_Zarncke. Marie._ Später _Lenchen_
·Zarncke·
Miezelchen!
·Marie·
Verzeih schon, Vaterchen. Es ist wohl der Frühling. Der macht einem
Kopf und Glieder so schwer.
·Zarncke·
Ja, ja, es is der Frühling ... Selbst ich alter Knochen spür' ihn.
Willst nich was essen? Wart, ich bring' dir. Der Doktor hat gesagt, du
sollst eine sitzende Lebensweise führen, also führe du eine sitzende
Lebensweise. (Setzt den Teller vor sie hin und nimmt ein Brötchen) Ganz
lecker! Magst du das Frauenzimmer eigentlich?
·Marie·
Ach Gott!
·Zarncke·
Ich hab' sie so lieb, weil sie mich so hübsch anschwindelt. Bißchen
Kuddelmuddel muß sein um einen 'rum, sonst weiß man gar nich, daß
man lebt ... Jetzt läuft sie auch hinter dem Göttlingk her. Darum
der Haß auf die Lore ... Ja, der Frühling! ... Und mit dem Arbeiten
gar da geht's bei allen nich ... Sie pfeifen die Sonne an, und wenn
sie Mittags auf den zwei Richtscheiten liegen, dann sind sie nich
hochzukriegen. (Seufzend) Junges Volk! ... Übrigens, du! Zu der Amsel
auf dem Kantinendach hat sich ein Weibchen gefunden.
·Marie· (freudig)
Ach! Gott sei Dank. Dann wird sie sich nich mehr die Seele aus dem
Leibe schreien ...
·Zarncke·
Andere Leut' schweigen sich die Seele aus dem Leibe.
·Marie· (betroffen)
Wie meinst du das?
·Zarncke·