Aber neben allen geistlichen und weltlichen Aufregungen dieser Wochen
irdischen Daseins gingen doch die Dinge des täglichen Lebens, dessen
Erfordernisse und Bedingungen -- in seltsamem Gegensatz zu jenen
außerordentlichen Geschehnissen -- ihren hergebrachten Gang: die Leute
sahen dem Ende entgegen: aber einstweilen wollten sie doch schlafen und
trinken und -- wenn sie nicht gerade das Fasten sich vorgesteckt hatten
-- auch essen.
Herr Heinrich hörte einmal, wie er die Eingangshalle des Erdgeschosses
durchschritt, seines treuen Supfo Stimme gewaltig schelten: laut drang
aus der Tiefe des Kellergewölbes seine schallende Rede an die Oberwelt,
verbrämt mit manchem nicht gerade bischöflich gedachten Kernfluch.
Das bewog den Seelenhirten, zu verweilen und an seinem Kellermeister
im Vorüberwandeln ein wenig Seelsorge zu treiben. Er blieb stehen,
beugte sich über das Geländer der steinernen Kellerstufen und rief
hinab: »Aber Supfo! Schämst du dich nicht? Es wird wohl dein Werk,
was immer es sei, auch ungeflucht von statten gehen. Aber nichts als:
›Donner!‹ und ›Donnerstrahl!‹ Was bringt dich denn so auf?« »Nun, Herr
Hezilo!« antwortete der Runde, der langsam ein paar Stufen entgegen
humpelte. »Wenn +das+ einen Christenmenschen nicht aufbringen soll! Was
haben sie gethan, diese Eselfüllen von Kellerjungen? Den köstlichen
Trank vom Stein schon aufgespundet. Jetzt hält er sich kaum mehr zwei
Jahre!« -- »Aber Supfo! In zwei Wochen ist ja alles aus!« -- »Ja -- ja!
-- Jawohl! -- Aber nichtsdestoweniger! -- Wie habt Ihr erst gestern
wieder so schön gepredigt in der Vesper (-- wie jetzt schon so oft, daß
ich's auswendig weiß!)? ›Geliebte in dem Herrn! Vor allem fahret fort,
eure Pflicht zu thun in allen Stücken, im kleinen wie im großen‹ (der
Steinwein ist aber nichts Kleines!) ›als ginge es noch immer so fort
wie von je.‹«
»›Ohne doch (fügte ich bei) durch solche Geschäfte euere Gedanken
ablenken zu lassen von dem nahen Ende.‹ -- Du aber scheinst ein
sehr gutes Gewissen oder -- noch immer! -- einen herzhaften Vorrat
Leichtsinn zu besitzen.« »Beides, lieber Herr,« beteuerte der Kellerer
treuherzig, die Hand auf sein Schurzfell legend in die Grenzgebiete
zwischen Herz und Bauch. »Was hast du denn aber da?« forschte der
Bischof sich tiefer bückend. »In der großen Kiste, die du dort in den
Nebenkeller schaffen lässest?« -- »Das? Das ...? Das kleine Kästlein,
meint Ihr? O ... das ... das ist nichts ... von Bedeutung.« -- »Was ist
darin? Kirchengerät?« -- »O nein, im Gegenteil -- sozusagen! Es sind
Schläuche -- von ... von dem Griechenwein, den weiland Frau Theophano,
-- Gott hab' sie selig! (werdet sie ja auch nun bald wiederschauen: ob
sie wohl noch so schön ist?) -- Euch oder vielmehr, wie es in ihrem
Schreiben hieß, Sankt Burchhard (der aber schon lange -- zu Lichtmeß
waren es zweihundertsechsundvierzig Jahre! -- seinen letzten Trunk
gethan), also doch wohl Euch verehrt hat. Der Griechenwein steht hier
der Kellerarbeit im Wege und ...« »Lauter überflüssig Thun!« schalt der
Bischof und schritt zum Thor hinaus, im nahen Dom wieder Beichte zu
hören. »Ganz unnütz!« »Wer weiß?« meinte Supfo und sah ihm verschmitzt
lächelnd nach.