Otto: Das Instrument ist »die Angel.«

Louis: Und an diesen Haken hänge ich einen Wurm, den halte ich in das

Wasser. Dann kommt der Fisch, er sieht (ich sehe, er sieht) den

schönen Wurm, will ihn (= den Wurm) fangen, -- aber ich habe den

Fisch!

Otto: So ist es oft; oft ist es auch nicht so.

Louis: O, nein; oft muß ich an dem Wasser, ach, so lange sitzen,

lange, lange Stunden, und kann nicht e_i_n_e_n Fisch fangen; dann

bin ich traurig. Oft aber kommen Momente, dann hören Sie mich

(= Louis):

»Otto, o sieh diesen schönen Fisch!« und dann hören Sie Otto: »Louis,

o sieh hier, diesen großen Fisch!« Und alles bringen wir nach Hause zu

unserer guten Mutter. Ha! das ist schön! Nicht wahr, Otto?

Otto: Gewiß, lieber Louis.

* * * * *

Otto: 1) Geht der Fischer in einem Boote auf den Ocean? Der Fischer

geht in einem Boote auf den Ocean. -- 2) Gehen Sie oft in ein Boot?

Nein, ich gehe nicht oft in ein Boot.

Otto: Louis, möchtest du in einem Boote auf den Ocean gehen?

Louis: Ja, ich möchte in einem Boote auf den Ocean gehen.

Otto: Und Sie, Fräulein Bella?

Bella: Nein, ich möchte nicht.

Anna: Ich auch nicht.

Otto: 3) Gehen die Leute in einem Boote oder in einem großen Schiffe

nach Liverpool? Ich antworte selbst: Die Leute gehen nicht in einem

Boote, sondern in einem großen Schiffe nach Liverpool.

Otto: 1) Möchten Sie in einem Boote nach Hamburg reisen? Ich möchte

nicht in einem Boote nach Hamburg gehen. -- Nach Bremen? Auch nicht

nach Bremen. -- 2) Hat ein Schiff einen Mastbaum? Ein Schiff hat einen

Mastbaum. -- 3) Haben große Schiffe mehr als einen Mastbaum? Große

Schiffe haben mehr als einen Mastbaum. -- 1) Haben wir auch Schiffe

mit drei Mastbäumen? Wir haben auch Schiffe mit drei Mastbäumen. --

2) Ist der Mastbaum von Metall? Der Mastbaum ist nicht von Metall.

Otto: Nein, der Mastbaum ist nicht von Metall; er ist von Holz. So oft

ich das Wort M_a_s_t_b_a_u_m höre, muß ich an Odysseus (Ulysses)

denken.

Louis: Odysseus? Wo lebt (= ist) er?

Otto: Odysseus lebt nicht mehr, Louis. Er ist tot, -- schon sehr

lange.

Louis: Wo hat er gelebt?

Otto: In Griechenland. Ah, ich sehe an deinen Augen, du willst wissen,

wo Griechenland ist. Griechenland ist ein Land in Europa, und der

König von Griechenland wohnt (= lebt) in Athen.

Louis: Ich danke. Bitte, erzähle (= sage) mir von Odysseus.

Otto: Sehr wohl.

Otto: Odysseus kam mit seinen Schiffen von Troja in ein Meer (=

Ocean), wo die Sirenen waren.

Louis: Sirenen?

Otto: Das sind Frauen im Wasser, die sehr schön sind und wundervolle

Melodieen singen, wenn ein Schiff mit Männern zu ihnen (= den Sirenen)

kommt.

Louis: Frauen im Wasser?!

Otto: So habe ich gelesen (ich lese, ich las, ich habe gelesen). Halb

sind sie Frauen und halb Fische. Die Schiffer hören den Gesang, sehen

die schönen Frauen und wollen zu ihnen; springen in das Wasser und --

Louis: Und -- ?

Otto: Und versinken alle auf den Grund; die Sirenen lachen. O, so

viele Schiffer waren auf den Grund gesunken.

Louis: Wenn ich dahin komme, so werde ich nicht in das Meer springen;

und ich will sie hören und sie sehen.

Otto: Ja wohl, mein guter Louis. Viele Schiffer sprachen so, und kamen

sie (ich komme, ich kam, sie kamen) zu den Sirenen, so thaten sie, was

alle zuvor gethan und -- versanken.

Louis: Odysseus auch?

Otto: Nein, er nicht. Und das kam so. Odysseus stopfte Wachs .....

Anna: Wachs?

Otto: Ja, Wachs. Im Englischen ist dasselbe Wort {"Wax."} Das Wachs

kommt von der Biene, und der Honig auch.

Anna: Ah, so!

Otto: Odysseus stopfte Wachs in die Ohren der Männer; so konnten (ich

kann, ich konnte, ich habe gekonnt) sie nicht hören; ihn selbst (=

Odysseus) mußten die Männer an einen Mastbaum binden. Nun kommt das

Schiff zu den Sirenen. Die Sirenen singen, singen wundervoll: »Kommt,

o kommt, ihr schönen Schiffer!« Sie hören nicht aber Odysseus hört

sie, -- und sieht sie, -- und will zu ihnen, -- er kann nicht; er ruft

(= sagt laut) den Schiffern: »Macht mich los!« Sie hören ihn nicht,

denn das Wachs war in ihren Ohren; und das war gut. Sie kamen an den

Sirenen vorbei und da binden sie Odysseus wieder los. Alle sind am

leben.

Bella: Das ist sehr schön.

Anna: Sie sprechen sehr gut Deutsch, Otto.

Louis: Bitte, Otto, sieh (ich sehe) auf deine Uhr.

Otto: O, o, meine Damen! Es ist zwanzig Minuten nach zwei. Ich muß

gehen.

Anna: Ich muß auch gehen.

Louis: Und ich auch.

Bella: Sind Sie zu Ende mit Herrn Meisters Fragen?

Otto: Nein, Bella. Sehen Sie hier.

Bella: Das sind noch viele. Können Sie nicht heute Abend in mein Haus

kommen? Wir können dann die anderen Fragen hören.

Otto: Um wie viel Uhr, Fräulein?

Bella: Um sieben Uhr.

Louis: Um sieben Uhr kann ich heute nicht; ein Freund kommt zu mir (=

Louis); den muß ich sprechen.

Bella: Um acht Uhr dann?

Louis: Ja, das ist besser.

Bella: Um acht Uhr heute Abend.

Anna: O, das ist schön!

Otto: Um acht Uhr dann in Bellas Haus. Auf Wiedersehen!

* * * * *

Otto: Guten Abend, meine Damen!

Louis: Guten Abend, Bella; guten Abend, Anna!

Anna: Guten Abend, meine Freunde!

Bella: Willkommen, Otto und Louis! Wollen Sie hier sitzen auf dem

Sofa?

Otto und Louis: Danke, danke.

Bella: Ist das Gaslicht gut? Können Sie sehen?

Otto: O, sehr gut! Kann ich beginnen?

Alle: Bitte, bitte!

Otto: Herrn[IV-3] Meisters Frage ist: 1) Sind alle Schiffe von Holz? Nicht

alle Schiffe sind von Holz. -- 2) Haben wir auch Schiffe von Eisen?

Wir haben auch Schiffe von Eisen.

Louis: Ist Eisen ein Metall?

Otto: Ja. -- 3) Ist das Segel an dem Mastbaume von Linnen? Ja, es ist

von Linnen. -- 1) Ist das Linnen des Segels fein? Das Linnen des

Segels ist nicht fein.

Otto: Es ist grob.

Fein ist nicht grob,

Grob ist nicht fein.

2) Hat ein Boot oft auch ein Segel? Ein Boot hat auch oft ein

Segel. -- 3) Muß ein Segelschiff Wind haben? Ein Segelschiff muß Wind

haben. -- 1) Kann ein Segelschiff segeln, wenn es keinen Wind hat? Ein

Segelschiff kann nicht segeln, wenn es keinen Wind hat.

* * * * *

Otto: Die Griechen wollten (ich will, ich wollte, ich habe gewollt)

nach Troja; da konnten sie lange Zeit nicht segeln, weil sie keinen

Wind hatten. Und das ist sehr gut für uns.

Anna: Gut für uns?

Otto: So sagte ich. Gut für Sie, Anna, und für alle, die das Gute und

Schöne lesen und hören wollen.

Bella: Was meinen (= denken) Sie, Otto?

Otto: Die Griechen konnten nicht segeln, weil sie keinen Wind

hatten. Da fragten sie den Priester Kalchas: »Was sollen wir thun?«

Und der Priester antwortete: »Iphigenia, Agamemnons Tochter, muß

sterben auf dem Altar der Götter (ein Gott, zwei Götter); dann geben

die Götter euch (= den Griechen) guten Wind zum Segeln.« Und der König

Agamemnon mußte seine Tochter Iphigenia dem Priester geben. Auf dem

Altar sollte sie sterben. Aber es kam nicht so, Dank der Göttin Diana!

und viele Jahre war Iphigenia eine Priesterin der Diana auf

Tauris. Drei große Dichter haben Dramen geschrieben (ich schreibe, ich

schrieb, ich habe geschrieben) über diese Iphigenia: Euripides, Racine

und Goethe. Das Drama von Goethe: »I_p_h_i_g_e_n_i_a a_u_f

T_a_u_r_i_s« habe ich im Colleg gelesen. -- O, meine Freunde, welch

ein Frauencharakter ist diese Iphigenia von Goethe! Mein Professor im

Colleg sagte dieses: »Vieles Schöne danken wir den Griechen und vieles

den Franzosen --«

Louis: Franzosen?

Bella: Verstehen Sie das nicht? Die Engländer sind in England und in

London; die Deutschen in Deutschland und in Berlin; die Franzosen in

Frankreich und in Paris.

Louis: Danke, Bella.

Otto: ..... »Vieles Schöne danken wir den Griechen und vieles den

Franzosen; aber eines konnten sie uns nicht geben, und das ist --

einen Frauencharakter wie die »Iphigenia« von Goethe.«[IV-4]

Bella: »Iphigenia auf Tauris« von Goethe, das müssen wir lesen, Anna!

Anna: Wir wollen es Herrn Meister sagen.

Otto: Ja, thun Sie das.

* * * * *

Otto: Nun muß ich wieder fragen: 1) Trinken Sie das Wasser aus dem

Glase oder aus der Tasse von Porzellan? Ich trinke das Wasser aus dem

Glase. -- 2) Trinken die Leute (= die Personen) den Kaffee, den Thee

und die Chokolade aus dem Glase oder aus der Tasse? Die Leute trinken

den Kaffee, den Thee und die Chokolade nicht aus dem Glase, sondern

aus der Tasse. Das war eine lange Frage, Otto.

Otto: Und das war eine gute Antwort. O, wir lernen viel! Herr

Meister wird sich wundern, wenn er kommt! -- 3) Ist das Seewasser

salzig? Das Seewasser ist salzig. -- 1) Ist es auch bitter? Es ist

auch bitter.

Otto: Bitter ist nicht süß,

Süß ist nicht bitter.

* * * * *

Zucker ist süß und Honig auch. -- 2) Ist das Wasser auf dem Lande

bitter und salzig? Das Wasser auf dem Lande ist nicht bitter und

salzig. -- 3) Ist frisches Wasser gut zum Trinken? Frisches Wasser ist

gut zum Trinken. -- 1) Ist das Wasser des Waldes auch im Sommer frisch

und kühl? Das Wasser des Waldes ist auch im Sommer frisch und kühl. --

2) Ist im Sommer das Wasser in der Stadt so frisch, wie das Wasser auf

dem Lande? Im Sommer ist das Wasser in der Stadt nicht so frisch, wie

das Wasser auf dem Lande. -- 3) Springt (= kommt) das Wasser im Walde

aus der Erde? Das Wasser springt im Walde aus der Erde.

Otto: Wo das Wasser aus der Erde springt, da ist die Quelle.

Otto: 1) Ist das Wasser aus der Quelle klar? Das Wasser aus der Quelle

ist klar. -- 2) Ist klares Wasser gut zum Trinken? Klares Wasser ist

gut zum Trinken.

Otto: Klar ist nicht trüb,

Trüb ist nicht klar.

3) Ist trübes Wasser gut zum Trinken? Trübes Wasser ist nicht gut zum

Trinken. -- 1) Ist warmes Wasser gut zum Trinken? Warmes Wasser ist

auch nicht gut zum Trinken.

Otto: Wasser, das sehr warm ist, ist heiß.

Louis: Wenn ich mich erkältet habe, muß ich heißes Wasser

trinken. Meine Mutter sagt dann: »Heißes Wasser ist gut für dich, mein

Sohn. Trinke es, trinke es.«

Anna: Herr Meister sollte (auch) heißes Wasser trinken.

Otto: Ich will es ihm (= Herrn Meister) sagen.

Louis: O, es schmeckt so schlecht (= nicht gut)!

Anna: Aber nicht so schlecht wie die Medizin, Louis.

* * * * *

Bella: Wollen Sie eine Anekdote hören von heißem Wasser?

Alle: O, eine Anekdote! Bitte, Bella, bitte.

Louis: Anekdoten sind so schön!

Bella: Ich weiß nicht, ob ich sie (= die Anekdote) gut erzählen kann

im Deutschen.

Otto: O, gewiß (= ja, ja); Sie sprechen so gut Deutsch, wie ich.

Bella: O, Otto; Sie machen mir Komplimente! Nun: -- Ein Engländer in

Berlin kam (ich komme, ich kam, ich bin gekommen) in ein Hotel. Er

sprach nicht gut Deutsch.

Louis: So wie ich!

Bella: Und sein Englisch war auch nicht gut. Für {horse} sagte er

{'orse} und für {hand} sagte er {'and}; für {aunt} sagte er {h'aunt}

und für {eye} sagte er {h'eye}. So machte er es auch im

Deutschen. Einer von den Leuten (= Personen) des Hotels kam zu ihm und

fragte: »Mein Herr, was wünschen Sie (= wollen Sie)?« Engländer:

»Bringen Sie mir ein Glas Heis-Wasser.« Kellner (= der Mann aus dem

Hotel): »Sehr wohl, mein Herr!« Und in wenigen Minuten kam der Kellner

mit einem Glase, voll mit heißem Wasser. -- Engländer: »Ich will

Heis-Wasser, Kellner, Heis-Wasser; das ist nicht Heis-Wasser.« --

Kellner: »Mein Herr, das Wasser kommt in dieser Minute vom Feuer, es

ist heißes Wasser.« -- Engländer: »O, verstehen Sie nicht Deutsch hier

in Berlin? Bringen Sie mir {a glass of hice-water}.« -- Kellner:

»{Very well, my Lord,} ich verstehe. Sie wünschen nicht heißes Wasser,

sondern ein Glas Eiswasser, ein Glas Wasser mit Eis.« -- Engländer:

»Das ist es! Das ist es!« Und in wenigen Minuten hatte der Engländer

ein Glas Eiswasser.

Otto: Die Anekdote ist sehr schön, Bella. Aber nun muß ich wieder

fragen. -- Anna: 2) Ist es im Winter kälter im Walde als in der Stadt?

Im Winter ist es im Walde kälter als in der Stadt. -- 3) Ist viel Eis

und Schnee dort (= im Walde)? Es ist viel Eis und Schnee dort. -- 1)

In welchem Monate wird die Sonne das Eis und den Schnee schmelzen? Die

Sonne wird das Eis und den Schnee im Monate März oder April schmelzen.

Otto: Sie haben diese Antwort sehr gut gegeben (ich gebe, ich gab, ich

habe gegeben), Bella. -- 2) In welchem Monate kommt mehr Wasser aus

der Quelle, im April oder im August? Ich meine (= denke), im April

kommt mehr Wasser aus der Quelle.

Otto: Das ist recht, Anna! Das Wasser aus vielen Quellen macht oft

e_i_n Wasser. D_a_s i_s_t e_i_n B_a_c_h. -- 3) Hat eine Quelle

Fische? Eine Quelle hat keine Fische. Ich habe noch keine Fische

darin (= in der Quelle) gesehen. -- 1) Hat ein Bach Fische? Ein Bach

hat Fische. -- 2) Haben Sie schon kleine Boote auf dem Bache gesehen?

Ich habe schon kleine Boote auf dem Bache gesehen.

Otto: Das Wasser aus vielen Bächen macht e_i_n_e_n F_l_u_ß. -- 3)

Hat ein Fluß mehr Wasser, als ein Bach? O, gewiß. Ein Fluß hat mehr

Wasser, als ein Bach.

* * * * *

Otto: 1) Ist ein Bach so tief, wie ein Fluß? Ein Bach ist nicht so

tief, wie ein Fluß. -- 2) Ist ein Fluß tiefer, als ein Bach? Ein Fluß

ist tiefer, als ein Bach. -- 3) Was ist am tiefsten, der Bach, der

Fluß oder der Ocean?

Louis: Welch eine Frage!

Otto: Bitte, Louis, antworte. Herr Meister hat die Frage gegeben und

er weiß warum.

Louis: Nun ja; der Ocean ist am tiefsten.

Otto: 1) Ist ein Bach so breit, wie ein Fluß?

Bella: Ist weit und breit dasselbe?

Otto: Hier ist es dasselbe.

Bella: Der Bach ist nicht so breit, wie ein Fluß.

Otto: Das Wasser von vielen Flüssen macht e_i_n_e_n S_t_r_o_m. -- 2)

Ist der Rhein ein schöner Strom? O, ja, der Rhein ist ein schöner

Strom. -- 3) In welchem Gebirge (= Bergen) entspringt (= kommt) der

Rhein? Das weiß ich nicht.

Otto: In den Alpen, Louis. Du mußt die Geographie von Europa gut

studieren, mein lieber Bruder.

Louis: Ja, das will ich thun.

Otto: 1) Gehen Segelboote auf dem Rhein und auf dem Hudson? Es gehen

Segelboote auf dem Rhein und auf dem Hudson. -- 2) Auch Dampfboote?

(Das sind Boote mit Maschinen.) Auch Dampfboote gehen auf dem Rhein

und auf dem Hudson.

Otto: Anstatt D_a_m_p_f_b_o_o_t sagt man im Deutschen auch

D_a_m_p_f_e_r.

Louis: Darf ich einmal fragen, Otto?

Otto: Bitte sehr, bitte.

Louis: Sagen Sie mir, Fräulein Bella: In welchem Jahre hatte Robert

Fulton das erste Dampfboot fertig (= beendet)?

Bella: Das weiß ich nicht, Louis; ich habe es vergessen (ich vergesse,

ich vergaß, ich habe vergessen).

Louis: Wissen Sie es, Anna?

Anna: Nein, ich weiß es auch nicht.

Otto: Und ich weiß es auch nicht, Louis.

Louis: Ha, ha! Nun gut; ich werde es Ihnen sagen: Im Jahre 1807. Ich

habe noch ein Frage: Auf welchem Strome ist Fulton zuerst mit seinem

Dampfer gefahren? Nun? Niemand (= keine Person) antwortet. -- Fulton

ist am[IV-5] 7. Oktober 1807 zuerst auf dem Hudson von New York nach Albany

gefahren, auf dem Dampfer »Elermont.«

Bella: Louis, Sie wissen sehr viel!

Otto: Sie wundern sich, meine Damen, über meinen Bruder. Von Odysseus

und Agamemnon, von den Alpen und von Griechenland weiß er nicht viel;

aber von Maschinen und Dampfbooten, von Fulton, von Morse, von Singer,

von Edison, von Washington und Lincoln weiß er sehr viel zu

sprechen. Louis, wie viele Meilen kann ein gutes Dampfboot in einem

Tage zurücklegen?

Louis: Ein gutes Dampfboot kann in einem Tage 428 Meilen zurücklegen.

Otto: Das ist viel, sehr viel. Ein Dampfboot geht schnell.

Anna: Louis, kann ein Segelboot auch 428 Meilen bei gutem Winde

machen?

Louis: Nein, Anna; das kann ein Segelboot nicht.

Otto: Ein Dampfer geht viel schneller, als ein Segelboot.

Anna: Louis, kann ein Wagen so schnell gehen, wie ein Segelboot?

Louis: Das weiß ich auch nicht. Ich werde meinen Onkel Adolf fragen;

der weiß alles.

Otto: Meine Damen, die Zeit vergeht schnell. Es ist zehn Minuten vor

zehn und ich glaube (= denke) wir müssen nun gehen. Ich hoffe, Sie

morgen um zwölf Uhr wieder zu sehen.

Bella: Wir hatten einen schönen Abend, nicht wahr, Anna?

Anna: O, sehr schön.

Bella: Otto und Louis, wir danken Ihnen.

Otto und Louis: Gute Nacht!

Anna und Bella: Gute Nacht!

* * * * *

Anna: Kamen Sie gestern Abend gut nach Hause?

Louis: Danke, sehr gut. Wir fanden (ich finde, ich fand, ich habe

gefunden) unsere Eltern (= Vater und Mutter) beim Feuer sitzen.

Otto: Haben Sie gut geschlafen, meine Damen?

Anna: Danke, ich habe sehr gut geschlafen.

Otto: Und Sie, Bella?

Bella: Ich? o nein, ich habe nicht gut geschlafen. Ich habe böse

Dinge im Schlafe gesehen.

Otto: Sie hatten einen bösen Traum. Träumen Sie oft?

Bella: Nein, nicht oft, selten, sehr selten.

Anna: Bitte, erzähle (= sage) mir deinen Traum, Bella.

Bella: O nein; ich kann nicht, Anna.

Alle: Bitte, Bella, den Traum! den Traum!

Bella: Nun gut. Wenn alle es wünschen (= wollen), kann ich nicht nein

sagen.

Wir waren auf dem Ocean in einem Boote. Auf der einen Seite des Bootes

saßen (ich sitze, ich saß, ich habe gesessen) Anna und Louis, und auf

der anderen Seite saßen Otto und ich. Das Boot war klein. O wie schön

war alles! Das Wetter war wundervoll, die Luft war so mild, und auf

dem Ocean war alles still. Hier und da kam ein kleiner Fisch aus dem

Wasser, sah uns, wunderte sich, schwamm (ich schwimme, ich schwamm,

ich bin[IV-6] geschwommen) dann zu den anderen Fischen in die Tiefe und

sagte ihnen (= den Fischen) alles, was er gesehen. So war es eine

Weile. Da kam eine andere Scene. Der Himmel war schwarz und das Wasser

war rot, so rot wie Blut. Überall Sturm! Da kam ein großer, großer

Fisch mit hundert Köpfen (1 Kopf, 2 Köpfe). Er kam auf mich zu, wollte

nach mir schnappen, da rief ich (= sagte ich) laut: Otto! Otto!

Hilfe! Hilfe! Und -- »Meine Tochter,« sagte da meine Mutter: »Meine

Bella, du sprichst ja so laut. Was ist dir, liebe Tochter?« Und ich

sagte zu meiner Mutter: »Danke, beste Mutter; danke, daß du mich

geweckt hast; ich hatte einen bösen, bösen Traum.« »O,« sagte meine

Mutter, »Träume sind Schäume (= nichts).«

Otto: Ja, so denke ich auch. Haben Sie den Rest der Nacht gut

geschlafen, Fräulein Bella?

Bella: O ja; danke, Otto, sehr gut.

* * * * *

Bella: Haben Sie nichts von Herrn Meister gehört?

Louis: Wir waren heute morgen bei ihm in seinem Hause; er ist ein

wenig besser.

Anna und Bella: Das ist gut.

Otto: Er (= Herr Meister) sendet Ihnen seine besten Empfehlungen (=

Komplimente). Ich sagte ihm, wie gut Sie Deutsch sprechen.[IV-7]

Bella: Sie sind sehr gütig (= gut), Otto.

Otto: Und Herr Meister sagte: »Beenden Sie die Fragen. Sie werden viel

Neues lernen.«

Anna: Ja, ich glaube (= denke) es auch.

Otto: Kann ich beginnen?

Bella: Ja, wir sind bereit.

Otto: 1) In welchem Monate gehen die reichen Leute an den Ocean?

Louis: Die reichen Leute? Was für Leute sind das?

Otto: Das sind Leute, die viel Geld haben. Vanderbilt ist ein reicher

Mann, Astor und Rothschild sind reiche Leute.

Reich ist nicht arm,

Arm ist nicht reich.

Louis: Die reichen Leute gehen im Juli oder August an den Ocean. Da (=

an dem Ocean) ist es schön. Wir gehen alle Jahre.

Otto: Das Land an dem Ocean ist die Küste. -- 2) Ist die Luft an der

Küste so warm, wie in der Stadt? Die Luft an der Küste ist nicht so

warm, wie in der Stadt. -- 3) Ist die Luft in der Stadt wärmer, als

die Luft an der Küste? Die Luft in der Stadt ist wärmer, als die Luft

an der Küste. -- 1) Ist die Luft an dem Ocean im Sommer kühl? Die Luft

an dem Ocean ist im Sommer kühl. -- 2) Ist Newport ein guter Platz zum

Baden? Newport ist ein guter Platz zum Baden. -- 3) Hat Amerika

mehrere gute Badeplätze? Amerika hat mehrere gute Badeplätze: Cape May

und Long Branch auch, und .....

Otto: Nicht mehr, Louis, bitte. Das ist genug.

* * * * *

Otto: 1) Ist das Wasser des Oceans im November so still, wie im Juni?

Das Wasser des Oceans ist im November nicht so still, wie im Juni. --

2) Ist das Wasser des Oceans im Dezember ruhig (= still)? Das Wasser

ist im Dezember nicht ruhig. -- 3) Wann ist das Wasser ruhiger, im Mai

oder im Januar? Das Wasser ist im Mai ruhiger.

Otto: Das Wasser ist nicht ruhig, -- dafür kann ich sagen: Das Wasser

bewegt sich; sehen Sie, meine Hand ist nicht ruhig, nicht wahr? dafür

sage ich: »ich bewege meine Hand,« so; nun bewege ich meinen

Arm. Louis, bewege deinen Kopf. So -- das ist gut, Louis, das ist gut;

o nicht mehr, bitte, bitte.

Bella: Louis' Kopf ist sehr beweglich.

Otto: Ja wohl. Das Wasser, das sich bewegt, sind: die Wogen oder die

Wellen. Haben Sie schon die Wellen des Oceans im Sturme gesehen,

Bella?

Bella: O ja, gestern Nacht in meinem Traum.

Otto: Nicht zuvor?

Bella: Nein, nie zuvor und das ist auch gut.

Otto: 1) Haben Sie schon Perlen gefunden (ich finde, ich fand, ich

habe gefunden) an der Küste des Oceans? Ich habe nie eine Perle an

der Küste des Oceans gefunden. -- 2) Sehen wir viele Bäume an der

Küste des Oceans? Nein, wir sehen nicht viele Bäume an der Küste des

Oceans. -- 3) Sehen wir viele Bäume an dem Ufer des Stromes?

Louis: Ufer? Das Wort kenne ich noch nicht.

Otto: Ufer ist das Land an den beiden (= 2) Seiten des Flusses und des

Baches.

Louis: Ja, wir sehen viele Bäume an dem Ufer des Stromes und dem Ufer

des Flusses und des Baches.

Otto: 1) Sind an dem Bache auch Büsche (1 Busch, 2 Büsche)? An dem

Bache sind auch Büsche. -- 2) An der Quelle auch? An der Quelle

auch. -- 3) Auch an dem Brunnen?

Bella: Brunnen? Was ist das?

Otto: Brunnen ist eine tiefe Quelle.

Bella: O ja, an dem Brunnen sind auch Büsche. Ich habe oft Rosenbüsche

an dem Brunnen gesehen.

Otto: 1) Ist es im Sommer in den Bergen kühler (kühl, kühler, kühlst),

als in der Stadt? Im Sommer ist es in den Bergen kühler, als in der

Stadt. -- 2) Ist der Bär und der Wolf in den {White Mountains}? Ich

weiß es nicht.

Louis: Ich habe schon einen Wolf dort gesehen.

Otto: 3) Ist der Wolf ein Freund des Lammes? O nein, der Wolf ist kein

Freund des Lammes.

Otto: Nein, er (= der Wolf) ist kein Freund, er ist ein Feind des

Lammes.

Louis: Ich weiß eine Fabel von einem Wolfe und einem Lamme. Darf (=

kann) ich sie erzählen?

Otto: Bitte, Louis, beginne!

Louis: Ein Lamm kam an einen Bach; es (= das Lamm) war durstig und

wollte trinken. Da kam der böse Wolf und sprach (= sagte): »Was thust

du hier? Du machst mein Wasser trüb, daß ich nicht trinken kann.«

»Ach, lieber Wolf,« sprach das Lamm, »ich trübe das Wasser nicht; denn

sieh, ich trinke ja hier unten an dem Bache, das ist so weit von dir.«

Der Wolf sagte: »Und im letzten Jahre hast du auch Böses (= nicht

Gutes) von mir gesprochen.« »Ach nein, lieber Wolf,« sagte das

Lämmlein, »das habe ich nicht gethan; im letzten Jahre war ich noch

nicht geboren.« »Nicht? so war es dein Bruder!« »Mein Bruder? Ich

habe keinen Bruder und keine Schwester.« »Nun so war es ein anderer

aus deiner Familie,« sprach der böse Wolf, und in wenigen Minuten war

das Lämmchen in den Klauen des Wolfes.

Anna: Das ist eine schöne Fabel, Louis.

Otto: Und du hast sie (= die Fabel) sehr gut erzählt.

Bella: Ja, das ist wahr.

* * * * *

Otto: 1) Wann hat das Schaf mehr Wolle, im Dezember oder im Juni? Das

Schaf hat im Dezember mehr Wolle, als im Juni. -- 2) Ist das Schaf im

Winter auf dem Grasplatze oder in dem Stalle? Das Schaf ist im Winter

in dem Stalle.

Otto: Der Mann, der die Schafe zum Grase und zum Wasser bringt, ist

der Schäfer. -- 3) Warum bringt der Schäfer die Schafe und Lämmer

nicht im Winter an den Bach? Weil die Schafe und Lämmer das Wasser

nicht trinken können; Eis ist im Bache.

Otto: Ja, Eis ist im Bache -- der Bach friert zu im Winter. -- 1)

Frieren die Flüsse oft zu? Die Flüsse frieren oft zu im Winter. Friert

der Hudson auch zu, Otto?

Otto: Nicht immer; aber in sehr kaltem Winter ist auch der Hudson

zugefroren und auch die Themse bei London. Dann können die Leute auf

dem Eise vom einen Ufer zum andern gehen; auch Wagen können von dem

einen Ufer zum andern fahren. Aber das ist nicht oft so; das ist sehr

selten.

Anna: Wie kommen die Leute im Sommer von einem Ufer zum andern?

Otto: Sie können mit dem Segelboote segeln oder auf dem Dampfboote

fahren oder auch über die Brücke gehen. -- 2) Welche Brücken sind am

besten; die Brücken von Stahl, von Steinen oder von Holz? Die Brücken

von Stahl sind am besten. Die Brücke von New York nach Brooklyn über

den East River ist auch von Stahl.

Bella: O, das ist eine Brücke! Ein Wunderwerk!

Louis: Und so lang und so hoch, daß große Schiffe mit Mastbäumen unter

ihr (= der Brücke) segeln können.

* * * * *

Otto: 1) Welche Jahreszeit ist besser für den Schiffer, der Winter

oder der Sommer? Der Sommer ist die bessere Jahreszeit für den

Schiffer. -- 2) Welche Jahreszeit hat mehr Stürme, der Winter oder der

Sommer? Der Winter hat mehr Stürme als der Sommer. -- 3) Ist das

Wetter im Sommer immer klar auf der See? Das Wetter ist im Sommer

nicht immer klar auf der See; es regnet.

Otto: Und es ist Nebel.

Bella: Das Wort N_e_b_e_l verstehe ich nicht.

Otto: London hat viel Nebel. Wir haben im Herbst oft Nebel und oft

auch im Winter. Dann ist kein Regen in der Luft, kein Schnee; und doch

ist die Luft dick; wir können nicht weit sehen, oft nicht das Haus auf

der andern Seite der Straße.

Bella: Ich verstehe. Der Nebel ist nicht gut für die Schiffer, nicht

wahr?

* * * * *

Otto: Hier kommen Herrn Meisters letzte Fragen. Wer hat es besser?

Der Schiffer auf dem Schiffe,

Der Fischer in dem Boote,

Der Landmann auf dem Acker,

Der Müller in der Mühle,

Der Bäcker vor dem Backofen,

Der Schäfer auf der Weide (= Grasplatz).

Was meinen Sie, Bella?

Bella: Ich meine, der Landmann hat es am besten.

Otto: Und Sie, Anna?

Anna: Ich meine der Schäfer.

Otto: Und was meinst du, Louis?

Louis: Ich meine der Schiffer. Hast du keine Fragen mehr, Otto?

Otto: O ja, noch eine. Wer war der erste Schäfer?

Louis: O, das weiß jeder (= alle). Das war Abel.

Otto: Das ist recht, Louis. Aber du sprichst das Wort nicht gut

aus. Du sagst »Ebel«; das ist Englisch. Sprich das A lang wie {aa --

-- h}; wie das {a} in {far} und in {father}.

Louis: Aaabel. Ist das recht?

Otto: So ist es gut. Meine Damen, kennen Sie die Anekdote von Herrn

Abel in Berlin?

Bella: Nein, Otto, wir haben sie (= die Anekdote) nie gehört; nicht

wahr, Anna?

Anna: Nein, niemals.

Otto: Nun; Herr Abel in Berlin ist ein reicher Mann. Im Sommer ist er

nie in Berlin. Er reist (= geht) nach Wiesbaden oder Homburg oder in

die Schweiz oder in ein Seebad. Eines Sommers war er in

Norderney. »O,« denkt Herr Abel, »ich bin in Norderney, und London ist

nicht weit von hier; ich will London sehen.« Herr Abel reist nach

London, kommt in ein feines Hotel und schreibt seinen Namen in das

große Buch: »B. Abel aus Berlin,« mit englischen Buchstaben: {B.

A-b-e-l}. Man liest seinen Namen: B. Ebel. -- Herr Abel sagt: »Man

spricht meinen Namen nicht recht; ich werde meinen Namen B. Ebel

schreiben,« und Herr Abel schreibt: {B. E-b-e-l}. Da liest man den

Namen: B. Ibel. »Gut,« sagt Herr Abel, »ich will meinen Namen B. Ibel

schreiben,« und schreibt {B. I-b-e-l} und da liest man ihn:

B. Eibel. Er schreibt seinen Namen nun: {B. E-i-b-e-l}, da liest man

wieder: B. Ebel wie im Beginn. »O, o,« sagte Herr Abel, »was für ein

Land! Hier kann man nicht einmal meinen Namen recht sprechen! Hier bleibe

ich nicht!« und nicht lange, so war Herr Abel wieder auf dem

Dampfboote nach Deutschland.

Louis: Und wir müssen auch gehen. Es ist spät.

Otto: Ja, es ist spät.

Bella: Otto, vergessen Sie morgen nicht, Ihr Gedicht von Hoffmann von

Fallersleben zu bringen.

* * * * *

Bella: Hui! Das ist heute schlechtes (= nicht gutes) Wetter!

Anna: Und wie trüb der Himmel ist!

Louis: Sehen Sie hier, wie das Wasser von mir tropft.

Otto: Das ist ein Regen, so habe ich lange, lange keinen (= Regen)

gesehen.

Anna: Louis, haben Sie keinen -- o, was ist das Ding, das gut ist im

Regen?

Otto: Ein Ding, das gut ist im Regen? Ich weiß nicht, was Sie meinen,

Anna.

Anna: Ich halte das Ding so über den Kopf. Sehen Sie, so!

Otto: Ah, so; das Ding ist ein Regenschirm.

Louis: O ja; wir, das ist mein Bruder und ich, waren bei unserm

Cousin; da begann es zu regnen. Cousin Karl gab uns seinen

Alpakaschirm; aber der Schirm ist zu klein für zwei Personen.

Anna: Sie werden sich erkälten, Louis.

Louis: O nein, das schadet mir nichts (= das ist nicht böse für mich).

* * * * *

Otto: Da fällt mir eine Anekdote von Cherubini ein.

Louis: Was ist das: »Da fällt mir ein«?

Otto: »Da fällt mir eine Anekdote von Cherubini ein,« dafür kann ich

auch sagen: »Da muß ich an eine Anekdote von Cherubini denken.« Wenn

ich sage: »Sein Name fällt mir nicht ein,« so ist das: »Ich kann nicht

an seinen Namen denken, ich kann seinen Namen nicht finden.«

Louis: Ich verstehe, Otto; danke.

Anna: Ist Cherubini nicht ein italienischer Komponist?

Otto: Ja wohl, Cherubini ist ein italienischer Komponist.

Bella: Er ist aber nicht so groß wie Beethoven.

Otto: O nein. Also, die Anekdote: Cherubini ging (ich gehe, ich ging,

ich bin gegangen) eines Tages (= an einem Tage) aus seinem Hause. Er

mußte in das Opernhaus. Es regnete (es regnet, es regnete, es hat

geregnet) und Cherubini nahm (ich nehme, ich nahm, ich habe genommen)

seinen Regenschirm. Ein reicher Freund des Komponisten kam in einem

feinen Wagen und sah Cherubini. Er ließ den Wagen halten und sagte:

»Herr Cherubini, das ist ein böses Wetter. Ihr Weg zum Opernhaus ist

lang, kommen Sie in meinen Wagen; mein Haus ist nicht fern von hier,

ich kann gehen.« Der Freund stieg (= kam) aus dem Wagen. Cherubini

stieg hinein (= in den Wagen). »Borgen (= geben) Sie mir Ihren

Regenschirm, Herr Cherubini,« sagte der Freund. [IV-8]»Meinen Schirm?

nein, meinen Schirm gebe ich nicht aus meiner Hand,« -- sprach der

Komponist. Die Equipage rollte fort, und der gute Freund stand in

Sturm und Regen.

Bella: Große Männer sind oft in böser Laune (= Humor). So war es auch

oft mit Beethoven.

* * * * *

Louis: Meine Damen, mein Bruder Otto hat gestern Abend das Gedicht von

Hoffmann von Fallersleben mit mir studiert. Wollen Sie es von mir

hören?

Anna: Bitte, Louis.

Bella: O, ja, ja.

Louis: Soll ich beginnen? Ja? und wenn ein Wort kommt, das Sie nicht

verstehen, so sagen Sie: Halt! Nicht wahr, Anna?

Anna: Sehr wohl.

Louis: Wer hat die schönsten Schäfchen?

Die hat ---- ---- ---- ----

Anna: Halt, Louis, halt! Schäfchen? Was ist das?

Louis: Schäfchen ist ein kleines Schaf, Lämmchen ist ein kleines Lamm,

und Häuschen ist ein kleines Haus. Ist das nicht recht, Otto?

Otto: Ganz recht, Louis.

Bella: Ist die Endsilbe »c_h_e_n« dasselbe, wie die Endsilbe »l_e_i_n«?

Otto: Ja wohl. Sie können von einem kleinen Baume sagen: Bäuml_e_i_n

und Bäumc_h_e_n und von einer kleinen Rose: Rösl_e_i_n und Rösc_h_e_n.

Bella: Ah, ich verstehe.

Otto: Im Deutschen ist ein Wort: »Was H_ä_n_schen nicht lernt, lernt

Hans nimmermehr.[IV-9]«

Bella: Ich verstehe: »Hans«[IV-10] ist ein Name, nicht

wahr?

Otto: Ja, mein Fräulein; noch eins möchte (= will) ich sagen. Sie

sagen: D_i_e Rose, d_e_r Baum, aber Sie sagen nicht: d_i_e Röslein,

d_e_r Bäumchen; Sie sagen: D_a_s Röslein; d_a_s Bäumchen.

Bella: Ist »das« vor a_l_l_e_n W_ö_r_t_e_r_n mit c_h_e_n und l_e_i_n?

Otto: Ja, so ist es.

Louis: Die hat der goldne Mond

Der hinter uns ---- ---- ----

Anna: Halt! H_i_n_t_e_r.

Louis: Hinter -- hinter. Ich weiß es; aber ich kann es Ihnen nicht im

Deutschen sagen. Otto, bitte, hilf mir!

Otto: Anna, ist der Mond immer am Himmel?

Anna: Nein, er ist nicht immer am Himmel.

Otto: Warum können Sie den Mond oft nicht sehen wenn er am Himmel ist?

Warum nicht?

Anna: Weil das Wetter oft nicht klar ist.

Otto: Und weil ein Haus vor dem Monde ist, oder ein Baum oder viele

Bäume, nicht wahr?

Anna: Ja.

Otto: Nun wohl. Das Haus und die Bäume sind v_o_r dem Monde; der Mond

ist h_i_n_t_e_r dem Hause und h_i_n_t_e_r den Bäumen.

Anna: O ja, ich verstehe es; im Englischen ist es dasselbe Wort --

{behind}.

Louis: Der hinter unsern Bäumen

Am blauen Himmel wohnt.

Sie verstehen das Wort »wohnt«; nicht wahr? Ich wohne in der

5. Avenue; der Präsident wohnt in Washington, und der deutsche Kaiser

wohnt in Berlin. So, das ist der erste Vers; nun kommt der zweite:

Er kommt am späten .....

Anna: Späten? Was ist spät? Ich habe das Wort schon gehört, aber ich

habe es vergessen (ich vergesse, ich vergaß, ich habe vergessen). Was

ist spät?

Louis: Spät ist nicht früh; früh ist nicht spät. Wenn ich zehn Minuten

nach z_w_ö_l_f komme, dann komme ich s_p_ä_t; und komme ich zehn

Minuten v_o_r zwölf, dann komme ich f_r_ü_h.

Anna: O ja, nun weiß ich es wieder.

* * * * *

Louis: Er kommt am späten Abend,

Wenn alles schlafen will,

Hervor aus seinem Hause

Zum Himmel leis und still.

Anna: Was ist das Wort »leis«?

Otto: Es ist richtiger (= besser) zu sagen: Was b_e_d_e_u_t_e_t das

Wort »leis«?

Anna: Was bedeutet das Wort »leis«?

Louis: Mein Bruder Otto sagte mir: »Leis ist nicht laut; laut ist

nicht leis.« -- »Leis« ist hier ein Synonym von »still.« Die Katze

geht leise, und der Dieb geht leise, wenn er stiehlt.

Bella: Aber, Louis, der Dichter (= Poet) will nicht sagen, daß der

Mond wie ein Dieb geht? das ist nicht schön, nicht wahr? Der Dichter

meint (= will sagen): »Der Mond kommt so still, daß wir alle schlafen

können; er will uns nicht wecken.«

Otto: Ganz recht, mein Fräulein.

Anna: »Hervor aus seinem Hause.« Hat der Mond ein Haus am Himmel?

Otto: Nein; aber der Poet denkt so. In der Prosa sagen wir das

nicht. Dieses ist aber keine Prosa. Dieses ist Poesie.

* * * * *

Louis: Darf ich nun den dritten Vers beginnen?

Anna: Bitte, Louis, bitte.

Louis: Dann weidet er die Schäfchen .....

Anna: Halt, Louis! Halt! Was bedeutet das Wort »weidet«?

Louis: »Er weidet« ist hier: »Er bringt.« Der Schäfer bringt die

Schafe und die Lämmer an den Bach und auf die Wiese, wo das Gras

ist. Der Schäfer weidet die Schafe.

Dann weidet er die Schäfchen

Auf seiner blauen Flur .....

Anna: Die »blaue Flur,« ist das der Himmel?

Otto: Das ist der Himmel. Das ist wieder poetisch. Auf der Erde ist

die Flur grün, denn das Gras ist grün; aber am Himmel ist die Flur

blau.

Louis: Denn all die weißen Sterne

Sind seine Schäfchen nur.

Studien und Plaudereien. First Series · 第 19 / 55 题