* * * * *
Bella: Von Julius Cäsar habe ich viel gelesen. Seine Soldaten haben
immer gesiegt (ich siege, ich siegte, ich habe gesiegt), nicht wahr,
Herr Meister?
Herr Meister: Ja wohl. Cäsars Soldaten waren tapfer, und sie gingen
mit Freuden in den Krieg, sie waren mutig.
Louis: Haben sie auch geschossen? Sie hatten ja keine Kanonen und
keine Gewehre, keine Kugeln und kein Pulver.
Herr Meister: Und sie haben doch geschossen, Louis. Anstatt eines
Gewehres hatten sie einen Bogen.
Louis: Einen Bogen? Was ist das?
Otto: Das kann ich dir sagen. Im Englischen ist es fast
dasselbe. Bo.....gen. Verstehst du, was ich meine?
Louis: Nein, Otto, ich verstehe dich noch nicht.
Otto: Nein? Als du ein kleiner Junge[VI-6] warst, fünf Jahre alt, da
hast du einen Bogen gehabt. Einmal warst du auf der Straße, und da
hast du durch das Fensterglas in das Zimmer geschossen.
Louis: O, ja, nun weiß ich es. Der Bogen ist von Holz, und an dem
Bogen ist ein Str .....?
Otto: Ein Strang.
Louis: Und von dem Bogen schieße ich .....?
Otto: Einen Pfeil.
Louis: Und den Pfeil schieße ich in .....?
Otto: In das Centrum; das ist das Schwarze.
Louis: Aber ich schieße nicht oft in das Schwarze; ich schieße oft
zehn Ringe oder elf.
Bella: Ich habe »Wilhelm Tell« von Schiller gelesen. Sie wundern
sich, Herr Meister? O, ich habe es nicht im Deutschen gelesen, nein,
im Englischen. Wilhelm Tell konnte gut schießen, nicht wahr?
Herr Meister: Ja, Wilhelm Tell war ein guter Schütze.
Bella: Er hat einen Apfel von dem Kopfe seines Sohnes geschossen.
Anna: Von dem Kopfe seines Sohnes? O, das ist nicht schön.
Bella: Tell hat es nicht gern gethan; er m_u_ß_t_e es thun.
Herr Meister: Meine guten Freunde, Sie können das nicht verstehen,
nicht wahr? Ich werde Ihnen das alles erzählen, aber nicht heute, --
später, später.
Bella: Das Drama »Wilhelm Tell« ist wunderschön; ich möchte es im
Deutschen lesen.
Herr Meister: Das werden wir auch thun, aber später, meine Freunde,
später.
* * * * *
Otto: Wissen Sie auch, Herr Meister, daß mein Bruder Louis diesen
Sommer einen Preis gewonnen (ich gewinne, ich gewann, ich habe
gewonnen) hat im Bogenschießen?
Herr Meister: So?
Otto: Ja, Louis hat einen ..... einen ..... o, was für einen Namen hat
das Ding? Es hat die Form eines Glases, aber es ist kein Glas, es ist
Gold. Man trinkt Wein daraus (= aus das = da--aus = dar aus).
Herr Meister: Ein Becher?
Otto: Ja, ein Becher. Das ist das Wort. Ja, Louis hat diesen Sommer
einen goldnen Becher, als Preis, gewonnen. Und an dem Becher steht:
»Dem besten Schützen. 24. August 1878.«
Herr Meister: Es freut mich, das zu hören. Ich gratuliere Ihnen,
Louis.
Louis: Ich danke Ihnen, Herr Meister.
Anna: Wie kam das, Louis? Erzählen Sie mir.
Bella: Bitte, bitte, Louis.
Louis: Meine Eltern, mein Bruder Otto und ich waren diesen Sommer in
den Neu-England-Staaten in einer kleinen Stadt. Der Name der Stadt ist
A.....t. Die Scenerie um A.....t ist wundervoll. Wir gingen (ich
gehe, ich ging, ich bin gegangen) oft mit vielen Damen und Herren
hinaus in das Feld, oft sind wir in einem Boote gefahren, oft haben
wir gefischt, und oft gingen die Herren in den Wald, um zu
schießen. Da sagte eines Tages eine reizende (= schöne) junge Dame:
»Ich möchte auch schießen.« »Aber Sie können nicht mit einem Gewehre
schießen, mein Fräulein,« sagte ein Herr. »So schieße ich mit einem
Bogen,« antwortete das Fräulein. »Und ich auch!« »Und ich auch!« »Und
ich auch!« sagten da alle Damen. »Wissen Sie was?« sagte da ein
anderer Herr, »wir wollen einen Schießklub eröffnen (= machen).« »Das
ist eine gute Idee,« riefen (ich rufe, ich rief, ich habe gerufen)
alle -- und wir eröffneten einen Schießklub. Wir sandten (ich sende,
ich sandte, ich habe gesendet) nach Boston, und in wenigen Tagen
hatten wir zwanzig Bogen mit Pfeilen. Wir schossen jeden Tag, und am
Ende von zwei Monaten hatten wir ein Preisschießen. O, das war ein
schöner Tag! Nicht wahr, Otto?
Otto: Das war ein Fest! Da hörte ich auch von einer Dame das
wundervolle Lied aus »Wilhelm Tell«:
»Mit dem Pfeil, dem Bogen
Durch Gebirg und Thal
Kommt der Schütz gezogen
Früh im Morgenstrahl.«
* * * * *
Herr Meister: In Deutschland haben wir sehr viele Schützenvereine.
Otto: Schützenvereine? Ist das der Name für die Schießklubs?
Herr Meister: Ja, das ist der Name, und jeden Sommer haben sie ein
Preisschießen. Dieses Preisschießen dauert (= ist) drei Tage. O, das
sind schöne Tage! Es ist ein Fest für das Volk (= die Leute). Am
Morgen ziehen (= gehen) die Schützen aus der Stadt auf eine große
Wiese (= Weide, Grasplatz). Da sind oft zweihundert oder dreihundert
Schützen. Ja, ich habe schon fünfhundert und auch tausend gesehen. Auf
der Schulter haben sie ein Gewehr. Alle sind in Grün. Auf dem Kopfe
haben sie einen grünen Hut mit einer grünen Feder. Sie haben eine
grüne Weste, einen grünen Frackrock und grüne Beinkleider.
Louis: Auch grüne Schuhe?
Herr Meister: Nein, mein Freund Louis.
Bella: Das muß sehr schön aussehen (= sein).
Herr Meister: Ja, es sieht schön aus, und ich wünsche, meine Freunde,
Sie könnten einmal bei einem solchen Schützenfeste sein. O, welche
Freude! Auf der Wiese sind viele Zelte.
Anna: »Zelte«? Das verstehe ich nicht.
Otto: Ich will es Ihnen sagen, Anna. Ein Zelt ist ein kleines Haus von
Linnen. In den {Campmeetings} wohnen die Leute in Zelten.
Anna: Jetzt verstehe ich es. Herr Meister, hat man in Deutschland auch
{Campmeetings}?
Herr Meister: Nein, mein Fräulein. Ich will nun wieder von dem
Schützenfeste sprechen. In den Zelten ist Tanz und Konzert und vieles
andere, was den Leuten Freude macht. Ah, ich sehe, es ist ein Uhr. Ich
muß gehen, meine Freunde.
Bella: Wie schnell die Zeit vergeht!
Louis: Herr Meister, wovon wollen Sie morgen mit uns sprechen?
Herr Meister: Von den Rittern.
Louis: »Rittern«? Das Wort verstehe ich nicht.
Herr Meister: Morgen, meine Freunde, morgen. Heute empfehle ich mich
Ihnen.
[Herr Meister geht.]
Anna: Haben Sie die Worte verstanden, die Herr Meister zuletzt (= am
Ende) gesprochen hat?
Otto: Ja, ich habe die Worte verstanden (ich verstehe, ich verstand,
ich habe verstanden). »Ich empfehle mich Ihnen,« sagte Herr Meister,
aber ich weiß nicht, was sie (= die Worte) bedeuten.