Noch bevor die staubbedeckten Reiter -- meist Bauern aus den nächsten
stromaufwärts gelegenen Dörfern -- abgesprungen waren und den neugierig
Fragenden Bescheid gegeben hatten, kam bereits ein gar schauerlich
aussehend Gefährt in Sicht.
Vier schwarze, mit schwarzem Trauerzeug über und über bedeckte Rosse
zogen einen gewaltigen, auf hohen Rädern stehenden Wagen, einen
italienischen »~carroccio~«: auf diesem aber war ein bühnenartiges
Gerüst aufgeschlagen, das, wie der ganze Wagen, auf allen Seiten
ebenfalls mit schwarzen Tüchern behangen war.
In den vier Ecken des langgestreckten breiten Wagens, der nahezu
die ganze Heerstraße füllte, standen vier Mönche in schwarzen Kutten
mit weithin hallenden ehernen langen Posaunen in den Händen, in der
Mitte aber, sie alle überragend, ein fünfter riesenhoher Mönch, der
die schwarze Kapuze bis an die Augen über die Stirn gezogen hatte: in
der Rechten trug er eine lang hinwallende schwere Fahne von schwarzer
Wolle, in welche mit weißer Farbe plump ein Totenkopf über zwei
geschrägten Knochen gemalt war: alle fünf aber sangen in schauerlichen
Tönen -- nach den Weisen eines römischen Grabgesanges -- ein Lied: und
schauerlich stimmten sie ein, die vielen Hunderte von Männern, Frauen,
Kindern, die vor dem Wagen schritten oder demselben folgten, alle
vom Staube langer Wanderschaft über und über bedeckt, die meisten in
schwarze Gewande gehüllt, viele davon mit Geißeln und Stöcken sich auf
die entblößten Schultern und den Rücken schlagend.
Das Lied aber lautete:
»Hört ihr die Posaunen dröhnen
Und der Bußgesänge Chor?
Wehe, weh' euch, Adams Söhnen:
Euer Ende steht bevor!
Wann des Sommers Sonne wendet,
Bricht der jüngste Tag herein:
Unter geht die Welt und endet
Und euch droht die ewge Pein.
Auf den Wolken kehrt hernieder
Fürchterlich des Menschen Sohn,
Rauschend Cherubimgefieder
Schwirrt um seinen Richterthron.
Und sie reißen aus den Grüften
Sünder aus vermorschtem Sarg
Und sie zerren aus den Klüften,
Was sich zitternd lebend barg.
Alle, die im Erdschos schliefen,
Bannt der Richter sich daher
Und gehorsam aus den Tiefen
Seine Toten speit das Meer.
Weh euch Männern, weh euch Weibern
Die ihr lebend dies erschaut!
Weh den Seelen! Weh den Leibern!
Wie mich schauert! Wie mir graut!
Thuet Buße! Streuet Asche,
Asche auf das sündge Haupt,
Daß euch Satan nicht erhasche,
Der im Höllen-Abgrund schnaubt.
Euch verkündet Papst Sylvester,
Dem's der heilge Geist enthüllt,
Nicht ein Wort des Herrn steht fester:
Was er weissagt, wird erfüllt:
Hört's, ihr Kleinen, hört's, ihr Großen:
Euer Ende bricht herein:
Wer noch zweifelt, ist verstoßen
Aus der Kirche Heilverein.
Wann die Sommersonne wendet,
Mit dem Schlag der Mitternacht, --
Unter geht die Welt und endet: --
Habt auf eure Seelen acht!«