRIKA

1911/1912

MIT 4 FARBIGEN UND 65 SCHWARZTAFELN

SOWIE MIT 21 BILDERN UND 3 KARTEN

DIETRICH REIMER (ERNST VOHSEN)

IN BERLIN 1913

ALLE RECHTE VORBEHALTEN.

DRUCK OTTO ELSNER A.-G., BERLIN S.

[Illustration]

_VORWORT._

In nordwestlicher Richtung von dem mächtigen Bergriesen +Elgon+,

dem großen Vulkan, der -- einen Grad nördlich vom Aequator -- an

der Grenze von Britisch-Ostafrika und Uganda gelegen ist, zeigt die

englische Generalstabskarte fast bis zu dem am Nil liegenden Nimule

einen breiten, weißen Streifen -- +ein unerforschtes Land+! Meine

tiefe Liebe zur Natur und ein langgehegter Wunsch, die Großartigkeit

der afrikanischen Welt dort kennen zu lernen, wo das Land und das

Naturleben der Eingeborenen noch nicht von der Kultur berührt

wurden, ließen in mir den Entschluß reifen, eine Expedition in

diesen dunkelsten Teil Afrikas auszurüsten und ihn geographisch und

ethnologisch zu erforschen. Ursprünglich war meine Absicht, von Nakuro

in Britisch-Ostafrika aus zum Rudolf- und Sugottasee und von dort aus,

den Nordabhängen des Mont Elgon und Mont Debasien entlang, durch Naqua

und Tobur zu marschieren. Ich änderte aber später aus triftigen Gründen

diese Route und entschied mich für den Weg über Jinja am Viktoriasee

nach Mbale, von wo aus ich die letzten, noch unerforschten Gebiete

Ugandas in nordwestlicher Richtung durchquerte.

Meine Reise umfaßte zwei wichtige Arbeiten. Die erste galt der

+Besteigung+ des sich bis zur Höhe von 4480 Meter erhebenden +Elgon+,

dessen steile Abhänge alle Klimate der Erde vereinen, Temperaturen

von über 40° bis hinunter zu 14 °C unter Null, -- die zweite der

Erforschung der bisher von Europäern +noch nicht betretenen Gebiete+,

die sich nördlich vom +Salisburysee+ bis gegen +Nimule+ ausdehnen.

Meine Person und meine Mittel stellte ich vollkommen in den Dienst

dieser Arbeiten und tat mein möglichstes, um diese Teile Ugandas

der allgemeinen Kenntnis näher zu bringen. Der Zweck dieses Buches

ist, den Leser an der Hand meiner Aufzeichnungen, Photographien,

kartographischen und astronomischen Aufnahmen und der noch frischen

Erinnerung in die gewaltige Natur Afrikas und das reizvolle Steppen-und

Karawanenleben zu versetzen.

Bevor ich an die Wiedergabe meiner Reise trete, drängt es mich,

allen jenen Persönlichkeiten herzlichen Dank zu sagen, die durch

Vermittlung bei Behörden und durch ihre Ratschläge zum Gelingen meines

Werkes beigetragen haben. Es sind dies die Herren Intendant Hofrat

Dr. +Steindachner+, die Universitätsprofessoren Hofrat Dr. +Sigmund

Exner+, Hofrat Dr. R. +von Wettstein+, Dr. +Sueß+, der bekannte

Ornithologe Direktor Dr. +von Madarász+, die Forschungsreisenden

Universitätsprofessor Dr. +Rudolf Pöch+, Konter-Admiral Heinrich

Ritter +von Höhnel+, Graf Eduard +Wickenburg+ und Dr. Karl

+Berger+. Zu wärmstem Danke verpflichtet bin ich dem Gouverneur von

Britisch-Ostafrika, Exzellenz +Jackson+, der meine Expedition in der

weitestgehenden Weise unterstützte. Gouverneur +Jackson+, der auch

als Gelehrter einen Weltruf genießt, ging in seiner Liebenswürdigkeit

so weit, daß er die schwierige Beschaffung der Träger für meine Reise

zum Teil auf sich nahm und mir einen offenen Empfehlungsbrief an

sämtliche englische Beamte und Offiziere in den von den Engländern

bereits unterworfenen und verwalteten Gebieten Ugandas, sowie

eine Speziallizenz mitgab. Besonderen Dank sage ich auch unserem

ausgezeichneten, in englischen Diensten stehenden Landsmann Baron

Rudolf +Slatin Pascha+, dem Generalinspektor im Sudan, für die

ausserordentliche Liebenswürdigkeit, mit der ich bereits in Nimule

begrüßt und später in Khartum empfangen wurde. Zum Schlusse gedenke

ich noch meines wackeren Freundes und Gefährten, Universitätsdozenten

Dr. Robert +Stigler+, des bekannten Physiologen, der als mein Gast

und Expeditionsarzt mich begleitete und mir in jeder Lage energisch,

umsichtig und eifrig mit Rat und Tat zur Seite stand. Sein Anteil an

dem guten Gelingen meiner Expedition geht aus vielen Kapiteln dieses

Buches hervor.

Möge der Leser aus den nun folgenden Berichten den Eindruck gewinnen,

daß wir keine gewöhnliche Vergnügungsreise aus Lust an Abenteuern

unternommen haben -- „Safari“ nennt man in Afrika derartige

Expeditionen --, sondern daß wir unter Einsatz von Gesundheit und

Leben, von reicher Arbeit und harter Ausdauer unser möglichstes getan

haben, um zur Erforschung des Elgonkraters und der noch unbetretenen

Ugandagebiete beizutragen und so das menschliche Wissen zu bereichern.

+Wien+, im Herbste 1913.

RUDOLF KMUNKE.

_INHALTS-VERZEICHNIS._

VORBEREITUNG DER EXPEDITION 1–4

Die Wahl der Route / Einschlägige Literatur / Die Ausrüstung

und wissenschaftlichen Instrumente / Dozent Dr. Robert Stigler

/ Meine übrigen Begleiter

VON WIEN NACH UGANDA 5–13

Wien-Triest / Zur See bis Kilindini / In der Hauptstadt

Britisch-Ostafrikas / Eine Aenderung unseres Reiseplanes / Anwerbung

von Trägern / Sportsleben in Nairobi / Die Strecke eines Löwenjägers

/ Auf der Ugandabahn / Verlust eines Instrumentenkoffers / Quer über

den Viktoriasee / Einiges über Uganda

AM VIKTORIASEE 14–22

Ankunft in Entebbe / Besuche beim Gouverneur / Ein Ausflug

nach Kampale / Im Gebiete der Glossina palpalis / Die Rikshaläufer

/ Beim König von Uganda / Ein Frauenmörder vor dem

Eingeborenengericht / Ueber den See nach Jinja / Unser erstes

afrikanisches Lager / Schlafkrankheit, Rückfallfieber und andere

Krankheiten / Am Riponfall / Regenzeit

AUFBRUCH DER KARAWANE 23–27

Auf der Straße nach Mbale / Mit Frau und Kind auf der Inspektionsreise

/ Zwei Elefantenwilderer / In Iganga / Zwischen

Bananen- und Gummiplantagen / Der Straßenbauingenieur /

Leopardenbesuche / Durch den Mpologoma-River / Ein Nachtmarsch

bei Mondlicht / Beginn der Berglandschaft

AM FUSSE DES ELGON 28–35

Im Anblick der Gebirgswelt / Trägersorgen / Englische Gastfreundschaft

/ Vorbereitung für die Elgonbesteigung / Der Abmarsch

/ Durch die Eingeborenendörfer / Einheimische Justiz /

Der Aufstieg in die Felsen / Im Urwald / Die letzte Ansiedlung

AUF DEM ELGON 36–50

Der Aufstieg zum Krater / Das Lager im Kratergrund / Kältetemperaturen

von 12–14 Grad / Eine Winterlandschaft / Bergkrankheit

/ Die Südwest- und Nordostspitze / Auf dem Gipfel /

Fauna und Flora / Die bisherigen Expeditionen / Kaiser-Franz-Josef-

und Jacksonspitze / Der Abstieg / Ein Nachtlager im Urwald

/ Die Bergeingeborenen / Der Aberglaube der Kawirondo /

Bei den Anthropophagen / Zurück nach Mbale

WEIHNACHTEN UND NEUJAHR IN MBALE 51–61

Unsere Reiseroute verboten und wieder bewilligt / Trägersorgen /

Feiertagsstille / Ein Zeltbrand / Gefräßige Termiten / Ein alter

Afrikaner / Der unbrauchbare Phonograph / Eingeborenentanz /

Die Neujahrsnacht / Kapitän Taughners Strafexpedition / Die

Karamojoleute und ihre Waffen / Ein mutiger Häuptling / Der

diebische Diener

VON MBALE NACH KUMI 62–71

Aufbruch der Karawane / Die Askari / Auf der Straße nach

Kumi / Im Hause des Distriktskommissärs / Ein moderner Raub

der Sabinerinnen / Ehetragödie eines Eingeborenen / Friedhöfe

in Wohnhütten / Die Busoga und die Teso / Die Dorfanlagen

der Eingeborenen / Auf exponiertem Posten / Tiere für Schönbrunn

/ Elefantengeschichten / Der unersättliche Heatman

AM KUMI- ODER SALISBURY-SEE 72–78

Ankunft am See / Ein standhafter Patient / Die Ueberfahrt /

Feuerwerk für die Eingeborenen / Etwas über die Tropenhelme /

Auf der Nilpferdjagd / Sonnenuntergang

EIN STEPPENBRAND 79–82

Durch Busch und Steppe / Das Lager in höchster Gefahr / Rechtzeitige

Hilfe / Das Schicksal eines Afrikaforschers / Eingeborenentänze

/ Ein neuer Führer

AM RANDE DER KULTUR 83–88

Die letzte Station / Die Praxis Dr. Stiglers / Der mißtrauische

Naquahäuptling / Die Ermordung Kirkpatricks / Die zweite

mißglückte phonographische Aufnahme / Billige Lebensmittelpreise

/ Küchensorgen / Die Disziplin in der Karawane / Gezwungene

Träger

DURCH DAS UNERFORSCHTE UGANDA 89–95

Der Marsch durch die Steppe / Die erste Lagerstelle / Ein Eldorado

für Jäger / Am Kirkpatricksumpf / Ein angreifendes Nashorn

und sein Opfer / Am Fuß der Naquaberge / Gewaltmärsche

/ Zusammengebrochene Träger

EIN GEPLANTER UEBERFALL 96–99

Vollmondnacht / Die unsichtbaren Eingeborenen / Verräterische

Lichter / Von den Wilden eingeschlossen / In voller Kampfbereitschaft

/ Spannungsvolle Stunden / Abzug der Eingeborenen

IN DEN NAQUABERGEN ABGEIRRT 100–115

Ein Schlangenbiß / Besuch der Eingeborenen / Die Furcht vor

den Naqua / Aufbruch in die Berge / Von meiner Karawane abgeirrt

/ Rencontre mit den Eingeborenen / In heikler Situation /

Eine schlaflose Nacht / Unterbrechung der wissenschaftlichen

Arbeiten / Eintreffen meiner Karawane / Die Schmiedehütten

der Toburleute / Anna- und Josefaberg / Besuch dreier Häuptlinge

/ In Adelang / Von wilden Bienen überfallen

BEI DEN ACHOLI 116–120

An den Ufern des Nam / Afrikanisches Gewitter / Ein unterbliebener

Angriff / Die Kinderhütten der Acholi / Unsinnige Eingeborenenmoden

/ Schlanke Taillen und sichtbare Herzschläge /

Der medizinsüchtige Häuptling

IN EILMAERSCHEN VORWAERTS 121–134

Im afrikanischen Busch / Häuptlinge mit Tirolerhut und Zylinder

/ Konservenbüchsen und Patronenhülsen als Schmuck /

Regenzeit / Abtragung eines Termitenhaufens / Eine Empfangsfanfare

in der Steppe / Die Residenz des Häuptlings von Oghaba /

Heiligtümer / Ausgetrocknete Flußläufe / Ein unbotmäßiger

Häuptling / Konzertabend in Lenu / Am Assuariver / Telegramme

in die Heimat / Im Gewittersturm

IN NIMULE 135–140

Die ersten Zeichen der Kultur / Der Einmarsch in Nimule /

Waghalsige Goldsucher / In ständigem Kampf mit den Eingeborenen

/ Ein Brief Slatin Paschas / Die Erkrankung meiner

Begleiter

ELEFANTENJAGD 141–148

Im Jagdgebiet / Die erste Elefantenherde / Am Attapiriver /

Tragische Jagdgeschichten / Unsere Expeditionstrommel / Ein

anhänglicher Schwarzer / Unser Heatman als Elefantenwilderer

VON NIMULE NACH GONDOKORO 149–156

Auf der Straße nach Gondokoro / Große Grasbrände / Ein Marsch

in der Vollmondnacht / In Loro / Auf der Elefantenjagd /

Der tollkühne Adubungomoi / Erkrankung Dr. Stiglers / Ein

Engländer auf Besuch / Unfreiwillige Träger / Schwarzer und

Storch malariakrank / In der Nähe des Nils / Einmarsch in

Gondokoro

AUFLOESUNG DER KARAWANE 157–161

Abfertigung der Träger / Aufgegebene Jagdpläne und Entschluß

zur Heimreise / Verkauf der Ausrüstungsgegenstände / Unsere

Träger in Salonrock und Schlapphüten / Der Zauber der europäischen

Kleider / Ankunft des Nildampfers und Abfahrt von

Gondokoro

EIN RUECKBLICK 162–169

Abschied vom Karawanenleben / Das Vegetationsbild Ost-Ugandas

/ Großer Wildreichtum / Das Paradies am Salisburysee / Im

nördlichen Uganda / Ein Eldorado für Elefantenjäger / Allgemeines

über die Eingeborenen / Klimatisches / Die Erkrankungsgefahr

für den Europäer / Chininprophylaxe / Die Notwendigkeit

ärztlicher Begleitung / Behandlung der Eingeborenen /

Befriedigende Ergebnisse

AUF DEM NIL 170–176

Unser Dampfer / Das „Walzertanzen“ / Kurven und Sandbänke /

In Mongalla / Zerstörte Telegraphenlinien / Eine Strafexpedition

gegen den Berristamm / Ein märchenhaftes Jagderlebnis / Eintönige

Fahrt / Aufgefahren / Weltabgeschiedene Ingenieure /

Ein Papyrusbrand

IN KHARTUM UND KAIRO 177–180

Wieder von Komfort umgeben / Bei Slatin Pascha / Ein Ausflug

nach Omdurman / In Kairo / Genesung Dr. Stiglers / Abschied

von Afrika

METEOROLOGISCHE BEOBACHTUNGEN 181

ORNITHOLOGISCHE ERGEBNISSE 183–186

der Reise Rudolf Kmunkes von Dr. Julius von Madarász

[Illustration]

_VERZEICHNIS DER BILDER UND KARTEN._

_TEXTBILDER._

Grundriß und mit Antilopenschädel geschmückte Spitze einer

Bageshuhütte (2 Bilder) 48

Schmiede und Schmelzofen der Naqua- und Tobur-Eingeborenen

(4 Bilder) 110

Anlage des Wohnsitzes der Familie des Acholi-Häuptlings von Oghaba

(15 Bilder) 126

_TAFELBILDER._

Titelbild. Lobelia Stuhlmanni in einer Urwaldlichtung (Elgon-Urwald).

1. Mombassa 8

Hauptstraße in Mombassa 8

2. Entebbe 16

Kampalla 16

3. König von Uganda 16

Jinja 16

4. Blick auf den Viktoriasee mit Schlafkrankheitsgebiet 16

In Einbäumen über den Mpologoma-See 16

5. Riponfälle 16

6. Kigelia aethiopica am Wege nach Mbale 24

Mbale 24

7. Eingeborene in Ketten (Mbale) 32

Blick nach dem Kogonchoro und Elgon 32

8. Bageshudorf in Bujobo 32

9. Landschaftsbild bei Bujobo 32

Brücke aus Bambus über den Siroko 32

10. Lager in Buhugu 32

Blick von Buhugu gegen den Elgon 32

11. Senecio Johnstoni im Urwald des Elgon 32

Unser Lager in der Höhe von 3390 m 32

12. Bergeingeborener vom Stamme Batwa 32

Aufstieg in den Felsen 32

13. Blick in den Krater 40

Westeinstieg in den Krater 40

14. Lager im Elgonkrater (2 Bilder) 40

15. Das Lager meiner Träger 40

Der Krater 40

16. Jacksonspitze 4311 m 40

Jacksonspitze 40

17. Blick von der Jacksonspitze in den Krater 40

Blick gegen die Kaiser-Franz-Josef-Spitze 40

18. Blick auf einen Senecienwald im Krater 40

Der Krater 40

19. Senecio Johnstoni in der Höhe von 4300 m 40

Der Verfasser bei der Arbeit mit dem Theodolit auf der

Jacksonspitze 40

20. Kaiser-Franz-Josef-Spitze 40

Blick von der Franz-Josef-Spitze in den Krater 40

21. Abbruch des Lagers im Krater 48

22. Abstieg vom Elgon 48

Lobelia Deckeni 48

23. Lobelia Deckeni und Senecio Johnstoni 48

Lager im Urwald mit Lobelia Stuhlmanni 48

24. Bageshufrau mit Kind 48

Tätowierte Eingeborene 48

25. Bananenhain in Bujobo 48

Sonnenuntergang in der Steppe 48

26. Karamojohäuptling 56

Jiwehäuptling 56

27. Häuptlinge von Kilimi 56

28. Findling bei Bukedia 64

Landschaftsbild bei Kumi 64

29. Schöne aus Kumi 64

Mit dem Kiboko bestrafte Eingeborene 64

30. Eingeborene vom Tesostamm (2 Bilder) 64

31. Teso, Frau und Mann 64

Eingeborene von Kaketta 64

32. Vorratskörbe 64

Frauen vom Stamme Teso 64

33. Ein Tesoriese 64

Junge Gazellen 64

34. Eingeborenenkral in Kumi

Grundriß einer Niederlassung 64

35. Kaktushecke mit Eingang in das Dorf 64

Hütte im Bau 64

36. Konstruktion des Daches 64

Malerei der Eingeborenen 64

37. Eingeborener mit Teratom aus Kumi Nyanza 72

In Einbäumen über den Salisburysee 72

38. Am Nordufer des Salisburysees (2 Bilder) 72

39. Älteste Frauen aus Magoro 72

Älteste Männer aus Magoro 72

40. Nilpferde im Salisburysee 72

Balaeniceps rex 72

41. Häuptling von Gjotum (3 Bilder) 80

42. Karamojomänner 80

Karamojofrauen 80

43. Nach dem Brande (2 Bilder) 80

44. Mein Karamojoführer 80

Häuptling von Naqua 80

45. Lager bei Kaketta 80

Eingeborener von Kaketta 80

46. Fischende Träger 88

Badende Träger 88

47. Lager am Kirkpatricksumpf 88

Die Träger bringen Holz für die Küche 88

48. Blick gegen die Toburberge 88

Blick gegen die Naquaberge 88

49. Erlegtes Nashorn 88

Vegetation im Naquatal 88

50. Lager im Naquatal 96

Unser Wasserplatz in Naqua 96

51. Lagerplatz im Naquatal 96

Naqua-Eingeborene 96

52. Junge Tobur-Männer 104

Toburfrau 104

53. Blick von der Josefinenspitze gegen die Naquaberge 112

Blick nach Norden 112

54. Lager in Tobur 112

Unser Wasser in Adelang 112

55. Eingeborene vom Stamme Acholi oder Kamjuru (2 Bilder) 120

56. Kamjurufrau mit Kind 120

57. Kinderhütte 120

Beratungsplatz der Eingeborenen 120

58. Ein Leprakranker 136

Durch den Agueriver 136

59. Die Karawane marschiert durch den Assuariver 136

60. Lager in Nimule am Nil 136

Regierungshaus in Nimule 136

61. Wie die Träger klettern 144

Dr. Stigler erkrankt 144

62. Beratung mit dem Häuptling 152

Regierungshaus in Gondokoro 152

63. Unser Nildampfer in Bor 160

Kapitän Fox 160

64. Wasserschöpfer am Nil 176

Gouverneurpalais in Khartum 176

65. Waffen und Schmuck der Bageshu 187

Waffen und Schmuck der Naqua- und Toburleute 187

66. }

67. } Ethnographische Gegenstände aus Acholi 187

68. }

_KARTEN

am Schluss des Buches eingeheftet._

Uebersichtskarte von Afrika mit Angabe des Reisewegs Kmunkes

Routenskizze der Expedition in Uganda

Karte des Kraters vom Elgon in Uganda

_VORBEREITUNG DER EXPEDITION._

_Die Wahl der Route / Einschlägige Literatur / Die Ausrüstung und

wissenschaftlichen Instrumente / Dozent Dr. Robert Stigler / Meine

übrigen Begleiter._

Meine Absicht, das Innere Afrikas aufzusuchen und zu durchforschen,

reicht schon drei Jahre zurück und hatte sich in mir festgesetzt, ehe

ich noch meine Ostgrönland-Expedition unternahm. Die Vorbereitungen

für eine afrikanische Forschungsreise beanspruchten aber mehr Zeit,

als mir damals zur Verfügung stand, so dass die Ausführung meines

Planes auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden musste. Von

Grönland zurückgekehrt, ging ich aber mit allem Eifer daran, mich für

die neue Expedition zu rüsten. Mein Plan war, möglichst unerforschtes

Gebiet des afrikanischen Kontinentes zu durchqueren, und von allem

Anfange an stand in mir der Gedanke fest, die den Europäern noch

unbekannten Gebiete Ugandas zu erforschen. Zu diesem Zwecke wollte

ich mich über Nairobi nach Nakuro an der Ugandabahn und von dort in

nördlicher Richtung längs des Baringo- und Sugota-Sees zu dem an der

Südspitze des Rudolfsees sich erhebenden Teleki-Vulkan begeben, von

hier aus die Westküste des Sees entlang bis zur Mündung des Turkwel

und nun in westlicher Richtung zwischen dem Mont Debasien im Süden und

dem Naquagebirge im Norden in die den Europäern bisher verschlossen

gebliebenen Kamtschuro-Gebiete vordringen. Warum ich mich später zu

einer Abänderung dieser Route entschloss, wird an anderer Stelle

begründet werden. Die auf Uganda bezügliche Literatur wurde von mir

natürlich eifrig und gewissenhaft studiert, so das ausgezeichnete

Buch des Konteradmirals Ludwig R. v. +Höhnel+ „Die Forschungsreise

des Grafen Samuel Teleki in Ost-Aequatorial-Afrika“, die Werke der

Forschungsreisenden Grafen Eduard +Wickenburg+, Dr. A. +Berger+,

A. +Donaldson Smith+, des Kapitäns Ch. +Stigand+ und vor allem das

prächtige Werk Harry +Johnstons+ „The Uganda Protectorate“. Ausser

diesen war noch eine Reihe von Schriften, die mir die geographischen

Gesellschaften in Wien und London zur Verfügung stellten, Gegenstand

meines Studiums, und die meisten der im Vorworte genannten

Forschungsreisenden gaben mir aus ihrer eigenen reichen Erfahrung

wichtige Ratschläge.

Den Hauptteil der fast ein Jahr währenden Vorbereitungen bildete die

Ausrüstung, der ganz besondere Sorgfalt gewidmet werden musste, da

der Grossteil meiner Reise ja durch ein noch von keiner europäischen

Kultur berührtes Gebiet gehen sollte. Da wir in Oesterreich, als

einem Lande ohne Kolonien, keine Ausrüstungsmagazine besitzen, musste

ich mich zumeist an Berliner und Londoner Firmen wenden, aber, wo es

nur möglich war, berücksichtigte ich auch die heimische Industrie.

So bezog ich meine Zelte von der Firma Elsinger & Söhne, die mir

auch nach den Angaben meines verehrten Freundes Professor Dr. Rudolf

Pöch ein Musterzelt anfertigte, das sich in jeder Hinsicht bewährte,

ebenso gut bewährten sich die Tropenkoffer, die mir die Wiener

Firma Prohaska lieferte und die den Berliner Blech-Tropenkoffern

entschieden vorzuziehen sind. Auch das Sattelzeug und die Kochgeschirre

bezog ich aus Wien, und durch freundliche Vermittlung des Herrn

Oberleutnants Thalwitzer wurde mir vom k. und k. Kriegsministerium ein

zusammenlegbares Floss zur Verfügung gestellt, das nur eine Trägerlast

(26 Kilogramm) schwer war und acht Männern Platz bot. Bei einer

Erprobung im Badener Schwimmbassin war es innerhalb einer Viertelstunde

fertig montiert. Meine Waffen waren ein Mannlicher-Schönaustutzen von

9½ mm Kaliber, eine Holland 465 Expressbüchse und eine doppelläufige

Schrotflinte für die Vogeljagden. Die Reiseapotheke hatten Dozent

Dr. Robert Stigler und Prof. Dr. Rudolf Pöch in Gemeinschaft mit Dr.

Arzberger, dem Leiter der Apotheke im Wiener Allgemeinen Krankenhause,

in mustergiltiger Weise zusammengestellt, so dass in den drei Koffern,

in denen sie verpackt wurde, wohl für jede Art von Erkrankung

Medikamente und Instrumente vorhanden waren.

Für die kartographischen, astronomischen und meteorologischen

Aufnahmen war eine Reihe von wissenschaftlichen Instrumenten bestimmt.

Ueber Empfehlung des Hauptmannes Karl von Orel, des Leiters der

kartographischen Abteilung im Wiener militärgeographischen Institute,

wurde mir von Dr. Pulfrich, dem Direktor der berühmten Zeisswerke

in Jena, der neueste Phototheodolit zur Verfügung gestellt und über

meine Angaben noch dahin abgeändert, dass auf dem Höhenkreise 30

Sekunden direkt und 15 Sekunden abschätzungsweise abgelesen werden

konnten. Der Gang meiner Taschenchronometer wurde auf der Wiener

Sternwarte geprüft, wo ich auch bei Dr. Krumpholz durch längere

Zeit Unterricht in astronomischen Beobachtungen nahm. Für direkte

Höhenmessungen dienten zwei Barometer, und zwar eines von Radau

und ein englisches von Smith. Ausserdem führte ich von der Wiener

Firma Kapeller ein Maximum-Minimum-Thermometer, ein Schleuder-

und zwei Luftthermometer sowie ein Assmannsches Psychrometer mit.

Den photographischen Aufnahmen dienten ein Kodak-Apparat (9 : 12)

mit Zeisslinse, eine Voigtländer-Spiegel-Reflex-Kamera und eine

Porträt-Kamera von Bayer. Die Oest.-Ung. Kino-Gesellschaft gab mir in

der Person des Herrn Josef Schwarzer einen Operateur mit, der für seine

Gesellschaft Kinoaufnahmen, für mich die photographischen Schwarz-

und Autochrombilder zu machen hatte, wofür er auf meine Kosten die

Reise in das Innere von Afrika mitmachte. Unser Vorrat an Platten

betrug tausend einfache, 150 Autochromplatten, 960 Packfilms und 300

Rollfilms. Mehrere einschlägige Literaturwerke, eine Suaheli-Grammatik

-- ich hatte mich einige Zeit vor meiner Abreise mit dem Studium

dieser Eingeborenen-Sprache abgegeben -- und die existierenden Karten

des Gebietes, dem unsere Expedition galt, bildeten unsere kleine

Reisebibliothek. An Kleidern hatten wir ausser Khaki- und weissen

Anzügen auch warme Anzüge, Wollsweaters, Bergschuhe, Rucksäcke etc. für

das tropische Hochgebirge mit.

Die wichtigste Frage aber war für mich, einen tüchtigen Reisebegleiter

und Arzt zu suchen, und ich hatte das Glück, den richtigen Mann

im Universitätsdozenten Dr. Robert +Stigler+ zu finden, den ich

auf meiner Osterreise nach Griechenland im Jahre 1911 an Bord

eines österreichischen Lloyddampfers kennen gelernt hatte. Schon

damals erzählte ich ihm von meinen Vorbereitungen für die Reise

durch Uganda, und kurze Zeit darauf trug sich mir Dr. Stigler in

Wien als Expeditionsarzt an. Dr. Stigler, der auf der Expedition

rassenphysiologische Studien und Experimente zu machen gedachte,

erhielt für diesen Zweck aus der Treitl-Stiftung einen Betrag von

5000 Kronen zur Anschaffung der hiezu nötigen wissenschaftlichen

Instrumente, die zwei grosse Koffer füllten. Mit der Wahl Dr. Stiglers

hatte ich einen ausserordentlich glücklichen Griff getan. Denn er

zeigte sich jederzeit als energischer, umsichtiger Mann, als offener

Charakter, als tüchtiger Arzt, dessen Können wir im Verlaufe unserer

Expedition zu würdigen Gelegenheit hatten, und als begabter Gelehrter.

Wer je an einem Unternehmen ähnlicher Art teilgenommen hat, wird es

verstehen, eine wie grosse Rolle die Wahl eines Reisegefährten spielt

und wie schwer es ist, den richtigen Mann zu finden, mit dem man durch

prächtige Harmonie verbunden sein will, und der auch gleichzeitig die

Notwendigkeit der Unterordnung unter den Willen des Einen einsieht.

Als letzten europäischen Begleiter hatte ich noch für die Präparate

meiner Sammlungen Herrn Richard Storch aus Prag engagiert, der ein

alter Afrikakenner war und über zehn Jahre im Sudan zugebracht

hatte. Leider fand meine Annahme, dass er gerade wegen dieses langen

Aufenthaltes gegen tropische Erkrankungen ziemlich gefeit sein

müsse, späterhin keine Bestätigung. Er hatte schon vor Jahren einen

Malariaanfall erlitten, der sich, sobald die Strapazen unserer Reise

grössere wurden, stets wieder einstellte und ihn fast bis zum Schluss

unserer Expedition nicht gesund werden liess.

_VON WIEN NACH UGANDA._

_Wien-Triest / Zur See bis Kilindini / In der Hauptstadt

Britisch-Ostafrikas / Eine Aenderung unseres Reiseplanes / Anwerbung

von Trägern / Sportsleben in Nairobi / Die Strecke eines Löwenjägers

/ Auf der Ugandabahn / Verlust eines Instrumentenkoffers / Quer über

den Viktoriasee / Einiges über Uganda._

Zu Beginn des Herbstes 1911 hatte ich meine Vorbereitungen beendet, und

dem Aufbruche stand nunmehr kein Hindernis mehr im Wege. Im September

waren von London aus 52 Kisten und am 1. Oktober von Wien aus 33 Kisten

seetüchtig verpackt nach Mombassa an der Ostküste Afrikas abgegangen,

und 14 Tage später trat ich mit Dr. Stigler und der restlichen

Ausrüstung die Reise an. Viele Freunde gaben uns das Abschiedsgeleite

und riefen uns am Wiener Südbahnhofe noch herzliche Glückwünsche nach.

Dann rollte der Schnellzug aus der Halle und brachte uns nach dem

Süden. In Triest, wo wir am nächsten Morgen anlangten, erwartete uns

Photograph Schwarzer, wir besorgten noch die Verladung unseres Gepäckes

auf das bereits unter Dampf liegende österreichische Lloydschiff

„Bregenz“ und nahmen dann den Lunch zum letztenmal für lange Zeit

auf europäischem Boden ein. Um 3 Uhr ging die „Bregenz“ in See. Bis

Brindisi, wo einige italienische Kriegsschiffe mit Scheinwerfern

das Wasser nach türkischen Schiffen absuchten, -- es war kurz nach

Ausbruch des Krieges, -- war ruhige Fahrt. Auf der Höhe von Kreta

ward die See unruhig, so dass der grösste Teil der Passagiere -- fast

ausschliesslich Engländer -- seekrank wurden, und blieb es auch bis zum

20. Oktober, an welchem Tage wir um 2 Uhr morgens Port Said erreichten.

In langsamer Fahrt ging es nun durch den Suezkanal und dann fünf Tage

lang durch das Rote Meer. Die Hitze ward bei der völligen Windstille

bald unerträglich, wir hatten um 11 Uhr nachts in den Kabinen 38°, in

den Maschinenräumen gar 50 °C.

Am 26. Oktober langten wir in +Aden+ an, wo wir die nach Indien

weiterfahrende „Bregenz“ mit der gerade eingetroffenen prächtigen

„Prinzessin“ der Deutsch-Ostafrika-Linie vertauschten. Nach

der Umladung unserer Koffer blieb uns noch kurze Zeit, um das

farbenprächtige Felsennest Aden mit seinem malerischen orientalischen

Leben zu besichtigen, einige Einkäufe zu besorgen und die ersten Briefe

in die Heimat zu senden, dann konnten wir nur mehr an Bord der langsam

aus dem Hafen gleitenden „Prinzessin“ noch die bizarren Formen dieses

Stadtbildes bewundern, in dessen felsigem Hintergrunde auf den höchsten

Spitzen die Forts der Engländer dräuen.

Sechs Tage nun schwammen wir in ruhiger Fahrt auf dem indischen

Ozean, das Kap Guardafui umschiffend, die Ostküste Afrikas entlang,

den Aequatorübergang mit der üblichen Aequatortaufe feiernd, bis die

„Prinzessin“ in den seichten Hafen von +Kilindini+ einfuhr und wir zum

erstenmal ostafrikanischen Boden betraten. In Kilindini war man von

unserer Ankunft bereits avisiert, und die Zollrevision beschränkte

sich infolge des Entgegenkommens der englischen Regierung und der

Zollbehörden ausschliesslich auf die Entrichtung einer kleinen Gebühr

für Waffen und Munition, während unsere Koffer nicht geöffnet zu werden

brauchten.

Von Kilindini, dem eigentlichen Landungshafen für Uganda, führten uns

Eingeborene in ihren kleinen Rollwägelchen -- Trolly -- auf einer

schmalspurigen Trambahn nach +Mombassa+ (Tafel 1). Die Strasse dorthin

ist ausserordentlich schön und breit und von prächtigen Palmen,

Affenbrotbäumen und grellfarbigen Blumen eingesäumt. In Mombassa, wo

wir im „Grand Hotel Metropol“ abstiegen, dehnte sich unser Aufenthalt

auf drei Tage aus, da hier die von London vorausgeschickten 52

Kisten noch lagerten und wir diese erst nach Nairobi dirigieren

mussten. Auch gab es noch wichtige Besprechungen bei dem englischen

Provinzialkommissär Sir Hindl und dem österreichischen Vizekonsul Herrn

Markus, die uns beide wertvolle Informationen erteilten. Am dritten

Tage endlich konnten wir die Stadt verlassen und die bequemen Waggons

der Ugandabahn besteigen, die uns in stark ansteigendem Terrain nach

siebzehnstündiger Fahrt in das sogenannte Reservatgebiet brachte. Die

Landschaft, die der Zug durchfährt, wird mit jedem Kilometer fesselnder

und eindrucksvoller. Man sieht sich wie in einem natürlichen

zoologischen Garten, grosse Rudel Zebras, Gnus, Giraffen, Strausse und

allerlei Arten Antilopen beleben die Steppe, und im Süden steigt der

mächtige Kilima-Ndscharo empor, dessen höchster Gipfel Kibo sich bis zu

6010 Meter erhebt und mit ewigem Schnee bedeckt ist.

Nach weiteren acht Stunden erreichten wir -- 327 Meilen von der Küste

entfernt -- +Nairobi+, die Hauptstadt Britisch-Ostafrikas und den Sitz

des Gouverneurs. Nachdem uns Eingeborene in einer Rikschar (Riksha) im

Laufschritt in unser Hotel gebracht hatten, war es unser erstes, uns

mit dem Gouverneur Sir Girouard in Verbindung zu setzen, der uns auch

sofort in liebenswürdigster Weise zu sich lud. Zu der bestimmten Stunde

wurde ich mit Dr. Stigler in dem schönen, auf einer Anhöhe gelegenen

Palais des Gouverneurs empfangen, und dieser Besuch war für unsere

Expedition von ausschlaggebender Bedeutung, da er die schon erwähnte

Aenderung unserer Reiseroute mit sich brachte. Wir hatten bekanntlich

vor, über den Rudolfsee in das Gebiet von Uganda einzudringen, Sir

Girouard machte uns aber aufmerksam, dass zum Rudolfsee monatlich

einmal bereits ein Postbote abgehe. Dieser Umstand benahm uns natürlich

jedes weitere Interesse für diese Strecke, denn wir wollten doch nicht

als Forschungsreisende sogar von der Post schon erschlossene Gebiete

besuchen. Nach kurzer Ueberlegung waren wir entschlossen, den Weg zum

Rudolfsee dem Postboten zu überlassen und unsere eigentliche Reise nach

den bisher unerforschten Teilen Ugandas vom Viktoria-See, und zwar von

Jinja aus, anzutreten. Sir Girouard gab uns den Rat, mit Gouverneur

Jackson von Uganda Fühlung zu nehmen, da die uns bevorstehenden

Schwierigkeiten ungemein grosse seien und es notwendig sein werde,

Askari-Soldaten mitzunehmen. Auch erteilte er uns die Bewilligung,

schon von Nairobi einige ausgesuchte starke Träger mitzunehmen, und

versprach, bei Gouverneur Jackson telegraphisch anzufragen, ob wir

die übrigen Träger aus Kampala und Entebbe erhalten könnten. Schon am

nächsten Tage, an dem wir abermals bei Sir Girouard geladen waren, war

die Antwort von Gouverneur Jackson eingelaufen, der mitteilte, dass wir

in Entebbe 150 Träger anwerben könnten, und uns gleichzeitig einlud,

ihn in Entebbe, der Hauptstadt Ugandas, zu besuchen. Von Nairobi

wollten wir 50 Träger mitnehmen, so dass wir für unser gesamtes aus 180

Stücken bestehendes Gepäck bis zum Mont Elgon jedenfalls genug Träger

hatten.

Wir trachteten nun, uns so rasch als möglich in Nairobi die uns noch

fehlenden Ausrüstungsgegenstände zu verschaffen, um mit dem nächsten

Zuge, der nur jeden Samstag von Nairobi nach Kisumu am Viktoria-Nyanza

abgeht, die Fahrt nach Entebbe antreten zu können. Nairobi, eine noch

junge Stadt von unschönem Aussehen, weist in den zwei Hauptstrassen

fast nur Kaufläden, europäische und indische, auf, in denen alles

zu haben ist, wessen man an Ausrüstung für eine Reise ins Innere

Afrikas bedarf. Neben den Schneider- und Modewarengeschäften, den

Büchsenmachern und Sattlern, gibt es spezielle Ausrüstungsgeschäfte

deutscher und englischer Herkunft, die dem Reisenden komplette

Garnituren zur Verfügung stellen, noch dazu zu Preisen, die für viele

Gegenstände billiger sind als in Europa. Diese bequeme Vorsorge erklärt

sich daraus, dass Nairobi den Hauptausgangspunkt für Jagdausflüge

in das Gebiet des Kilimandscharo und des Kenia bildet. Die Reise

auf der Ugandabahn bis hierher lässt keinen Komfort vermissen, so

dass sie sogar viele Damen unternehmen, und auch die Jagdausflüge

selbst sind mit nicht allzugrossen Strapazen verbunden. Man findet

daher sämtliche Hotels in Nairobi vollbesetzt von Sportsleuten,

unter denen sich mancher gewaltige Nimrod befindet. So weilte zu

unserer Zeit in Nairobi ein Amerikaner namens Paul Rainey, der mit

einer grossen Meute von Hunden auf Löwen gejagt und dabei einen ganz

unglaublichen Rekord erzielt hatte, indem er nicht weniger als 61

Löwen zur Strecke brachte, darunter 24 an einem Tage. Die meisten der

von Nairobi aus aufbrechenden Jagdgesellschaften unternehmen ihre

Ausflüge in achtspännigen Eselsfahrzeugen oder im grossen Automobil

der Ausrüstungsfirma Newland & Tarlton, das auch für eine auf einige

Wochen ausreichende Ausrüstung Platz gewährt. Mit derselben Firma

verhandelte ich wegen der Beschaffung der 50 Träger und eines Heatmans

sowie wegen Beistellung von Maultieren für uns Europäer, da in den

von uns in Aussicht genommenen Gebieten wegen der grossen Verbreitung

der Tsetsefliege weder Pferde, noch Kamele benützt werden können. Dr.

Stigler brachte seine ganze Zeit damit zu, um, mit Unterstützung des

obersten Sanitätsrates Dr. Haran und des Chefarztes des Hospitales Dr.

Ross, die in Ost-Afrika und namentlich in Uganda meistverbreiteten

Krankheiten und deren Behandlung zu studieren. Er untersuchte auch die

für uns bestimmten Träger und fand von den 80, die sich eingefunden

hatten, ungefähr 50 als gesund und stark genug. Sie wurden von mir

mit blauen Wolljacken, einer roten Wolldecke, die sie untertags

zusammengerollt als Turban trugen, und mit einer Feldflasche versehen.

An Entlohnung erhielt jeder monatlich zehn Rupien und freie Verpflegung

oder täglich zwölf Cent in Ostafrika, zehn Cent in Uganda. Am selben

Tage, da sie angeworben worden waren, wurden sie vom Heatman zur

Bahn gebracht und mit den Maultieren in einem Lastenzug nach Kisumu

befördert.

[Illustration: _Mombassa_]

[Illustration: _Hauptstrasse in Mombassa_

_Tafel 1_

]

Wir selbst traten am nächsten Tag, den 11. November, die Reise dorthin

mit dem samstägigen Eilzuge an und erhielten, da er voll besetzt

war, in einem angeschobenen Waggon ein Separatcoupé. Keuchend bahnt

sich der Zug den Weg bis zum höchsten Punkte des terrassenartig

ansteigenden Kikuyugebirges -- 2386 m über dem Meere --, von wo sich

ein wundervoller Ausblick 600 m tief hinab in das Tal der „grossen

Bruchspalte“ bietet. Es ist dies der grosse ostafrikanische Graben,

der sich vom Zambesi durch Ostafrika, Abessynien, das Rote Meer

bis Palästina verfolgen lässt. Dann geht es am Berghang abwärts,

durch dichten Wald und über kühn geschwungene Eisenviadukte am

Naivaschasee vorüber durch das Bruchspaltental nach Nakuro, das am

Ufer des gleichnamigen Sees inmitten schöner Weideländer und in einem

angenehmen Klima gelegen ist. Nach einer weiteren Steigung bis zum

Maogipfel, der durch eine Säule markiert ist und die respektable Höhe

von 2545 m aufweist, fällt nun die Trasse um über 1400 m und endet in

Port Florence (Kisumu) am Viktoriasee. Die Endstation der Bahn liegt

direkt an der Landungsbrücke, wo der „Clement Hill“, einer der drei

Regierungsdampfer, zur Abfahrt nach Entebbe schon bereit lag.

Hier erwartete uns unser Heatman mit den 50 Nairobiträgern und den

Maultieren, und nun galt es, aus einem Chaos von Koffern, Kisten und

Ballen unsere Gepäckstücke herauszusuchen und auf dem Dampfer verladen

zu lassen. Es stellte sich leider heraus, dass ein Koffer, und zwar

einer der wertvollsten, abhanden gekommen war. Es war einer der beiden

Koffer Dr. Stiglers, der nur wissenschaftliche Instrumente, so das

Mikroskop, den Brillenkasten, einen Blutdruckmesser u. a. m. enthielt.

Ganz aufgeklärt ist dieser Abgang niemals worden, wahrscheinlich ist

der Koffer von einem Eingeborenen gestohlen worden, denn in Nairobi

mussten mehrere Kisten, da die Lastenwagen schon voll waren, in 3.

Klasse-Waggons gegeben werden, die nur von Eingeborenen besetzt sind.

Trotz der Telegramme, die der Stationsvorstand von Kisumu nach Nairobi

und den grösseren Zwischenstationen schickte, und trotz der späteren

Intervention des Gouverneurs Mr. Jackson war und blieb der Koffer

unauffindbar.

Mittags verliess der „Clement Hill“ unter schrillen Pfiffen der

Dampfpfeife den Hafen von Kisumu. Langsam windet sich das Schiff durch

einen Archipel grün bewachsener Inseln, die ihm in ihrer Menge fast

den Weg versperren, und wir fuhren bis zum Eintritt der Dämmerung,

um welche Stunde das Schiff Anker wirft. Es setzt erst wieder bei

Morgengrauen seine Fahrt fort, da die seichten Stellen des Sees an

der Nordküste im Dunkel der Nacht nicht ungefährlich sind. Da wir uns

bereits im Gebiete der Glossina palpalis, der die Schlafkrankheit

erregenden Fliege, befinden, sind wir doppelt vorsichtig, bevor wir

zu Bette gehen, und untersuchen die stark zerrissenen Moskitonetze,

ob sich nicht in irgend einer Ecke eine dieser gefährlichen Fliegen

während der Dämmerung Eingang zu verschaffen gewusst hat.

Der Viktoria-See hat eine Grösse von 83310 qkm (fast zweidrittel des

Adriatischen Meeres), seine Meereshöhe ist 1135 m, seine Tiefe sehr

ungleich, da oft neben seichten Bänken bis zu 100 m tiefe Stellen

zu messen sind. Das Wasser des Sees ist klar und süss und hat eine

leichte Strömung gegen Nord, dem Ausflusse des Nils zu. Der Hauptfluss

des Sees ist der aus vielen weitausgreifenden Armen zusammenfliessende

Kagera. Oskar Baumann hielt die Quelle des Rumuwu für die wahre

Nilquelle, während Graf Götzen dagegen den Njawarongo für den

Hauptfluss des Kagera in Deutsch-Ostafrika und damit des Nils hielt.

Ungefähr in der Mitte des nördlichen Ufers tritt aus dem Viktoria-See

bei Jinja der Nil aus, bildet bei einer Breite von ungefähr 150 m

und einer Höhe von 10 m die Riponfälle und windet sich durch grüne,

waldbestandene Ufer dem Norden zu. Von vielen Klippen schäumen noch

seine Wellen, auf den sandigen Bänken sonnen sich Krokodile, und die

Ufer sind zerstampft von den unförmlichen Füssen der Nilpferde.

Nicht ohne Ergriffenheit wanderten wir am Strome der Pharaonen, den wir

erst bei Nimule nach einem Hunderte von Meilen langen Lauf wiedersehen

sollten.

Am nächsten Tage mittags langten wir nach 28stündiger Seefahrt in

+Entebbe+, der Hauptstadt Ugandas, an. Bevor uns unser Leser auf

unserem weiteren Wege begleitet, ist es wohl am Platze, einige Daten

über dieses Land zu geben, dem unsere Forschungsreise galt.

Uganda war einer der bestorganisierten Eingeborenen-Staaten, als die

ersten Europäer, die Engländer Speke und Burton, bis zum Viktoria-See

vorgedrungen waren. Im Jahre 1862 entdeckte Speke, begleitet von

Grant, die damals als Quelle des Nils bezeichneten Riponfälle, nahe

dem Abflusse des Viktoria-Sees. Später wurde Uganda wiederholt von

Europäern besucht, so 1875 von Stanley, von 1876 an in mehreren

Expeditionen von Emin Pascha, 1886 von Junker u. v. a. Nach Stanley

kamen im Juli 1877 Vertreter der Londoner Church Missionary Society ins

Land, denen bald eine Abteilung der weissen Väter von Algier und eine

solche der Brüder des heiligen Josef folgten. Das Christentum machte

in Uganda, ebenso wie vorher der Islam, rasche Fortschritte, in der

Folge kam es aber zu starken religiösen Rivalitäten und Spaltungen,

die von blutigen Kämpfen begleitet waren. Im deutsch-englischen

Abkommen von 1890 wurde, trotzdem im selben Jahre Dr. Peters einen

Schutzvertrag mit dem König Muanga abgeschlossen hatte, Uganda der

englischen Interessensphäre überlassen, und im Jahre 1894 wurde

das „Uganda-Protektorat“ als besonderes britisches Schutzgebiet

proklamiert, das namentlich durch die Erbauung der Ugandabahn, mit der

man im Dezember 1896 begann, erschlossen wurde. Die Hauptstadt und der

Sitz des Gouverneurs ist Entebbe, das, etwas nördlich vom Aequator,

am Viktoria-See gelegen ist. 23 Meilen nördlich davon liegt auf sechs

Hügeln die Eingeborenen-Hauptstadt Kampala. Der Königshügel, „Mengo“

genannt, wird vom jungen König von Uganda, seinem Hofstaate und seinen

Ministern bewohnt. Entebbe und Kampala sind durch eine breite, bequeme

Strasse miteinander verbunden, auf der sogar wöchentlich zweimal ein

Automobil verkehrt. Von Kampala setzt sich die grosse Karawanenstrasse

nach Norden bis Butiaba fort, von wo aus man mit dem Dampfer Nimule

bequem erreicht.

Uganda wurde 1894 von der englischen Staatsverwaltung übernommen,

nachdem die „Imperial British East Africa Company“ die Räumung

Ugandas, über das die Gesellschaft seit 1890 ihre Tätigkeit ausgedehnt

hatte, wegen der fortwährenden religiösen Wirren und der nicht

genügend ausreichenden Mitteln, um das weit im Innern liegende Uganda

festzuhalten, beschlossen hatte. 1897 brach jene gefährliche Meuterei

der früheren sudanesischen Soldaten Emin Paschas aus, welcher Aufstand

erst nach äusserst erbitterten und verlustvollen Kämpfen im Jahre 1898

mit Hilfe indischer Truppen und Unterstützung von deutscher Seite

unterdrückt werden konnte. Die religiösen Wirren reichen noch weiter

zurück und es waren namentlich die Könige Mtera und sein Nachfolger

Mwanga oder Muanga, ein äusserst gefürchteter Tyrann, die tausende

von Eingeborenen unschuldig hinschlachten und 1885 auch den Bischof

Hannington und seine Gefährten ermorden liessen. Uganda hat für England

grossen strategischen Wert, gibt es doch die Verbindung längs des Nils

über Chartum zum Viktoria-See, und durch die sogenannte Ugandabahn in

Britisch-Ostafrika zur Küste des Indischen Ozeans mit Indien, falls je

der Weg durch das Rote Meer gesperrt sein sollte.

Der Boden im südlichen und westlichen Uganda ist ziemlich gut.

Es wird Kaffee, Zucker, Tabak, Baumwolle und Seide gepflanzt. An

Mineralschätzen ist nicht viel zu erhoffen, ausgenommen die grossen

Eisenlager in den bisher unerforschten Naqua- und Toburbergen, wo die

wilden Eingeborenen eine äusserst interessante primitive Eisenindustrie

geschaffen haben, auf die ich noch ausführlich zu sprechen komme.

Uganda zerfällt in die Zentral-, West-, Nil- und Ugandaprovinz. Unsere

Expedition galt der Zentralprovinz, die im Westen vom Nil, im Süden vom

Viktoria-See, im Osten von Kavirondo und im Norden vom Mont Debasien

und Kamalingagebirge begrenzt wird. Die englische Verwaltung reicht

im Norden nur bis zum Salisbury-See, die darüber hinausreichenden

Gebiete der Karamojo-, Naqua- und Toburstämme sowie der grösste Teil

des Acholilandes sind bisher noch unerforscht, und diese weiten Flächen

des inneren Afrika zu erschliessen, war eines der Hauptziele unserer

Expedition.

_AM VIKTORIA-SEE._

_Ankunft in Entebbe / Besuche beim Gouverneur / Ein Ausflug nach

Kampala / Im Gebiete der Glossina palpalis / Die Rikshaläufer / Beim

König von Uganda / Ein Frauenmörder vor dem Eingeborenengericht

/ Ueber den See nach Jinja / Unser erstes afrikanisches Lager /

Schlafkrankheit, Rückfallfieber und andere Krankheiten / An den

Riponfällen / Regenzeit._

In Entebbe, der Hauptstadt Ugandas, wurden wir schon am Landungsplatze

von einem Abgesandten des Gouverneurs Mr. Jackson erwartet, der uns

die Mitteilung machte, dass die von uns noch benötigten Träger bereits

angeworben seien und dass uns der Gouverneur um vier Uhr nachmittags zu

empfangen wünsche (Tafel 2). Wir beeilten uns, unser Gepäck im Zollhaus

zu deponieren, quartierten uns im Hotel „Viktoria“ ein und fuhren dann

in einer Riksha zu dem auf einer Anhöhe mit prächtigem Ausblick auf

den See gelegenen Gouverneurpalais. Der Empfang, den uns Mr. Jackson

bereitete, war ein ungemein liebenswürdiger. Er war durch das englische

Kolonialministerium von unseren Absichten bereits unterrichtet worden

und gab uns aus dem reichen Schatze seiner 27jährigen Erfahrungen

ausserordentlich wertvolle Ratschläge; auch stellte er uns einen

offenen Brief für sämtliche englische Stationsbeamte und Offiziere

aus, in dem diese aufgefordert wurden, uns nach jeder Richtung zu

unterstützen. Am nächsten Tage, an dem wir beim Gouverneur zum Diner

geladen waren, legte er uns nahe, auf unserer Reise ja die Besteigung

des Elgon nicht zu unterlassen, den er selbst vor Jahren unter grossen

Schwierigkeiten erstiegen hatte. Die Schilderungen, die er von seiner

Expedition und der mächtigen Schönheit dieser afrikanischen Bergwelt

gab, waren so eindrucksvoll, dass wir ihm nach zwei Tagen schon

die Versicherung gaben, dass die Besteigung des Elgonkraters sowie

der bisher noch nicht bestiegenen Nord- und Süd-Spitze des Elgon

beschlossene Sache sei.

Quer durch Uganda · 第 1 / 16 段