Mit einer vom Verfasser gezeichneten Verbreitungskarte

Zusammenstellungen sowohl der Säuger wie auch der Kriechtiere

und Lurche einer Gegend stoßen auf mannigfache Schwierigkeiten,

sobald der Bearbeiter dieser Tiergruppen nicht etwa schon

auf eine vieljährige eigene Beobachtungstätigkeit in

dieser Gegend zurückblicken kann oder ihm nicht wenigstens

in den Untersuchungen früherer Beobachter das notwendige

Quellenmaterial zur Verfügung steht. Denn bei diesen

Tiergruppen handelt es sich zu einem großen Teile um Arten,

die sich dem beobachtenden Auge nur selten frei darbieten und

die sich auch nicht durch ihnen eigene, charakteristische

Stimmlaute verraten. Es sind vielmehr recht schweigsame oder

überhaupt völlig stumme Tiere, die ihre sie gut bergenden,

vielfach unterirdischen Schlupfwinkel nur zu gewissen

Tageszeiten, oft nur während der Nacht, oder bei besonderen

Wetterlagen verlassen und dem das Gelände durchstreifenden

Menschen gegenüber eine Empfindlichkeit und Scheu bekunden,

daß manchesmal schon ein ziemliches Maß von Geschicklichkeit

und eine lange Erfahrung dazu gehören, um sie zu Gesicht

zu bekommen oder wenigstens auf eine andere Weise ihr

Vorhandensein festzustellen.

Ihre Vertreter an einem Orte restlos zu erfassen, erfordert

daher, wie bereits angedeutet, eine viel längere Beschäftigung

mit ihnen und von der Erforschung anderer Tiergruppen

abweichende und oft viel umständlichere Methoden. Aber

auch dann noch sind viele Feststellungen stark vom Zufall

abhängig. Der Erforscher dieser Tiergruppen ist daher trotz

der verhältnismäßig geringen Artenzahl, die in Frage kommt,

auf die Mitarbeit weiterer interessierter Kreise und auf die

Feststellungen angewiesen, die vielleicht vor ihm andere

schon gemacht haben. Kann er das zu untersuchende Gebiet nur

mehr gelegentlich besuchen, fehlen ihm die seine Tätigkeit

unterstützenden Mitarbeiter und mangelt es schließlich auch

noch an Vorarbeiten und älteren Überlieferungen über das in

Frage kommende Gebiet, so wird bei allem Bemühen, eine allen

Erfordernissen gerecht werdende Darstellung zu liefern, diese

doch immer Lücken aufweisen müssen, die meistens nur allmählich

und oft auch erst durch andere ausgefüllt werden können.

Das im letzten Satz Gesagte gilt ganz besonders für meine

nachfolgende Zusammenstellung der Säugetiere, sowie der

Kriechtiere und Lurche des Plauenschen Grundes. Gerade das

Gebiet, dem sie gewidmet ist, ist in bezug auf seine höhere

Tierwelt auffallend arm an brauchbaren, älteren faunistischen

Untersuchungen; die wenigen, zerstreut hier und da im

Schrifttum enthaltenen Mitteilungen erstrecken sich entweder

auf das dem Grunde ehemals in reichstem Maße eigen gewesene

Jagdwild oder sind, wenn sie einmal auch eine andere Tierart

nennen, doch so dürftig und vielleicht auch nicht ganz

einwandfrei, daß sie mehr als nur bescheidene Einzelzüge für

das im nachfolgenden entworfene Bild nicht zu liefern imstande

waren.

* * * * *

Das heutige Bild der Tierwelt des Plauenschen Grundes bedingen zwei

Faktoren: die Kultursteppe, die die Höhen einnimmt, in die der Grund

eingesenkt ist, und die zum Teil auch über die Hänge bis auf den

Talboden sich herabzieht, und die Ansiedelungen des Menschen, die in

fast lückenloser Folge längs der das Tal durchfließenden Weißeritz sich

erstrecken. Der Wald, heute nur noch in spärlichen Resten vorhanden und

zudem noch stark vom Menschen beeinflußt und umgestaltet, ist für unser

Gebiet von nur noch untergeordneter Bedeutung.

Ehedem freilich war es anders. Als die Ortschaften des Plauenschen

Grundes noch kleine, unbedeutende, kaum gekannte Dörfer waren, nahmen

der Wald und die waldähnlichen Formationen einen ganz anderen Raum

im Grunde ein und drückten auch der Tierwelt ihren Stempel auf.

Die jagdbaren Tiere vor allem waren es, die dem faunistischen Bild

des Gebietes das Gepräge verliehen und die dem Grunde schon damals

zu einer gewissen Bedeutung verhalfen dadurch, daß sie Ursache zu

landesherrlichen, oft von großer Prunkentfaltung begleiteten Jagden

wurden. Sorgsam wurden dem Wildstand alle Störungen ferngehalten

und seinetwegen sogar 1712 einem geplanten Straßenbau durch den

Grund die landesherrliche Genehmigung versagt. Der _Rothirsch_ und

das _Wildschwein_ waren die vorherrschenden Vertreter des jagdbaren

Wildes; der erstere hat sich im Grunde bis weit ins 19. Jahrhundert

hinein gehalten, während das der Feldwirtschaft oft so schädlich

werdende Schwarzwild wohl aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus

noch vor dem Rotwild ausgerottet wurde. Zusammen mit den beiden eben

genannten Jagdtierarten bevölkerten ehedem auch die in ihrem Vorkommen

in erster Linie ja vom Großwild abhängigen größeren Raubsäugerarten

unser Gebiet. Am ehesten und sehr frühe schon, lange bevor im übrigen

Sachsen sie das Schicksal ereilte, mögen von ihnen _Bär_, _Wolf_ und

_Luchs_ verschwunden sein, und ebenfalls früher als in anderen Teilen

des Landes dürfte ihnen die sich freilich länger gehaltene _Wildkatze_

nachgefolgt sein[49].

Von dem einstigen Wildreichtum des Plauenschen Grundes ist uns nur

im _Reh_, dem vorwiegend die Feldmarken bevölkernden _Hasen_ und

dem bei uns allerdings erst eingeführten _Kaninchen_ ein schwacher

Abglanz erhalten geblieben. Auch von den Raubsäugern kenne ich aus

dem Grunde nur noch die drei kleinsten Arten: den _Iltis_, das

_Hermelin_ und das _Kleine Wiesel_, nehme aber an, daß neben ihnen

auch noch der _Steinmarder_ vorkommt, während für seinen Vetter, den

auch anderwärts bedeutend seltener gewordenen (im Pelze kostbareren)

und im Gegensatz zu dem auch die Ortschaften besuchenden Hausmarder

auf den Wald beschränkten _Baummarder_ die Existenzbedingungen viel

ungünstigere geworden sind. Ob Meister Reinecke, der _Fuchs_, der dank

seiner großen Schlauheit auch in bevölkerten Gegenden noch immer seine

Rechte ans Leben zu behaupten vermag, im eigentlichen Grunde selbst

noch beheimatet ist – die Möglichkeit hierfür liegt ja in den von den

Höhen in den Grund herabreichenden Waldgebieten noch vor –, entzieht

sich meiner Kenntnis; daß er aber zum mindesten aus den Waldgebieten

der Nachbarschaft in unser Gebiet noch einwechseln und Gastrollen

geben kann, sagten mir seine Fährten, die ich an einem Wintermorgen vor

einigen Jahren zwischen Deuben und Coßmannsdorf feststellen konnte.

Ähnlich wie mit dem Fuchs mögen die Verhältnisse auch in bezug auf den

_Dachs_ liegen, von dessen ehemaligen Heimatsrechten im Grunde das bis

vor etwa zwanzig Jahren bezeugte Vorkommen am Burgwartsberge redet.

Der Dachs wird meistens als eine aussterbende Tierart bezeichnet,

ob aber immer mit Recht, wage ich noch zu bezweifeln. Er ist heute

noch im ganzen Lande verbreitet, allerdings nirgends häufig, ist dies

trotz seines früher stärkeren Bestandes aber auch niemals gewesen

oder zum mindesten doch – die auf uns überkommenen Abschußlisten aus

früheren Jahrhunderten reden hier wohl die deutlichste Sprache –

überall weit spärlicher vorgekommen als z. B. der viel zahlreichere

Fuchs. Mit der Feststellung dieser Tatsache soll allerdings durchaus

nicht den leider noch recht häufigen und oft überaus rücksichtslosen

Nachstellungen des Dachses das Wort geredet werden; sie verurteile

auch ich aufs schärfste, zumal sie sich auch kaum aus wirtschaftlichen

oder jagdlichen Gründen rechtfertigen lassen. Der _Fischotter_ dürfte

wohl endgültig aus dem Plauenschen Grunde verschwunden sein und

auch nicht mehr als gelegentlicher Gast in ihm einwechseln; seitdem

die Weißeritz Fabrikwasser geworden ist, hat sie aufgehört, für ihn

die einst reich spendende Nahrungsquelle zu sein. Sein Vorkommen im

Grunde ist bereits aus frühgeschichtlicher Zeit durch Funde aus der

Heidenschanze zu Coschütz belegt, die uns übrigens auch einen der

wenigen vorgeschichtlichen _Biber_reste aus Sachsen überliefert hat.

Viel bezeichnender als die eben genannten, der Jagd unterliegenden

Tiere, sind für das Bild der Säugetierwelt des Plauenschen Grundes

heute eine Anzahl von der Kultur begünstigter und geförderter,

allerdings meist kleinerer und sich daher, trotzdem sie meistens

recht lästige Kulturschädlinge sind, viel mehr der Aufmerksamkeit

der großen Menge entziehender Arten. Das Kulturgelände: die von den

Höhen herab ins Tal sich erstreckenden Feldmarken, die dazwischen

eingeschobenen und im Tale häufigeren Wiesenflächen sowie die Gärten

in ihren verschiedenen Formen bewohnen der _Maulwurf_, die _Feld-_ und

die durch den schwarzen Rückenstreifen gekennzeichnete _Brandmaus_,

sowie die _Mollmaus_ oder _Wühlratte_, die sich allerdings gleich

häufig auch am Wasser einstellt und in unserem Gebiet (vielleicht nicht

allzuhäufig) daher auch die Ufer der Weißeritz bewohnt. Hinter ihnen

bleiben einige andere Arten, wie z. B. die nach meinen Erfahrungen in

Sachsen auch sonst nicht allzuhäufige _Feldspitzmaus_, an Zahl zurück

oder harren noch ihrer zweifelsfreien Feststellung. Das gilt vor

allem für die zierliche _Zwergmaus_, einem Kleinsäugetier, das einmal

gern die Riedgrasbestände der (unserem Grunde allerdings fehlenden)

Teichgebiete besiedelt und zum anderen ein ganz bezeichnender, nach

der Ernte auch in den Scheunen sich einstellender Feldbewohner ist

und in dieser Eigenschaft wenigstens auch dem Plauenschen Grunde

angehören könnte. Ferner für die _Erdmaus_, die sich ebenfalls wieder

gern an feuchten Stellen: an Teichen und Wassergräben aufhält, aber

auch – wie ich es aus Westsachsen kenne – die Felder besiedelt, und

für die _Kurzohrmaus_, einem Tier von ausgesprochen unterirdischer

und nächtlicher Lebensweise, das um die Mitte des verflossenen

Jahrhunderts zweimal aus unserem Vaterlande erwähnt wurde, seitdem

aber verschollen war und erst neuerdings wieder von mir aufgefunden

und an verschiedenen Orten Sachsens nachgewiesen werden konnte. Sein

Vorkommen auch in unserem Gebiete halte ich für sehr wahrscheinlich.

Ein Feldbewohner ist schließlich auch der _Hamster_ und wenigstens für

die höher gelegenen Landschaften, in die unser Grund eingesenkt ist,

auch keine seltene Erscheinung. Die Südgrenze des Verbreitungsgebietes

des Hamsters in Sachsen (siehe Karte) kreuzt den Grund in seinem

westlichsten Teile, sie verläuft dann südostwärts nach der Pirnaer

Pflege zu und überschreitet dort, sich wieder nördlicher wendend, die

Elbe. Der Nager dürfte wohl auch, wie ich im Zusammenhange mit anderen

Fragen der Tierverbreitung noch darzulegen gedenke, dem Gebiete (den

Talgrund dabei allerdings ausgeschlossen) im Gegensatz zu verschiedenen

anderen Teilen Sachsens, seit frühesten Zeiten angehört haben und zu

seinen alteingesessenen, wahrscheinlich aus der Steppenzeit des Landes

zurückgebliebenen Tieren gehören.

[Illustration: _Die Verbreitung des Hamsters in Sachsen_]

In den Ortschaften des Grundes kommen neben den im Winter das

Freie mit dem Aufenthalt in Gebäuden vertauschenden Mäusearten als

ständige und dabei wohl immer als lästig empfundene Hausbewohner die

_Hausmaus_, die weit spärlichere _Hausspitzmaus_ und die bitterlich

gehaßte _Wanderratte_ vor. Ob die (schwarzgefärbte, langschwänzige

und großohrige) _Hausratte_, die als die eingesessene deutsche

Rattenart durch die (kurzschwänzige und kleinohrige, graubräunliche

bis rostfarbene) Wanderratte verdrängt worden sein soll, auch im

Plauenschen Grunde wieder ihren Einzug gehalten hat, nachdem wir sie

seit Kriegsende wieder in zunehmender Häufigkeit zusammen mit der

zuerst von mir nachgewiesenen, in den Mittelmeerländern beheimateten

_Ägyptischen_ oder _Dachratte_ beobachten, habe ich bisher noch nicht

erfahren können; sowohl die Haus- wie auch die Dachratte dürften,

wenn dies bisher ja noch nicht der Fall sein sollte, in absehbarer

Zeit jedoch ihr Vorkommen auch hierher ausdehnen. – Der ebenfalls dem

Plauenschen Grunde angehörende _Igel_ besucht gleichfalls gern die

menschenbewohnten Ortschaften von noch nicht geschlossener Bauart; er

stellt sich dabei vor allem in den größeren, baum- und gebüschreichen

Gärten ein, Scheunen und leerstehende Schuppen als Winterquartiere

beziehend, und wird dann durch seine Nachstellungen schädlichen

Kleingetieres oft recht nützlich.

Die im Grunde noch vorhandenen, von seinen Hängen sich herabziehenden

Wald- und Gebüschpartien endlich bieten dem besonders zur Obstzeit

auch die Gärten aufsuchenden _Eichhörnchen_, der auch auf den Feldern

in größerer Zahl sich einstellenden (vom Landmann ihrer weiten

Sprünge wegen oft als »Springmaus« bezeichneten) _Waldmaus_, der

_Waldwühlmaus_ und der wiederum spärlicheren _Waldspitzmaus_, Wohn-

und Tummelplätze. Ob auch die _Zwergspitzmaus_, das kleinste der

deutschen und nicht immer ganz leicht festzustellende Säugetier, das

ebenfalls ein Waldbewohner ist, unserem Gebiete angehört, bedarf

noch der Feststellung, ebenso wie auch das Vorkommen der mir aus

dem Grunde noch nicht bekannt gewordenen, ihm wahrscheinlich aber

doch angehörenden _Wasserspitzmaus_. Völlig im Ungewissen sind wir

heute über das Vorkommen der _Schlafmäuse_, jener gewissermaßen das

Zwischenglied zwischen den Mäusen und dem Eichhörnchen bildenden,

baum- und gebüschbewohnenden Nager. Der Grund wird im Schrifttum

als ehemaliger Fundort des _Siebenschläfers_ erwähnt; doch habe ich

früher schon an anderer Stelle darauf hingewiesen, daß es sich bei

diesen Angaben wahrscheinlich gar nicht um den Genannten, sondern um

seinen etwas kleineren Vetter, den _Gartenschläfer_, handeln dürfte,

eine Annahme, die inzwischen bestätigt worden ist durch eine ältere

Literaturangabe. In einem 1833 ohne Angabe des Verfassers erschienenen

Führer durch den Plauenschen Grund (Schrifttum Nr. 23) nämlich wird

als im Grunde vorkommend »_~Myoxus nitela~_, die große _Haselmaus_« (=

Gartenschläfer) genannt. Neuere Schlafmausangaben fehlen jedoch völlig,

und auch eigene Nachforschungen nach ihrem Vorkommen sind bisher

vergebliche gewesen; die Möglichkeit des Vorhandenseins der einen oder

anderen Art dieser ja ausgesprochen nächtlich lebenden und sich daher

nur allzuleicht der Feststellung entziehenden Tiere, besonders auch der

kleinsten Art, der anmutigen _Haselmaus_, besteht jedoch auch heute

noch.

Gering sind endlich auch unsere Kenntnisse über die dem Plauenschen

Grunde eigenen Fledermäuse. Sie sind diejenigen der vaterländischen

Säuger, über deren Verbreitung im Lande auch sonst die Angaben nur

spärlich fließen und die mir daher schon seit Jahren wirkliche

Sorgenkinder bei meiner Bearbeitung der sächsischen Säugetierfauna

sind. Mitteilungen über sie erhält der Faunist fast gar nicht, und

wenn ihm ja einmal einige kurze Angaben zur Verfügung gestellt werden,

so beziehen sich diese auf die häufigeren und zu erwartenden Arten,

oder sind so ungewiß und dürftig, daß sich kaum etwas aus ihnen

entnehmen läßt. Angaben aus dem Plauenschen Grunde über Fledermäuse

liegen nirgends vor und auch eigene Erfahrungen über das Vorkommen

dieser Tiere stehen mir fast gar nicht zu Gebote. Zieht man die

Angaben, die wir aus der Dresdner Umgebung über unsere Tiere besitzen,

zu Rate und berücksichtigt man dabei auch ihr Allgemeinvorkommen, so

kann man als wohl sicher in unserem engeren Gebiete vorhanden die

_Spät-_ und die _Frühfliegende_, die _Großohrige_, die _Gemeine_ und

die _Zwergfledermaus_ annehmen und mit großer Wahrscheinlichkeit

noch auf das Vorkommen einiger anderer Arten, wie der _Kleinen

Hufeisennase_, der _Mopsfledermaus_, der _Zweifarbigen Fledermaus_ usw.

schließen.

* * * * *

Wie die Säugerfauna, so ist auch die Kriechtier- und Lurchfauna des

Plauenschen Grundes nur noch ein bescheidener Abglanz eines reicheren

Einst; sie ist trotz der Lage des Grundes in einer viel artenreicheren

Umgebung nicht nur eine der artenärmsten Sachsens, sondern steht

auch hinsichtlich der zahlenmäßigen Häufigkeit der wenigen ihm noch

verbliebenen Vertreter aus dem Kriechtier- und Lurchgeschlecht weit

hinter den meisten anderen sächsischen Landschaften zurück.

Von insgesamt acht in Sachsen beheimateten Kriechtieren, von denen

sieben auch in der weiteren Dresdner Umgebung festgestellt worden sind,

und von den fünfzehn, die sächsische Lurchfauna zusammensetzenden

Arten, die bis auf nur eine auch der Dresdner Gegend angehören, kenne

ich persönlich als sicher im Plauenschen Grunde vorkommend nur drei

Kriechtier- und sechs Lurcharten. Es sind dies die _Ringelnatter_,

die _Blindschleiche_ und die _Zauneidechse_, der _Grasfrosch_, die

_Erdkröte_ und der _Laubfrosch_, sowie der _Kamm-_, der _Berg-_ und der

_Teichmolch_. Jedoch halte ich es für recht wahrscheinlich, daß sich

diese sehr bescheidene Liste doch noch durch die eine oder andere Art

erweitern läßt. Von Schlangen halte ich die in dem oben von mir schon

erwähnten Führer genannte _Glatte Natter_ für höchstwahrscheinlich als

auch heute noch in unserem Gebiete vorhanden; sie ist in der gesamten

Dresdner Umgebung nicht selten und als eine Bewohnerin vorwiegend

trockener und steiniger, gut bewachsener Örtlichkeiten vor allem an

den Elbtalhängen und der ihrer Nebentäler zuhause und besonders in

alten auflässigen Steinbrüchen, in Weinbergen und an ähnlichen Orten

anzutreffen. Auch der Plauensche Grund birgt trotz seiner dichten

Besiedlung doch hier und da noch Stellen, die unserer Art zusagen

würden und an denen man sie finden könnte; ihre Feststellung bei

nur gelegentlichen Besuchen des Gebiets ist ja immer nur mehr oder

weniger von allerlei Zufällen abhängig. Auch die ebenfalls in dem

genannten Führer aufgeführte _Kreuzotter_, in deren sächsischem

Verbreitungsgebiet der Plauensche Grund noch liegt, und die sich von

der Südgrenze des Landes an längs der Elbe bis unterhalb Meißen

verbreitet, stellenweise aber nur spärlich ist, hätte hier und da

an den Talhängen des Grundes noch manchen Platz für ihr Vorkommen,

wennschon unter den zahlreicheren neueren Angaben, die ich über das

Vorkommen der einzigen Giftschlange unseres Vaterlandes besitze, sich

keine einzige aus unserem Gebiete mehr befindet. Wenn sie dem Grunde

heute fehlen sollte, so geht ihr Nichtvorhandensein bestimmt auf die ja

ungewöhnlich rasch vor sich gegangene Ausdehnung der Ortschaften des

Grundes und die starke Inanspruchnahme seines Bodens durch die Kultur

zurück. Den eben genannten Vorgängen ist sicher auch die _Berg-_ oder

_Waldeidechse_ erlegen, eine die Feuchtigkeit liebende, Sümpfe und

Moore, nasse Wiesengründe und feuchte Waldstellen besiedelnde Art, für

die ehedem im Grunde alle Bedingungen des Vorkommens gegeben waren.

Die Bergeidechse ist eine ganz ausgesprochene Kulturflüchterin und in

ihrem heute in Sachsen vielfach in kleine isolierte Einzelvorkommen

zerrissenen Verbreitungsgebiet spiegelt sich zweifellos die in unserem

Vaterlande ja so intensive kulturelle Inanspruchnahme des Bodens

wieder; die Verbreitung des Tieres im Lande ist ohne allen Zweifel in

der Vergangenheit eine viel lückenlosere gewesen als heute.

Von den Froschlurchen sind im Plauenschen Grunde heute noch häufig

der _Grasfrosch_ und die _Erdkröte_, während der _Laubfrosch_ weit

spärlicher vorkommen dürfte. Für den _Wasser-_ oder _Teichfrosch_

dürften heute die größeren stehenden Gewässer fehlen, und auch der

_Moorfrosch_ findet in unserem Gebiet ebenfalls nirgends mehr jene

feuchten Stellen, die er verlangt. Vorhanden sein könnte aber noch die

prächtige _Grüne_ oder _Wechselkröte_, die in der gesamten Dresdner

Umgebung nicht selten ist, wennschon die Bedingungen für sie im Grunde

keine allzu günstigen mehr sein mögen. Bestimmt fehlen dürfte ihm

aber die dritte der heimischen Echten Kröten, die _Kreuzkröte_, deren

Vorkommen in der Dresdner Gegend wohl mehr nach dem Osten zu liegen

scheint und sich von hier weiter nach der Lausitz zu fortsetzt. Die

_Knoblauchskröte_, ebenfalls in der Dresdner Pflege nicht selten,

kenne ich aus dem Grunde nicht, und ebenso ist mir aus ihm auch die

_Rotbauchunke_ noch nicht bekannt geworden.

Die Schwanzlurche sind durch drei Arten vertreten, oder mir wenigstens

aus der Zeit vor dem Kriege bekannt geworden. Es sind der _Kamm-_, der

_Berg-_ und der _Teichmolch_, in denen der Plauensche Grund wenigstens

für eine Familie deren sämtliche sächsische Vertreter besitzt. Fehlen

dürfte ihm heute aber wohl wieder der schöne _Feuersalamander_, den

schon sehr alte Schriftsteller für das Tharandter Waldgebiet aufführen,

in dem er ja auch heute noch ebenso wie in einer Anzahl bewaldeter

Nebentäler der Elbe verbriefte Heimatsrechte besitzt.

* * * * *

Meine vorstehende Aufzählung der Säuger sowie der Kriechtiere

und Lurche des Plauenschen Grundes nennt fast mehr fehlende als

ihm eigentümliche, oder doch zum mindesten in ihm noch nicht

nachgewiesene Arten, und zeigt damit die Lücken, die unser

Wissen vom Vorkommen dieser Tiere im Gebiet noch aufweist.

Möchte sie dadurch zu einer Anregung werden, Fehlendes zu

ergänzen.

Für die Beurteilung eines Tiervorkommens wichtig ist ja auch

die Geschichte dieses Tiervorkommens; über unser Gebiet aber

verfügen wir über fast keinerlei ältere Angaben und sind daher

in bezug auf das Einst fast nur auf Vermutungen angewiesen. Und

auf Vermutungen müßten auch unsere Nachfahren wieder fußen,

wenn wir ihnen nicht lückenlosere Bilder, als wie sie auf uns

überkommen sind, hinterlassen würden. Und um die Mitarbeit

an der Schaffung eines derartigen Bildes bitte ich den Leser

meiner bescheidenen Darlegungen; heute vielleicht läßt sich

dieses oder jenes Vorkommen noch klarer stellen, schärfer

herausarbeiten, was vielleicht schon in wenigen Jahren die

fortschreitende Entwicklung des Grundes unmöglich machen würde.

Fußnoten:

[49] Der Bär war auch in den gebirgigen Teilen des Landes,

die ihm am längsten Unterschlupf boten, schon zu Beginn des

achtzehnten Jahrhunderts sehr selten geworden; der letzte in

Sachsen überhaupt dürfte der 1747 bei Stein im Erzgebirge

erlegte gewesen sein. In die erste Hälfte des achtzehnten

Jahrhunderts fällt auch die Ausrottung des Wolfes und des

Luchses; der letzte in Sachsen 1814 bei Dippoldiswalde erlegte

Wolf wie auch der letzte auf Hinterhermsdorfer Revier in der

Sächsischen Schweiz geschossene Luchs sind nur Überläufer

gewesen. Über ein Jahrhundert länger hat sich die Wildkatze

gehalten, deren letzte Vertreter in Sachsen um die Mitte des

verflossenen Jahrhunderts erlegt wurden.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XVI, Heft 3–6 · 第 70 / 99 题